DIE ZEIT, 6.09.1974 - Besänftigung für die Sowjets

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Friday, 6. September 1974
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DIE ZEIT, 06.09.1974 Nr. 37 - 06. September 1974 http://www.zeit.de/1974/37/Besaenftigung-fuer-die-Sowjets
Besänftigung für die Sowjets
Die Regierung will die Sowjetunion besänftigen. Also: Keine Nato-Stützpunkte, keine „strategischen" türkischen Stützpunkte auf Zypern. Ankara wird sich nicht für die britischen Militär- Stützpunkte auf der Insel oder für die amerikanischen Aufklärungsund Fernmeldeanlagen schlagen. Dem Sowjetbotschafter wurde nach der Kreml-Erklärung gegen „die fremde Einmischung und Besatzung" bedeutet, daß die Türkei ganz wie die Sowjetunion ein souveränes, unabhängiges, neutrales Zypern mit einer internationalen Garantie anstrebe. Ecevit hat im übrigen daran erinnert, daß die Türkei weder den Vereinigten Staaten noch der Nato Streitkräfte oder Gebiet für militärische Aktionen außerhalb der Nato — das heißt: im Nahen Osten — zur Verfügung stellt. Auf mehrererlei konnte er dabei hinweisen: die „Neutralität" der Türkei im Nahost-Krieg von 1973; ihre „wohlwollende" Haltung gegenüber der sowjetischen Hilfeleistung für die arabischen Staaten; die Tatsache, daß die Meerengendurchfahrt für sowjetische Kriegsschiffe und Waffentransporter offen blieb und sowjetische Transportflugzeuge Waffen und Kriegsmaterial über türkisches Gebiet auf den Kriegsschauplatz bringen konnten, die Vereinigten Staaten aber ihre Flugplätze in der Türkei nicht für diesen Zweck benutzen durften. Andererseits unterstreichen die Türken gegenüber den Amerikanern die Bedeutung ihres Landes für die Nato und für die Präsenz der 6. Flotte im östlichen Mittelmeer — besonders im Falle eines Bruchs mit Griechenland. Die prinzipielle Bereitschaft zur Zusammenarbeit auch mit Griechenland rundet die türkische Position diplomatisch ab. Was Ankara anstrebt, ist eine Balance-Politik im Bündnis mit Ost und West. Die Sowjetunion kann erkennen, daß die Führungsfigur der Türkei heute stark genug ist, um ein regionales Gleichgewicht zu erhalten und alle politische Manövrier- Freiheit zu nutzen. „Die Türkei kann, obwohl fest im westlichen Bündnis, unabhängig von der Nato und den Vereinigten Staaten, im Nahen und Mittleren Osten als eine orientalische Macht handeln, dabei im Bündnis mit Westeuropa als eine europäische Macht an der Entspannung mit der Sowjetunion teilnehmen", Diese Sätze sprach jüngst einer der höchsten Beamten des türkischen Außenamtes, vor Diplomaten. Niveau abgerutscht sein werden. Das ist der Augenblick, in dem die arabischen Milliardenbeträge die Aktienund Beteiligungsmärkte des Westens zu überfluten beginnen. Mit welcher Geschwindigkeit dieser Prozeß eintreten wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, einer der wichtigsten ist das politische Problem, Ob Arabiens neureiche ölherren Investitionen in ein Land, direkt über Aktien und Immobilien oder über Kreditfinanzierung in großem Umfang, vornehmen werden,
hängt nicht nur von Renditegesichtspunkten ab, sondern auch von politischen Umständen, Sicherheitsfaktoren, der Bereitschaft eines Landes, fremden Investoren eine gewisse Kontrolle über Teile seiner Wirtschaft zu gestatten, und der allgemeinen Einstellung den Arabern gegenüber. Ohne Zweifel sind sich die verantwortlichen Regierungsmitglieder in Tripolis, Riyad, Kuwait oder Teheran darüber im klaren, daß enge Zusammenhänge zwischen ihren Entscheidungen und diesen Kriterien bestehen. Eines der vorrangigsten Ziele arabischer Politik ist deshalb die Ausschaltung der internationalen ölkonzerne auf den ölfeldern in ihren Ländern und die enge bilaterale Bindung zwischen ihnen und den einzelnen Ölverbraucherländern. Die Strategie des Bilateralismus, die zu einer sich steigernden Abhängigkeit der Industrienationen führt, schafft die Voraussetzungen, unter denen die arabisdien Regierungen gewillt sind, sich in den einzelnen Ländern finanziell zu engagieren. Der Reisedrang westlicher Diplomaten an ihre Höfe zeigt, daß diese Phase bereits eingeleitet worden ist. Die Konsequenz dieser Entwicklung: Die Umverteilung des Wohlstandes von den Industrieländern in die arabische Welt, ist in vollem Gange. Durch die hohen Ölpreise machen sich die Herrscher einiger bevölkerungsarmer Wüstenländer die Milliardenbevölkerung Europas, Japans, Amerikas und der Dritten Welt tributpflichtig. Die Regierungen der Industriestaaten bringen sich durch ihre bilateralen Verträge in größere Abhängigkeit von den arabischen ölländern. Sobald dieser Faktor stark genug ist, um die Risiken einer direkten Geldanlage in den einzelnen Ländern des Westens zum Teil zu neutralisieren, und die augenblicklichen hohen Renditen auf den Geldmärkten zu schrumpfen beginnen, setzt die eigentliche Invasion arabischen Kapitals auch auf den nationalen Werrpapierund Immobilienmärkten ein.
ZEIT ONLINE 1974

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