DIE ZEIT, 30.10.1970 - Türken an der Spree

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Friday, 30. October 1970
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DIE ZEIT, 30.10.1970 Nr. 44 - 30. Oktober 1970 http://www.zeit.de/1970/44/Tuerken-an-der-Spree ILLEGALE EINWANDERER ÜBERSCHWEMMEN WEST-BERLIN
Türken an der Spree
JOACHIM NAWROCKI
Die Berlin-Pessimisten sind verstummt. Schon in den letzten beiden Jahren waren die Wachstumsraten der Berliner Wirtschaft überdurchschnittlich und erreichten westdeutsches Niveau; der Aufschwung der Stadt aus der Rezession widerlegte alles Gerede von einer Strukturkrise. In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden die Vorjahresergebnisse noch übertroffen. Besonders erfreut sind Senat und Wirtschaft über die Zuwanderung von Arbeitskräften, denn der leergefegte Arbeitsmarkt drohte zu einer Wachstumsbremse zu werden. Wegen der schlechten - Altersstruktur der Stadt scheiden nämlich mehr West-Berliner aus dem Berufsleben aus, als aus der WestBerliner Bevölkerungersetzt werden können. Dieses Defizit kann nur ausgeglichen werden, wenn jährlich 20 000 Arbeitskräfte mehr nach Berlin kommen als von dort fortziehen. Dieser Traum der Berliner Wirtschaftspolitiker hat sich jetzt erfüllt. In den letzten beiden Monaten ist die Zahl der Arbeitnehmer in Berlin sogar gestiegen. Es zeigt sich, daß Berlin nicht nur für Türken und Jugoslawen, sondern auch für Westdeutsche attraktiv ist. Während in den ersten neun Monaten des Jahres 1967 nur knapp' 10 000 westdeutsche Arbeitnehmer nach Berlin kamen, waren es 1968 rund 13 000, im darauffolgenden Jahr fast 22 000 und -von Januar bis September dieses Jahres 26 467. Von Ende September 1969 bis- Ende September dieses Jahres ist darüber hinaus die Zahl der ausländischen Arbeitnehmer um 23 441 auf 62 613 gestiegen. ' Im November vergangenen Jahres schrieb Rainer Waterkamp in der Zeitschrift „Deutschland Archiv": „Die Attraktivität Berlins für westdeutsche Arbeitnehmer ist also nach wie vor negativ." Die Berliner Luft, so meinte er, „wird vermutlich bald so dünn werden, daß der Berliner Wirtschaft der Atem ausgeht". Seitdem verhüllen die Propheten der Berliner Wirtschaftskrise ihr Hauot. Eine andere Fehlleistung läßt sich zwar nicht' an der Berliner Beschäftigtenstatistik, aber um so deutlicher auf dem Berliner Arbeitsmarkt erkennen. Die Zahl der illegalen Einwanderer aus der Türkei hat sich verdreifacht. Unter den registrierten ausländischen Arbeitskräften stellen die Türken mit 25 500 vor den. Jugoslawen (17 700) das größte Kontingent. .Außerdem arbeiten nach Schätzungen rund 15 030 Türken illegal in Berlin. Andere Städte, vor allem Stuttgart, haben das gleiche Problem. Der türkische Staatspräsident Sunay hat sich bei seinem Besuch in Deutschland in der letzten Woche dafür eingesetzt, daß diese illegalen ' Zuwanderer-, in 1 Deutschlandbleiben können. Die Bu'ndcsregie^. rung hat für diesen Wunsch durchaus Verständnis, zumal die Türken, die für die Reise
nach Deutschland' meist Hau« und Hof verkauft haben, nur noch in Slums leben könnten, würde man sie jetzt zurückschicken. .#• . . ' In einem Gespräch des türkischen Arbeitsministers mit der IG Metall ist deshalb von den Gewerkschaftlern der # Vorschlag in die 'Debatte geworten worden, allen Türken, die bis zum 31. Dezember dieses Jahres in Deutschland sind. Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis zu-' gewähren. Der türkische Minister nahm auf Grund eines Mißverständnisses an, eine solche Regelung sei bereits in Kraft, Sein Ministerium veröffentlichte eine entsprechende Pressemitteilung, deren Inhalt sich bei den arbeitsuchenden Türken mit Windeseile herumsprach. Sie alle möchten noch zum Jahresende in Deutschland sein. Seitdem kommenallein über den Ost-Berliner Flughafen Schönefeld —• meist in bulgarischen Flugzeugen — dreimal so viel Türken nach West-Berlin alsnoch vor wenigen Wochen — Bauern aus Anatolien, als Touristen getarnt. Joachim Nawrocki Volksschule die demütigende Lage unserer Nation seit dem „Schanddiktat" von Versailles eingeprägt worden. Um so befreiender nun das Gefühl, daß es damit vorbei war. Es ging aufwärts, und wir waren die „Garanten der Zukunft". Faktisch bedeutete das wenig, denn Familie und Schule blieben für uns letztlich bestimmend wie vordem. Aber dem wackligen Selbstgefühl der Adoleszenz kam es gelegen, den Widerstand der. Älteren als Blindheit" gegenüber der neuen Zeit abzuwerten. Unwillkürlich festigte sich damit unsere Loyalität zu Hitlers Staat. Aber gab es nicht Warnzeichen? Mein Vater, Sekretär einer Angestelltengewerkschaft, wurde bei der handstreichartigen Besetzung der Gewerkschaftshäuser durch die SA am 2. Mai 1933 auf die Straße gesetzt. Einige Zeit lief sein Gehalt noch weiter, dann ging es uns wirtschaftlich schlecht. Bald war das Schulgeld für die Kinder, die es doch weiterbringen sollten, kaum noch zu erschwingen. Eine existenzsichernde berufliche Position fand der politisch doppelt belastete Gewerkschaftler und SPD-Mannnicht. Ein Ende des Dritten Reiches, zunächst sicher erwartet, war nicht abzusehen. So entschloß er sich 1937, von den Demütigungen'der Stellungssuche zermürbt, in die NSDAP einzutreten. Er hatte sich arrangiert. Aber Hitler blieb für ihn Demagoge und Gewaltmensch: ein Unglück für Deutschland. Ich fand das inkonsequent und allzu negativ. Ich hielt es mit dem Deutschland der „nationalen Revolution". Nun gab es zwar Konzentrationslager, und in Oranienburg eines der ersten. Es wurde bald nach Sachsenhausen verlegt, in die Nähe unseres Dorfes, und es breitete sich mächtig'aus. Unser früherer Dorfbürgermeister, ein Sozialdemokrat, verschwand-nach den März-Wahlen 1933 in diesem Lager. Er kehrte nach etwa eineinhalb Jahren zurück. Er sprach nicht über die Zeit, die hinter ihm lag, und niemand fragte danach. Ich bin manchmal in der Schule zu spät gekommen, weil die Straße abgesperrt war, die vom Hans-Günter Zmarzlik, Jahrgang 1922, ist Ordinarius für Neuere Geschichte an der Universität Freiburg. „Wieviel Zukunft hat unsere Vergangenheit?" heißt sein soeben erschienenes Buch (R. Piper Verlag,
München; 281 Seiten, 16,80 DM), dem dieser gekürzte Auszug entnommen ist, ein beispielhafter Bericht über „erfahrene Geschichte" des Jahrgangs 22. Bahnhof zum Lager Sachsenhausen führte. Ich sah dann aus der Ferne, wie ein langer Zug von kahlgeschorenen Menschen über das Kopfsteinpflaster marschierte, alle in gestreifter Gewandung, auf der auffällig farbige Flecken erkennbar waren. Die Leute meinten, das gebe, ein besseres Ziel bei Fluchtversuchen. Auf mich hat dieses Schauspiel immer beklemmend gewirkt. Doch das wurde veriirängt und vergessen. Was sonst an das Lager erinnerte, war in den Alltag einbezogen. Man gewöhnte sich an das Bild der Arbeitskommandos, die in den Wäldern unter SS-Bewachung tätig waren. Hier und da wohnten SS-Familien in den Dörfern. Sie unterschieden sich nicht von anderen. Man sagte ihnen nichts nach. Ärgernis erregte dagegen die Waffen-SS, die in Oranienburg kaserniert war, weil sie die Kirche brüskierte. Ich habe miterlebt, wie ein gutes Dutzend SSSoldaten vor das Pfarrhaus marschierten, in zackiger Haltung verharrten und dem heraustretenden Pfarrherrn in höhnischem Ton meldeten: „Wir treten geschlossen aus der Juden-Kirche aus!" Derartiges machte der Kleinbürgergesellschaft Mißbehagen. Der Pfarrer blieb eine Respektsperson und gehörte ins Bild. Also drängte man innerlich die SS an. den Rand. Man sagte: „Diese jungen Leute, das sind Fanatiker. Sollen sie machen, was sie wollen; richtig ist es nicht." Aber mehr sagte man auch nicht, und man sagte es leise. Wir hatten einen jüdischen Arzt, Dr. Levi. Der galt als tüchtig, war immer freundlich und sehr beliebt. 1935 hieß es: er ist nach England ausgewandert. Wir haben ihn schnell vergessen. Ich hatte einen jüdischen Mitschüler. Sein Vater war dekorierter Frontoffizier des Ersten Weltkriegs. Er selbst, obwohl wegen Unsportlichkeit nur mäßig geschätzt, gehörte doch dazu. 1938 erschien er eines Tages nicht mehr, dafür der Direktor, um mitzuteilen, daß jener nun eine jüdische Schule in Berlin besuchen werde. Wir wußten, daß er nicht freiwillig gegangen war, und waren verstört. Aber nur einen Moment lang. Unser Direktor war Nationalsozialist. Ein „alter Kämpfer", der bald nach der Machtübernahme seine Chance erhielt. Er war nicht beliebt, aber auch nicht verhaßt. Er galt als „kleinkariert", war borniert, aber wohlmeinend. So waren viele, die damals kleine Karriere machten. Einmal stellte er mich, Obertertianer, und sagte: „Du bist doch Führer in der H], warum gehst du dann noch zum katholischen Religionsunterricht?" Ich ging nicht gern zum katholischen Religionsunterricht. Der war langweilig. Aber mich ärgerte die Anzapfung, und ich antwortete: „Herr Direktor, ich bin nun einmal katholisch, also bleibe ich dabei." Da sagte et: „Da hast du recht. Man soll seiner Überzeugung treu bleiben." Das war typisch für die Mentalität bürgerlich geprägter
Nationalsozialisten, die über jeden Opportunismusverdacht erhaben sein wollten und in der Fortexistenz der Kirchen im Grunde ein moralisches Alibi fanden. Und wo standen die Lehrer? Nur wenige waren überzeugte Nationalsozialisten, die meisten mehr oder weniger deutschnational gesinnt oder auch jugendbewegt. Die äußerste Linke im Kollegium reichte nicht weiter als bis zu einem ehemaligen Angehörigen der Deutschen Volkspartei. Er gab sich kulturell emanzipiert, wußte aber Politik von Humanität behaglich zu trennen. Er hat zum Beispiel noch .1936 im Unterricht gesagt: „Nun, Heine dürfen wir ja offiziell nicht zur Kenntnis nehmen, aber ,Belsazar', das ist ein so gutes Gedicht, das lernen wir jetzt." Doch derselbe Lehrer hat auch mit genüßlicher Freude von den Praktiken der Faschisten in Italien erzählt, politische Gegner nachts aus den Betten zu holen, ihnen die Hosen zuzubinden, Rizinus einzuflößen und sie dann stundenlang herumzujagen. Ich. fand das niederträchtig, sagte es auch. Er nannte es Gefühlsduselei, die von der harten Wirklichkeit der Politik nichts wisse. Anfang 1939 wurde zur Jahresarbeit vor dem Abitur das Thema gestellt: Der Soldat — das deutsche Mannesideal! Ich erklärte dem Deutschlehrer, der Soldat sei mein Mannesideal nicht, ich könne darüber also nicht schreiben. Er grübelte etwas und gab mir das Thema: Nationalsozialismus und Gewerkschaften. Das war unangenehm, weil als Gegenstand trocken. Doch ich hielt mich in den entscheidenden Punkten an das einschlägige Kapitel aus „Mein Kampf", halb aus taktischen Gründen, halb überzeugt, daß hier der Gewerkschaftsbewegung das richtige Schlußwort gesprochen werde. Keiner in unserer Klasse hatte „Mein Kampf" je gelesen. Auch ich hatte das Buch nur zitatweise benutzt. Wir wußten überhaupt nicht viel von der NS-Ideologie. Auch der Antisemitismus wurde uns mehr randweise, zum Beispiel über Richard Wagners Schrift „Das Judentum in der Musik" in der Schule nahegebracht — und außerhalb der Schule durch die Aushängekästen des „Stürmers" eher fraglich gemacht. Denn hier war Primitivität schon vom Niveau her beleidigend. Was uns dennoch zum Hinschauen reizte, war die pornographische Schlagseite des Blattes, eine Spezialität, die in diesem Staat sonst schwer zu haben war. Auch mit der Rassenlehre war es nicht weit her. Im Biologieunterricht bekamen wir etwas über Hans F. K. Günthers Thesen zu hören. Rassetypen wurden erklärt. Für kurze Zeit war man geneigt, die „Nordischen" unter uns zu beneiden. Aber es gab ja Entschädigungen für jeden. Ich etwa, nach Günther ein „Ost-Balte", war nicht zum Führen geboren, durfte mir jedoch Fähigkeiten im zweiten Glied zuschreiben, dazu Sprachbegabung und Musikalität — man konnte zufrieden sein. Und man nahm das alles ja auch höchstens momentan ernst. Dennoch sind wir politisch programmiert worden: auf Befehl und Gehorsam, auf die soldatische „Tugend" des Jawohl-Sagens in strammer Haltung und auf den Denkverzicht, wenn das Reizwort „Vaterland" fiel und von Deutschlands Ehre und Größe die Rede war.
An der Stirnwand der Aula, in der wir viele Führerreden als „Gemeinschaftsempfang" hörten, stand zu lesen: „Das ist die Wirkung edler Geister /Des Schülers Kraft entzündet sich am Meister. Doch schürt sein jugendlicher Hauch / Zum Dank des Meisters-Feuer auch." Das war wie eine Stimme aus einer humaneren Welt. Wir prägten's uns ein, aber es hat uns nicht geprägt. Es hatte keinen Platz neben dem Führ.erwort, das damals so häufig begegnete: „Wer leben will, der kämpfe also. Und wer nicht streiten will in dieser Welt des ewigen Rir.gens, verdient das Leben nicht." . Unsere Lehrer haben uns diese Sprache plausibel gemacht. Sie waren fast durchweg Frontkämpfer oder doch Soldaten des Ersten Weltkriegs, zum guten Teil über eine Schne.lausbildung in ihren Beruf hineingeraten. Sie varen immer bereit, den Unterricht zu unterbrechen, wenn wir sie auf ihre Kriegserlebnisse brachten, und waren dann anhaltend gesprächig über Kampfszenen und Frontkameradschaft in Sieg und Niederlage. Es schien, als hätten sie in Friedenszeiten gar nicht gelebt. Zur Pflichtlektüre im Deutschunterricht gehörte in großem Umfang Weltkriegsliteratur. Doch haben wir sie auch auf eigene Faust verschlungen. In der Regel waren es Bücher vom Schlage der „Sieben vor Verdun" oder „Gruppe Bosemüller". Hier triumphierte auch im Grauen der Materialschlacht die Frontkameradschaft, und wer starb, erhielt wenigstens noch das Eiserne Kreuz. Vereinzelt tauchten Variationen auf: der jugendbewegte Held als empfindsamer „Wanderer zwischen beiden Welten", auch der rücksichtslose Kämpfer gegen „viehische Bolschewistenhorden" oder der menschenverachtende Ritter-in technischer Rüstung der Heros des 20. Jahrhunderts als Freibeuter-Aristokrat in „Stahlgewittern". Die Ufa-Filme, teils privat genossen, teils als Gemeinschaftsempfang statt des Schulunterrichts, taten ein übriges. Wir wurden so zwar nicht Nationalsozialisten, aber doch deren williges Kanonenfutter, präpariert für den Zweiten Weltkrieg. Für Gegenstimmen blieb kein Raum. Ich hatte zum Beispiel in der häuslichen Bibliothek Remarques „Im Westen nichts Neues" gefunden, das die Akzente ganz anders setzte. Ich schlug im Deutschunterricht vor, darüber zu sprechen. Aber der Lehrer umging das heikle Thema: Das lohne sich nicht. Das sei so, als habe jemand an einem Schwimmfest teilgenommen, wo vieles erfolgreich verläuft, ein paar Sportler aber beim Sprung vom Turm sich schwer verletzten. Und das allein schildere dann dieser Autor. Diese Erklärung konnte natürlich nicht überzeugen. Aber ich habe auch nicht auf meinem Vorschlag beharrt. Denn längst waren wir alle, Lehrer wie Schüler, in den Sog der großen Erfolge des neuen Regimes hineingeraten. Uns imponierte der Machtzuwachs Deutschlands. Adolf Hitler war für uns die beeindruckende Führergestalt. Wir nahmen das Bild, das man uns anbot, für den Mann. Das schloß nicht aus, daß wir die stereotypen
Anfänge seiner Reden zum Spaß imitierten. Aber bei jeder Rede wartete man doch mit dem prickelnden Gefühl: gleich wird er einen neuen Erfolg Deutschlands bekanntgeben. Man wurde sehen enttäuscht. Gesehen habe ich Hitler nur in der Wochenschau öder als Fleck im Auto, wenn ich beim Absperren dabei oder sonst zur Stelle war. Erst am Heldengedenktag 1943, bei seinem letzten öffentlichen Auftreten, kam der große Augenblick: ich gehörte zur Ehrenkompanie der Marine, und er schritt langsam die Front ab. Der Anblick war enttäuschend. Die Schultern gekrümmt, ein bleiches gedunsenes Gesicht, das Auge schien wäßrig. Ich habe damals dieses Bild registriert, aber das Negative gar nicht an mich herankommen lassen. Der Führer stand über jeder Kritik. An Kritik fehlte es nicht. Manches geschah, was schlechthin verurteilt wurde. So das Progrom im November 1938, die „Reichskristallnacht". Man schämte sich, daß dies in Deutschland möglich war. Man sagte sich: „So etwas bei uns! Das ist eine Schande!" und dann: „Aber was soll man machen!" Hier sah sich auch der Jugendliche vom Polizeistaat umstellt, der ihn sonst wenig störte. Dann stiegen Erinnerungen auf an manchen Moment, in dem man ein Wort zuviel gesagt hatte und es nachträglich abschwächte, aus Furcht vor möglicher Denunziation. Das war demütigend. Doch da nichts passierte, vergaß man es schnell. Auch war ja das Risiko für uns Jüngere nicht allzu groß.. Denn wir bejahten den Staat und konnten glaubhaft behaupten, daß unsere Kritik sich gerade aus dieser positiven Sicht ergab,
ZEIT ONLINE 1970

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