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DIE ZEIT, 28.08.1964 Nr. 35 - 28. August 1964 http://www.zeit.de/1964/35/Zypern-NATO-Basis-oder-blockfrei
Zypern - NATO-Basis oder blockfrei
Sowjethilfe als Druckmittel - Alle Parteien wollen die Enosis
Noch im Frühjahr war die „Enosis", die Wiedervereinigung Griechisch-Zyperns mit Hellas, nicht mehr als ein Wunschtraum. Acht Monate nach Ausbruch der Krise um die Mittelmeerinsel wollen alle Beteiligten — Griechen und Türken, Engländer und Amerikaner — nur noch die Enosis. Dennoch sind sich die streitenden Parteien kaum näher gekommen. Wie so oft, steckt auch hier der Teufel im Detail. Niemand weiß genau, ob auch Erzbischof Makarios den Anschluß an Griechenland wünscht, der zugleich das Ende seiner politischen Laufbahn bedeutet. Was er offiziell verlangt, ist die bedingungslose Enosis: „Jede Lösung unter dem Deckmantel der Enosis an Stelle der Vereinigung mit Griechenland wäre eine Enosis mit der NATO, mit den USA, mit Rose Kennedy, die Mutter des ermordeten US-Präsidenten, will mit Hilfe der Journalistin Marguerite Higgins ihre Memoiren schreiben. Sie stützt sich auf Briefe und Tagebücher. Herbert Warnke, SED-Politbüro-Mitglied, und zwei Genossen durften mit italienischer Sondergenehmigung zur Beisetzung des KP- Führers Palmiro Togliatti nach Rom fahren. Damit konnte zum zweitenmal eine SED-Delegation ohne Erlaubnis des alliierten Reisebüros in Berlin ein NATO-Land aufsuchen. Ende Juli erschienen DDR-Vertreter beim Begräbnis des französischen KP-Chefs Maurice Thorez. Franz Josef Strauß, CDU-Vorsitzender, antwortete auf die Frage der „Neuen Illustrierten", ob er heute bei passender Gelegenheit die Politik zugunsten einer Industrie aufgäbe: „Ja, das würde ich, im Management eines Unternehmens." Zur „Welt am Sonntag" sagte er jedoch: „Das ist dummes Zeug. Ich verhandele mit keiner Firma." Die Chefredaktion der Illustrierten: „Strauß hatte den Text des Interviews genehmigt." William E. Miller, Vizepräsidentschaftskandidat der Republikaner, forderte die USDelegation bei der UN auf, frühestmöglich die Unabhängigkeit Litauens auf die Tagesordnung zu setzen. Litauen ist seit 1940 Sowjetrepublik. Günter Hofe, Ostberliner Verlagsdirektor und Schriftsteller, wurde von der Bundesanwaltschaft nach zehnmonatiger Untersuchungshaft freigelassen. Auf der Fahrt zur Frankfurter Buchmesse war er unter dem Verdacht der Spionage für Ostgeheimdienste festgenommen worden. Großbritannien und der Türkei zusammen mit Griechenland." Als Kompensation für einen Anschluß Zyperns an Griechenland verlangen die Türken neuerdings einen geräumigen Militärstützpunkt auf der Nordostspitze
Zyperns, die wie ein Handschuhfinger ins Meer ragt. Diese Basis soll, nach dem Vorbild der britischen Stützpunkte im Süden der Insel, türkischer Souveränität unterstehen. Im Grunde käme diese Lösung einer Teilung der Insel gleich, da die türkische Basis den Kern eines geschlossenen türkischen Siedlungsgebietes darstellen würde. Darum ist Makarios dagegen. Der Erzbischof, ein moderner listenreicher Odysseus, hält noch genug Druckmittel in der Hand, um sein Konzept durchzusetzen. Die Blockade der türkischen Siedlungen wurde zwar gelockert, doch sind die Rationen so bemessen, daß wohl die dort beheimateten Türken, nicht aber die Tausende von Flüchtlingen versorgt werden können. Ändern können die Türken ihre Notlage nur mit Waffengewalt. Dann aber würden sie eine sowjetische Intervention heraufbeschwören. Mit der Drohung sowjetischer Militärhilfe in der Hinterhand brachte es Makarios auch fertig, die griechische Regierung erneut auf seine Linie zu bringen. Beide wollen nun das Zypern- Problem vor die Vollversammlung der UN bringen, die jedoch erst im November beginnt. Bis dahin kann die Propaganda für ein entmilitarisiertes, völlig unabhängiges Zypern weiterlaufen, eine Parole, die sowohl den Sowjets als den Afro-Asiaten gefällt. Die griechischen Zyprioten berufen sich auf das Beispiel Rhodos. Während der Pariser Friedenskonferenz 1946 stimmte Sowjetaußenminister Molotow der Rückgabe der ehemals italienischen Insel Rhodos an Griechenland nur unter einer Bedingung zu: Demilitarisierung. Seither sind dort nur Polizisten stationiert.
ZEIT ONLINE 1964
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