DIE ZEIT, 28.02.1964 - Privatarmeen herrschen auf Zypern

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Friday, 28. February 1964
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DIE ZEIT, 28.02.1964 Nr. 09 - 28. Februar 1964 http://www.zeit.de/1964/09/Privatarmeen-herrschen-auf-Zypern
Privatarmeen herrschen auf Zypern
UN-Generalsekretär U Thant fand keinen Ausweg — Makarios liebäugelt mit Moskau
Während sich UN-Generalsekretär U Thant eine ganze Woche lang um einen Kompromiß in der Zypern-Krise bemühte, verwandelte sich die Mittelmeerinsel in zwei waffenstarende Heerlager. Junge Männer und Frauen werden als Scharfschützen ausgebildet. Die Türken haben eine gut ausgerüstete Untergrundorganisation — TMT — auf die Beine gestellt, die Griechen mindestens drei irreguläre Verbände, die von alten EOKAPartisanen angeführt werden. Die stärkste Untergrundarmee der Griechen ist die „Organisation", angeführt von dem 33jährigen Inienminister Polykarpos Georkadjis. Sie operiert mit Feldkompanien zu je hundert Mann und ist mit Gewehren, automatischen Waffen, Mörsern, Handgranater und gepanzerten Bulldozzern ausgerüstet. Eine zweite Gruppe soll der neutralistische Leibarzt des Erzbischofs, Dr. Massos Lyssarides, befehligen, der Makarios zu dem Appell an die UN überredet hz.t. Die gefährlichste Streitmacht hört auf den Befehl des schießwütigen 29jährigen Zeittingsverlegers Nico Sampson, der Briten und Amerikaner nicht leiden kann. Unter den Griechen auf Zypern macht sich, aus Enttäuschung über Englands Haltung im Weltsicherheitsrat, eine „Tommy-go-home"-Stimmung breit, die eifrig von den Kommunisten geschürt wird. Vier Delegierte der kommunistischen AKEL, die bei der letzten Wahl 38 Prozent der Stimmen erhielt, protestierten bei Makarios gegen die Ankunft neuer britischer Truppen. Wenige Stunden später verkündete der Präsident, für mehr Engländer sei nun kein Platz mehr. (Die britische „Polizeitruppe" ist auf 7000Mann angewachsen, außerdem liegen etwa 4000 Soldaten in den Garnisonen an der Südküste.) Makarios ging noch weiter: Nach Entsendung einer UN-Truppe müßten die britischen Streitkräfte reduziert werden. Garantiert die UN die Integrität der Insel, so hält Makarios eine internationale Friedenstruppe überhaupt für überflüssig. 2000 Briten würden dann genügen. Aber eine UN-Garantie, die England, die Türkei und Griechenland als Schutzmächte aus dem Spiel brächte, konnte Makarios bislang nicht gegen den Willen der Westmächte durchsetzen. Nun liebäugelt er mit den Sowjets, die ihm propagandistisch den Rücken stärken. Vielleicht wartet er auch auf den Vermittler de Gaulle. Jede Verzögerung verschlimmert freilich die Lage auf Zypern. „Man brauchte eine Million Mann", seufzte ein britischer Offizier, „um die türkischen und die
griechischen Inselbewohner davon abzuhalten, einander an die Gurgel zu springen."
ZEIT ONLINE 1964

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