DIE ZEIT, 24.11.1967 - Krise um Zypern

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Friday, 24. November 1967
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DIE ZEIT, 24.11.1967 Nr. 47 - 24. November 1967 http://www.zeit.de/1967/47/Krise-um-Zypern
Krise um Zypern
Zwischen Griechen und Türken brachen alte Konflikte aui
Reichlich fünf Monate nach dem arabisch-israelischen Konflikt drohte im östlichen Mittelmeerraum abermals Krieg. Auf Zypern lieferten ;ich Griechen und Türken Mitte voriger Woche ein siebenstündiges Gefecht um zwei Ortschaften, das 27 Todesopfer forderte. Die auf der Insel stationierte uN-Truppe konnte die Ruhe nur mühsam wiederherstellen. Doch flackerten Schießereien immer wieder auf. Die NATO-Partner an der Südostflanke Europas — set der arabischen Niederlage von einer stirken Mittelmeerflotte der Sowjets bedroht — zogen blank: Griechenland und die Türker versetzten ihre Truppen in Alarmbereitschaft und ließen sie an den Landesgrenzen aufmarschieren. Türkische Bombenflugzeuge überflogen Zypern, türkische Kriegsschiffe nahmen Kurs auf die Insel. In der Hauptstadt Nikosia machte man sich auf eine Intervention gefaßt. Die Hochspannung slang auch dann nicht ab, als am Wochenende General Grivas die griechisch-zypriotische Nationalgarde zurückzog. Athen hatte unter dem Druck eines Ultimatums aus Ankara Befehl gegeben — über den Kopf des zypriotischen Präsidenten Makarios hinweg. . Der bärtige Erzbiscliof hatte gerade diskrete Kontakte zu Ankara und zur türkischen Minderheit luf der Insel geknüpft, um den vier Jahre alten Zypern- Konflikt durch eine „unabhängige Lösung" (Le Monde: „formule d'independence") aus der Welt zu schaffen. Da schlug Grivas, ein fanatischer Anhänger der Enosis (Anschluß Zyperns an Griechenland) dazwischen. Die griechische Offmersjunta — um ihre internationale Repttation besorgt — riet den General nach Athen, und bekundete ihr Interesse an einer Beilegung des Konflikts. Nach dem ergebnislosen Treffen zwischen dem türkis:hen Ministerpräsidenten KolJias Mitte September hatte die griechische Regierung freilich selber nationalistische Töne angeschlagen und die alte Enosis-Forderung wiederholt. Die Türkei dagegen — von der Sowjetunion unterstützt —- besteht auf einer „doppelten Enosis": Ein Teil der Insel soll an Griechenland, der andere an die Türkei angeschlossen werden. Als einzige Alternative kommt für Ankara nur die Unabhängigkeit der Insel in Frage — sofern der Türkei ein Militärstützpunkt und den türkischen Zyprioten die völlige Autonomie eingeräumt wird. Diesen Standpunkt teilt Makarios, der die Athener Junta nur stillschweigend toleriert („Wir müssen mit allen griechischen Regierungen zusammenarbeiten"). Die jüngsten Zwischenfälle auf Zypern bewiesen, daß die Lebensfragen der Mittelmeerinsel noch immer nicht gelöst sind.
1960 wurde die britische Kronkolonie als Glied des Commonwealth zur Republik, über deren Unabhängigkeit Briten, Griechen und Türken gemeinsam wachen sollen. Gleichwohl kam es immer wieder zu harten Auseinandersetzungen um die Insel, an denen sich die Schutzmächte beteiligten — zuletzt im Jahre 1964. Fünfmal in sieben Monaten setzten die Türken damals ihre Flotte nach Zypern in Marsch. Dann schlichteten die Sowjetunion und die USA zusammen mit den. Vereinten Nationen den Konflikt — nicht ohne daß Erzbischof Makarios geschickt mitspielte. 1964 beorderte Johnson die 6. Flotte ins östliche Mittelmeer, Chruschtschow schickte eine Warnung an die Türkei. Jetzt mahnte der USPräsident Johnson die Offiziere in Athen zum Nachgeben. Mit Pfundabwertung, Diskonterhöhung, Restriktionsmaßnahmen und Kreditaufnahmen bemühte sich Großbritannien um eine Behebung seiner Währungskrise. Vor dem Unterhaus wies Schatzkanzler Callaghan alle Forderungen nach seinem Rücktritt zurück. In Anpassung an die englischen Maßnahmen entschlossen sich andere Länder gleichfalls zu einer Abwertung. Zu der internationalen Stützungsaktion des Pfundes leistete die Bundesrepublik den zweithöchsten Beitrag. Frankreich bezeichnete die Gegebenheiten bezüglich der EWG-Mitgliedschaft Großbritanniens nach der Pfundabwertung als unverändert. Wahlen in Sicht Mit harten Redeund Interview-Duellen zv/ischen maßgeblichen CDU- und SPDPolitikern kündigte sich der bevorstehende Bundestags-Wahlkampf an. Führende Unionsvertreter sprachen sich für eine Einführung des Mehrheitswahlrechts für 1969 aus. Die CSU hatte in Bayern mit ihrenn Volksbegehren für eine christliche Volksschule einen überraschend hohen Erfolg. Die DFU will in Baden-Württemberg zugunsten der geplanten neuen Linkspartei auf die Aufstellung eigener Kandidaten verzichten, in Westberlin empfahl Rudi Dutschke eine Annäherung zwischen SDS und SED. Luftopfer Mit siebzehn abgeschossenen Maschinen erlitten die Amerikaner arn Sonntag nach Meldungen aus Hanoi die größten Verluste seit Beginn des Luftkrieges gegen Nordvietnam. Der Vietcong bot über Geheimsender eine befristete Waffenruhe zu Weihnachten und Neujahr und zum vietnamesischer. Jahreswechsel an. In einer amerikanischen Napalm-Fabrik wurde die Produktion von Bonben wegen eines Lohnstreiks unterbrochen. Bei einem Testflug brach das amerikanische Raketenflugzeug X-15 im Sturzflug auseinander. Die amerikanische Mondsonde „Surveyor 6" unternahm auf der Oberfläche des Planeten einen fernZEIT ONLINE 1967

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