DIE ZEIT, 24.07.1964 - Krieg unausweichlich?

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Friday, 24. July 1964
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DIE ZEIT, 24.07.1964 Nr. 30 - 24. Juli 1964 http://www.zeit.de/1964/30/Krieg-unausweichlich ZYPERN
Krieg unausweichlich?
Die Lage auf Zypern ist düsterer denn je. „Nehmt alles nur in allein, so gibt es nur einen logischen Schluß", meinte ein UN-Vertreter, „und das ist Krieg zwischen Griechenland und der Türkei." Beide Länder verstärken kufend ihre Streitmacht auf der Mittelmeerinsel. Kanada, Schweden und Dänemark haben bereits mit dem Rückzug ihrer UN-Einheiten gedroht, die auf keinen Fall in einen Krieg verwickelt werden sol.en. Nach amerikanischen Schätzungen stehen jetzt 7000 griechische Soldaten auf Zypern; hinzu kommen 45 000 Mann griechisch-zypriotische Streitkräfte. Ihnen gegenüber liegen etwa 10 000 inseltürkische Milizsoldaten und rund 1000 reguläre türkische Soldaten. Sie wären also in hoffnungsloser Minderzahl, doch rechnen sie für den Ernstfall mit einer sofortigen Invasion aus dem Mutterland. Die Regierung Makarios setzte inzwischen der türkischen Minderheit die Daumenschrauben an. Sie sperrte die Zufuhr von Benzin, Autoersatzteilen und Baumaterialien und sogar von Sendungen des Roten Halbmondes, des türkischen Roten Kreuzes. Zum erstenmal brachte die griechische Nationalgarde schwere Artillerie in die Nähe der Kyrenia-Berge, einer strategischen Schlüsselstellung der Türken. Nur mühsam konnten UN-Truppen dort den Ausbruch neuer Kämpfe vereiteln. Nachdem US-Präsident Johnson vergeblich sein Glück versucht hatte, bemühte sich am Wochenanfang der britische Premierminister Douglas-Home, Griechenland zum Nachgeben zu überreden. Er drängte Ministerpräsident Papandreou, der nach London gekommen war, die militärischen Vorbereitungen einzustellen und unmittelbar mit den Türken zu verhandeln. Griechenland hält Kontakte mit Ankara für unzumutbar, solange die griechische Minderheit in der Türkei verfolgt wird und die. Invasionsdrohung bestehen bleibt. Die Türken zeigen sich nicht minder entschlossen. Der stellvertretende Ministerpräsident Kemal Satir ist überzeugt, „daß wir nächstes Mal nicht auf die USA hören werden". Das Reisen ist des Chruschtschows Lust. Seit Jahresbeginn war er fast jeden Monat unterwegs, entweder um im Ostblock Verbündete gegen Peking zu suchen oder :n Afrika den Chinesen das Wasser abzugraben oder in Skandinavien friedliche Koexistenz vorzuführen. In dieser Woche benutzte er ein Parteijubiläum in Warschau zu neuen Gesprächen mit einigen Ostblockführern. Zur gleichen Zeit schickte er seinen Schwiegersohn, „Iswestija"- Chefredakteur Adschttbej, als „Späher" in die Bundesrepublik. Zwar wurde Adschubej von drei Zeitungen eingeladen, aber vermutlich soll er auch die Möglichkeiten eines Besuches Chruschtschows in Bonn sondieren.
Ehe der 70jährige Chruschtschow nach Warschau abreiste, hatte er sein Haus wchlbestellt. Anastas Mikojan, seinen bewährten außenpolitischen Ratgeber und Sonderbotschafter in Krisensituationen, beförderte er zum Staatsoberhaupt der Sowjetunion. Mikojans Vorgänger, Leonid Breschnew, ebenfalls langjähriger Mitarbeiter Chruschtschows, wurde für die Parteiarbeit freigestellt, und damit vermutlich als Nachfolger des Kremlchefs vorbestimmt. Unbestätigt blieben Gerüchte, daß der 40jährige Adschubej nach seinem Besuch in Bonn als Nachfolger Gromykos zum Außenminister ernannt werden soll. Von Krisen im Kreml ist jedenfalls nichts zu spüren. Die neuen Aufforderungen aus Peking und Tirana an die sowjetischen Stalinisten, das Regime Chruschtschow zu . stürzen, blieben ohne sichtbare Wirkung.
ZEIT ONLINE 1964

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