DIE ZEIT, 21.02.1964 - Makarios erreichte sein erstes Ziel

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Friday, 21. February 1964
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DIE ZEIT, 21.02.1964 Nr. 08 - 21. Februar 1964 http://www.zeit.de/1964/08/Makarios-erreichte-sein-erstes-Ziel
Makarios erreichte sein erstes Ziel
Zypern-Krise doch vor dem Weltsicherheitsrat — Friedensmission der USA gescheitert
Erzbischof Makarios, Staatspräsident von Zypern, hat nach wochenlangen Verhandlungen sein Nahziel erreicht: Seit Montag beschäftigt sich der Weltsicherheitsrat mit der Krise auf der Mittelmeerinsel. England, und die USA wollten zunächst die Einschaltung der UN vermeiden, um die Sowjets herauszuhalten. Nun appellierte London selber an die UN — eine Stunde, bevor der zypriotische Außenminister den Sicherheitsrat anrief. Nach dem Fehlschlag der Friedensmission des US-Staatssekretärs Ball blieb kein anderer Weg. Die Alarmzeichen waren unübersehbar. Türkische Kriegsschiffe mit Truppen an Bord waren am Samstag in Richtung Zypern ausgelaufen. Die Folgen einer Landung wären gewesen: Ein Blutbad auf der Insel, Krieg zwischen den NATOPartnern Griechenland und Türkei, womöglich Intervention der Sowjetunion. Die türkische Flotte drehte wieder ab — vermutlich auf Drängen der USA; aber auf Zypern dauern die Feuergefechte zwischen den verfeindeten Volksgruppen an. Türkische Dörfer und Stadtviertel auf Zypern haben sich in Feldlager verwandelt. Sie werden von Privatarmeen der Griechen belagert, deren Waffen aus Griechenland und Ägypten geschmuggelt werden. Eine wilde Straßenschlacht entbrannte in der Hafenstadt Limassol. Die britischen Truppen vermochten das Blutvergießen nicht zu verhindern. Nach der Schlacht um Limassol wurde der britische Generalmajor Richard Carver mit 200 Mann Verstärkung, 50 Panzerspähwagen, 2 Hubschraubern und einem Stab von 180 Offizieren nach Zypern geschickt. Er übernahm mit seinem „fliegenden Hauptquartier" das Kommando über die Ordnungstruppe, die jetzt 3C00 Mann stark ist. Carver ist für seine Entschlußfreudigkeit bekannt; mit 28 Jahren war er schon Stabsoffizier Montgomerys in der Schlacht um El Alamein. England will noch Carver menr Truppen aufbringen. Makarios hat nichts gegen eine Friedenstruppe, käme sie im Namen des Sicherheitsrats. Mit Hilfe der UN hofft er drei Ziele zu erreichen: Schutz vor einer türkischen Invasion, Annullierung des Garantievertrags von 1960, der Briten, Griechen und Türken ein Interventionsrecht einräumt, Abwehr der türkischen Pläne für eine Teilung oder Föderation nach dem Muster des Schweizer Kantonalsystems. Die „Times" argwöhnte, Makarios wolle die UN auffordern, die türkischen Zyprioten wie „eine der Sezession verschworene Masse von Tschombes" zu behandeln. Die Kritiker des Präsidenten sind sich m ihrem Urteil nicht sicher: em meisterhafter Diplomat, ein verblendeter Starrkopf oder nur eine Marionette der Radikalen? Den
US-Unterhändler Ball brachte er mit seiner Hartnäckigkeit dem Verzweifeln nahe. Minutenlang saßen sich beide stumm vor Zorn gegenüber. Ein Begleiter Balls stöhnte: „Der Erzbischof hört zu, er nickt, und hin und wieder stimmt er zu." Nur — sein leises Ja war ein verhülltes Nein. Enttäuschend endete die Afrika-Konferenz in Daressalam, mit der Präsident Nyerere sein Prestige aufbessern wollte. Auf seinen Vorschlag sollten drei afrikanische Bataillone und eine Fliegerstaffel die englischen Truppen ablösen und ein halbes Jahr bleiben, bis Tanganjika seine Armee reorganisiert hat. Nigeria, Algerien und vor allem Äthiopien waren dafür ausersehen. Äthiopien kann jedoch wegen des Grenzkrieges mit Somalia keine Soldaten entbehren. Eine Waffenruhe konnten die Minister ebensowenig erzwingen wie ein Ende des Gemetzels in Ruanda und im Kongo. Mit der Aussicht auf afrikanische Schutztruppen verringerte sich auchNyereres Hoffnung auf eine ostafrikanische Föderation. Kenia will die Engländer zur Abschreckung gegen die Somalis im Land behalten, Uganda erkennt den Führungsanspruch Tanganjikas nicht an. Zwei Tage nach der Konferenz in Ostafrika entlud sich in Westafrika ein neues Gewitter: In Gabun, wo Urwalddoktor Albert Schweitzer lebt, wurde die Regierung von der Armee gestürzt. Haile Selassie: „Afrikas Krankheit ist der häufige Wechsel."
ZEIT ONLINE 1964

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