DIE ZEIT, 20.03.1964 - Frieden - wie lange?

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Friday, 20. March 1964
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DIE ZEIT, 20.03.1964 Nr. 12 - 20. März 1964 http://www.zeit.de/1964/12/Frieden-wie-lange IM SCHATTEN DER BEDEUTENDEN ERSCHEINIMG
Frieden - wie lange?
Die UN-Mission auf der Insel Zypern R. Z.
Wenn eine Krise unlösbar geworden ist, wenn die Verantwortlichen jene Leidenschaften, die sie selber entfacht haben, nicht mehr zu bändigen vermögen, wenn alle Möglichkeiten der Verhandlung erschöpft sind und in blutigen Scharmützeln schon die schreckliche Kontur eines Krieges sichtbar wird — dann, erst dann sind die Vereinten Nationen zum Eingreifen bereit. So geschah dies jetzt; auf Zypern. Die Vorausabteilung der internationalen Friedeustruppe ist am Wochenende in Nikosia eingetroffen. Spät, beinahe zu spät. Es war in der lac beängstigend, wie mühsam die Aktion zustande kam. Schon am 4. März war die Entsendung der Truppe beschlossen worden. Aber es bedurfte eines Ultimatums der Engländer, die die Verantwortung für den Frieden auf Zypern nicht länger allein tragen wollten, und es bedurfte einer drohenden Note der Türkei, .die eine Invasion auf der Insel ankündigte, um die schwerfällige Maschinerie der Weltorganisation in Gang zu setzen. Und vielleicht wäre die Friedenstruppe trotzdem noch zu spät gekommen, hätte nicht der kanadische Premier Pearson eine Vorausabteilung des kanadischen Kontingents nach Zypern fliegen lassen. Er tat dies, ohne die Zustimmung seines Parlaments abzuwarten. Soldaten aus Kanada, Schweden, Finnland und Irland werden nun gemeinsam mit britischen Truppen auf der unruhigen Mittelmeerinsel die Friedensmission erfüllen. Und eines ist sicherlich schon erreicht worden: Die Gefahr einer Invasion und damit einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen Griechenland und der Türkei ist vorläufig gebannt. Die Insel hat eine Atempause erhalten — aber eine Pause wofür? Noch ist nicht geklärt, welche Rolle die Friedenstruppe auf Zypern spielen wird. Makarios erwartet, daß sie die zypriotischen Regierungstruppen bei der Entwaffnung der türkischen „Insurgenten" unterstützt und fordert, jede Aktion müsse mit ihm abgesprochen werden. Die türkische ^ Minderheit hingegen hofft, daß die UN- Streitmacht sie in den Gebieten, in die sie zurückgedrängt worden ist, vor Übergriffen der Griechen schützt. U Thant aber will für seine 'lruppen völlige Handlungsfreiheit. . . Makarios rechnet offenbar dann':, daß es ihm mit Hilfe der UN-Truppen gelingen werde, Zypern der „Wiedervereinigung" mit Griechenland näher bringen zu können. Die türkischen Zyprioten wiederum wollen mit Hilfe der UN die TeiPOLITIK (S. 1—7)
lung der Insel erzwingen. Eiiosis (Vereinigung mit Griechenland) und Taksim (Teilung) —- Forderungen, die von den beiden Volksgruppen auf der Insel schon unter britischer Herrschaft erhoben worden waren, gelten, heute mehr denn je. Seit damals aber ist viel Blut geflossen, hat sich der Haß festgefressen. Und weder ist Athen bereit, einer Teilung der Insel zuzustimmen, noch Ankara willens, eine absolute griechische Hegemonie auf der Insel zu dulden, geschweige denn einen Anschluß an Griechenland. Was kann unter diesen Umständen die Friedenstruppe auf der Insel erreichen? Vielleicht, daß weiteres Blutvergießen verhindert wird. Aber schon dies ist zweifelhaft. Kann man wirklich erwarten, daß die UN-Truppen soviel Autorität gewinnen? Wie sollen die Soldaten, die nur zur Selbstverteidigung schießen und bei der Entwaffnung streitender Parteien keine Gewalt anwenden dürfen, die so hoffnungslos Verfeindeten im Zaume halten? Überdies hat der Sicherheitsrat ihren Einsatz auf drei Monate befristet. Und was geschieht danach? Noch ist nirgendwo ein politischer Kompromiß in Sicht, der den Frieden auf Zypern sichern könnte. R. Z.
ZEIT ONLINE 1964

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