DIE ZEIT, 19.07.1974 - Nationalgarde putschte gegen Makarios

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Friday, 19. July 1974
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DIE ZEIT, 19.07.1974 Nr. 30 - 19. Juli 1974 http://www.zeit.de/1974/30/Nationalgarde-putschte-gegen-Makarios
Nationalgarde putschte gegen Makarios
Kämpfe auf Zypern - Athen bestreitet Beteiligung - Türkei droht mit Invasion
Auf Antrag von UN-Generalsekretär Waldheim ist am Dienstagabend in New York der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zusammengetreten, um die nach dem Putsch entstandene Lage auf Zypern zu erörtern. Am Montagvormittag hatte die unter dem Kommando griechischer Offiziere stehende 12 000 Mann starke zyprische Nationalgarde gegen den Präsidenten und Erzbischof Makarios geputscht. Diese offensichtlich von Athen aus inszenierte Aktion sollte die drohende Ausweisung der griechischen Offiziere abwenden. Makarios hatte ihnen vorgeworfen, im Auftrag der griechischen Militärjunta seinen Sturz vorzubereiten, um die Enosis, den Anschluß an Griechenland zu betreiben. Unterstützung dürften die Putschisten bei den EOKA-II-Untergrundkämpfern des im Januar gestorbenen General Grivas gefunden haben, die ebenfalls die auf Unabhängigkeit ausgerichtete Politik des Erzbischofs hintertrieben haben. Obwohl die Putschisten wenige Stunden nach dem Umsturz den Tod von Makarios bekanntgaben, meldete sich dieser bereits am Montag über einen Geheimsender. Er rief die Zyprioten zum Widerstand und die Welt zur Hilfe auf. Aus allen Teilen der Insel wurden Kämpfe gemeldet. Griechenland und die Türkei versetzten ihre Truppen in Alarmbereitschaft. Die türkische Presse sprach von der Möglichkeit eines Krieges zwischen den beiden Nato-Mitgliedstaaten. Der türkische Ministerpräsident Ecevit erklärte, „die Türkei ist zu allem bereit, wenn ihre auf internationalen Verträgen beruhenden Rechte verletzt werden und wenn die Sicherheit der türkischen Bevölkerungsgruppe auf Zypern von der geringsten Drohung betroffen wird." Auch der britische Außenminister Callaghan vertrat die Ansicht: „Die Lage birgt eindeutig schwere Risiken in sich, und es ist von größter Bedeutung, daß der Frieden so schnell wie möglich wiederhergestellt wird. Sowohl die Sowjetunion als auch die Vereinigten Staaten ließen keinen Zweifel daran, daß sie Athen für die Lage verantwortlich machen. Der griechische Außenminister erklärte dagegen, es handele sich bei den Ereignissen um eine innere Angelegenheit Zyperns. Griechenland werde sich an das Prinzip der Nichteinmischung halten. Während Erzbischof Makarios am Dienstag die Insel verließ, um von außen den Widerstand zu organisieren, wurde in Nikosia die neue Regierung unter dem rechtsgerichteten Politiker Nikos Sampson vereidigt. : Von den rund 600 000 Einwohnern Zyperns sind 40 Prozent griechischer und 20 Prozent türkischer Abstammung. Zwischen beiden Bevölkerungsteilen war
es nach der Unabhängigkeit 1960 wiederholt zu blutigen Kämpfen gekommen. Makarios bemühte sich zwar nicht sonder^ lieh um die Versöhnung beider Bevölkerungsteile, trat jedoch für die Einheit des Landes ein. Er steuerte einen geschickten Neutralitätskurs, wobei ihm häufig prokommunistische Neigungen unterstellt Wurden. Zur gleichen Zeit verhinderte er aber auch nicht, daß die logistischen Erkenntnisse der britischen Militärbasen auf Zypern der Nato zugute kamen. Die Insel ist von erheblichem strategischen Wert, da von ihr aus nicht nur das gesamte östliche Mittelmeer, sondern auch der Nahe Osten und die südlichen Teile der Sowjetunion kontrolliert werden können. Die beiden Großmächte haben erkennen lassen, daß sie an einer Veränderung des Gleichgewichts in diesem Raum nicht interessiert seien. losen Abendkursen üben Kinder, Hausfrauen, Angestellte und andere interessierte Bürger im „Survival Training" das Überleben in scheinbar aussichtslosen Notsituationen. Auf dem Programm stehen medizinische Selbstbehandlung, Schutzmanagement und Familiennotplan für den TagX. Koordinator aller Nothilfeeinsätze ist der Leiter des Katastrophenamtes Edward Joyce. Sollte sein Einsatzbüro in der Geary Street zerstört #werden, besteht die Möglichkeit, auf das Youth Guidance Center auszuweichen, das in den Bergen vier Meilen entfernt vom Justizpalast liegt. Von seinem Auto aus kann Joyce über Funk Appelle und Einsatzbefehle herausgeben. „Wir können nur hoffen, daß das Erdbeben uns nicht mittags um 14 Uhr überrascht. Wir haben dann nicht genug Krankenhausbetten für die Verletzten", sagt Luis Cambou, medizinischer Koordinator des Katastrophenamts, und verweist auf die 10 000 Betten in den 25 Krankenhäusern der Stadt, die ungünstigerweise stets zu 60 bis 70 Prozent belegt sind; »aber wir können ein Viertel mehr Verletzte aufnehmen, wenn wir die Gänge und Lagerräume der Krankenanstalten mit Betten vollstellen." Auch um die ärztliche Versorgung ist es im Ernstfall keineswegs optimal bestellt: Zwar verfügt San Francisco über 4000 Mediziner, aber über 50 Prozent davon leben außerhalb der Stadt. Sie müßten sich womöglich erst einen Weg über verschüttete Straßen in die Stadt bahnen. Die Lagerplätze für die Todesopfer der Bebenkatastrophe sind kürzlich festgelegt worden: „Die Toten werden auf die drei Eispaläste der Stadt verteilt", sagt Cambou. Massenbeerdigungen wie 1906 soll es nicht geben, weil sie „die Gefühle der Verwandten verletzen können". Die gewerblichen Leichenbestätter haben ihre Mithilfe bei der Identifizierung und Beerdigung der Toten zugesagt. Als größte Gefahr erwies sich 1906 das Feuer. Statt aus den Spritzen der Feuerwehrleute, sprudelte damals das Wasser aus 23 000 Wasserrohrbrüchen. Nachdem die Feuerwehrmänner sich mühsam mit ihren Pferdeeinsatzwagen einen Weg durch die Trümmer gebahnt hatten, mußten sie ohnmächtig zusehen, wie ihre Stadt niederbrannte. „Das wird heute nicht mehr passieren", sagt Planungschef
Ren£ Gautier von der städtischen Feuerwehr San Franciscos, „wir haben das beste Wassersystem der Welt." San Franciscos Feuerwehr verfügt heute mitten in der Stadt über drei Tanks mit 65 Millionen Liter Wasser, 150 Zisternen, 7786 Schwachdruckund 1380 Hochd'ruckhydranten. Die Wasserleitungen bestehen teilweise aus flexiblem Material. Schließvorrichtungen in den Rohren betätigen sich bei einem Leitungsbruch automatisch. Mangel indes besteht an Feuerbooten. Es liegt nur ein einziges dieser Löschboote in der Bay, dessen Kapazität noch geringer ist als die des Bootes von 1906. Für die leicht entflammbaren Holzhäuser von Chinatown, soweit sie nahe am Ufer liegen, dürfte von dieser Seite wenig Hilfe zu erwarten sein. Ohnmächtig gegenüber der unwägbaren Gefahr, die unter der Erde ihrer Stadt lauert, geben sich die Bürger San Franciscos gelassen bis apathisch. Zwar haben Seismologen in Denver herausgefunden, daß man Erdbeben möglicherweise steuern kann, indem man Flüssigkeit in die bedrohlich angespannten Felsschichten gibt und dadurch künstlich entspannende kleine Beben erzeugt. Und Wissenschaftler entdeckten in Nevada, daß unterirdische Atomversuche Tausende von kleinen Erdstößen auslösen, die monatelang auftreten und ebenfalls Spannungen in der Erdkruste verringern könnten. Doch niemand will der erste sein, der solche Experimente in der Nähe von San Francisco versucht.
ZEIT ONLINE 1974

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