DIE ZEIT, 18.02.1972 - Vor einem Bürgerkrieg auf Zypern?

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Friday, 18. February 1972
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DIE ZEIT, 18.02.1972 Nr. 07 - 18. Februar 1972 http://www.zeit.de/1972/07/Vor-einem-Buergerkrieg-auf-Zypern
Vor einem Bürgerkrieg auf Zypern?
Griechisches Ultimatum an Nikosia — Makarios lehnt Umbildung der Regierung ab
Die Spannungen auf der Mittelmeerinsel Zypern haben sich plötzlich wieder so verschärft, daß am Wochenende die Gefahr eines Bürgerkrieges drohte. Anlaß war eine griechische Verbalnote — von Staatspräsident Mikarios als „unannehmbares und demütigendes Ultimatum" zurückgewiesen, von Athen zu Wochenbeginn in diplomatischer Untertreibung als „Vorschlag" bezeichnet — vom vergangenen Freitag. Darin forderte die Junta den Erzbischo: auf, importierte tschechoslowakische Wa:Ten an die Friedenstruppe der Vereinten Nationen zu übergeben und eine „Regierung der Nationalen Einheit" zu bilden, die alle politischen Kräfte einschließlidi des Generals Grivas umfasse. Makarios lehnte ab. Am Montag waren die (griechisch befehligte) Nationalgarde; die Untergrundkommandos Griyas', die türkischen Selbstverteidigungskräfte und die UN-Schutzmacht in Alarmbereitschaft versetzt. In der neuen Krise vermengen sich internationale und interne Probleme: 1. Die seit 1968 geführten Gespräche zwischen der türkischen Minderheit (rund 18 Prozent) und der griechischen Mehrheit liefen im August 1971 fest. Die Türken wünschten einen „zweigleisigen" Verwaltungsaufbau, die Griechen eine Verwaltung je nach Volksgruppenmehrheit. 2. Im September 1971 verschwand der heute 74jährige General Grivas, Volksheld im Befreiungskampf gegen die Engländer und bedingungsloser Verfechter eines Anschlusses an Griechenland (Enosis), aus Athen. Er soll seitdem auf Zypern Untergrundkommandos für den Enosis-Kampf ausbilden; gesehen hat ihn freilich bisher niemand. 3. Makarios, Gegner der griechischen Junta, verficht einen unabhängigen Inselstaat. Auf seiner spektakulären Reise nach Moskau erlangte er im Juni 1971 ein sowjetisches Schutzversprechen gegen jede Intervention von außen. 4. Bekannt ist auch, daß Makarios der Nationalgarde mißtraut, ohne deren Unterstützung — so heißt es in Nikosia — Grivas nicht so lange unentdeckt operieren könne. Deshalb begann der Erzbischof mit dem Aufbau einer 1000 Mann starken „Palastwache". 5. Am 21. Januar landete ein dänischer Frachter im Hafen Xeros über 3000 tschechoslowakische Handfeuerwaffen, Maschinengewehre und Munition. Die Waffen sollen am 3. Februar in das erzbischöfliche Palais gebracht worden sein.
6. Nur wenige Tage später erklärten sich Athen und Ankara nach einer UNInitiative bereit, die Volksgruppengespräche wiederaufzunehmen, und zwar unter Beteiligung griechischer und türkischer Regierungsvertreter. In Nikosia wird vermutet, daß Griechenland und die' Türkei trotz aller Gegensätze ein selbständiges und mit dem Ostblock liebäugelndes Zypernverhindern wollen. Die Note aus Athen könne deshalb sehr wohl mit Ankaras Billigung überbracht worden sein, obwohl nach Äußerungen von Führern der beiden Volksgruppen die Zeichen eher auf Sturm stehen: Die türkische Minderheit werde sich einer „Hellenisierung* der Insel — wie sie Athen unverblümt forderte — widersetzen; Ankara halt seit einem Jahr eine Invasionsflotte bereit. Die griechische Mehrheit ist in sich gespalten: Eine größere Gruppe plädiert für den Anschluß an Griechenland; ein kleinerer Teil forderte dagegen Makarios mehrmals auf, Zypern als selbständigen Staat „auf jeden Fall" zu erhalten.
ZEIT ONLINE 1972

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