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DIE ZEIT, 08.12.1967 Nr. 49 - 08. Dezember 1967 http://www.zeit.de/1967/49/Makarios-lenkte-ein
Makarios lenkte ein
US-Vermittler gewann die Zustimmung des Erzbischofs — Ende der Zypernkrise?
Die Kriegsgefahr .im Zypern ist gebannt. Nach den Reg.erungen in Ankaund Athen stimmte am Montag auch Nikosia, „im allgemeinen" der Regelung zu, die der amerikanische Vermittler Cyrus Vance in den drei Hauptstädten ausgehandelt und die UN-Generalsekretär U Thant am Wochenende verkündet hatte. Das griechisch-tür.usche Abkommen sieht im einzelnen vor: ® Abzug von etwa 12 0C0 griechischen und 1500 türkischen Soldaten innerhalb von 45 Tagen Entsprechend dem London-Züricher 2ypern-Vertrag von 1960 dürfen die Griechen nur 9:>C, die Türken 650 Mann auf der Insel stationieren; Demobilisierung der türkischen Truppen, die sich im Hafen von Mersin für eine Ivasion Zyperns bereithielten, sobald der griechische Abzug beginnt: Verpflichtung Griechenlands und der Türkei, Integrität und Unabhängigkeit der Insel zu wahren; „Abrüstung aller irregulären Verbände auf Zypern" unter Aufsicht einer gemischten UN-Kommission; Entschädigung der türkischen Inselbewohner für die Verluste, die sie bei den griechischen Angriffen gegen die Dörfer Kophinou und Ayios Theodoros Mitte November erlitten haben. Zur Erhaltung des Friedens botUThant außerdem seine guten Dienste und — vorausgesetzt, daß der Sicherheitsrat zustimmt — eine Verstärkung der UN- Friedenstruppe auf Zypern an, die gegenwärtig 4700 Mann umfaßt. Bis zuletzt hatte sich Erzbischof Makarios, Staatspräsident von Zypern, gegen das griechisch-türkische Abkommen gesperrt, da es die Souveränität der Inselrepublik berühre. Die „Abrüstung aller irregulären Verbände auf Zypern" soll nämlich auch die Entwaffnung der 20 000 Mann starken Nationalgarde einschließen, deren Kriegsherr Makarios ist. Noch einmal machte sich der amerikanische Vermittler Cyrus Vance auf nach Nikosia. Am Wochenende versuchte er Makarios' Widerstand in stundenlangen Konferenzen aufzuweichen — mit Erfolg. Als der Amerikaner am Montag den Rückflug in die USA antrat, hatte er einen neuen Spitznamen weg: Seine Freunde nennen ihn jetzt „Cyprus" Vance. In^Saigon wurden Anfang der Woche Gerüchte über eine „Geheimkonferenz" zwischen amerikanischen Beamten und Vertretern des Vietcong verbreitet. Ein Vietcong-Emissär wurde beim Verlassen der US-Botschaft verhaftet. Die Botschaft ließ alle Kontakte zum Vietcong dementieren. Parlamentarische Kreise in Saigon kündigten jedoch Proteste gegen die „flagrante Einmischung in die Angelegenheiten Südvietnams" an. Ministerpräsident Nnguyen vanLoc: „Die
amerikanischen Diplomaten sind hervorragend. Es dürfte ihnen daher nicht an Umsicht fehlen." liehen Ruin. Und aus dem Poltern wurden b'fiummige Vorwürfe, böse Vorwürfe, die sich verstellten, aus den Vorwürfen entstanden Zank und Verbitterung auf beiden Seiten, die Ehe der Metzgersleute geriet in eine Krise. Gertrud und Gerhard Bartsch ahnten nicht, daß Jürgen den Grund dieser Krise gelegt hatte. Daß Jürgen, der nun den ewigen Zank um dies und jenes erlebte und dessen Folgen zu spüren bekam, unter ihr litt, sahen sie nicht. Gertrud Bartsch ist der überlegene Partner in der bis dahin und heute, so gut es nach allem noch geht, trotz der Verbitterung, die geblieben, dem Schatten, mit dem sie nun gezeichnet ist, wieder glücklichen Ehe. Den so unverhohlenen wie unausgesprochenen Verdacht ihres Mannes parierte Gertrud Bartsch mit so wortreichen wie hysterischen Verdächtigungen, die eine Frau zum Anlaß nahmen, die schon seit Jahren nichts weiter als eine treue Angestellte des Metzgermeiscers war. Gertrud Bartsch rechnete nicht mehr nur Jürgen vor, zu welcher Zeit er zu Hause zu sein habe, sondern nun auch ihrem Mann, der nach wie vor bis tief in die Abende arbeitete, und sie rechnete nicht nach Stunden, sondern nach Minuten, und zählte ihre Toleranz an den Fingern einer Hand ab. Das Familienleben der Bartschs, das von Anfang an, zumindest seit der Währungsreform, seit Gerhard Bartsch sich entschlossen hatte, die Chance der einsetzenden Prosperität zu nutzen, Belastungen ausgesetzt war, an denen manche andere Ehe gescheitert wäre, wurde für Gertrud und Gerhard Bartsch zu einer Last, an der sogar diese Ehe zu scheitern drohte. Und für Jürgen zu einer Pression, der er sich aut mörderische Weise entzog. Allen Ernstes suchte Gertrud Bartsch einen Anwalt auf und zog Erkundigungen über die Modalitäten eines Scheidungsverfahrens ein, sei es, weil sie diese für sie sicherlich ungeheuerliche Lösung bereits glaubte wählen zu müssen, sei es, weil sie im Büro des Anwalts, in der verbrieften Bestätigung, daß eine Scheidung auch unter katholischen '. ^tzgersleuten zu arrangieren sei, wenigstens .;ven Bruchteil ihrer verlorengegangenen Ruhe wiederzufinden hoffte. Aber auch der Druck dieser Krise konnte die drei Menschen, die in sie und in ihre Gewohnheiten verstrickt waren, nicht mehr ändern, nicht mehr vom Zwang dieser Gewohnheiten befreien. Gerhard Bartsch trachtete weiter danach, seinen Besitz, wenn nicht aufzustocken, so doch zu festigen, und arbeitete verbissen gegen das unaufgeklärte Defizit in seiner Essener Ladenkasse an. Gertrud Bartsch schwang weiterhin die Geißel ihrer vom Ruhrgebietsstaub und dem von ihrem Mann Tag um Tag, Jahr um Jahr in die Wohnung eingeschleppten Wurstküchendunst gereizten Putzwut über Vater und Sohn. Bis zum Tage seiner Verhaftung hatte Jürgen unter ihrer Aufsicht und ihrer Bürste zu baden, sich unter ihrer Aufsicht im Schlafzimmer der Eltern morgens anzukleiden und abends seine Kleider abzulegen. Und Jürgen Bartsch trieb es in immer kürzeren Abständen in die Dörfer und Städte jenes tristen industriellen Siedlungsgebietes zwischen Essen, Köln und Wuppertal, in dem er
seine Opfer suchte und fand. Nächste Woche: Jürgen Bartsch und die Mädchen — Die Morde in der Höhle bei Langenberg — Krankheit oder Verbrechen?
ZEIT ONLINE 1967
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