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DIE ZEIT, 01.12.1967 Nr. 48 - 01. Dezember 1967 http://www.zeit.de/1967/48/Die-levantinische-Lunte
Die levantinische Lunte
Wolf gang Eberf.: In der Zypernkrise: Krieg verhindert, Krisenursache nicht beseitigt Panzeraufkläi ung in Bonn
" och glimmt die levantinische Lunte, aber die wahnwitzige Aussicht, daß es wegen Zypern zu einem Konflikt zwischen den beiden NATO- Staaten Griechenland und der Türkei kommt, scheint heute weniger bedrängend als noch vor einer Woche. Im diplomatischen Pendelverkehr zwischen Athen, Ankara und Nikosia wurde die Kriegsgefahr zunächst einmal gebannt. Das Obristen-Regime der Griechen hat nachgeben müssen — und nicht nur, weil es den Türken militärisch unterlegen ist, sondern auch, weil es sich der Gefolgschaft des eigenen Volkes im Falle eines Waffenganges nicht hätte sicher sein können. An der Löschaktion im östlichen Mittelmeer haben sich alle Feuerwehren beteiligt, die in derlei Fällen überhaupt eingreifen können. Die NATO, der Griechenland wie die Türkei angehören, entsandte ihren Generalsekretär Manlio Brosio; die Vereinten Nationen, die eine FrieMakarios - will Ruhe auf Zypern densstreitkraft auf der friedlosen Insel stationiert haben, schickten einen engen Mitarbeiter U Thants; Commonwealth-Vertreter wie der Kanadier Lester Pearson und Harold Wilson, Premier der Garantiemacht Großbritannien, ließen sich mit guten Ratschlägen vernehmen. Die ausschlaggebende Rolle spielte freilich der Amerikaner Cyrus Vance •— Vertreter jener Macht, die auch heute noch, trotz der wachsenden sowjetischen Präsenz in mediterranen Gewässern, die militärische Vormacht im Mittelmeer ist. Dem Sendboten Johnsons kommt in erster Linie das Verdienst zu, die Kampfhähne auseinandergehalten zu haben. Die Redensart vom „amerikanischen Taschkent" ist deshalb nicht ganz unbegründet. Die Verhinderung eines Krieges ist jedoch keineswegs identisch mit der Lösung des zypriotischen Knotens. Damit hapert es noch, und nach der letzten Krise wird es gewiß nicht leichterfallen, solch eine Lösung anzubahnen. Indessen birgt die neueste Geschichte der geplagten Insel auch eine eindeutige Lehre: Es sind vor allem äußere Einflüsse, die das friedliche Zusammenleben der griechischen Volksgruppe (80 Prozent) und des türkischen Bevölkerungsteils (knapp 20 Prozent) immer wieder schwerer Belastung unterwerfen. Vor vier Jahren, Ende 1963, war das noch anders. Damals waren es in erster Linie innere Schwierigkeiten, die einen Kollaps der in den Verträgen von Zürich begründeten verfassungsmäßigen Ordnung heraufbeschworen. Die Türken erwiesen sich außerstande, die nach dem Züricher Schlüssel 7 : 3 auf sie entfallenden Posten im öffentlichen Dienst zu besetzen; in den fünf Städten
senuf die Doppelgleisigkeit der in eine türkische und eine griechische Obrigkeit gespaltenen Gemeindeverwaltung Schwierigkeiten über Schwierigkeiten; die nach Volksgruppen getrennte Abstimmung über Steuerbeschlüsse hatte dazu geführt, daß zwei Jahre lang keine Einkommensteuer erhoben werden konnte. Damals verlangte Erzbischof Makarios eine Verfassungsreform. Die türkische Volksgruppe sah in dieser Forderung einen Majorisierungsversuch der griechischen Zyprioten. Es kam zu Spannungen, fast zum Bürgerkrieg. Seitdem ist die Insel faktisch geteilt; Barrikaden trennen griechische und türkische Zyprioten voneinander. Nach der gescheiterten Gipfelkonferenz Kollias—Demirel, die im September in Thrakien stattfand, sah Makarios ein, daß der Spannungszustand beendet werden mußte. Vorsichtig bemühte er sich um eine Verbesserung des Verhältnisses zwischen den beiden zypriotischen Volksgruppen; die Vernunft legte dies nahe. Ohnehin war der Ethnarch schon lange nicht mehr auf Enosis, auf Wiedervereinigung seiner Insel mit dem griechischen Mutterland, versessen — erst recht nicht, seit im April die Athener Obristen ihre Diktatur aufgerichtet hatten. Aber General Grivas, EOKA-Führer in den Jahren des Freiheitskampfes, jetzt Kommandeur der griechischen Streitkräfte auf Zypern, widersetzte sich dem neuen Kurs. Um die Absichten des Erzbischofs zu durchkreuzen, ließ er Mitte November in den türkischen Siedlungen Agios Theodoros und Kophinous ein Massaker veranstalten. Ankara drohte nicht nur mit einer Invasion Zyperns, sondern gleichzeitig mit Krieg gegen Hellas. Im bedrohlichen Hin und Her der letzten Tage haben die Griechen offenbar klein beigegeben. Zu Beginn der Woche war nicht mehr umstritten, ob sie ihre Truppen (zwischen 12 000 und 20 000, obwohl ihnen nur 950 erlaubt sind) abziehen, sondern nur noch. In welchem Zeitraum; es ging um sieben Wochen oder sieben Monate — und darum, daß die Athener Obristen ihr Gesicht wahren möchten, auch wenn ihnen unterwärts Fußtritte versetzt werden. Die Frage ist jedoch, ob Zypern die Stabilität im östlichen Mittelmeer eigentlich immer wieder von neuem bedrohen soll oder ob es vielleicht möglich ist, eine dauerhafte Lösung zu finden. Wie das Kräfteverhältnis heute aussieht, scheiden zwei Lösungsmöglichkeiten von vornherein aus: Die von den Türken vorgeschlagene Teilung der Insel, die bei der „Gemengelage" der beiden Volksgruppen ohnehin schwierig zu bewerkstelligen wäre, und die von Athen propagierte Vereinigung der Insel mit Griechenland. Wenn das Zypernproblem entschärft werden soll, dann kommt es heute darauf an, den Inselbewohnern selber die Gestaltung ihrer Zukunft zu überlassen. Unterstellt man, daß beim griechischen Volksteil der Wunsch nach Sicherheit stärker ist als das Verlangen nach Enosis, und beim türkischen Volksteil der Wunsch nach Anerkennung und Gewährleiming ihrer Minderheitsrechte stärker als die Sehnsucht nach einer türkischen Invasion, dann erscheint der Disput als lösbar — auch auf der Basis der Unabhängigkeit des Inselstaates. Das setzte jedoch voraus, daß Athen und Ankara zurückpflockten und den Zyprioten freie Bahn ließen, ihr künftiges Geschick selber zu bestimmen.
Theo Sommer 1^ in Bonner Ausschuß ver- -j sucht gerade herauszufinden, ob die CDU-Regierung seinerzeit mehr an der Beschaffung eines brauchbaren Schützenpanzers interessiert war oder mehr an der Beschaffung von Geldern für den Wahlkampf 1957. Ausschußmitglied: Herr Zeuge, wir kommen jetzt zu dem Bner . . . Zeuge: Davon weiß ich nichts. Welchen Brief meinen Sie? Ausschußmitglied: Den vom 17. 10. 1958. Zeuge: Ach den. Den habe ich gar nicht bekommen. Ausschußmitglied: Ich meine den, den Sie geschrieben haben. Zeuge: Daran kann ich mich nicht erinnern. Ich erinnere mich aber genau, daß ich am 17. 10. 1958 etwas an der rechten Hand hatte, also gar nicht schreiben konnte. Ausschußmitglied: Der Brief trägt Ihre Unterschrift: Hier, bitte . . . Zeuge: Ich sehe nichts — ach so. Allerdings täuschend ähnlich. Ausschußmitglied: Ist das Ihre Unterschrift? ' Zeuge: fa. Aber wie ist sie nur unter diesen Brief gekommen? Ausschußimlghed: Herr Zeuge, Sie waren also dabei, als der Vertreter der Hispano-Suiza . . . 'Zeuge: Dazu werde ich midi nicht äußern. Ausschußmitglied: . . . mit Regierungsrat Kummer vom Verteidigungsministerium ... Zeuge: Dazu kann ich midi nicht äußern. Ausschußmitglied: lmGenfer ,Hotel de la Paix' . . . Zeuge: Dazu soll ich mich nicht äußern. Ausschußmitglied: ... über die Bedingungen sprach, unter welchen . . . Zeuge: Dazu darf ich mich nicht äußern . . . A usschußmitglied: Wozu möchten Sie sich gerne äußern? Zeuge: Wenn es sein muß, kann ich Ihnen meinen Spitznamen verraten. Meine Freunde nennen mich ,Plautzi' . . . -ft Ausschußmitglied: Herr Zeuge, Sie sprachen von der Existenz einer Bestechungsliste, die Sie mit eigenen Augen gesehen und sogar in der Hand gehalten haben.
Zeuge: Nicht gesehen, nur in der Hand gehalten! Da genügte ein Blick, um zu spüren, daß das ein heißes Eisen war Da habe ich sofort weggerückt. Ausschußmitglied: Wissen S:e roch, wer Ihnen die Liste gezeigt hat? '/.enge: Moment mal . . . ;ilso ich sehe ihn dirext vor mir ... so ein großer dicker . . . sein Name liest mir aui der Zunge .. . ich glaube, er fing mit K an. Oder mit W... A usschußmitglied (CDU): Herr Zeuge, würden Sie, als ehemaliger Schatzmeister der CDU, diese Partei für durch und durch korrupt halten? Zeuge: Nein, das könnte ich gar nicht. A usschußmitglied (CDU): Würden Sie der CDU unehrenhafte Absichten unterstellen ? Zeuge: Das brächte ich nie im Leben fertig. Ausschußmitglied (CDU): Glauben Sie, die CDU sei fähig ... Zeuge: . . . unter keinen Umständen! Ausschußmitglied: Sind c ie etwa selber damals bestochen worden? Zeuge: Nein. Ausschußmitglied (CDU';: Man spricht von Milü; nerbeträgen — sind diese durch Ihre Hände gegangen? Zeuge: (scherzhaft) Ich wünschte, es wäre so. Ausschußmitglied (CDU): Eine letzte Frage: Glauben Sie. daß Männer wie A.denauer und Strauß überhaupt imstande gewesen wären . . . Zcrge: D.irauf kann es nur ciiu: Antwort geben. . . Ansscbußmitvjied (CDl.'i: Ich danke Ihnen, Herr Zeuge. Eiic'iicn m.il eine eindeutige Aussage in dieser Angelegenheit!
ZEIT ONLINE 1967
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