Der 1. Mai wird in der Türkei als ein Gradmesser für die Demokratie verstanden. Der eigentliche Sinn dieses Tages, die Rechte der Arbeitnehmer zu stärken, blieb auch heute hinter seinen Erwartungen
Auf der größten Baustelle in Istanbul darf keine Kundgebung stattfinden; dass war Gesetz, wenn es nach Hüseyin Avni Mutlu geht, dem Gouverneur von Istanbul. Das unterstrich und rechtfertigte Mutlu nach den heftigen Ausschreitungen rund um den abgesperrten Taksim-Platz, bei der nach offiziellen Meldungen mehr als 23 Polizisten und 3 Demonstranten (die wo sich nicht behandeln ließen nicht miteingerechnet) verletzt wurden. Ein unverrückbaren Standpunkt hatten auch die Kundgebungsteilnehmer: der 1. Mai wird auch diesmal auf dem Taksim-Platz stattfinden. Staatsgewalt gegen Volksgewalt...
Seit geraumer Zeit klafft ein Riesenloch am Taksim-Platz. Die Bauarbeiten für die zwei Röhren der Untergrundbahn haben auch diesen zentralen Platz vereinnahmt. Der Taksim-Platz war regelmäßig Schauplatz für Demonstrationen. Das wohl blutigste Ereignis fand am 1. Mai 1977 statt, als Teilnehmer einer Gewerkschaftskundgebung von Unbekannten von umliegenden Häusern aus beschossen wurden. Es starben mindestens 34 Menschen, Hunderte wurden verletzt und 453 festgenommen. Nach dem Militärputsch von 1980 wurde der 1. Mai als Feiertag abgeschafft und erst im April 2009 als offizieller Feiertag wieder eingeführt. Seitdem kam es jährlich zu Ausschreitungen mit der Polizei, die sich aber im Rahmen hielten. Nicht so dieses Jahr. Mit dem Erlass des Provinzgouverneurs Mutlu, es dürfe keine Kundgebung auf dem Taksim-Platz stattfinden, weil man die Sicherheit nicht garantieren könne, wollten sich die Organisatoren nicht abspeißen. Es sollte in einem Fiasko enden.
Bereits in den frühen Morgenstunden wurden Anwohner im Umkreis des Taksim-Platzes, nicht durch das alltägliche Getöse auf der Straße wachgerüttelt, sondern durch dichten Gasnebel, dass durch die Ritzen der Fensterscheiben durchdrang. Sadi Celil Cengiz (TV-Serienschauspieler) twitterte daraufhin, der Einsatz von Tränengas müsse enorm sein, wenn es sich bei geschlossenen Fenstern sogar in seiner Wohnung ausbreite. Andere Persönlichkeiten, die in dieser Gegend wohnen, drückten ebenfalls ihre Besorgnis darüber aus, dass der 1. Mai erneut in Gewalt mündet.
Da war es bereits zu spät. Der Vorsitzende der Konföderation der Revolutionären Arbeitergewerkschaften der Türkei (DISK) gab um etwa 12 Uhr entmutigt bekannt, dass die Kundgebungsteilnehmer nach Hause gehen wollten und dafür die Straßensperren aufgehoben werden müssten. Die Staatsmacht hatte sich durchgesetzt, die "Proletarier" waren niedergeschlagen. Nur einer Gruppe wurde gestattet, auf dem Taksim-Platz symbolisch aufzutreten. Die HAK-İş war mit 100 Mitgliedern angereist, wollte ebenfalls auf den Taksim-Platz. Mit der Polizei einigte man sich schnell, dass nur 40 Personen weitermarschieren dürfen. In Begleitung von Musik marschierte diese Gruppe weiter in Richtung Taksim-Platz, um dann mitten auf dem Platz Halay zu tanzen, während ringsrum Tränengas und Wasserwerfer zum Einsatz kamen, Pflastersteine ihre Bahnen zogen...
Bei einem Zwischenfall an der türkisch-syrischen Grenze in Akcakale wird ein Polizist tödlich verwundet
Bei Ausschreitungen zwischen türkischen Grenzbeamten und Polizisten sowie etwa 1.000 syrischen Flüchtlingen an der türkisch-syrischen Grenze in Akcakale, sind nach vorläufigen Berichten 2 Polizisten, 5 Grenzbeamte sowie 4 weitere türkische Zivilisten verletzt worden. Ein weiterer Polizist konnte trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen, nicht gerettet werden. Der Polizist Ferhat Avcı, so meldet die Nachrichtenagentur DHA, konnte trotz einer Notoperation nicht gerettet werden.
Der Vorfall ereignete sich in den frühen Nachmittagstunden, als etwa 1.000 syrische Flüchtlinge die Türkei erreichen wollten. Als die Grenzbeamten den Grenzübergang daraufhin schlossen, weil die meisten keine Ausweispapiere vorzeigen konnten, wurde aus dem Hinterhalt heraus das Feuer eröffnet. Dabei wurden ersten Angaben zufolge mehrere Zivilisten sowie Grenzbeamte und Polizisten verletzt. Laut DHA ist die Lage zur Zeit angespannt. Mehrere aus dem Umland eingezogene militärische Einheiten sicherten das Gebiet weiträumig ab. Bei den Schüssen soll es sich laut Nachrichtenagentur DHA um Gewehre gehandelt haben, die aus der nahen syrischen Ortschaft abgefeuert worden seien. Der schwer verletzte Polizist Ferhat Avcı, wurde zunächst im örtlichen Krankenhaus von Akcakale erstversorgt, konnte aber trotz einer Notoperation in Sanliurfa nicht gerettet werden.
Bei dem Zwischenfall erwiderten die Grenzsicherheitsbeamten der Gendarmerie das Feuer. Dabei sollen 2 mutmaßliche Kämpfer der Freien syrischen Armee (FSA) getötet worden sein. Ob die Schüsse, die aus dem Hinterhalt heraus auf den Grenzübergang abgefeuert wurden, von der FSA-Kämpfern stammen, wird zur Zeit untersucht.
Wo stehen wir 20 Jahre nach dem Brandanschlag in Solingen? Diese Frage erhält angesichts der zunehmend aufgeheizten Stimmung im Land, eine besondere Bedeutung
Anlässlich des Gedenkens an den Brandanschlag von Solingen am 29. Mai 1993 haben zahlreiche Zivilorganisationen wie auch die Stadt Solingen Gedenkveranstaltungen angekündigt. Mit den bundesweiten Veranstaltungen will man dazu beitragen, die Welle rassistischer Gewalt zu jener Zeit, wie auch das gegenwärtige politisch aufgeheizte Klima gegenüber Asylsuchenden und hier lebenden Migranten aufzuzeigen. Das ist auch dringend nötig. Tief sitzen die Erinnerungen an Mölln und Solingen. Bei jedem Hausbrand in Deutschland werden sie wieder wach; die jüngsten Bränden in Backnang und Köln...
Der Rassismus ist bis in die Mitte der Gesellschaft hinein eingedrungen. so das Resümee der Veranstalter in Nordrhein-Westfalen. Viele Umfragen verweisen auch aktuell auf ein gefährlich hohes rechtes und rassistisches Einstellungspotential in der Mitte der Gesellschaft. Wie einst, so trägt auch gegenwärtig die Wirtschaftkrise dazu bei, dass rassistische Anfeindungen gegen Migranten und Asylsuchende erneut hoffähig werden, nicht zuletzt durch politische Akteure. Wie einst, stellt man auch heute, im Zusammenhang mit den NSU-Verbrechen fest, dass der Staat die Sicherheit der Asylbewerber und Migranten fahrlässig vernachlässigt hat. Erklärtes Ziel der Veranstalter, die in Theater- und Filmvorführungen auf diese Problematik hinweisen wollen, ist, die Gesellschaft zu sensibilisieren. Die Frage lautet daher, ob man seit dem Brandanschlägen von Mölln und Solingen etwas gelernt hat!
Rechter Populismus und Rassismus ist in der Mitte der Gesellschaft angelangt. Unter dem Motto, "dass darf man wohl noch sagen dürfen", werden Migranten auch nach 20 Jahren stigmatisiert, angefeindet, wird ihre Lebensweise und Lebensart in Frage gestellt. Nicht zuletzt durch "hauseigene" Akteure mit Migrationshintergrund, erlebt dieses Gedankengut eine Renaissance.
Vor 20 Jahren, am 29. Mai 1993, hatten Neonazis in Solingen das Haus der türkischen Familie Genc in Brand gesteckt. Fünf Mädchen und Frauen starben damals. In Gedenken an die grausame Tat wird am 28. und 29. Mai, aber zuvor oder danach mit zahlreichen Veranstaltungen, Vorträgen und Ausstellungen erinnert.
Das Landgericht Rottweil hat einen 21-jährigen Mann aus dem Kreis Tuttlingen wegen Brandstiftung zu drei Jahren Haft verurteilt. Nach dem zweiten fremdenfeindlichen Brandanschlag lebt die ausländische Familie in Angst. Fall von Strafbonus, wie es deutsche Medien allzugerne aufwerfen, wenn ausländische Straftäter rechtlich belangt werden?
Einen 21-jährigen Mann verurteilte das Landgericht Rottweil zu 3 Jahren Haft. Die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage hatten 6 bzw. 8 Jahre gefordert. Die Höchsstrafe liegt bei schwerer Brandstiftung bei 10 Jahren. Die Richter konnten aber keinen Tötungsvorsatz erkennen, hieltem dem Angeklagten zugute, dass er keinen Brandbeschleuniger verwendet habe.
Dem 21-jährigen, der von einem Freund bei einer Zeugenaussage als ein Schwärmer der NS-Zeit bezeichnet wurde, konnte das Gericht keinen Tötungsabsicht nachweisen. Die Tat hatte der Mann zugegeben, führte aber an, in der Tatzeit betrunken gewesen zu sein. Die Ermittler hatten den Mann kurz nach dem Brandanschlag festgenommen. Bei einer Alkoholkontrolle stellten die Ermittler fest, dass der Mann zur Tatzeit einen Alkoholwert im Blut von 1,69 Promille gehabt haben muss. Ausserdem hätten die Ermittler in der Wohnung des Mannes eine Hakenkreuzfahne und rechtsextreme Musik gefunden.
Die Richter begründeten ihr Urteil mit der dilletantischen Ausführung der Brandstiftung und der nichtverwendung von Brandbeschleunigern, weshalb ein Tötungsvorsatz in Zweifel gezogen wurde. Die Opferfamilie selbst ist seither traumatisiert. Der Vater der Familie erklärte vor Gericht, er halte selbst nachts Wache und die Kinder hätten Angst, dass sie irgend jemand umzubringen versuche. Die Familie hatte erst einige Monate zuvor einen Brandanschlag überlebt.
Wir erinnern uns?
Es kommt immer wieder zu Medienberichten, bei der Straf- oder Zivilgerichte sich angeblich mit Urteilen gegenüber "ausländischen" Straftätern schwer tun. Es gebe strafmildernde Umstände wie "anderer Kulturkreis", "heimische Wertevorstellungen" und "traditionelle Ansichten" , die ausschlaggebend für diese Urteile seien...
Am 3. Mai 2013 unterzeichneten der türkische und japanische Ministerpräsident die Vereinbarungen zum Bau eines Atomkraftwerkes in der türkischen Schwarzmeerprovinz Sinop, der voraussichtlich im Jahr 2017 umgesetzt werden soll.
Zusammen mit den Konzernen Mitsubishi Heavy Industries und Areva, eines französischen Atomtechnikkonzerns, soll das knapp 17 Milliarden Euro Projekt verwirklicht werden. Finanzielle Unterstützung bekommt der Ministerpräsident darüberhinaus auch von Rosatom, dem russischen Staatskonzern, für das Atomprojekt in Akkuyu.
Atomkraft? Wo soll ich unterschreiben? Unser Ministerpräsident hat sich wieder einmal hochgradig ins Abseits geschossen. Durch den gestrigen Tag wird eines klar: Erdogan hat keine Lehren aus der Atomkatastrophe in Fukushima vor 2 Jahren gezogen und bemüht sich - neben seiner "ruhmreichen" Innen,- und Außenpolitik - nun auch energiepolitisch die Türkei in den Ruin zu treiben. Es ist kein Geheimnis, dass die Türkei ein Erdbeben gefährdetes Land ist. Seine Entscheidung ist für keinen vernünftig denkenden Menschen nachvollziehbar. Man muss kein Umweltaktivist sein, um zu wissen, dass es kostengünstigere Alternativen zu Atomkraft gibt (Windkraft, Photovoltaik, Geothermie etc.). Während Japan den schrittweisen Atomausstieg bis 2040 beschlossen hat, entscheidet sich die Türkei für den schrittweisen Einstieg. Bravo. Ich könnte kotzen!
Während Umweltorganisationen und Wissenschaftler nun schon seit Jahren auf die Möglichkeiten erneuerbarer Energien und die Problematik der Atommüllentlagerung hinweisen (Beispiel hierzulande: Gorleben) , bemühen sich Atombefürworter weiterhin kräftig für das Atomgeschäft zu werben. Unser Ministerpräsident ist nun auch auf diesen Zug aufgesprungen. Ist ja auch ein lukratives Geschäft, dieses Atomgeschäft. Warum also an die Umwelt denken, wenn das Geld für Atomprojekte nur so fließt. Aber viel wichtiger ist doch die Erkenntnis seit Fukushima, dass Die Nutzung von Atomkraft eben nicht kontrollierbar ist und eine abstrakte Gefahr für Leib und Leben darstellt. Die generelle Ablösung von fossilen und atomaren Energien ist darüberhinaus der entscheidende Weg Konflikte und Krieg um Energieressourcen zu beenden.
Wir haben also noch einen Grund mehr die AKP abzuwählen und in die Oppositionsbank zu schicken. Aber ich bin mir sicher, dass die türkische Bevölkerung trotzdem künftig immer noch auf den Glaubensgrundsatz der AKP schwören wird. Das sind ja Muslime. Die machen ALLES richtig. Bloß nichts hinterfragen.
Am 6. Mai 2013 beginnt nun einer der bedeutendsten Prozesse in der deutschen Nachkriegszeit. Im Vorfeld des Prozesses sind wieder einige Demonstrationen gegen Rechtsextremismus angekündigt worden.
Die multikulturelle Gesellschaft ist also das, was Rechtsextremisten hier zu Lande am meisten hassen. Sie stehen für eine antipluralistische und autoritäre Gesellschaftsstruktur in Deutschland. Wie konnte es soweit kommen, dass Nazis in Deutschland überhaupt Zulauf bekommen haben, obwohl die Aufklärung über den Irrweg einer nationalsozialistischen Ideolgie im 3. Reich nirgendwo auf der Welt mehr stattfindet, als in Deutschland? Ich denke diese Frage stellen sich zur Zeit einige Menschen. „Auf dem rechten Auge blind“ zu sein bedeutet in erster Linie rechtsextremistische Strukturen in unserer Gesellschaft als zu harmlos einzustufen und diese vor allen Dingen unter zu bewerten. Diese Grundhaltung schlägt sich auf die politische Ebene besonders dann nieder, wenn Politiker/innen sich für die Ablehnung eines NPD-Verbotsantrags mit dem Argument aussprechen: „aus dem Auge, aus dem Sinn“ oder „Dummheit kann man ja nicht verbieten“.
Solche Argumentationsstrukturen sind in meinen Augen leer laufend, weil ich darin einen zu hohen Grad an Unterschätzbarkeit gegenüber dieser Partei sehe. Dieselbe Unterschätzbarkeit einiger Politiker und Fraktionäre, die vor der Machtergreifung Hitlers 1933 die NSDAP als „harmlos“ einstuften. Es sind genau diese Verharmlosungen und politischen Leerläufe, die diese Nazipartei fördern. Wenn wir es zulassen, dass die NPD im deutschen Bundestag weiterhin vertreten ist, dann „billigen“ wir somit stillschweigend die Präsenz von politischen Vertretern neonazistischer Gruppierungen in Deutschland und gehen das Risiko ein, dass diese Partei mehr Zulauf bekommt. Vor allen Dingen denke ich aber, dass aufgrund der historischen Vorgeschichte Deutschlands, dem deutschen Staat eine besondere Sorgfaltspflicht trifft, eine Partei mit nationalsozialistischem Hintergrund zu verbieten. Selbst, wenn ein Verbotsantrag den status-quo nicht ändern wird, ist Deutschland verpflichtet eine symbolische Haltung zu wahren.
Die tatsächliche Bekämpfung von Rechtsextremismus muss hingegen dahingehend erfolgen, dass der Verfassungsschutz in seiner jetzigen Form abgeschafft und die deutsche Sicherheitslandschaft einer vollständigen Reformierung unterzogen wird. Die Inlandsgeheimdienste müssen in Bund und Ländern abgewickelt werden, damit sie wieder über mehr Transparenz verfügen. Denn wenn der Verfassungsschutz seinen eigenen Selbsterhaltungstrieb über die schonungslose Aufklärung der Neonazi Morde stellt, dann muss Ihre verfassungsrechtliche Legitimation auch zur Disposition gestellt werden.
Auf diese Weise würde man zumindest wieder ein Stück weit Vertrauen in den deutschen Staat und seine Behörden schaffen. Ein Strafurteil für Täter und Teilnehmer im Rahmen des NSU-Prozesses ist nämlich selbstverständlich.
Es gibt kein Recht auf Nazi Propaganda. Und schon gar nicht im deutschen Bundestag!
Nach dem Prozessauftakt im Münchner NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht, ist eine Debatte um das christliche Symbol in Gerichten entbrannt
Nach dem Prozessauftakt des NSU-Prozesses vor dem Oberlandesgericht in München, erregt eine Forderung eines türkischen Parlamentariers die Gemüter. Seiner Ansicht nach habe ein Kruzifix in einem säkularen Rechtsstaat nichts zu suchen. Diese Meinung teilte nun auch ein ehemaliger Richter, der auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts verweist. Dr. Ralf Feldmann, ehemaliger Richter am Amtsgericht erklärte, dass das Verfassungsgericht in einem sogenannten Kruzifix-Beschluss von 1995 entschieden hatte, dass die Anbringung eines Kreuzes in einer staatlichen Pflichtschule, die keine Bekenntnisschule ist, ein Verstoß gegen das Grundrecht auf Glaubens- und Weltanschauungsfreiheit ( Art. 4 GG) sei, weil der Staat dadurch seine Pflicht zur Neutralität gegenüber unterschiedlichen Religionen und Bekenntnissen verletze.
Ähnlich argumentiert auch der türkische Politiker und Parlamentarier der Republikanischen Volkspartei CHP, Mahmut Tanal. Seiner Meinung nach habe ein Kreuz in einem Gerichtssaal nichts zu suchen, da das Kruzifix mit einem Rechtsstaat nicht vereinbar sei. Tanal, der dem türkischen Delegation des parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum NSU-Prozess angehört, hatte das Kreuz als ein Zeichen der "Bedrohung“ für Nichtchristen bezeichnet. Daher müsse sie entfernt werden.
Dr. Feldmann gab in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem Strafsenat des Oberlandesgericht München an, dass wenn über Mordtaten zu urteilen sei, die deshalb geschehen sind, weil die Täter in ihrem rassistischen Wahn mitmenschliche Gleichheit nicht anerkennen wollten, dann müsste das Gericht – auch um der Opfer willen – im Gerichtssaal nicht mit dem christlichen Leitsymbol den Eindruck weltanschaulicher und kultureller Hegemonie zulassen und damit Zweifel am Gleichheitssatz der Verfassung erwecken lassen. Vor allem werde dadurch der Frieden innerhalb der multikulturellen Gesellschaft allein mit Recht nicht erreicht werden. Es müsse daher das Menschenrecht als verbindende Grundlage in einem Prozess als Maßstab angelegt werden, nicht die durch den Kruzifix symbolisierte religiöse Leitkultur, so Dr. Feldmann weiter.
Das Schimmern ihrer silbernen Kreolen harmoniert mit der silbernen Armbanduhr an ihrem Handgelenk. Die Haare sind sauber nach hinten gekämmt und der schwarz-weiße Businessanzug zeugt von Seriosität.
Ein fast schon modischer Auftritt von Beate Zschäpe im Gerichtssaal am ersten Prozesstag in München gestern, lässt die anwesenden Opferfamilien und ihre Verteidiger erstarren. Die Stimmung im Gerichtssaal ist gedrückt. Noch tut Beate Zschäpe ganz unbeteiligt und dreht sich mit dem Rücken zu den Fotografen. Das wahre Antlitz zeigt sich dann, als die Kameras ausgeschaltet sind: Eine kaugummikauende – sich wie im Urlaub befindende, auf ihrem Stuhl leicht hin-, und herschaukelnde, ihre Ellbogen abstützende MÖRDERIN, die hin und wieder einen Blickkontakt zu den Angehörigen der Opfer riskiert.
Nach fast einem ganzen Jahrzehnt haben diese Menschen nun die Gelegenheit bekommen gestern erstmals in die Augen von Beate Zschäpe zu blicken, in der Hoffnung zumindest einen Funken Reue zu erhaschen. Sicherlich hat es von uns Berichterstattern niemanden gewundert, dass es natürlich keine Anzeichen von Reue gab. Für die Opferfamilien ist dies aber trotzdem ein Schock gewesen. Die Blicke verzweifelt und leer, beobachten sie den wichtigsten Prozess in der deutschen Nachkriegszeit.
Der Verhandlungsfluss wurde dann aber auch schon wieder unterbrochen: Die Verteidiger/Innen von Zschäpe stellten einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter Götzl und sorgten damit schon im Vorfeld der Verhandlung für den ersten großen Störfaktor. Zu Recht wiesen die Anwälte der Opfer darauf hin, dass eine „verletzte Eitelkeit der Strafverteidiger kein Grund für einen Befangenheitsantrag ist“. Eine unnötige Verlängerung sei unangemessen. Die Strafverteidiger distanzierten sich von diesen Aussagen und betonten, dass es hier lediglich um die Geltendmachung strafprozessualer Rechte ginge und dies nicht die Verachtung der Opfergefühle bedeute. Zschäpe solle angemessen verteidigt werden. Prozesstaktik oder Gebrauchtmachung des Unschuldsvermutungsgrundsatzes? Wir können nur interpretieren, mehr nicht. Hintergrund des Antrags war, dass Götzl eine Durchsuchung auch aller Verteidiger vor jedem Prozesstag angeordnet hat - im Gegensatz etwa zu den Vertretern der Bundesanwaltschaft. Das sei eine bewusste Diskriminierung der Verteidiger, heißt es in dem Antrag.
Die Fortsetzung der Verhandlung wurde jedenfalls auf den 14. Mai 2013 verschoben. Dies lässt einen weiteren schmerzlichen Leidensweg für die Angehörigen anklingen. Sollte die Verhandlung sich tatsächlich bis zu zwei Jahre hinziehen, so wünsche ich jedem viel Kraft und Durchhaltevermögen.
Liebe Zschäpe: Du willst die Verhandlung für dich ausschlachten? Gut. Wir als Berichterstatter werden dich aber auch gnadenlos ausschlachten. Mörderin!
War das stark nationalsozialistisch geprägte Gesocks, die man in den 80er Jahren angeblich zerschlagen hatte, in dem man Verbote aussprach, von der Bildfläche verschwunden? Mitnichten...
In den 80er Jahren versuchten "Demokraten" auf die Gefahr hinzuweisen, die von Wehrsportgruppen und Kameradschaften ausging. Populisten, teilweise noch vom hitlerischen Wahn benebelt und derart von sich und der Sache überzeugt, dass die bundesdeutschen Regierungsvertreter als Verräter, Richter und Staatsanwälte als Steigbügelhalter der "jüdischen Verschwörer" bezeichnet wurden, Polizisten auf offener Straße erschossen, Asylbewerber beim lebendigen Leib verbrannt wurden, spitzten die Lage bis hin zu organisierten Pogromen zu...
Heute sind diese Übergriffe als "Ausschreitungen von Hoyerswerda", "Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen", "Mordanschlag von Mölln" und "Brandanschlag von Solingen" bekannt. Es waren aber nicht die ersten rassistisch motivierten Übergriffe und mit den NSU-Morden ist die Fahnenstange noch längst nicht erreicht. Mit den rassistisch motivierten Übergriffen in der sächsischen Stadt Hoyerswerda zwischen dem 17. und 23. September 1991 hatte man den Rechtsstaat vorgeführt und mit den Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen zwischen dem 22. und 26. August 1992, gegen die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber und ein Wohnheim für ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter, hatte dieses Gesocks es geschafft, dass der Staat kapitulierte.
Mit dem Brandanschlag in der Nacht auf den 23. November 1992 auf zwei von türkischen Familien bewohnte Häuser in der schleswig-holsteinischen Kleinstadt Mölln und dem Brandanschlag von Solingen, der am 29. Mai 1993 fünf Menschen das Leben kostete, erreichte die rechte Gewalt seinen vorläufigen Höhepunkt. Und das trotz einer politisch angeblich massiv angestrengten Sicherheitspolitik. Die Sicherheitspolitik von einst ist immer noch hoch aktuell, wenn auch auf dem rechten Auge blind. Denn wie erklärt es sich, dass nur ein Jahrzehnt später ein Netzwerk von rassistischem Gesocks da anfängt, wo andere aufgehört hatten?
Hatten frühere rassistisch motivierten Übergriffe etwas mit den jüngsten Ereignissen gemeinsam? Sie ernährten sich durch die selbe politische Untätigkeit, durch latentes wegschauen, aber auch und besonders durch Populisten, die nicht nur der "urdeutschen Suppe" entstammten, sondern auch aus dem kritischen, bisweilen hämischen Gastarbeiter-Mileu. Kelek`s, Ates´s, Balci`s oder wie sie alle heißen mögen, hatten die Lage richtig eingeschätzt und waren der "Industrie" beigetreten, die medial in Szene gesetzt, die Herzen aller penetrant an Zuwanderern abarbeitenden erhobenen Zeigefingern gewannen. Noch heute schlagen die Herzen höher, trotz und vor allem wegen der NSU-Morde, wenn eine Necla Kelek als stellvertretende Islam-Kritikerin wegen der NSU-Debatte oder wenn Zuwanderer den Zeigefinger erheben, Fragezeichen in den Raum wirft. Noch immer ist Sarrazin ein gefragter Mann, wenn es um die Verwertung von Studien geht, an der sich unlängst auch noch ein weiterer streitbarer Genosse aus Berlin beteiligte.
Dabei sollte man froh sein, dass die politischen und gesellschaftlichen Grundlagen, die diese Fremdenfeindlichkeit bislang begünstigten, der unbehelligt marodierende Nationalsozialistische Untergrund und nicht zuletzt die zu Tage geförderten Pannen bei Sicherheitskreisen nicht zu einem "Aufstand" der Zuwanderer geführt haben, wie man sie nach dem Brandanschlag von Solingen zu spüren bekam - Gründe genug hätte man. Denn einst ist sicher: als nach dem Brandanschlag von Solingen die Zuwanderer, vor allem die Türken die Nase gestrichen voll hatten, da erinnerte sich der Staat plötzlich wieder ihrer Funktion. Sie griff hart durch, verhaftete Türken, die ihrem Frust freien Lauf ließen und marodierend durch die Straßen Solingens marschierten. Und in dieser Atmosphäre, als wäre das Erlebte nicht schon genug, wurde auf der politischen Agenda die Asylpolitik auf den Prüfstand gebracht..., wie heute die Islamkonferenz, die ganz sicher zu einer Sicherheitskonferenz mutieren wird.
Wie gesagt, während man in Solingen die Türken am Aufmarsch hinderte und die Gewalt die von ihr ausging, im Keim erstickte, sah die Staatsmacht in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen tagelang zu, ja, bis man sogar vor diesen rassistischen Übergriffen kapitulierte und die von Übergriffen bedrohten Menschen nach quälenden Tagen umquartierte. Damit hatte der Staat nicht nur bewiesen, dass sie erpressbar ist, sondern auch diesem Gesocks signalisiert, dass sie genauso weiter verfahren konnte. Heute zeigt man sich über die Dimension des NSU-Verbrechens erschüttert, bezeichnet die Taten als eine Schande, wie einst Helmut Kohl. Aber ob sich dadurch was ändert, das ist die Frage, die sich ein jeder Zuwanderer stellt, und das mit einem so nüchternen Gemüt und demokratischem Feinsinn, wie nie zuvor. Es hat sich was geändert, und zwar bei den Zuwanderern, die nachwievor fest daran glauben, dass der Rechtsstaat zur Geltung kommt und die Politik aus den vergangenen Fehlern lernt, ohne wenn und aber... ob das jemals zutrifft, steht auf einem anderen Blatt!
Neben vielen türkischen Berichterstattern, sowie deutschen Medienvertretern waren Redakteure der Turkishpress vor dem Gerichtsgebäude, um euch einen Einblick in den ersten Prozesstag, eines der wichtigsten Prozesse in der deutschen Nachkriegszeit, zu gewähren.
Zahlreiche Demonstranten waren vor dem Gerichtsgebäude erschienen um gegen die abscheulichen Neonazitaten, für die hauptsächlich Beate Zschäpe mitverantwortlich gewesen ist, zu demonstrieren. Lautstark und mit ganzem Herzen protestierten die Menschen gegen Rechtsextremismus. Am Morgen wirkte die Stimmung noch trüb, aber im Laufe des Tages wurde einem die Bedeutung dieses Prozesses bewusst und man traute sich, trotz teilweise heftiger Polizisteneinsätze, über den eigenen Schatten zu springen.
Dennoch: Insgesamt ging der Prozesstag ruhiger aus als erwartet. Kein Massensturm, mit dem alle gerechnet haben. Nur kurzzeitig gab es einen Tumult um zwei junge Demonstrantinnen, die versucht hatten, über ein Sperrgitter in den Gerichtssaalinnenhof vorzudringen. Sie riefen „Mörderin! Du hast unschuldige Menschen getötet“. Die Polizisten versuchten sie zu packen und aufzuhalten, aber die jungen Frauen riefen – zu Recht - „Ihr könnt uns das hier und heute nicht verbieten“.
Unter der Menschenmenge im Gerichtssaalinnenhof befanden sich auch türkische Politiker und Abgeordnete, die ihr Mitgefühl den Opfern gegenüber aussprachen und betonten, dass sie sich ein geordnetes Gerichtsverfahren wünschten, um das Vertrauen in den deutschen Rechtsstaat wieder herzustellen.
Besuch gab es auch von Seiten der Neonaziszene im Gerichtssaal, die von jedem der dort anwesenden Menschen mit großem Unmut geduldet wurde. Mit Verlaub: Unsere Demokratie wird auch sie noch aushalten!
Und dann kam die erschütternde Nachricht: Vertagung der Gerichtsverhandlung auf den 14. Mai 2013 wegen Befangenheitsanträgen. Die Angehörigen verließen am Ende der Verhandlung den Gerichtssaal sichtlich gezeichnet von den internen Vorkommnissen überhäuft von Müdigkeit und Kraftlosigkeit. Das persönliche Gespräch mit den Opfern nach dem ersten Prozesstag zeigt: Völlige Ratlosigkeit in den Gesichtern und wieder einmal keine Genugtuung, was den Verhandlungsausgang betrifft.
Wir verließen das Oberlandesgericht, welches in der Nymphenburger Straße liegt und nehmen an der Versammlung der Angehörigen der Opfer beim türkischen Generalkonsul teil. Dort zeichnet sich ein verlorenes und verlassenes Profil ab: Alle sitzen in einem Raum bei Kaffee und Kuchen, die Blicke nach unten gesenkt, zu müde, um jetzt noch im Mittelpunkt des Tages zu stehen und persönliche Ratschläge von außen entgegenzunehmen. Wir hatten uns als Redaktion entschieden nicht weiter nachzubohren und verließen einstimmig frühzeitig die Versammlung. Wir wünschen den Angehörigen viel Kraft und Durchhaltevermögen!
In Hückelhoven entstand nach einem Brandanschlag gegen ein türkisches Kiosk leichter Sachschaden. Die Kioskbesitzerin steht unter Schock
Glimpflich endete ein Brandanschlag am Montagabend im nordrhein-westfälischen Hückelhoven. Die türkische Kioskbesitzerin Sevim E. und ihr Sohn wurden gegen 22:30 Uhr durch einen lauten Knall aufgeschreckt, die sich bald als auf der Schaufensterscheibe explodierende Molotowcocktails herausstellten. Durch beherztes Eingreifen des 20-jährigen Sercan E. konnte der Brand gelöscht werden. In dem darüber liegenden Wohnhaus wohnen 7 weitere Familien, die laut Sercan E. Glück im Unglück gehabt hätten. Wenn der Brandanschlag nicht sofort bemerkt worden sei, hätte es schlimm enden können, sagte Sercan E., der kurz nach der Tat den mutmaßlichen Täter verfolgte.
Laut Staatsanwaltschaft wurde ein 22-jähriger verhaftet, bei dem sich nach weiteren Ermittlungen der Tatverdacht erhärtet habe. So soll nach dem Wurf des Molotowcocktails zwar die äußere Scheibe zerbrochen sein, weil aber die innere Schaufensterscheibe standgehalten habe, habe sich das Feuer nicht im Kiosk ausbreiten können. Die Polizei konnte den 22-jährigen Tatverdächtigen mit Hilfe von Sercan E. fassen. Der Sohn der Kiosk-Besitzerin hatte kurz nach dem Vorfall den jungen Mann bis zu einem Haus verfolgt und die Polizei alarmiert. Diese konnte den Flüchtigen vorläufig festnehmen. Die weiteren Ermittlungen erhärteten den Tatverdacht gegen den Deutschen, der nach Angaben von Serkan E. äußerlich der Neonazi-Szene zuzuordnen sei. "Wir ermitteln in alle Richtungen, doch zu einem fremdenfeindlichen Hintergrund gibt es keine Erkenntnisse", äußerte sich hingegen Staatsanwältin Hensen.
Nach Presseberichten, die durch protestantische Vereine in Ankara in Umlauf gebracht wurden, dementiert die türkische Religionsbehörde die Berichte um einen verhinderten Kirchenbau in der Türkei
Die türkische Religionsbehörde (DIYANET) hat Presseberichte dementiert, wonach ein Grundstück, das für ein Kirchenbau angefragt wurde, von der Religionsbehörde für einen Moschee-Neubau vor den Protestanten weggeschnappt worden sei. Mehmet Görmez, Vorsitzender der DIYANET erklärte in einem Interview, er habe von der Planung und Anfrage der Protestanten in Ankara erst nach den Presseberichten erfahren. Man habe zu keiner Zeit einen Kirchenbau verhindert oder verhindern wollen. Die Protestanten hätten auch nicht um Hilfe bei ihrem Vorhaben gebeten, sagte Görmez. Die Religionsbehörde werde sich immer dafür einsetzen, dass jede Religion in der Türkei angemessen praktiziert werden könne. Görmez verwies dabei auch auf die Erklärung des Pressesprechers der protestantischen Vereine in Ankara, Soner Tufan, der sich für die Berichte im Nachhinein bei ihm persönlich entschuldigt hätte. Laut Görmez habe es da Missverständnisse in Zusammenhang mit Flurgrundstücken gegeben. Die protestantischen Vereine hätten falsche Grundstücke bei ihrer Anfrage angegeben, weshalb es zu diesen Berichten geführt hätte.
Soner Tufan, Sprecher der Protestanten in Ankara und Vorsitzender der freien Radiosender in der Türkei, darunter auch dem christlichen Rundfunksender Radyo Shema, gab in einer schriftlichen Erklärung bekannt, dass die Protestanten bereits Mitte Mai 2006 nach einem Grundstück angefragt hätten, auf dem eine Kirche erbaut werden könnte. Die Provinzverwaltung und das Katasteramt hätten bislang kein adäquates Grundstück gefunden, woraufhin man sogar gegen die langsame Bürokratie rechtlich vorgegangen sei. Am 28. Februar habe die protestantische Vereinigung von Ankara erneut bei der Stadtverwaltung angefragt, ob es in einem bestimmten Flurstück möglich sei, eine religiöse Stätte zu bauen. Die Verwaltung habe erklärt, dass man das auswerten und auch entsprechende Alternativen vorlegen werde. Man habe aber bei der Anfrage irrtümlich falsche Flurgrundstücke angegeben, darunter ein Flurstück, die von der DIYANET bereits 6 Jahre zuvor angefragt worden sei. Aus dieser Situation heraus habe das Kasterteramt das angefragte Flurstück als reserviert deklariert und auch angegeben, wer das Flurstück bereits angefragt habe. Soner Tufan erklärte, dass die erste Reaktion darauf entsprechend kritisch ausgefallen sei, man die DIYANET fälschlich beschuldigt habe.
Die orthodoxen Christen in der Türkei können seit diesem Jahr wieder eine Messe auf Gökcea zelebrieren. Erst am vergangenem Sonntag konnte der orthodoxe Patriarch Bartholomaios I. die Ostermesse an seinem Geburtsort, der türkischen Ägäis-Insel Gökceada abhalten. Für die Ausrichtung der Ostermesse in Antakya und Alanya bedankte sich Metropolit Sotirios Trambas bei den Stadtverwaltungen. Aufgrund der verschiedenen Kalenderrechnungen feierten die Ostkirchen in diesem Jahr das Osterfest am 5. Mai.
Die größte islamistische Organisation in Deutschland ist erneut ins Visier von Polizei und Staatsanwaltschaften geraten, berichtet eine türkische Nachrichtenagentur und beruft sich auf die Kölner Staatsanwaltschaft
Die größte islamische Organisation in Deutschland (Islamische Gemeinschaft Milli Görüs e.V. (IGMG)) gerät erneut unter den Verdacht der Veruntreuung im großen Stil. Laut türkischen Medien könnten die Ausmaße das Skandal um die Veruntreuung von Spendengeldern der Deniz Feneri e.V. (deutsch: Leuchtturm) erreichen. Die Ermittlungen im Jahre 2007, die durch deutsche Ermittler angestrengt und das Verfahren vor dem Landgericht in Frankfurt am Main in einem Urteil endete, hatten eines der größten Skandale aufgedeckt, bei der die Spur bis in die Türkei führt. Laut der türkischen Nachrichtenagentur ANKA hat nun die Kölner Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren gegen ehemalige Vorstände und Mitglieder der IGMG in Köln angestrengt.
Bei den jüngsten Ermittlungen handelt es sich laut der ANKA, die den Pressesprecher des Landgerichts in Köln, Dirk Eßer zitiert, um Veruntreuung von Spendengeldern in Höhe von etwa 11 Millionen Euro. Die Gelder seien im Rahmen des Opferfestes zwischen 2005 bis 2009 von insgesamt 375.000 Spendern in Deutschland eingesammelt und davon ein Drittel zweckentfremdet verwendet worden.
In noch nicht einmal 5 Jahren steht die Milli Görüs schon zum vierten Mal wegen des Verdachts der Veruntreuung und anderen Strafsachen im Rampenlicht. 2010 hatte die Münchner Staatsanwaltschaft Vorwürfe gegen die Münchner IGMG fallengelassen. Die Staatsanwaltschaft hatte den Spitzenfunktionären von Milli Görüs in München Betrug, Untreue und Geldwäsche vorgeworfen. Mit den Negativschlagzeilen kam 2008 auch die Debatte um ein Verbot der IGMG. Der Generalsekretär von Milli Görüs, Oguz Ücüncü wies die Vorwürfe stets zurück, bezeichnete die Ermittlungen als politisch motiviert.
Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass in den Reihen der Kosmopoliten irgendwann einer anzutreffen ist, mit dem man einen geistigen Duell ausfechten kann...
Kosmopoliten sind in der ganzen Welt zu Hause; steht jedenfalls so in der wiktionary der Wikipedia. Manchmal habe ich aber das Gefühl, dass die Kosmopoliten von der-kosmopoliten.de aus einer anderen Welt stammen. Jüngst musste ich mich mit einem der Redaktionsmitglieder hier auseinandersetzen. Mit einem Artikel hatte er angeblich die Weltenbürger aufgeschreckt. Einer dieser Bürger, ein gewisser Daniel Leon Schikora, Doktorand der Politikwissenschaften und angeblich der Sprecher einer Deutsch-Israelischen Gesellschaft, hatte sich über seinen Artikel aufgeregt und dieser jemand war geradezu angepisst. So sehr, dass die flammende "Rede" die Turkishpress.de insgesamt in Erklärungsnot brachte; meinte jedenfalls mein Redaktionskollege, nach dem er den Artikel von Schikora hastig durchgelesen hatte und dabei so sehr ins Grübeln kam, dass er seinen Artikel mehrmals auf Herz und Nieren überprüfte. Stimmten die Vorwürfe? War ein Ansatz von Hass gegen Armenier und Juden in den Artikel miteingesickert? Könnte es sogar zu einer Anzeige kommen? Der Kollege ist noch ein junger Spunt, eigentlich noch grün hinter den Ohren, weshalb ich seine Befürchtungen, die er bei einem Telefonat zur Aussprache brachte, zuerst einmal ernst nehmen musste. Also las ich mir den Artikel von diesem Doktorant der Wissenschaften durch, der auch in der "Jungen Freiheit" oder in der "Blauen Narzisse" seine aufschlussreichen Ansichten freimütig vertrat...
Die Hoffnung, um es mal deutlich zu formulieren, dass die Kosmopoliten es irgendwann auf die Reihe bekommen, auf geistig hohem Niveau zu schreiben, die schwindet immer mehr, erst recht nach diesem zusammenhanglosen, extrem überdrehten Artikel, der wohl als Antwort auf unseren Artikel verstanden wird. Sie hatten nie eine wirkliche "geistige Waffe", noch werden sie es je haben, habe ich das Gefühl. Wie auch, wenn es mit radikalen Gedankengut aller Coleur zusammengesetzt ist? Ich habe ja schon vieles erlebt; wie der Betriebswirt und Banker Sarrazin oder dieser Ohanes Altunkaya, einige Tatsachen verdrehen konnten. Was Sarrazin so verzapfte, dass Deutschland untergehe und auch sonst langsam verblöde, oder dieser Altunkaya, der in Istanbul ein historisches Wunder erlebt haben will, weil eine handvoll "türkisch-kurdischen Aktivisten" sich zum 98. Jahrestages des Ersten Weltkriegs eingefunden hätten, interessiert doch eigentlich keine Sau. Der Begriff "Aktivisten" besagt doch schon, was Sinn und Zweck dieser Istanbul-Reise war: die Etablierung einer revisionistischen Ansicht - wohlgemerkt, so aufgefasst in der Türkei - durch eine kleine Schar von Menschen, die nicht nur im Ausland, sondern in der Türkei für etwas eintreten, wovon sehr viele, wahrscheinlich die gesamte Türkei bis auf wenige Aktivisten wenig bis gar nichts halten. Ich würde vorschlagen, einige türkische "Aktivisten" gehen mal nach Jerewan und legen für die dort während des Ersten Weltkriegs und danach dahingeschlachteten Aserbaischaner, Muslime oder andere Minoritäten einen Kranz nieder! Mal sehen, wie schnell da entweder der Kranz selbst in Flammen aufgeht oder diejenigen, die das überhaupt in Erwägung ziehen konnten und aus dem Land gejagt werden. Aber ich fürchte, es würde sich kein Aktivist finden, der noch an seinem Leben hängt. Deshalb, wo nichts ist, kann auch nichts passieren, gelle....? Armenien hat es schön, macht es sich schön. Es werden nur Leute eingeladen, die genauso ticken wie sie und nur Kränze mitbringen, die den armenischen Opfern gewidmet sind. Kritiker? Fehlanzeige! Selbstreflektion? Ein Fremdwort!
Es geht eben um den Standpunkt; während es in der Türkei möglich ist, für Hrant Dink auf die Straßen zu gehen, als Minderheit alles zu werden, auch ein Staatsmann, sich aussuchen zu können, arm zu bleiben oder reich zu werden, kann man in Armenien als Minderheit entweder reißaus nehmen oder sich dem Schicksal hingeben, in Europa durch Kosmopoliten in der Existenz verleugnet zu werden. Viele halten es nicht mehr aus und sind schon ausgewandert, mitsamt vielen Wirtschaftsflüchtlingen, die auch in der Türkei ihr auskommen finden. Ist es in der Türkei oder in Aserbaidschan wunderbar? Nein, nicht alles, aber vieles... man kann dort als Kritiker und Mahner auftreten.
Im Gegensatz zu Armenien, brauchen Juden, Roma-Sinti und Homosexuelle in der Türkei sich nicht vor mutierten Neonazis zu fürchten oder müssen sich vor "Ariern" in acht geben. Im Gegensatz zu Armenien, können sich "türkisch-kurdischen Aktivisten", aus den USA angereiste Diaspora-Armenier mitten in Istanbul ausbreiten und Kränze niederlegen. Im Gegensatz zu Armenien, hat die Türkei Kritiker, auch in den eigenen Reihen und im Gegensatz zu Armenien, ist in der Türkei jede Nationalflagge unantastbar und landet nicht in einem Scheiterhaufen oder wird als Fußabtreter verwendet...
Deshalb Frage ich mich oft, wie es sein kann, dass diese Menschen, diese Weltenbürger sich anmaßen, über andere zu richten, wenn es denn doch bei ihnen noch schlimmer zugeht, die nur darauf warten, in die Öffentlichkeit hineingetragen zu werden. Aber mit sowas befasst man sich nicht; dafür sorgen die Kosmopoliten und Konsorten in Deutschland. Dabei sind bekannte "Aktivisten", die sich nicht zu Schade sind, sich selbst radikalen Ansichten anzunähern, so z.B. ein Ali Yildiz, der in Berlin mit einem Auftritt vor einem harten Kern der rechtsaussendrehenden Ex-CDU´ler und "Radikalen" einen Namen machte und dabei von Humanismus philosophierte, während in den Reihen der Zuhörer manch einer saß, der die Homosexualität als zersetzendes Übel in der Gesellschaft bezeichnete oder sich endlich von der Shoa-Schuld befreien wollte. Oder eine Madlen Vartian, die nimmermüde Armenierin, die mit einem Kollegenstamm gegen die Türken hier wie auch in der Türkei zu Felde zieht; eine Art Jeanne d'Arc der Neuzeit. Manche Historiker meinen ja, diese Jeanne sei im Oberstübchen nicht recht beisammen gewesen...
Nun wurde ein Artikel der Turkishpress.de genommen und bis zur Unkenntlichkeit verschandelt wiedergegeben. Es tut schon weh, sich Zeile für Zeile durch den Artikel von Schikora zu quälen, sich dabei zwischendurch das Gelächter mühsam zu erkämpfen, um vielleicht die Ironie dahinter doch noch zu erkennen. Aber vergebens...
Die Hoffnung, dass Leute, die in anti-türkischer Umgebung für Armenien sind und sich sowohl gegen die Verharmlosung eines sogenannten "Völkermordes", als auch gegen den restlos boshaft gewordenen "Nationalismus" in der Türkei verschrieben haben, einigermaßen richtig ticken, liegt zwar nahe wenn man ihre Haltung zur Armenier-Frage in Zusammenhang mit der Türkei bringt, ist aber angesichts dieses Artikels von Schikora ins Absurdum geführt. Wie falsch sie ist, belegt eine Expedition in der-kosmopolit.de, deren weltenbürgerliche Unterschicht gegen Türken, Nationalismus und die türkische Regierung randaliert, während die Gebildeteren mit Preisen überhäuft werden oder durch Zuwendungen in Höchstform auflaufen; letztens erneut Tessa Hoffmann (diesmal mit der Präsidentenmedaille), die schon mit Ehrungen und Medaillen aus Armenien so überladen ist, dass sie sich kaum noch bücken kann. Die Schwerpunktverlagerung würde ihr das Genick brechen...
Die Kosmopoliten haben das Recht auf die Verbreitung bösartigen Schwachsinns, wir haben nichts dagegen, können auch gegen Meinungen nichts anrichten, die so penetrant wiedergegeben werden. Manche Artikel im Web brauchen wir auch nicht zu kommentieren, die im Web kursieren, sie können zu Blödfieber führen, weil sie von Vollpfosten gegen uns gerichtet werden. Es sind immer die gleichen: Rechtsradikale Deutsche, radikale Armenier, Griechen, Kurden; ja sogar Griechen, die doch wahrlich andere Sorgen haben, als ein Bevölkerungsaustausch als "Völkermord" zu deklarieren. Nicht alle sind so und das ist gut so. Wir wurden schon mit vielem in Verbindung gebracht, je nach Lagermentalität mit Grauen Wölfen, Gülenisten, Islamisten, Faschisten, Kemalisten. Je nach Standpunkt haben wir unseren Senf dazu gegeben, andere ignoriert, aber dieser Artikel von Schikora, dass musste unsere Aufmerksamkeit gewinnen, denn wir wollen ja nicht, dass das im Nirwana verschwindet...
Unser verehrter Doktorant sollte erkennen, dass das mit relativieren nichts zu tun hat. Wenn es in Armenien Nazi-Verschnitte gibt, dann ist das interessant und sollte angesprochen werden. Wenn man auch nicht alle Fouls beim Namen nennt - glauben sie mir verehrter Schikora, man könnte noch so vieles mehr ans Tageslicht bringen, aber das wäre weit über ihrem Horizont, und man sieht ja, dass sie nicht einmal mit dieser Geschichte fertig werden, wie wollen sie dann mit der Berg-Karabach Sache abschließen, oder diese Geschichte von 1918, wo Tausende Aserbaidschaner, Georgier, Tartaren, Meschketen und andere der Demokratischen Republik Armenien weichen mussten, wohlgemerkt vertikal und nicht horizontal - ein Paar Beispiele wurden in diesem unseren Artikel von Akin Ruhi Göztas erwähnt. Vor allem wird es interessant, wenn man auch noch der Sprecher einer Vereinigung ist, deren erklärtes Ziel es ist, die Juden in Schutz zu nehmen und die Freundschaft zu vertiefen. Aber es gibt eben Weltenbürger, die muss man nicht verstehen...
Vieles kann man nicht verstehen. Wenn z.B. der Zentralrat der Armenier in Deutschland darüber sagt, "Wir wissen, wie sorgsam wir mit solchen Begriffen umgehen müssen. Krieg bedeutet Leid." dann gilt dass zwar für die Armenier in Berg-Karabach - die heute die Luft nicht mehr mit den vertriebenen Aserbaidschanern atmen müssen, was ja wohl ein Gottes Segen sein muss - nicht aber für die Türkei während des Ersten Weltkrieges. Muss man das verstehen? Solche Argumente könnte man postwendend denen vor den Latz werfen, aber man würde es gleich als Leugnung hinstellen. Deshalb hat es auch keinen Sinn, diesen Diasporanten zu erklären, was Erinnerung und Verhinderung wirklich bedeutet; die Verhinderung von Wiederholungen, die Ausmaße annehmen, welche schrecklich sein können. Dass dem nicht so ist, zeigten Armenier in Berg-Karabach mit Hilfe des Staates Armenien, die doch selbst unter eine schrecklichen Zeit gelitten haben. Von den Völkermorden der Nachkriegszeit, die die Völkermord-Charta in Teilen erfüllen, aber nie anerkannt wurden, wollen wir erst gar nicht sprechen, die seither geschehen sind, unter den Augen der Medien - bislang hat man jedenfalls keins verhindert, weder in Berg-Karabach, noch sonstwo. Es ist eigentlich ganz einfach, um die Standpunkte mal festzuhalten: bisher hat es kein Türke über die Lippen gebracht, man habe sich von "Armeniern" befreit, wie es Schikora mit fester Stimme zum Ausdruck bringt, wenn er vom 21. Jahrestag der "Befreiung Shushi´s" (Sushi - Region in Berg-Karabach) spricht. Wenn die "Befreiung" von Aserbaidschanern in einem Ausmaß wie es die Medien auch in Deutschland mitverfolgen konnten, "Freiheit" bedeutet, dann muss man das wohl genauso verstehen...
Deshalb kratze ich mich wund und versuche zu verstehen, was die ganzen Debatten seit der Etablierung der Völkermord-Konvention bewirkt haben, während es auf der ganzen Welt, auch im Kaukasus und vor allem durch Armenier, zu Massakern und Vertreibungen im großen Stil kam. Dass das armenische Volk ebenfalls gelitten habe, kann die Tatsache nicht relativieren, dass das aserbaidschanische Volk in Berg-Karabach nicht mehr existiert, null, nada. Es kann auch nichts darüber hinwegtäuschen, dass in Armenien keine muslimische Minderheit existiert. Eine Region, in der schon seit Jahrhunderten Minoritäten lebten, ist seit der ersten Republik Armenien ratzekahl von Minderheiten muslimischen Glaubens entvölkert, und dabei blieb es nicht. Das kulturelle Erbe ist ausradiert. Wie, darüber klärt uns die armenische Geschichte von einem Jahrhundert, genau die selbe Zahl des Jahrestages, die Altunkaya für sich beansprucht. Es ist auch irrwitzig, Armenien in Schutz nehmen zu wollen, in dem man einen Artikel in der Turkishpress durch den Kakao zieht. Jeder Einfallspinsel könnte es mit diesem Doktoranten aufnehmen, sollte es aber tunlichst vermeiden. Wer weiß, was dieser Wissenschaftler noch aus der Nase zieht...
Neo-Osmanismus, das neue Schreckensszenario - in Anlehnung an einen Artikel von Kürşat Özdemir in der yazete.com
Das Konzept des türkischen Aussenministers Ahmet Davutoglu, mit "strategischer Tiefe“ eine historische wie kulturelle zeitgemäße Wiederbelebung anzuvisieren, wird in Europa und in den USA als Neo-Osmanismus bezeichnet. Diese Wiederbelebung des Osmanismus, die mit der Idealisierung des Osmanischen Reiches eng verknüpft wird, festzuhalten an den Reaktionen des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, der die TV-Serie "Muhtesem Yüzyil" scharf kritisierte, weil sie dem Idealbild eines islamisch ausgerichteten Staatswesens wie die des Osmanischen Reiches keineswegs gleiche, wird im Westen mit Argusaugen beobachtet. Es gab bereits Schreckensszenarien, die denen der in der frühen Neuzeit in Umlauf gebrachten Malereien und Holzschnitte erinnern, in denen aufgezeigt wird, wie barbarisch die Osmanen Ländereien besetzen.
Davutoglu erklärte dazu: "Eigentlich eröffnen wir der überregionalen Restauration Tor und Tür. Wenn wir das sagen, werden wir als Neo-Osmanen bezeichnet. Wissen sie auch, weshalb sie das sagen? Manche wollen so Völker im Balkan und im Nahen Osten gegen uns aufwiegeln. Wir sind auf Osmanen, Seldschuken, Ortoqiden, Marwaniden und Saladin stolz, wer auch immer gegenteiliges und anderes behauptet. Aber wir Fragen in diesem Kontext, weshalb ein vereintes Europa, die ihre Grenzen aufgehoben hat, nicht als Neo-Romanismus bezeichnet wird, ein wiederbelebtes Römisches Reich, stattdessen wir als Neo-Osmanisten vorverurteilt werden, weil wir wollen, dass die Völker der Regionen erneut zusammen kommen. Was auch immer gesagt wird, alle urbanen Städte werden sich mit dem Hinterland treffen"
Die amtierende Regierungspartei AKP und besonders Ministerpräsident Erdogan werden wegen ihrer angestrebten und verfolgten Aussenpolitik als Neo-Osmanen verschrien. Das geschieht trotz der dementis des türkischen Aussenministers Davutoglu, der angibt, mit diesen Unterstellungen werde die Null-Probleme Politik des Landes Schaden davon tragen.
Der Vorsitzende der amtierenden AK-Partei, Erdogan, der die Ära als eine Meisterprüfung sieht, erklärte während einer ausserordentlichen Versammlung der Partei am 30. September 2012: "Im Schatten dieser Platanen [eine Baumgattung], dem Seldschuken-Platanen, Osmanen-Platanen und im Schatten der Republik ist kein Blut. Hinter diesen Platanen gibt es keine Diskriminierung. In diesen Schatten gibt es keine Unterdrückung, keiner der zum Separatismus genötigt wird [....] Unser Weg ist die selbe wie die eines Alp Arslan, Malik Schah I. und Kılıç Arslan I.. Unseren Weg haben uns Osman I., Fatih Sultan Mehmet, Sultan Süleyman und eines Selim I. geebnent. [...] Wir haben auf verstaubten anatolischen und thrakischen Straßen, nicht nur wenige Jahre, sondern mehrere Jahrzehnte sehnsüchtig darauf gewartet. Wir haben gesehen, wie eine von Seldschuken und Osmanen errichtetes Reich, so viel Demut zeigen konnte, so viel an zivilisatorischem hervogebracht hat."
In dieser Rede fällt vor allem auf, dass der Ministerpräsident die Seldschuken im besonderen betont. In der selben Rede wurde auch die Zukunft prognostiziert, Pläne vorgestellt, die für 2023 und 2071 anvisiert werden. 2071, ein Datum, dass 1000-jährige Jubiläum, die mit dem Beginn der Besiedlung der Seldschuken in Kleinasien einhergeht. Tayyip Erdogan erklärte Mitte Dezember 2012, 2071 werde die Türkei die einstige Größe haben, wie sie die Seldschuken und Osmanen einst hatten. Die Erwähnung der Seldschuken und Osmanen ist aber älteren Ursprungs. Bereits 2007 konnte man bei der Neueröffnung der Parteizentrale in Ankara die architektonischen Stile der Seldschuken bewundern. Das bei den Seldschuken symbolisierte 8-schweifige Stern wurde deshalb von Kritikern der Regierung oft mit dem 6-eckigen Davidstern verwechselt, weshalb man der AK-Partei vorwarf, als Gefolge Israels zu handeln.
Ministerpräsident Erdogan, der während seiner "Meisterprüfung" Reden hielt und immer öfter die Seldschuken erwähnte, ließ die Osmanen ebenfalls nicht aus. Besonders während der demokratischen Öffnung wurde das vermehrt Gegenstand in seinen Reden. Ende März 2013 sprach Erdogan während einer Rede davon, dass das Volk in Kleinasien aus der Reihe tanze und etwas besonderes sei. Man entstamme aus einer Reihe von Reichen, die der Seldschuken und Osmanen. Das Volk trage noch das Erbe dieser Reiche, die Errungenschaften, vor allem aber die Seele, die sie noch immer von sich ausstrahle. Man sei das Volk der türkischen Republik, die mit dieser Ehre, mit der Seele die sie in sich trage, ein Erbe hüte und in ihrem Handeln auch zu Tage fördere. In dieser Rede wurde auch die Order gegeben, bei der Neu-Urbanisierung von Ankara und Istanbul, auf die architektonischen Stile der Seldschuken zurückzugreifen.
Wie ernst man diese Neuorientierung nimmt, könnte man auch beim Staatspräsidenten Abdullah Gül erneut festhalten. Während eines Staatsbesuchs in Litauen, sagte Gül auf die Frage, was denn die neue Verfassung mit der Staatsangehörigkeit bezwecke, dass das Seldschuken- und Osmanen-Reich immer als türkische Reiche verstanden werden. Dabei gebe es aber diese "Türken" nicht, man habe in diesen Reichen nicht von Türken gesprochen, sondern von Osmanen. Dann ging Gül auf ein erneutes auf die Seldschuken und ihre Kultur ein. So muss man in diesem Zusammenhang auch erwähnen, dass die Stadt Konya mit Hilfe des Präsidialamts ein Album heraus gab, in der die architektonischen Stile der Seldschuken im besonderen gezeigt werden.
Es gibt aber auch andere Mittel, mit der die seldschukischen Stile und osmanischen Elemente, unbemerkt für den Beobachter, zum tragen kommen. Jeder kennt die TV-Serie "Kurtlar Vadisi" [Tal der Wölfe], das hier im deutschsprachigen Raum durch einen Kinofilm ins Gerede kam. Als die Serie am Anfang ausgestrahlt wurde, gab es immer wieder Szenen, in der der doppelköpfige Vogel oder ein Bogen im Hintergrund zu sehen waren. Diese Symbole waren von den Seldschukenreichen, zierten auch die Flaggen. Auch ist es nicht weit hergeholt, wenn einer der Akteure "Sencer bey" heißt - in Anlehnung an den letzten Sultan der Seldschuken, Ahmad Sandschar, Sultan Sencer? Derjenige, dessen Vater Malik Schah I. [türkisch Melikşah] und der Großvater Alp Arslan [Sultan der Großseldschuken] war. Dieser Sultan Sencer genoß zu jener Zeit eine sehr gute Ausbildung, sollte er doch ein Reich übernehmen, was er auch tat und das Staatssystem revolutionierte. Leider musste sich Sultan Sencer auch mit vielen Konflikten an den Grenzen seines Reiches beschäftigen, so sehr, dass das Reich sich bald auflöste. Aus dessen Fürstentümern entsprang dann die Linie der Osmanen [Osmanoğulları], die ein neues Weltreich aufbauten. Man könnte meinen, dass diese Entwicklung im Kern auch heute zutrifft, ein Reich das untergeht, ein neues das aus ihr erwächst - Wiederbelebung!
Vielleicht mag das zu weit hergeholt sein, aber bereits Mustafa Kemal Pascha, der Vater der Türken hatte 1933 ähnliche Ansichten vertreten. Er sagte damals in Regierungssitz von Ankara [Cankaya], heute sei das Sowjetische Reich ein Verbündeter, ein Freund. Man sei darauf angewiesen. Was aber die Zukunft mit sich bringe, könne man nicht abschätzen. Das Osmanen-Reich oder die K.u.K. Monarchie [Österreich-Ungarn] seien zerfallen, dass könne auch der Sowjetunion passieren. Heute, wo die Völker fest umklammert werden, könnten eines Tages zwischen den Fingern entrinnen. Die Welt wäre einer neuen Ordnung unterworfen. Die Türkei müsse daher wissen, wo sie stehe. Es sei wichtig, die Freundschaft zu bewahren, mit denen, die die selbe Religion, selbe Sprache, selbe Kultur teilen, um sie dann aufzunehmen, zu umarmen. Das bedeute aber auch, nicht auf die Zukunft zu warten, sondern hinzuarbeiten. Man müsse vorbereitet sein. Die Sprache sei eine Brücke, genauso wie die Kultur sowie gemeinsame Geschichte, aber auch der Religion. Man müsse, so konstatierte Mustafa Kemal Pascha damals, sich mit dem Erbe befassen, die durch den Lauf der Geschichte geteilt worden sei, damit man wieder zusammen kommt.
In einer Pressemitteilung fordert der bayrische Landesverband der Alevitischen Gemeinde in Deutschland von den Muslimen, sich von der Scharia zu distanzieren
Verstört reagieren muslimische Verbände auf einen Aufruf der bayrischen Aleviten. Am Dienstag veröffentlichte der bayrische Landesverband der Alevitischen Gemeinde in Deutschland (AABF) eine Presseerklärung, in der die Muslime aufgefordert werden, sich von der Scharia zu distanzieren. Dabei beruft sich der Landesverband aus Ingolstadt auch auf Dr. Aydın Fındıkçı, der zuvor schon in eindringlichen Apellen, die Integrationsbereitschaft mit der "veralteten" Auslegung der Scharia verknüpfte. In der Presseerklärung distanziert sich der Landesverband von der "Scharia" und erklärt, dass die Kooperation und Hilfe der öffentlichen Stellen mit "Anhängern der Scharia" keinen Beitrag zur Integration und friedlichem Zusammenleben von unterschiedlichen Religions- und Glaubensgemeinschaften in der Gesellschaft leiste.
In Europa ist den meisten Menschen nicht klar, worum es sich bei der sogenannten Scharia handelt. Diese wird im Allgemeinen unter anderem mit Strafen in Zusammenhang gebracht, die im Widerspruch zu den geltenden Menschenrechten stehen. Zudem wird die Scharia als vollkommener Gegensatz zur Demokratie und Rechtsstaatlichkeit betrachtet. Diese Sichtweise erweist sich jedoch als recht eindimensional, weswegen auch muslimische Verbände das Bild ein für allemal gerade rücken wollen.
Welchen hohen Stellenwert der gesellschaftliche Diskurs und die Wahrnehmung des Islam und der Muslime inzwischen für die muslimischen Verbände hat, wurde besonders während der Islamkonferenz deutlich. Seit der Islam wieder in den Fokus der Sicherheitspolitik gerückt wird, zeichnen muslimische Verbände "inszenierte Kulturkämpfe und Konfliktfelder" verantwortlich, auch durch das Aufwerfen der Scharia. Pauschalisierende Berichterstattungen über die Scharia, Islam und Muslime, defizitorientierte Diskussionen und problemzentrierte Politik haben in den letzten Jahren verhindert, dass die Öffentlichkeit ein differenziertes Bild von muslimischen Mitbürgern und ihrer Religion gewinnen konnten. Latente Vorurteile führen seit mehreren Jahren zu zusätzlichen Reibungen.
Die Sorge der Muslime und ihrer Vertretungen in Deutschland um ihre öffentliche Wahrnehmung, aber auch die gleichzeitig angestrebte nachhaltige Bewusstseinsbildung über den Islam, werden laut muslimischen Verbänden gestört. Der neuerliche Vorstoß des bayrischen Landesverbandes der AABF, hat deshalb zu ersten Reaktionen geführt. Nicht nur wegen der kontraproduktiven Informationspolitik, sondern auch durch die öffentlichkeitswirksame undifferenzierte Wahrnehmung des Islams, werde die Integration von Muslimen massgeblich verzögert. Man grenze, so erklärte u.a. die DITIB in einer Erklärung, die Muslime in Deutschland von der Gesellschaft aus, in dem ihre verfassungsgemäßen Rechte, vor allem ihre Verfassungstreue in Frage gestellt werde.
Alboğa, der Vertreter der DITIB erklärte in Zusammenhang mit der öffentlichen Wahrnehmung: "Umso wichtiger ist die Thematisierung und Aufklärung über die strategischen Elemente der „modernen, gesellschaftsfähigen“ Islamfeindlichkeit. Denn hier liegt das größte Gefahrenpotential, dass das gesamtgesellschaftliche, aber auch zwischenmenschliche Klima beeinflusst. Die Versuche, die Konflikte im Zuge der Transformationsprozesse aufzugreifen und auf den Islam und Muslime zu projizieren, führen zu weit reichenden Stigmatisierungs- und Diskriminierungseffekten.“
Der umstrittene Münchener Imam Benjamin Idriz erklärte in einer ersten Stellungnahme, dass die Unkenntnis über die Scharia, zu Missverständnissen führe. Die Scharia sei kein feststehender Codex, den man in einem Buch nachschlagen könne, um sich ein Urteil zu bilden. Die immensen Unterschiede zwischen den islamischen Staaten, die in ihrer Rechtsauffassung die Scharia anwenden, die im Grunde durch Menschen etabliert sei, würden offenbaren, dass es die Scharia nicht gebe. Auch sei es extrem populistisch zu behaupten, man müsse sich von der Scharia distanzieren, zumal die Türkei verfassungsgemäß die eigene Scharia nach der Republiksgründung ersetzt habe. Die Aleviten der AABF, die fast ausnahmslos aus der Türkei stammen, würden dennoch die türkischen Muslime konfrontieren, was Fragen aufwerfe.
Dennoch, ein gewisser Kernbestand des Glaubens, die sich ausschließlich auf den Koran beruft, sei unantastbar, so das Bekenntnis zu dem einen Gott und die fünf Säulen, aber in allen anderen Bereichen gebe es ein sehr hohes Maß an Flexibilität, die in den Jahrhunderten bis heute auch angewendet worden seien. Es sei ohnehin extrem politisch aufgeladen, wenn man den Muslimen unterstellt, sie könnten zwischen dem Koran und der Sharia, zwischen Glauben und Verfassung nicht unterscheiden.
Die Nachricht wäre eine alltägliche, wenn nicht die sogenannten Friedensgespräche zwischen Terrororganisation PKK und dem türkischen Staat wären. Zwei kurdischen Familien in der Provinz Diyarbakir ist dieser Albtraum vor fünf Tagen passiert.
Entführung eines Hirten in den Dirbe-Hochebenen
Wie nun heute bekannt wurde, ist vor vier Tagen ein kurdischer Hirte im Landkreis Kulp in den Dirbe-Hochebenen von der PKK entführt worden. Der 37-jährige Hirte Abdulhadi Yavuz ist seit vier Tagen in der Gewalt der PKK, so die Familienangehörigen. Über 400 Dorfbewohner suchten nach Abdulhadi, als dieser nicht mehr von den Tieren in den Hochebenen zurückkam.
Zweite Entführung
Mit dem Vorwand er sei ein Spion entführten PKK-Terroristen den 50 jährigen Abdulselam Uruçtekin. Nun wendet sich die Familie an die Öffentlichkeit, nachdem die Gendarmerie von der Politik gebremst ist.
Ibrahim Uruçtekin ist verzweifelt, seit fünf Tagen gibt es kein Lebenszeichen von seinem Vater. Der 16-jährige ist aufgewühlt doch was ist passiert? Vor fünf Tagen beluden Vater, Sohn und ein Lastwagenfahrer einen Kleinlaster mit Zementsäcken und brachten diese zum örtlichen Friedhof (Kaso). Auf dem Rückweg stellten sich sechs PKK-Terroristen, davon zwei vermummt, auf die Straße und hielten den Lastwagen an. Mit Maschinengewehren im Anschlag wurden die Insassen aus dem Lastwagen geholt. Die Terroristen brachten die Drei weiter weg, den Lkw zündeten sie an. Ihre Mobiltelefone wurden genommen, anschließend wurden sie etwas weiter in die Wälder gebracht. Dort mussten sie ihre Kleidung bis auf die Unterwäsche ablegen. Anschließend mussten sie sich auf den Bauch legen, dann fingen die Prügel an, so Ibrahim. Den Vater schlugen sie am härtesten, mit dem Gewehrkolben einer AK-47. Immer wieder beschuldigten sie den 50 jährigen Familienvater, in den 90ern kurdischer Dorfschützer gewesen zu sein und er sei ein türkischer Geheimdienstagent. Anschließend, so Ibrahim, hätte man seinen Vater am Boden entlang weggeschleift. Er selbst hätte sich an die Füße der Terroristen geworfen und darum gebettelt, seinen Vater nicht mitzunehmen.
„Deinen Vater werden wir in den Bergen vor unser Gericht stellen“
Die Terroristen entgegneten dem Sohn, dass sie seinen Vater mit in die Berge nehmen würden und dort würde die Partei ein Gerichtsverfahren gegen ihn eröffnen. Mit der Drohung den Lkw-Fahrer und den Sohn zu töten, falls sie sich bewegten, entfernten sich die PKK-Terroristen mit ihrem Gefangenen.
Nach einer Weile flüchtete Ibrahim und der Lkw-Fahrer, hörten hinter sich Schüsse, versteckten sich weiter unten in den Wäldern bis zum nächsten Morgen. In der Früh machten sie sich auf den Weg nach Diyarbakir und gaben der Gendarmerie Bescheid.
„Es sind doch Friedensgespräche warum machen die das? Ich will meinen Vater wieder!“
Die Familie wendet sich über die Medien an Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und dem politischen Arm der Terrororganisation, der nationalistisch-kurdischen Partei BDP und dessen Vorsitzenden Selahattin Demirtas.
„Bitte helft uns, dass mein Vater freigelassen wird. Wir sind sehr arm, wir sind 7 Geschwister, sie sollen unseren Vater freilassen. Wir sind seitdem völlig fertig, sie haben vor meinen Augen meinen Vater entführt. Warum entführt die PKK meinen Vater während über Frieden verhandelt wird? Ich will meinen Vater zurück“.
Der Bruder des Familienvaters Abdurrezzak Uruçtekin meldet sich auch zu Wort und versteht nicht, weshalb die Terrororganisation PKK während den Friedensverhandlungen seinen Bruder entführt habe.
Befreiung der Geiseln problematisch
Wie die Politik im Zuge der Verhandlungen mit der Terrororganisation reagiert ist fraglich, auch ist das Eingreifen der Armee, um Dorfbewohner zu befreien, ungewiss. Die Terrororganisation droht mit Abbrüchen der Verhandlungen, falls die Armee Operationen durchführe, so Terrorführer Karayilan aus den Kandil-Gebirgen.
Gerichtsverfahren innerhalb der Terrororganisation PKK
Die PKK vollstreckt aus ihren Terrorlagern heraus eigene Urteile, unter anderem die Todesstrafe für Abweichler innerhalb der Organisation oder für Gefangene. Niemand weiß, wie viele Todesurteile die PKK gegen eigene Mitglieder in den Bergen vollzogen hat. Von der PKK geflüchtete Terroristen berichten von Exekutionen gegen Mitglieder, die Parteirichtlinien nicht befolgten, offen Kritik aussprechen oder für die Führungsriege eine Konkurrenz darstellen. Offizielle Hinrichtungen von PKK-Mitgliedern ordnete Terrorführer Abdullah Öcalan vor seiner Gefangennahme gegen ranghohe Kadermitglieder an. So wurden beispielsweise Çetin Güngör, Mehmet Cahit Şener und Hali Kaya exekutiert. Auch Abweichler, die im Ausland lebten, blieben nicht verschont. So wurde Zülfü Gök auf Anordnung Öcalans 1984 in Rüsselsheim getötet. Auch normale Mitglieder der Terrororganisation bleiben nicht verschont. In Deutschland erlangte der sogenannte Bunkermord traurige Berühmtheit.
Laut der WAZ-Mediengrupppe, die "Experten" zu rate gezogen hat, sind türkische Schulbücher verherrlichend und blenden Kapitel in der türkischen Geschichte aus
Türken-Bashing oder berechtigte Zweifel? Diese Frage stellen sich türkischstämmige wie auch türkische Staatsbürger in Deutschland nach einem Bericht der WAZ. Darin klären Sinan Sat, Rusen Tayfur und Matthias Korfmann uns über inhaltliche Fehlinformationen, bildungspolitische Defizite, vor allem aber über verherrlichende Aspekte des Türkentums auf, die in türkischen Schulbüchern festgestellt wurden. Die "Experten" die von der WAZ zu rate gezogen werden, Sinan Sat und Rusen Tayfur sind Journalisten für DerWesten.de, die ansonsten keine weiteren Qualifikationen nachweisen können. Dennoch werden die hauseigenen Journalisten als Experten vorgestellt, aber über wen und warum?
Im Hintergrund kommt aber auch ein politischer Kraftakt zum Zuge, zwei aufeinandertreffende Meinungen. Während das NRW-Schulministerium in den türkischen Schulbüchern, die von Ankara "gestiftet" wird, keinerlei Bedenken sehen, meint die Lehrergewerkschaft GEW, dass die Schulbücher nationalistisch geprägt sind und die Geschichte falsch wiedergeben. So fehle der Bezug zum sogenannten Völkermord, pogromartige Übergriffe in Sivas oder Kahramanmaras oder der "Kurdenkonflikt". Bis heute warte dem Bericht zufolge das Schulministerium auf Belege der Lehrergewerkschaft.
Wer hat die Bildungshoheit?
Die Fragen die die türkischstämmigen wie auch türkischen Staatsbürger beschäftigen - wer den Unterschied nicht kennt: türkischstämmige sind Deutsche Staatsbürger mit türkischen Migrationshintergrund, während türkische Staatsbürger, der Begriff allein besagt schon alles, staatsrechtlich Türken sind -, wer hat nun die Oberhoheit über die Bildung dieser Menschen?
Bevor man auf diese Frage eingeht, sollte man anmerken, dass die Gewerkschaft wie auch das Institut für Turkistik der Uni Duisburg-Essen, aber auch das Bildungsministerium, besondere gesellschaftliche Aufgaben haben, sprich maßgeschneiderte Deutsche Bildungs- und Aufklärungsfunktionen übernehmen oder die Gewerkschaft sich um die Belange der LehrerInnen kümmert. Warum solche politisch bis gesellschaftlich motivierten, aufklärerischen "Empfehlungen" bis hin zu "Verordnungen" mit Vorsicht zu genießen sind, haben Erziehungswissenschaftler, darunter Frank-Olaf Radtke, eindrucksvoll in Studien aufgezeigt.
Es geht aber vor allem um die Bildungshoheit über Türken, die, wenn es um die türkische Sprache oder türkische Geschichte geht, rein staatsrechtlich betrachtet, dem türkischen Staat obliegt. In der Türkei gibt es offiziell den Standpunkt, es ist sogar gesellschaftlich verwurzelt, dass es keinen Kurden-Konflikt, sondern eine PKK-Terror gibt. Dass die Lehrergewerkschaft in NRW nun genau darauf und andere höchst umstrittene Themen abzielt, die bis in die Gegenwart hinein innenpolitischen Zündstoff bieten, wirft Fragen auf. Die Zweifel oder Kritik an türkischen Schulbüchern, wird anhand markanter Themen festgehalten, die die türkische Identität nicht nur ausmachen, sondern und insbesondere deshalb, in Deutschland ständig zu politischen Themen instrumentallisiert werden. Diese politisch angehauchte, ständig an bestimmten Themen in der türkischen Geschichte fixierte Deutungshoheit, korreliert dabei ständig mit der türkischen Gesellschaft und Gesellschaftsform, damit auch mit dem türkischen Staat. Dabei ist doch unbestritten, dass die Deutungshoheit über Geschichten anderer Staaten in der Konsequenz zu unerwünschten Reibungen führt, in dieser Frage zu einem Kultur-Konflikt, bis hin zu bilateralen Konflikten. Für Schulkinder überaus extrem belastend, nicht nur innerhalb der türkischen Gesellschaft, sondern auch für eine Mehrheitsgesellschaft in Deutschland.
Zu Sozial- und Kulturproblem degrariert
Spätestens mit den neuesten Erkenntnissen in der Schulpädagogik, dass die Schule ein Spiegel der Gesellschaft sei, festzuhalten an den "klischeehaften" Darstellungen, nicht nur in deutschen Schulbüchern, sondern auch in der Allgemeinliteratur, sollte die Oberhoheit über Zuwanderer oder Migranten feinfühlig, mit den Eltern und mit der jeweiligen Staatspolitik abgestimmt werden. Alles andere, die Einmischung durch politisierte Institutionen, Medien oder Ministerien, führt unweigerlich dazu, dass die Schüler zwischen Zerbildern auf der einen Seite und der Staatspolitik sowie Gesellschaftsempfindungen ihres Herkunftlandes hin und her gerissen werden. Es geht dabei mitnichten um eine Überhöhung des Türkentums oder das ausblenden von Kapiteln in der Geschichte, sondern um gemeinsame, geschichtlich gewonnene Erfahrungen, kulturelle Wertevorstellungen, sprich identitätsstiftende, verbindete Elemente in einer bestimmten Region.
Eine "Schule soll Kindern und jungen Menschen Zeit und Raum geben, eigene Erfahrungen zu machen und gemeinsam aus der Vielfalt dieses Erlebens eigenes Wissen zu schöpfen." Dieses Leitziel der GEW (Lehrergewerkschaft) passt so nicht ganz zu ihrer Feststellung. Deshalb, weil die Schulkinder, ob nun türkische oder anderer Nationalitäten, nicht nur die eine, sondern auch das andere "Wissen" konsumieren, und zwar unfreiwillig das deutsche Bildungsmaterial und falls angeboten, auch das türkische Material, um daraus eigene Schlüsse zu ziehen. Wenn also die Gewerkschaft meint, man müsse die Defizite der Geschichte dem der deutschen Vorstellungen angleichen oder das Türkentum herausstreichen, so entzieht sie den Schülern die Möglichkeit, sich aus einem Pool von Informationen zu bedienen. Ist dass das Ziel, die sie eigentlich verfolgt?
Andere Nationalitäten, andere Wertevorstellungen
Niemandem käme deshalb in den Sinn, die parlamentarische Monarchie des Vereinigten Königreichs in Frage zu stellen oder in Schulbüchern kritisch darzustellen. Niemandem käme es in den Sinn, den "übersteigerten" Nationalismus in Form des Union Jacks, die traditionelle Nationalflagge der Briten, von den Aussenspiegeln oder Dächern der MINI, von den T-Shirts zu verbannen. Mit der Argumentation der Lehrergewerkschaft oder der Uni Duisburg-Essen, müssten dann wohl alle französischen, englischen oder us-amerikanischen Schul-, Fach- und Sachbücher aus den Regalen entfernt werden, weil sie ein nationales Überbewusstsein erzeugen. Es geht daher nicht nur um die Deutungshoheit, sondern auch um den Standpunkt, den man durchsetzen will, über die Köpfe hinweg, die es selbst betrifft: Staat, Gesellschaft und Eltern.
Gewerkschaft neben der Spur?
Es geht aber auch um Selbstaufgaben und Ziele einer Lehrergewerkschaft, die irritierende, ausserplanmäßige, aber auch fachübergreifende Forderungen stellt. Sie müsste sich erklären, welchen Effekt sie sich erhofft, wenn diese Forderungen zu ihren Gunsten ausfallen. Etwa mehr Rechte für Lehrer, mehr Gehalt? Seit wann ist die Gewerkschaft dafür zuständig, sich in Bildungsfragen als kompetenter Berater vorzustellen, dabei aussenpolitische Entscheidungen maßgeblich zu beeinflussen? Diese und viele weiteren Fragen wurden nicht nur durch türkische LehrerInnen gestellt, sondern auch durch die türkische Community selbst. Hier ein Auszug davon, die zur Zeit in sozialen Netzwerken herumgereicht werden:
- ist es die Aufgabe der GEW, die Bücher des türk. Bildungsministerium in Frage zu stellen und ihr nationalistische, diskriminierende gar menschenverachtende Unterstellungen vor zu werfen?
- was sind die wirklichen Antriebe einer GEW und könnte es evtl. sein, dass die GEW zu einseitige Berater und Sichtweisen hatte?
- übernimmt die GEW nun die außenpolitische Kommunikation anstelle der Landesregierung NRW und der Bundesregierung?
- ergreift die GEW politische Position und brüskiert somit 90% der türkischen Einwanderer?
- ist eine Diskreditierung der tätigen Türkisch-Lehrer tatsächlich nur ein Akt der Aufklärung?
- was, wie und womit möchte die GEW, die kritisierte Literatur der türkischen Regierung, ersetzen und ergänzen?
- ist es nicht anmaßend, türkischen Staatsbürgern, das Erlernen der nationalen Hymne und die Prinzipien der Staatsgründung zu untersagen?
- würde man selbiges Maß gegenüber englischer Fahnentreue anwenden?
- der französischen Grande Nation in Frage stellen?
- einige Passagen der US Hymne kritisieren?
Nach einer kurzen Stellungnahme der in NRW tätigen Türkisch-Lehrer wurden auch seitens der RUTEB e.V. (Türkischer LehrerInnen und Pädagogenverein Ruhrgebiet) Fragen laut:
- was hat die GEW bis heute für die Integration und Gehaltsverbesserung der hier tätigen Türkisch-Lehrer getan?
- wie viel an Lehrmaterial und Unterrichtsmaterial zum Muttersprachunterricht bei gesteuert?
- warum wurde niemand zu diesem Thema, Seitens GEW konsultiert und gefragt, trotzdem diese Bücher, kostenlos seit nunmehr drei Jahren, zum Einsatz kommen?
In der Kreisstadt Reyhanlı nahe der türkisch-syrischen Grenze kam es gegen 13:45 Uhr türkischer Zeit in der Nähe des Rathausplatzes zu vier Bombenanschlägen. 140 Menschen wurden verletzt, mindestens 41 Menschen wurden bei den Anschlägen getötet. Die Lage ist noch sehr unübersichtlich.
Bürgermeister Hüseyin Şanverdi gab in einer Pressemitteilung bekannt, dass vor dem Rathaus und vor dem Postamt jeweils zwei Sprengsätze detonierten. Bei den Anschlägen sind bisher 41 Menschen getötet worden, 22 Zivilisten wurden zum Teil schwer verletzt. Die Zahl der Toten könne noch steigen. Mittlerweile bestätigt sich, dass zwei mit Sprengstoff beladene LKWs in der Innenstadt zur Detonation gebracht wurden.
Polizei und Rettungskräfte sind vor Ort, in der ganzen Stadt ist die Stromversorgung zusammengebrochen, ein Haus ist durch die Detonation eingestürzt.
Polizei gibt Warnschüsse ab
Nach Angaben der türkischen Nachrichtenportale CNN TURK und DHA griffen Bewohner der Stadt eine Gruppe von Syrern an, die am Anschlagsort vorbeigingen. Die Polizei trennte die Menschen mit Warnschüssen in die Luft. Die Lage ist laut einem Korrespondenten der DHA extrem angespannt. Am 11 Februar ereignete sich am Grenzübergang unmittelbar vor der Stadt ein Bombenanschlag, bei dem 14 Menschen mit in den Tod gerissen wurden, darunter vier türkische Staatsbürger. Die Bewohner Hatays und die Bewohner in den umliegenden Städten, nahe der türkisch-syrischen Grenze beklagen seit geraumer Zeit, dass der türkische Staat Rebellen Wohnungen in den Städten anbiete, bei Ladenbesitzern und Restaurants würden diese nicht bezahlen, abends wären die Straßen unsicher. Die Polizei sorge auch nicht für die Sicherheit der Stadt.
Nach dem schweren Bombenanschlägen in der Stadt Reyhanli, unweit der syrisch-türkischen Grenze, ist sich die Regierung sicher, dass die Täter aus der unmittelbaren Nähe des syrischen Regimes kommen
Es ist etwa 13:45 Uhr örtliche Zeit, als vor dem Rathaus und dem Postgebäude in der Stadtmitte der Kreisstadt Reyhanlı nahe der türkisch-syrischen Grenze in der Provinz Hatay fast zeitgleich zwei Explosionen stattfinden. Dabei wird das Rathaus stark beschädigt, die Front des Gebäudes ist bis auf tragende Wände, Decken und Säulen durch die Wucht der Detonation geradezu weggefegt. Ein Nachbarhaus stürzt in sich ein.
In dem Gebäude, die durch die zweite Explosion stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, war die Post untergebracht. Hier hat die Druckwelle die Straße und die Freifläche erfasst. Stark zerstörte Fahrzeuge, bis zur Unkenntlichkeit deformierte Haushaltsgeräte, Fahrzeugteile und Ziegelsteine wurden meterweit durch die Luft geschleudert, dazwischen Leichen, Leichenteile. Im Umkreis von mehr als 300m., zersprungene Fensterscheiben, eingedrückte Rollläden. Die Lage ist unübersichtlich, Menschen rennen umher, suchen nach Angehörigen oder wollen sich in Sicherheit bringen. Diese Eindrücke schildert ein Journalist der A-Haber, der für eine Reportage vor Ort war. Dann hört man Flüche, die gegen Ministerpräsident Erdogan gerichtet ist. Der Ton wird kurz abgestellt, dann wird die Kamera wieder aufgerichtet, überall Chaos.
Eine halbe Stunde später meldet sich Hüseyin Şanverdi, der Bürgermeister der Stadt, der zur Zeit der Bombenexplosionen in Antakya war und sich unterwegs informieren lässt. Telefonisch gibt er bekannt, dass das Rathaus stark beschädigt ist, die Post betroffen ist. Über Tote und Verletzte kann er nichts sagen, die Infrastruktur ist zusammengebrochen, der Strom ist weg, Telefone gehen nicht, sagt er. Kurz darauf, um etwa 15:00 Uhr erklärt der türkische Innenminister in einem ersten Statement, dass bei den Explosionen bislang 18 Menschen getötet, mehrere Dutzend Verletzte in Krankenhäuser eingewiesen worden sind. Er spricht die Befürchtung aus, dass die Zahl der Toten ansteigen werde.
Ministerpräsident Erdogan, der in Istanbul bei einer feierlichen Öffnung eines Hotels von den Bombenanschlägen erfährt, stellt sich gegen 14:30 Uhr den Reportern vor Ort. Erdogan berichtet von 18 Opfern und 46 Verletzten. Erdogan betont, dass die Türkei durch die demokratischen Reformprozesse besonders verletzlich sei. Insbesondere der Friedensprozess, die die Regierung angestrengt habe, werde jetzt eine Bewährungsphase durchmachen. Es gebe sicherlich Kräfte, die diesen Prozess nicht unterstützen und stören würden. Auf die Frage, ob schon Informationen darüber gebe, wer die Bombenanschläge verübt habe, sagte Erdogan, es gebe zur Zeit keine gesicherten Erkenntnisse und die Lage vor Ort sei bedingt durch die syrisch-türkische Grenze eine besondere.
Um 16 Uhr wird eine Pressekonferenz im Präsidialamt einberufen. Der stellvertretende Ministerpräsident Bülent Arinc tritt vor die Kamera und sprich von bislang 43 Toten und über 53 Schwerverletzten, die in umliegenden Krankenhäusern behandelt werden. Es gebe eine große Panik und eine Vielzahl an Gebäuden und Kraftfahrzeugen sei stark beschädigt. Arinc spricht von der Hoffnung, dass die Zahl der Opfer nicht weiter ansteigt, verurteilt die Tat und spricht den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Über die Hintergründe der Bombenanschläge will oder kann Arinc auf Anfrage nichts sagen, erklärt, dass die weiteren Informationen ausschlaggebend seien, wie man reagieren werde und wünscht den Tätern alles schlechte. Man werde die Täter schnell ausfindig machen, wer auch immer dahinter stecke, erklärt Arinc weiter.
Im selben Zeitraum melden sich auch die Oppositionsparteien CHP und MHP. In einer ersten Reaktion spricht Devlet Bahçeli, Vorsitzender der MHP, von einer schweren Zeit, in der die Regierung sich hinein manövriert habe. Die Aussenpolitik gegenüber Syrien, die unzureichenden Vorkehrungen an der Grenze zu Syrien, die unverantwortliche Haltung der Regierung gegenüber dem Assad-Regime, aber auch gegenüber der Freien Syrischen Armee, hätten zu dieser schrecklichen Tat geführt. Dadurch, dass die Sicherheitsvorkehrungen nicht genügend berücksichtigt worden seien, gebe es auch eine sehr angespannte Lage in den Kreisstädten, die syrische Flüchtlinge aufgenommen hätten. Auch die durchlässige Grenze sei ein Sicherheitsfaktor, die die Regierung nicht berücksichtigt habe.
Der Vorsitzende der Republikanischen Volkspartei (CHP), Kemal Kilicdaroglu ruft in einer Pressesitzung die Regierung auf, die Aussenpolitik neu zu überdenken. Die Parteinahme gegen Assad habe die Lage nur verschärft, anstatt zu beruhigen. Kilicdaroglu verurteilt die Tat und ruft die Bevölkerung zur Ruhe und Besonnenheit auf. Der Terroranschlag habe die ganze Türkei erfasst, deshalb müsse auch die amtierende Regierung alles veranlassen und in die Wege leiten, um diese schreckliche Tat aufzuklären, die Täter und Hintermänner zu fassen. Ausserdem müsse die Regierung auch die derzeitige Innen- und Aussenpolitik neu überdenken, die Sicherheit des Landes gewährleisten.
Um 18 Uhr geben der Stellvertreter Beşir Atalay, Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoğlu, Justizminister Sadullah Ergin und Innenminister Muammer Güler nach einer Krisensitzung in Hatay bekannt, dass die Täterschaft aus dem Umfeld des Assad-Regimes in Syrien stammt. Demnach ist man sich sicher, dass der syrische Geheimdienst El Muhaberat daran beteiligt ist. Die Ermittlungen seien fast abgeschlossen, der Täterkreis bis auf wenige ermittelt, Kennzeichen von Fahrzeugen festgestellt worden, die in diese Bombenattentate verwickelt seien. Ausgeschlossen wird eine Verbindung zu der Freien Syrischen Armee oder ihrer Verbündeten bzw. syrischen Flüchtlingen im Land. Beşir Atalay erklärte, dass die Informationsauswertungen fast abgeschlossen seien, die Täter aus dem Inland stammen.
Unterdessen werden starke Polizeikräfte in die Region entsandt. Nach den Bombenanschlägen griffen aufgebrachte Jugendliche syrische Autos in Reyhanli an. Die Polizei konnte die Übergriffe durch Warnschüsse in die Luft unter Kontrolle bringen. Flüchtlingslager rund um Reyhanli und in anderen Orten an der syrisch-türkischen Grenze, werden seit dem Spätnachmittag durch Polizei und Gendarmerie geschützt. Staatspräsident Abdullah Gül forderte in einer Erklärung die Bevölkerung auf, mit Besonnenheit zu reagieren und Ruhe zu bewahren. Auch Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan wies darauf hin, dass die Provinz Hatay eine besonders sensible Gegend sei. Man müsse befürchten, dass die Gegner Zwietracht säen, so Erdogan weiter.
Eine Anzeige wegen eines Attentatsplans auf den griechisch-orthodoxen Patriarchen von Istanbul, Bartholomäus, beschäftigt die Generalstaatsanwaltschaft und Polizei
Die türkische Generalstaatsanwaltschaft in Kayseri, ist nach einer Anzeige aktiv geworden, wonach zum 560. Jahrestag der Eroberung Istanbuls am 29. Mai ein Attentat auf den griechisch-orthodoxen Patriarchen von Istanbul, Bartholomäus, geplant worden ist. Unter Berufung der Generalstaatsanwaltschaft, soll ein Mann in Kayseri festgenommen worden sein, nach dem man bei weiteren Ermittlungen festgestellt hätte, dass dieser Mann zuvor in Istanbul gewesen sei. In der Anzeige hatte der anonyme Anzeigenerstatter angegeben, dass die Attentäter das Umfeld des Patriarchen Bartholomäus in Istanbul bereits ausgekundschaftet hätten.
Laut türkischen Medien bestreitet der Mann, die Absicht gehabt zu haben, einen Attentat zu verüben. Er sei nach Istanbul gereist, weil er dort bei Bekannten untergekommen und dort gearbeitet hätte. Unterdessen habe die Generalstaatsanwaltschaft in Kayseri den Fall an die Staatsanwaltschaft in Ankara abgetreten, da der Fall die innere Sicherheit betreffe. In Ankara soll die Generalstaatsanwaltschaft bei der vorläufigen Untersuchung festgestellt haben, dass es bereits im Jahre 2008 eine ähnliche Anzeige gegeben habe, auch unter dem gleichen Namen, den der anonyme Anzeigenerstatter verwendet habe. Daraufhin habe man die Ermittlungen ausgeweitet und gegen zwei weitere Verdächtige Haftbefehle erlassen.
In einer Stellungnahme erklärte Bartholomäus, dass die Hinweise von der Polizei ernstgenommen werden würden. Er fühle sich sicher, zuallererst aber habe er Gottvertrauen. Der Sprecher des griechisch-orthodoxen Patriarchats von Istanbul erklärte, die Situation sei seit 4 bis 5 Jahren ruhig geblieben, man habe, nach dem die Generalstaatsanwaltschaft in Istanbul das Patriarchat darüber informiert habe, Anzeige gegen Unbekannt erstattet, die Justiz sei dem nachgegangen.
Wie die türkische Tageszeitung Radikal jetzt berichtet, soll es sich bei dem Anzeigenerstatter um einen gewissen Serdar A. handeln, der einen Traum über einen Anschlag gegen den Patriarchen Bartholomäus gehabt, niedergeschrieben und der Generalstaatsanwaltschaft in Kayseri verschickt haben. Es soll sich um den gleichen Mann handeln, der 2008 eine ähnliche Vorhersage getroffen habe. Der Mann soll laut Radikal ein Tagelöhner sein, der psychologische Probleme habe.
Per Einstweiliger Verfügung soll die Generalstaatsanwaltschaft in Reyhanli eine Nachrichtensperre über den Bombenanschlag in Reyhanli erwirkt haben. Betroffen seien Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen und Internet. Kritiker sprechen von einer nie gesehen Zensur seit mehreren Jahrzehnten
Widersprüchliche Schlagzeilen über eine angebliche Nachrichtensperre zu den Bombenanschlägen in Reyhanli am Samstagnachmittag, haben zunächst zu Irritationen geführt. Während das Nachrichtenportal "sol Haber" meldete, dass das Internetportal "Ilk Kursun" kurz vor Mitternacht von Zivilbeamten eine Einstweilige Verfügung zugestellt bekommen hätte, berichtete die "Habertürk", dass der Rundfunk- und Fernsehrat die Vereinigung der Fernsehsender am Samstag um etwa 20 Uhr darüber unterrichtet hätte, dass es einen Sendeverbot verhängt habe. Kurz danach habe die Vereinigung alle Mitglieder benachrichtigt, jedoch Stunden später die Meldung dahingehend korrigiert, dass der Rundfunk- und Fernsehrat nur darum gebeten hätte, die Berichterstattungen über den verheerenden Bombenanschlag in Reyhanli aus Pietätsgründen vorsichtig zu gestalten, um einen möglichen Sendeverbot vorzubeugen.
Die "Enson Haber" berichtet dagegen, die Generalstaatsanwaltschaft in Reyhanli habe eine Nachrichtensperre erwirkt. Darin sei festgehalten worden, dass Bild-, Ton- und Filmmaterial über den Bombenanschlag als Beweismittel nicht mehr veröffentlicht werden dürfen. Der Verbot soll sich demnach auf Zeitungen, TV, Rundfunk und Internet auswirken. Der Antrag der Generalstaatsanwaltschaft sei vom Verwaltungsgericht in Reyhanli angenommen und an den Rundfunk- und Fernsehrat bekannt gegeben worden. Die Verfügung sei bereits durch den RTÜK (sinngemäß - Oberster Rat für Hörfunk und Fernsehen) amtlich bekannt gemacht worden, heißt es in der Meldung weiter. Begründet wird das umfangreiche Verbot mit dem Strafgesetz-Paragraphen 153, weil zahlreiche Opfer und Verletzte, die in Film-, Ton- und Bildmaterial festgehalten worden seien, als Beweismittel gesichert werden müssten, um die Ermittlungen zu vertiefen.
Unterdessen gehen Berichte ein, wonach das Militär starke Kräfte in der Provinz Hatay zusammen zieht. In der Stadt Reyhanli selbst soll es am späten Abend zu Protestkundgebungen und Ausschreitungen gekommen sein. Dabei wird die Regierung des amtierenden Ministerpräsidenten zum Rücktritt aufgerufen.
Bei dem gestrigen Bombenanschlag wurden 43 Menschen in der Kreisstadt Reyhanli unweit der türkisch-syrischen Grenze getötet. Mehr als 120 Verletzte wurden in Krankenhäuser eingeliefert, wovon 53 Schwerverletzte registriert worden sind.
Die türkische Polizei hat 9 Verdächtige der Bombenanschläge von Reyhanli festgenommen, darunter auch den Planer. Inzwischen wird das Ausmaß der Zerstörung als die verheerenste der türkischen Republiksgeschichte bezeichnet
Der türkische Innenminister Muammer Güler gab in den frühen Mittagstunden bekannt, dass die Planer und Helfer der Bombenanschläge von Reyhanli, bei der insgesamt 46 Menschen starben und 53 schwer verletzt wurden, festgenommen sind und geständig waren. Das Motiv bezeichnete Muammer Güler als einen Versuch, den Frieden und die Ordnung zwischen syrischen Flüchtlingen und der türkischen Bevölkerung zu stören. Güler rief die Bevölkerung erneut auf, Ruhe zu bewahren und den Provokationen keinen Raum zu bieten.
Güler, der auch das Ausmaß der Zerstörung durch die zwei Bombenanschläge in Reyhanli, in Zahlen wiederspiegelte, erklärte, es seien 735 Geschäfte, 121 Häuser und 62 Kraftfahrzeuge betroffen. Betroffenen werde unbürokratische Hilfe geleistet, damit die Schäden beseitigt werden, sagte Güler weiter.
Beşir Atalay erklärte in der Pressesitzung in Hatay, in der das Kabinett seit gestern zusammenkam und die Bombenanschläge bewertete, dass die verdächtigen geständig seien. Bei den Opfern handle es sich nach bisherigen Obduktionsergebnissen um 35 türkische und 3 syrische Staatsbürger. Die Attentäter stammen aus einer Terrorzelle, die dem syrischen Geheimdienst El Muhabera nahe stehen soll. Ihr Ziel sei es gewesen, zwischen den Türken und Syrien Unruhe zu stiften, Gewalt gegen die syrischen Flüchtlinge an der syrisch-türkischen Grenze zu fördern. Der Bombenanschlag ist laut Atalay eines der schwersten seit Jahrzehnten gewesen.
Laut Medien ist der Bombenanschlag eines der verheerensten der jungen türkischen Republiksgeschichte. Am 15. November 2003 kamen bei einem Bombenanschlag in Istanbul, in der die Neve Shalom Synagoge und die Beth Israel Synagoge das Ziel waren, 27 Menschen um. Nur wenige Tage später, am 20. November, wurde auch das zentrale Gebäude der HSBC-Bank Ziel eines Bombenanschlags, bei der 30 Menschen starben. Die Al-Qaida hatte sich zu den Anschlägen bekannt.
Unterdessen geht die Suche nach weiteren Verdächtigen weiter. Seit gestern Abend sucht die Polizei verstärkt ein Fahrzeug mit Ankaraner Kennzeichen. Inzwischen ist die Fahndung aufs ganze Land ausgeweitet worden. Es wird vermutet, dass das Fahrzeug eine Sprengladung mit sich führt. Laut türkischen Medien soll es bereits vor 2 Wochen eine Warnung durch den türkischen Geheimdienst MIT gegeben haben. Die MIT habe die Sicherheitsorgane vor drei Sprengstoffanschlägen gewarnt, die mit Fahrzeugen ausgeführt werden sollen. Hürriyet Korrespondent Fevzi Kızılkoyun zufolge, seien beim Bombenanschlag in Reyhanli zwei dieser drei Fahrzeuge eingesetzt worden. Das dritte Fahrzeug soll bereits über den syrisch-türkischen Grenzübergang durchgefahren und in der Türkei unterwegs sein.
Durch die Nachrichtensperre, die seit Mitternacht in der Türkei in Kraft getreten ist, reißen die Spekulationen nicht ab. Angeblich sollen auch drei Journalisten verhaftet worden sein, darunter einer der von 177 Todesopfern berichtet haben soll
Offiziell gibt die türkische Regierung die Zahl der Todesopfer mit 46 an. 53 Verletzte, darunter mehrere Schwerverletzte, sollen in mehreren Krankenhäusern im Umland von Reyhanli, unter intensiver Behandlung stehen. Innenminister Muammer Güler erklärte in einer Pressekonferenz in Hatay, bei den Detonationen der zwei Autobomben, seien 735 Geschäfte, 121 Häuser und 62 Kraftfahrzeuge stark beschädigt worden, darunter das Rathaus und das mehrstöckige zentrale Post- und Kommunikationsgebäude.
Unterdessen reißen die Spekulationen nicht ab, seit dem das Friedensgericht in Reyhanli eine Nachrichtensperre verhängt hat, die seit Samstag in Kraft ist. Die Entscheidung des Gerichts wurde in den Abendstunden durch das Oberste Rundfunk- und Fernsehrat (RTÜK) offiziell auch an die Medien und Internetprovider in der Türkei mitgeteilt. Laut der Entscheidung dürfen seit Samstagnacht, Bilder, Ton- und Filmmaterial über die Anschlagsorte, Personen die direkt oder indirekt davon betroffen sind, in TV, Rundfunk, Druckmedien und im Internet nicht mehr veröffentlicht werden. Laut Medienberichten will die Polizei verhindern, dass Informationen über den Doppelanschlag nach außen gelangen.
Die Entscheidung des Gerichts wurde vom Verband der Journalisten in der Türkei (TGC) und dem Türkischen Presserat (Basın Konseyi) scharf verurteilt. Infolge der Zensur, brodelt die Gerüchteküche u.a. über die Täter und Zahl der Todesopfer sowie Hintergründe. Jüngsten Meldungen zufolge, soll ein türkischer Journalist verhaftet worden sein, der nach intensiven Recherchen in Krankenhäusern in Reyhanli, Antakya, Hatay und anderen Kreisstädten im Grenzgebiet zu Syrien die Opferzahl mit ingesamt 177 und die Zahl der Verletzten mit 157 angegeben haben soll. In sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook reißen die Meldungen nicht ab, dass die Zahl der Todesopfer weiter ansteigt. Es seien in den besagten Krankenhäusern auch Personen mit schwersten Verletzungen immer noch in der Intensivstation, melden User und berufen sich dabei hin und wieder auf Ärzte und Schwestern. Die Meldungen können jedoch nicht verifiziert werden.
Über die Täter oder Terrorzelle, die an den Bombenanschlägen in Reyhanli beteiligt sein sollen, hat die türkische Regierung offziell noch kein Wort verloren. Es handle sich, so erklärten die Kabinetsmitglieder der amtierenden Regierung, um 9 türkische Staatsbürger, die in direktem Kontakt mit dem syrischen Geheimdienst stehen würden und bereits verhaftet sein sollen. Regierungskritische Medien berichten, dass der türkische Geheimdienst (MIT) bereits Wochen zuvor über eine Serie von Bombenanschlägen in der Türkei gewarnt habe. Dem Vatan-Journalisten Cengizhan Celik zufolge, habe die MIT am 23. April Informationen erhalten, wonach im syrischen Rakka drei Fahrzeuge mit Bomben präpariert worden seien. In den Berichten sei die Rede von einer Untergruppe (Acilciler) der Türkischen Volksbefreiungspartei-Front (THKP-C). Nach dem dritten Fahrzeug wird gefahndet, berichten Medien unter Berufung auf abgehörte Funkgespräche der Polizei.
Die türkische Aussen- und Innenpolitik auf dem Prüfstand. Inmitten der Friedensverhandlungen mit der Terrororganisation PKK, gerät die Syrien-Politik Erdogan´s ausser Kontrolle zu geraten
Nach den verheerenden Bombenanschlägen in der Kreisstadt Reyhanli an der türkisch-syrischen Grenze, formiert sich eine massive Front gegen die amtierende Regierung. Die Interessen unter dieser breiten Front sind unterschiedlich. Zu einem die Fraktion unter der Schirmherrschaft der Oppositionsparteien CHP, MHP, BBP und anderer kleinerer republikanischer oder konservativer Parteien, die nicht nur die innere Sicherheit durch die Einmischung in den syrischen Bürgerkrieg gefährdet sehen, sondern auch die unweigerliche indirekte oder direkte Kriegsbeteiligung durch Unterstützung syrischer Rebellen.
Zum anderen eine Fraktion von angeblich Assad-treuen Alawiten, die nahe der türkisch-syrischen Grenze, darunter in der Provinz Hatay leben und die Aussenpolitik der Regierung gegenüber Syrien strikt ablehnen, und natürlich linksliberale bis linksradikale Parteien, die im Bürgerkrieg in Syrien die Hand des westlichen Imperialismus sehen.
Der Bombenanschlag von Reyhanli hat in diesem Zusammenhang zwei Optionen: die eines syrischen und eines terroristischen Hintergrunds. Sollte Syrien hinter dem Anschlag stecken, um die Türkei weiterhin zu provozieren, muss man auch die Freie Syrische Armee, und damit auch all ihre Schattenseiten in diese Rechnung miteinbeziehen. Ausgerechnet jetzt rächt sich aber die türkische Innen- und Aussenpolitik, durch die direkte Einmischung im syrischen Bürgerkrieg, werfen Kritiker der Regierung vor, und das nicht ohne Hintergedanken.
Leider hat sich in dieser Region, auch in der Türkei, der Terror zu einem politischen Instrument etabliert, weshalb Terrornetzwerke, Terrororganisationen durch Terror Politik maßgeblich zu beeinflussen versuchen. Teilweise sind oder werden sie in die Politik von Nachbarländern miteinbezogen. Aus diesem Grund hatte die Türkei lange Zeit eine strikte Haltung an den Tag gelegt, was Terror anbelangt. Sie hielt sich bei Nachbarländern ungewöhnlich zurück, um nicht in einen Konflikt hineingezogen zu werden und zeigte im eigenen Land eine Härte, die in anderen westlichen Nationen ebenso gehandhabt wurde und immer noch wird. Lange Zeit kooperierte man mit dieser Staatsdoktrin auch mit westlichen Nationen und Verbündeten. Bewaffneten Gruppierungen, sei es "Rebellen", "Terroristen" oder "Freikämpfern" wollte man offiziell keine Bühne bieten, weder in Konflikt mit Nachbarländern, noch in der eigenen Innenpolitik.
In Syrien mischt neben der Freien Syrischen Armee, auch eine Vielfalt anderer Gruppen die Karten neu. Es gibt alawitische Gruppen, sunnitische, die Al-Qaida, die Dschihadisten, die PKK und PYK. Wer welche Interessen verfolgt, ist zunächst nicht genau abzuschätzen, bis auf ein gemeinsames Ziel, das Assad-Regime stürzen wollen.
Die zweite Option bezieht sich auf den Terror. Wer auch immer den Bombenanschlag von Reyhanli zu verantworten hat, es ist Terror. Der Terror kennt keine menschlichen Grenzen und damit zeigt sich zugleich, Terroristen können nicht in gut oder böse unterteilt werden. Dadurch offenbart sich auch die bisherige Politik der Türkei, die mit Terror weder in Verhandlungen stehen oder mit logistischen, informellen oder technischen Mitteln unterstützen wollte. Der Terroranschlag von Reyhanli hat gezeigt, dass jede Unterstützung, und sei es auch nur die inoffizielle, nicht in Erwägung gezogen werden kann und darf. Tut man es, bringt es auch im nachhinein unweigerlich mit sich, sich mit diesem Terror an einen Tisch zu setzen, sollte das Assad-Regime gestürzt werden. Will und kann man das verantworten?
Das wirft auch die Frage auch, sich über die Friedensverhandlungen mit der PKK zu beschäftigen. Denn, es gibt immer mehr Stimmen, die genau dass der Regierung zunehmend vorwerfen. Man hat in Reyhanli offiziell 46 Todesopfer, die Terroropfer mit der PKK hat belaufen sich auf über 35.000. Von Anfang an sagte man, mit Terror darf man sich nicht in die Knie zwingen lassen, darf man nicht verhandeln.
Vor allem deshalb wird Erdogan für seine Assad-Politik und PKK-Politik scharf kritisiert. Während also Assad seine eigene Bevölkerung geradezu dezimiert, von Erdogan als Babymörder hingestellt wird, was ist dann nach Meinung von ihm, der Terrorchef der PKK, Abdullah Öcalan, fragen ihn zunehmend Kritiker und wollen so an seiner Glaubwürdigkeit nagen.
Erdogan weist die Vorwürfe entschieden zurück. In einer AKP-Konferenz erklärte Erdogan, er könne als Ministerpräsident eines demokratischen Landes nicht zuschauen, wie im Nachbarland Menschen in Massen hingeschlachtet werden. Wofür sei er Ministerpräsident geworden, fragt er in die Runde. Eine schwierige Gradwanderung, in der sich die amtierende Regierung befindet und eine "Meisterprüfung", die über die AKP hereinbricht, zu einer Zeit, in der die Friedensverhandlungen mit der PKK, noch lange nicht abgeschlossen sind.
In der Abschlusserklärung der "Kritischen Islamkonferenz" spiegelt sich das Dilemma wieder, in der Dialog und säkulare Grundwertevermittlung auf Ressentiments und Klischees aufeinandertreffen
In der Abschlusserklärung der diesjährigen "Kritischen Islamkonferenz 2013" (KIK), die in Berlin stattfand, heißt es u.a., dass die Islam- und Integrationsdebatte sich zwischen den Fronten verhärtet hätte. Darin heißt es weiter, dass die "patriarchalen Herrschaftskultur des orthodoxen Islam" nicht zu einer gefährlichen Muslim-Feindlichkeit führen dürfe. Man erkennt an dem einen Satz, der zwar zusammengesetzt ist, aber nicht aus dem Kontext gezogen, dass die Kritische Islamkonferenz an den üblichen Klischees weiterhin arbeitet, festhält und somit Feindbilder pflegt, die entgegen ihrer Präambel, doch zu Ressentiments führen und als Bedrohung verstanden werden.
Bedrohung insofern, dass diesmal die "Islamisten" und "Muslimfeinde" gleichgesetzt werden, man sich so als dritter Betrachter darstellt, sich von "Rassisten" und "Fanatikern" distanziert. Das ist aber nur die oberflächliche Darstellung. Im inneren geht es um handfeste Forderungen, die sich in den Zielen dieser nicht unterscheiden. Desweiteren wird in der Abschlusserklärung eine schleichende Entmündigung konkret umrissen, die mit der Neubewertung der "muslimischen" Beschneidungspraxis anfängt und mit religiösen Erziehungsmethoden aufhört, um so jedes Kind von einer "falschen Bewusstsein"sbildung zu bewahren. Man stelle sich vor, diese Konferenz wäre um die jüdische Gemeinde gegangen... Ein denkwürdiges Demokratieverständnis, angesichts der immer wieder angesprochenen Menschenrechte. Ausserdem wird immer wieder die Verfassungstreue in den Vordergrund gestellt, wird auch suggeriert, dass die muslimische Gemeinschaft, ob geschlossen oder in Gruppen, darüber belehrt, unterrichtet, aufgeklärt und erzogen werden muss. Vor allem die muslisch-"konservativen Verbände" schneiden dabei schlecht ab und Lale Akgün hat bereits die Antwort parat: der liberale Muslimverein muss her.
In der Formulierung unterscheidet sich die Abschlusserklärung im wesentlichen nicht von den Meinungen radikaler bis extremistischer Gruppierungen im Land, die Alltagsrassismus, Fremdenfeindlichkeit und Islamphobie schüren, weil die Ziele gleich sind; Entmündigung, infragestellen der Freiheit anderer, infragestellen der verfassungstreue, in einem freiheitlich demokratischen Land, dessen Verfassung maßgebend ist. An Glaubwürdigkeit gewinnt diese Konferenz auch dann nicht, wenn diesmal ausser den bekannten "Islamkritikern" nun auch die Alevitische Gemeinde vertreten ist. Keine einzige muslimische Gemeinde nahm an dieser Konferenz teil, die sich selbst liberal schimpft und freiheitlich-demokratisch bekennt, darunter der Liberal-Islamische Bund, die zwar angefragt wurde, aber ablehnte. Damit offenbart sich das eigentliche Ausmaß dieser Konferenz: ein Sammelsurium von Klischeeverbreiterern, die am Islam und an den Muslimen, die nun in "konservativ" zusammengefasst wurden, nichts gutes finden können. Unter diesen Vorraussetzungen, spielte die Kritische Islamkonferenz wie im Jahre 2008, bei islamkritischen Themen nur den hartgesottenen "Kritikern" selbst in die Hand, die seit längerer Zeit auffällig geworden sind, um so die vorherrschende Meinung in der Mehrheitsgesellschaft weiter zu festigen. Schliesslich sorgte man selbst dafür, sich letztendlich doch in die Nähe des Rechtsextremismus zu manövrieren, durch unachtsame Äusserungen und Antworten auf energische Fragen von Journalisten und Kritikern während dieser Konferenz.
Zwei Tage nach dem Doppelanschlag in Reyhanli, einer Kreisstadt an der türkisch-syrischen Grenze, weicht die Trauer und der erste Schock der Wut
BBC-Korrespondent Mahmut Hamsici will nach dem Doppelanschlag in Reyhanli, bei der nach offiziellen Angaben 46 Menschen getötet, mehr als 57 schwer verletzt wurden, Eindrücke gewinnen und besucht die jetzt verstärkt stattfindenden Bestattungen. Im städtischen Friedhof von Reyhanli frisch ausgegrabene Gräber, hier und da Familienangehörige, die um ein Grab stehen, nebenan Frauen, die sich auf den Boden fallen gelassen haben, trauern, weinen. Das Friedhof selbst ist entgegen der Normalität, durch starke Polizeikräfte gesichert.
Aus allen Himmelsrichtungen können Klagelieder vernommen werden. Die Moral sinkt bei Beobachtern schnell auf den Nullpunkt, eine bedrückende Atmosphäre und inmitten dieser Trauer, kann Hamsici auch die Wut verspüren. Junge und alte Männer hängen sich wie Trauben an das BBC-Team, eine Frau tritt heran, keift den Kameramann an, was er denn beabsichtigt, wenn er das alles aufnimmt. "Wie oft haben wir die Regierung davor gewarnt und blieben unerhört, habt es nicht veröffentlich? Heute bin ich ein Gegner dieser Regierung, berichtet darüber, damit sie mich endlich für meine Meinung einsperren, bei Gott, ich hoffe das." Ein älterer Mann nähert sich dem Team, erklärt, es seien so viele Menschen gestorben, aber wer teile diesen Schmerz, fragt er mit rot unterlaufenen Augen. Die TV-Kanäle hätten nach den Bombenanschlägen die Sendung nicht unterbrochen, das Programm nicht geändert, stattdessen Talkshows, das Liga-Spiel zwischen Galatasaray und Fenerbahce. "Was für eine Trauer ist das, die man teilt?" kommt es vorwurfsvoll herüber.
Besonders die älteren, die nüchternen Einwohner Reyhanlis sind entsetzt. Entsetzt über die Situation, die sie beobachtet haben. Ein Mann sagt, die Politiker würden nun nach den Motiven fragen und danach reagieren. Zuerst einmal müssten aber die Schäden beseitigt, die Herzen gestreichelt und die Trauer geteilt werden, erklärt der Mann weiter. Hamsici, überwältigt von der Offenheit, berichtet, jeder der mit ihm gesprochen habe, habe das kritisiert, die unzureichende Teilnahme am Leid der Menschen in Reyhanli.
Junge Menschen stoßen hinzu, sie sind aufgeregt, die Trauer ist der Erregung, der Wut gewichen. "Wenn erst einmal die Opfer beerdigt sind, die Besuche der Familienangehörigen der Opfer zu Ende geht, dann werdet ihr erleben, was passieren wird." Es klingt wie eine Drohung. Über Facebook würde man sich informieren und auch organisieren, erklärt ein anderer. Viele machen die Politik für das desolate Verhältnis zwischen Einheimischen und Flüchtlingen verantwortlich. Man habe lange Zeit zugeschaut, auch dann, als man ein Flüchtlingscamp geschlossen habe. Die Luft ist dick. Auch auf den Straßen von Reyhanli. Linke Gruppen und kommunistische Organisationen organisieren Demonstrationen. Sie rufen, "wir stehen an eurer Seite", "Erdogan muss verschwinden". Es ist ein Stadtviertel, in der vorwiegend Alawiten leben. Aus einem Balkon kann man in arabischer Sprache "Yallah Tayyip" hören. Die Organisatoren erklären, die Alawiten und Sunniten haben hier keine Probleme, sie seien Brüder. Auch hier junge Menschen, die betonen, dass bei den Bombenanschlägen mehrheitlich Sunniten starben. Ein junger Mann erklärt, er habe nach dem Bombenanschlag als erster seinen sunnitischen Freund gesucht, es hätte noch nie Probleme zwischen den Bevölkerungsteilen gegeben. Als das Team das Stadtviertel verlässt, muss sie sich auch anhören, der Politik zuzuarbeiten.
In den türkischen Medien überwiegt weiterhin das Thema um Reyhanli. Neben dem Versuch, das Motiv, den Täterkreis sowie die Politik zu hinterfragen, werden auch Schuldzuweisungen in den Vordergrund gerückt. Die Hürriyet berichtet über bezahlte Mittäter und leere Zelte in Reyhanli, die von der Stadtverwaltung aufgestellt wurden, um den Angehörigen der Opfer Raum für Beileidsbekundungen zu bieten. Viele tragen dass aber im privaten Umfeld aus, benutzen erst nicht die Zelte. Die Milliyet berichtet über die bislang verhafteten 9 mutmaßlichen Täter und teilt die Meinungen und Hintergründe der Angehörigen von Opfern wieder. Erste Hintergrundinformationen über die Sprengstoffart werden geteilt, wonach es sich um professionellen Sprengstoff (C-3) handelt, die mit RDX versetzt sein soll, einem Zusatzstoff, die im Militär Verwendung findet. Auch die Menge von 1.000 kg. wirft dabei Fragen auf. Die Sabah titelt mit der Überschrift "Befehl von Assad, der Vollstrecker Mihrac" und geht auf den THKP-C Extremisten Mihrac Ural ein, der mutmaßlich für den Assad-Clan arbeiten soll. Die Posta titelt, "Die Mütter weinen dennoch". Eine Anspielung auf die Regierung, die den PKK-Friedensprozess damit zu rechtfertigen versuchte, dass die Mütter nicht mehr weinen dürften.
Die Habertürk schreibt in ihrer heutigen Druckausgabe, dass die Regierung die Bevölkerung zur Besonnenheit aufruft. Es dürfe zwischen Brüdern kein Keil getrieben werden. Die Zaman berichtet über das Bild einer älteren Frau, die mit hochgestreckten Armen, die Medienberichterstattungen füllte. Es handelt sich um die 71-jährige Döne Kuvvet, die bei den Bombenanschlägen die Tochter und das Enkelkind verlor. Die Vatan berichtet über Mihrac Ural, dem THKP-C Terroristen mit dem Codenamen "Sirtlan". Alle bislang 9 mutmaßlichen Täter sollen einem Arm der THKP-C angehören, schreibt die Vatan. Die Tageszeitung Taraf titelt "Warum ist diese Bombe explodiert" und stellt die Frage auf, ob das Land zu einem Spielball von Provokationen geworden ist, die Sicherheit des Landes dadurch in Mitleidenschaft zieht. Die Radikal versucht Fragen über den verwendeten Sprengstoff zu beantworten. C-3 und RDX seien Stoffe, die nur von Staaten in Massen produziert oder eingekauft werden. Die Cumhuriyet titelt, "Zu welchem Preis sind wir da hineingeraten". Die Yenisafak zitiert Erdogan, der die Tat doppelt sühnen werde. Unter der Titelschlagzeile "Sie waren geständig", berichtet die Yenisafak auch über die Vorbereitung des Anschlags.
Die Tageszeitung Aksam berichtet über den Aufruf des MHP-Abgeordneten von Hatay. Es dürfe über das Leid keine Politik betrieben werden, um so Provokationen vorzubeugen, beteuert Sefik Cirkin, MHP-Politiker in Hatay und stellt sich damit auf die Linie der amtierenden Regierung. Die Bugün sieht einen Zusammenhang zwischen den Vorwürfen gegen das syrische Regime, sie verwende Giftgas und dem Anschlag. Die Birgün titelt: "Jetzt könnt ihr euch damit brüsten" und kritisiert die Syrien-Politik Erdogans. Die Evrensel geht auf die vorherrschende Zensur und offene Fragen ein, die die Regierung nicht beantworte. Die Özgür Gündem verurteilt das Massaker und berichtet über die Beileidsbekundung der KCK, dem politischen Arm der PKK. Die Milligazete wirft der Regierung vor, mit der Syrien-Politik ein Desaster dieses Ausmaßes provoziert zu haben und die Ortadogu kritisiert die Schuldzuweisungen zwischen Ankara und Damaskus. Der Strick sei bereits gerissen, schreibt sie weiter. Die Günes geht mit der Titelschlagzeile auf den Muttertag ein, bei der die Mütter geweint hätten, und das trotz der Politik der Regierung, die das verhindern wolle. Die Sözcü kritisiert die Nachrichtensperre, so auch die Yurt und Aydinlik, während die Türkiye Assad als Initiatoren und Mihrac Ural als Drahtzieher erklärt.
Das Beschneidungsritus ist entgegen der rechtlichen Lage, immer noch angespannt, die Muslime werden noch immer als Gefahr betrachtet und zuletzt geht es auch um den unstillbaren Frust, der in einem jeden Islamkritiker steckt, weil er sich nicht verstanden fühlt
Was wir daraus lernen müssen? Zugewanderte, ob vor 50 Jahren oder erst kürzlich eingereist, gefährden den gesellschaftlichen Frieden. Lale Akgün, SPD-Politikerin aus Köln, bekam das an ihrer eigenen Person während der KIK (Kritische Islamkonferenz) zu spüren. Man könnte den Islam bis zur Unkenntlichkeit reformieren, es würde immer noch wie ein Stachel im Fleisch derer sitzen, die den Islam in der Vergangenheit kritisiert haben. Es bringt auch nichts, sich mit dem Reinheitsgebot eines Bieres beschäftigt, Bach, Heino oder Musikantenstadl studiert zu haben. Sogar das Sterben eines Muslimen selbst, der in einer letzten Phase seines Ablebens, von Verwandten und Bekannten aus einem Abschiedshaus zu Grabe getragen werden soll, scheint für viele untragbar zu sein. Und wir diskutieren noch über Integration?
Sarrazin hat es recht plastisch rübergebracht: "So würde es enden!" Necla Kelek hat islamische Gotteshäuser zu einer Wurzel des Übels und das Minarett zu einem Dildo verklärt; zusammengenommen ist es letztendlich ein Schwanz, an dem sich die Kelek erfreut und in Ekstase gerät. Akif Pirincci erklärt das aggressive Geblöcke des Muezzin zu einem Störfall, wie die Anwohner von Kindergärten, und die Giordano-Stiftung prescht mit der KIK und einem Sammelsurium von Beschneidungsgegnern, erneut gegen die Beschneidungspraxis der Juden und Muslime vor. Dazwischen weitere Störfälle, wie die NSU und Brandanschläge, die laut Mina Ahadi "nicht besonders groß" an die große Glocke gehängt werden müssen.
Die Abschlusserklärung liest sich dann auch wie ein Aushängeschild für eine Hausordnung, quasi ein unbeschriebenes Gesetz im Gesetz; zumindest will man das so verankern, und später auch mehr. Mit dem Bekenntnis zu einem positiven säkularen Werteverständnis, würde dies zu bewerkstelligen sein, aber eine Garantie gibt es auch dafür nicht. Ist ja nicht so, dass die muslimischen Verbände nicht eidesstattlich erklärt haben, auf den grundfesten der Verfassung zu stehen. Vielleicht muss das auch noch notariell beglaubigt werden, von jedem einzelnen Muslimen?
Jedenfalls können diese Volksgenossen wohl am besten beurteilen, was Faschismus und Rassismus ist, um sich so selbst einen Persilschein auszustellen. Deshalb dürfen sie auch, wie die "Faschisten" und "Rassisten", den Dünnschiss loswerden, dass der Islam gefährlich ist, wobei die ohne den Persilschein einen faschistischen Islam kommen sehen. Da dies eine Generationenfrage ist, fängt man auch mit den kleinsten an. Angefangen von der Geburtenkontrolle bis hin zu der Beschneidung und Bildung. Am besten so, dass der Charakter, der Wille, das Bewusstsein, die Kultur und die Gedankengänge gleichgeschaltet werden. Etwas erinnert es an das Reinheitsgebot des deutschen Bieres, die seit ihrer Entstehung auch anderen Idioten als Vorbild diente. Die Überlegenheit der Kultur, der angeblich christlich-jüdischen, wobei das christliche wie auch jüdische nur makulatur sind.
Ähnlich argumentierten auch Kulturbereiniger in der Vergangenheit, als sie die "Aktion T4" in das Kernziel miteinbeziehen wollten, die auch für den staatlichem Ausbau der Volksbildung verantwortlich waren, also der "totalen Erziehung". Gegenwärtig ist der demographische Wandel ein Sorgenkind, die Sarrazin ansprach und mit Studien vertiefte. Auch dem letzten Kulturbereiniger, der selbst keine Kinder zeugen will oder kann, weil Hund, Katze, Maus, Karriere und das eigene Ego viel wichtigere Quellen des Glücks darstellt, ist es angekommen, sprich, in der Mittelschicht.
Interessant ist bei all dem nur, dass die Betroffenen selbst, z.B. die Beschnittenen, deren Menschenrecht beschnitten wird, nicht auf die Straßen gehen. Diese erneute Diskussion kann man nur dann ernst nehmen, wenn mehrere tausende beschnittene Männer "Gegen die Beschneidung" marschieren sieht, aber anscheinend stört es diese nicht, dass man am Schniedel gefuscht hat. Fragt sich nur, weshalb sich all diejenigen daran stören, die nichts damit zu tun haben. Ähnlich sieht es bei den Kopftuchfrauen aus. Die wo am meisten keifen, hatten noch nie einen Kopftuch an, wollen aber andere davor bewahren und schützen. Und wieso? Weil ihnen diese Frauen was bedeuten?
All das wird mit der Unmündigkeit der Kinder, Frauen und Unterdrückten erklärt, die mit dem Islam gedeckelt wird. Wie dilletantisch und scheinheilig das ist, sieht man an der Religionsfreiheit, die auf die Probe gestellt wird, vor dem man die Unmündigen schützen soll, die Religionsfreiheit der Erwachsenen dennoch rigoros beschneiden will, in der man ihnen vorschreibt, wie sie zu Glauben haben. Manchen Revoluzzern geht auch das nicht weit genug.
Wir müssen einfach akzeptieren, dass die 6 Millionen-Marke in nächster Zeit geknackt wird, die Kulturbereiniger uns das Schandmaul stopfen werden, weil wir langsam über das Maß hinaus unsere Rechte erstreiten, und auch Deutschland erfüllen. Die Juden hatten auch mal geglaubt, dass sie so leben können, wie gehabt und haben danach ziemlich schnell gelernt, sich zurückzuhalten. War ja auch nur noch ein Klassenzimmer übrig. Die Kulturbereiniger müssen aber auch lernen, dass das nicht mehr so einfach geht, bei den Muslime versteht sich. Es leben hier Türken, Araber, Albaner, Kosovaren, Libanesen, Palästinenser, alles kampferprobte, terrorgeschädigte Zombies, die Wissen worauf es ankommt, sich dem zu erwehren, und falls man als Märtyrer in den Himmel aufsteigt, von 72 Jungfrauen oder Junggesellen empfangen zu werden. Die haben nichts zu verlieren.
Gerade kam ich aus einer Veranstaltung an der Uni Tübingen und lief an der Stiftskirche vorbei, da musste ich ruckartig umdrehen und direkt in die Kirche hineinlaufen, und zwar zwischen die Bänke genau in ihre Mitte
Ich warf meinen Rucksack hin, schloss die Augen und ließ mich elektrisieren. Jemand spielte hier Orgel, aber nicht von der fröhlich in Dur trällernden Sorte, sondern, wie soll ich sagen, düster, erhaben, und majestätisch, in jedem Fall so, dass die tiefen Basstöne die Bauchregionen zum Beben bringen. Da wusste ich, ich muss jetzt sofort diesen Text schreiben. So griff der für mich unsichtbare Orgelspieler in seine Tasten, während ich auf der anderen dem mit einem Eindreschen in die Tasten meines Laptops antwortete. Dies Musik war in jedem Fall laut – aber die Lautstärke war der Wucht der Musik angemessen.
Ich war praktisch alleine hier, alleine mit dieser genialen Musik und dem klanglich perfekt dazupassenden Raum. Muslime sagen Kirchen nach, sie seien kalt und düster. Das trifft für den ersten Eindruck von dieser Kirche sicherlich zu. Doch schätze ich nicht nur die Atmosphäre von Geborgenheit und Demut, wie man sie in unseren Moscheen vorfindet, sondern auch diese eher dunkle Atmosphäre. Ja, sie ist kühl, aber gerade in Verbindung mit dieser Musik ist sie mir alles andere als unsympathisch. Sie transportiert nichts Bösartiges, sondern weckt in mir tiefe Ehrfurcht vor etwas Verborgenem und Allgegenwärtigen. Die bombastischen Orgeltöne verschwimmen manchmal ineinander, sodass das ungeübte Ohr Disharmonien vermutet, wo in Wirklichkeit verschiedene Melodiebögen zu einer gewalten Welle zusammenschmelzen um dann mit großer Wucht auf das Ufer einstürzen. Solche Orgelmusik ist religiöser Heavy-Metal.
So ähnlich stelle ich mir auch das Universum vor: wie ein großes Konzert, das in allen Tonlagen singt und faucht, aber dabei nie seine mathematische Harmonie verliert. Zwischendurch wird es still, verstummt aber nie ganz. Ein Wechsel von bedachten und stürmischen Zeiten, von Höhen und Tiefen, von Glück und Leid, von Vergänglichkeit und Wiederkehr. Ein Konzert, das von Erhabenheit, Größe und dem Mysterium handelt. Dieses Mysterium ist mir nur zu kleinen Teilen verständlich – zu seinen anderen Teilen erzwingt es meine Demut, eine Demut, mit der ich meinen Frieden gemacht habe und die den Kern meiner Religiösität ausmacht. Sie vergegenwärtigt mir täglich meine Rolle als sterblicher Winzling in dieser Welt, und dass das kosmische Konzert auch dann ertönt, wenn wir nicht da sind – und dass ich großen Gewinn habe, wenn ich davon koste, solange es mir möglich ist.
Genau in so einem Moment möchte ich das ganze Universum über mir sehen, und ich möchte mich wie auf einem Gebetsteppich zu Boden werfen vor der Macht, die die physikalische Welt webt und formt. Mich ganz klein machen und mir dabei die Größe des Meisters der Schöpfung vorstellen. Des Schöpfers und Erhalters der kleinsten und größten Dinge. Nur vor diesem werfe ich mich nieder – und tanke dabei Kraft, um mich vor nichts anderem niederwerfen zu müssen. Triebfeder sind in solchen großartigen Momenten nicht das, was die Menschen sehen wollen oder sollen, auch nicht Angst oder Verzweiflung, sondern Liebe und Leidenschaft, die Sehnsucht des Tropfens nach dem Ozean, eine Sehnsucht, die tief in mir steckt, und deren Ausbildung und Entwicklung ich als Zweck des Glaubens vermute. So möchte ich gerne werden und bleiben: suchend und flehend, betrachtend und genießend, heiter und von Freude erfüllt, selbst wenn die Entropie täglich an mir nagt, selbst in Momenten finsterster Dunkelheit. Gebt nie die Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit auf, heißt es im Koran.
Und wenn ich die wuchtigen Klängen durch den Raum schallen hören, meine ich zu verstehen, was in den heiligen Büchern gemeint ist, wenn sie berichten, wie Himmel und Erde Gott lobpreisen. So möchte eine Stimme in mir rufen: Sterne, Bäume, Wälder, Seen – lasst mich teilhaben an eurem Lobgesang! Ich möchte in euren Chor einstimmen, wie die Berge Davids es taten. Ich möchte den Götzen in mir bezwingen, dem närrischen Tanz um das goldene Kalb in mir ein Ende bereiten, um Raum zu machen für den Einen. Und wenn ich dabei immer wieder scheitere: Ihr seid meine Zeugen, dass ich eifersüchtig auf euren Lobgesang war! Aber selbst der schwachen Seele ist Barmherzigkeit in Aussicht gestellt.
So stehe ich inmitten dieser Kirche und staune darüber, wie gut man religiöse und spirituelle Gefühle auch ohne Worte und Symbole transportieren kann. Ein Blick auf die Symbole hier würde mich vielleicht irrtieren, oder gar ablenken. Denn ich verstehe sie nicht, auch wenn ich sie gut kenne und ein Stück weit erklären könnte. Sie bleiben mir dennoch fremd. Ich respektiere die Wege der anderen. Aber ich gehe meinen eigenen Weg.
Eben dies verstehe ich unter Toleranz: etwas Anderes, mir gar Fremdes wohlwollend zuzulassen, die Aufrichtigkeit seiner Anhänger zu würdigen, und der Sache selbst Achtung entgegenbringen, wo der Koran ja selbst untersagte die Götzen des Götzendieners zu schmähen. Ja, ich will die aufrichtige Sache der anderen achten - auch wenn ich sie nicht verstehe, oder mir aneignen will. Wozu auch verstehen wollen, ist dies doch meist nur eine Strategie sich das andere durch scheinbares Verstehen Untertan zu machen – entweder durch arrogante Vereinnahmung, oder durch von Halbbildung getriebene Ablehnung.
Ich glaube, dass von den verschiedenen koranischen Ansätzen hierzu der universellste Satz jener ist, der aussagt, dass Gott, wenn er es gewollt hätte, nur eine einzige religiöse Gemeinschaft zugelassen hätte, und dass er selbst die Menschen über ihre Uneinigkeiten aufklären wird, die bis zur Begegnung mit ihrem Herren untereinander im Guten wetteifern sollen, statt dämlich und besserwisserisch miteinander zu streiten. Warum sollte ich da vorschnell eingreifen wollen durch ein von meinen Vorurteilen und meinem Unwissen geleiteten „Verstehen“ als Außenstehender, statt einfach meinen von mir bevorzugten Weg weiterzugehen?
So gehe ich also meinen Weg, begegne jedoch am Wegrand immer wieder Dingen der anderen, die ich gerne in meine eigenen Schatzkammern aufnehme. Ich verstehe mir als Sammler, der täglich eingeladen ist zu großem Mahle bei Westen wie Osten. Und ich weiß, ich spreche nur für mich, wenn ich frage: Kann es irgendetwas Besseres als das auf dieser Welt geben?
Ich suche dabei sowohl Momente der rationalen Erkenntnis, aber auch der Entzückung und spirituellen Erfüllung. Und ich setze diese Fundstücke um den Kern meines Glaubens zu einem großen Ganzen zusammen.
Zeigt mir einen Weg, der für mich besser ist als dieser, und ich will ihn gehen!
Und sie passen zusammen, diese Teile, ja mehr noch: Sie berichten mir von der selben Geschichte. Zumindest glaube ich, dass es so ist. Und es ist ein Glaube, der mich weit getragen hat.
Stringtheoretiker veranschaulichen ihr Modell von der physikalischen Welt manchmal mit einer vielsaitigen Gittare. Die Welt entsteht und erwacht zu Leben, sobald Gott deren Saiten zum Erklingen bringt und sie weiter tönen lässt.
Von wegen, die Naturgesetze seien kalt und unpersönlich! Und von wegen, die Welt erscheine umso absurder, je besser wir sie verstehen!
Im Gegenteil: Die verblüffende Verstehbarkeit bzw. Beschreibbarkeit so vieler Sachverhalte in der physikalischen Welt, die nichts mir unserem biologischen Überleben zu tun haben – von Quantenfeldern bis zur kosmischen Hintergrundstrahlung – ist eine entscheidende Berechtigung für mich diese Welt als Schleier von etwas Erhabenem dahinter aufzufassen. Von etwas, das irgendetwas mit uns zu tun hat. Es ist zwar nicht Mensch, aber auch nicht allein unpersönliches Ding. Vielmehr vermute ich dahinter die Wurzel aller Dinge, unbeschränkt und erhaben, mit der man über verborgene innere Wege in Verbindung treten kann. Erlebnisse, die mal mehr, mal weniger von intesiven Emotionen begleitet sein können.
Und diesmal ist mir das in einer Kirche widerfahren – ausgerechnet, als ich gerade auf dem Weg in eine Moschee war!
Der Koran sagt: Wenn Gott Aggressoren keinen Einhalt geboten hätte, dann wären Klöster, Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen Gottes Name häufig genannt wird, bestimmt zerstört worden. Ist es vielleicht dieser Moment, von dem diese koranische Aussage handelt? Und ein Hadith lehrt mich, dass die gesamte Schöpfung ein einziges Gotteshaus, ein einziger Tempel des Einen ist. Der Islam hat mich entbunden von der Anbetung von Orten und Dingen. Er hat meine Aufmerksamkeit auf Himmel und Erde gelenkt. Und mich gelehrt, dass der Gottesdienstwillige nicht Sonne und Mond, sondern einzig deren Schöpfer, also die fundamentalste aller Ursachen verehren und anbeten soll. Diese so beschriebene Welt ist gut und sie ist voller natürlicher Gebetsnischen – Nischen, die in meiner Welt nicht nur die Form von gebetstauglichen Orten, sondern auch von ergreifender Musik, oder spirituellen Momenten annehmen können.
Und ja: Es muss die selbe Welt sein, von der die mathematischen Modelle der theoretischen Physik, die gewaltige Orgel hier und die koranische Besingung des Einen, der uns näher als unsere Halsschlagader ist, letztlich handeln! Meine Sehnsucht gilt der Schauung dieser Einheit. Diese Schauung erfolgt aber nicht allein durch Vernunft. Nein, Vernunft hat hier höchtstens vorbereitenden Charakter, der die Wellen bis zum Ufer treibt und dann das Aufschlagen dem unabwendbaren Lauf der Dinge überlässt - ein Ereignis, das verkannt würde, wenn es einfach nur „begriffen“ wird. Also weg mit den Griffeln! Vernunftlose Erkenntnis nannte Tolstoi dieses Erleben – etwas, das er nach vielen Jahren der Glaubensskepsis und Depression als Wiedererwachen seines Kindheitsglaubens erfuhr. Dieser lange absente Glaube war zu ihm in fortgeschrittenem Alter in gereifter Form wiedergekehrt – und er wandte sich der Theologie und der Traditionskritik zu. Aber was die ungebändigte Freude am Glauben anbelangt, war er wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt.
Von vernunftloser Erkenntnis sprach Tolstoi also - vernunftlos bedeutet hier jedoch nicht etwa vernunftwidrig, oder von einer Art, dass man sich einbildet etwas zu sehen, oder zu hören, was nicht da ist. Vielmehr ist damit ein höchst subjektiver, spontaner und intimer Moment gemeint, in dem sich das Verhältnis des Endlichen und Kleinen zum Unermesslichen zeigt, also ein Moment, in dem man Zeuge der Einbettung des Vergänglichen in das Unvergängliche zu werden scheint.
Ja, es ist ein schwer fassbarer Eindruck, es ist subjektiv, aber zeigt sich mir und anderen als nicht minder real und beständig als andere alltägliche Erfahrungen. Eben eine solche Qualität kann jedoch nur erlebt, und nicht berechnet werden. Ist sie vielleicht ein Nachhall der tief irgendwo in unsere Seele (was immer das auch ist) eingravierten Begegnung mit unserem Schöpfer vor unsem irdischen Dasein, in der Gott zu den Seelen sprach Bin ich nicht euer Herr, worauf diese antworteten Ja, das bist du.Ich weiß freilich nicht, ob es eine solche Erinnerung ist, wie Mystiker vielleicht vermuten würden. Aber ich weiß, dass das, was manche als Ehrfurcht vor dem Leben und andere als Ehrfurcht vor dem Menschen bezeichnen, in meiner Welt ihre Wurzel in der Ehrfurcht vor dem Schöpfer hat. Liebe zu den Geschöpfen um deren Schöpfer willen – so umschreiben es die anatolischen Mystiker.
Die ersten Teilnehmer des Abendgottesdienstes treffen ein. Ich verlasse diese Kirche, dankbar für diese unglaubliche halbe Stunde, und gehe erfüllt und zufrieden meinen eigenen Weg...
Über die Bombenanschläge in Reyhanli-Türkei, sickern immer mehr Erkenntnisse durch, was zu immer wilderen Spekulationen führt
Beoabachter schätzen die Lage an der türkisch-syrischen Grenze nach den Bombenanschlägen von Samstag als sehr angespannt an. Es gibt immer wieder Übergriffe, weshalb syrische Flüchtlinge, die nicht die üblichen Flüchtlingscamps aufgesucht und auf eigene Faust eine Unterkunft in Reyhanli angemietet haben, sich nicht mehr aus dem Haus trauen.
Genährt wird die angespannte Atmosphäre auch durch Berichte über die Hintergründe der Bombenanschläge, dessen Opferzahl heute nach oben korrigiert wurde. Bislang sind demnach 51 Todesopfer zu beklagen und ein Ende ist nicht in Sicht. Noch immer sind Bergungskräfte damit beschäftigt, den Schutt zu beseitigen, zerstörte Fahrzeuge aus dem Weg zu räumen.
Nach offiziellen Angaben, die der Gesundheitsminister erneut bekräftigte, liegt die Opferzahl bei 51. Die Regierung sah sich genötigt, das erneut zu unterstreichen. Wilde Spekulationen über 177 Todesopfer, die Gerüchten zufolge durch die verhängte Nachrichtensperre im dunklen bleiben sollte, hatten dazu geführt, dass der Gesundheitsminister erneut vor die Kameras trat und die Zahl dementierte. Neu hinzugekommen sind aber zwei weitere Berichte der Medien, wonach der Hauptbeschuldigte der Regierung, Mihrac Ural, in einem Interview gegenüber dem britischen Sender BBC, die Tat von sich abgewiesen hat. Laut Regierung soll Mihrac Ural als Führer eines Armes der THKP-C, einer türkischen marxistisch-lennitistischen Terrorgruppe, in den Bombenanschlag verwickelt und vom syrischen Regime gesteuert worden sein. Ural weist das entschieden zurück und macht Israel dafür verantwortlich. Es gebe, so erklärte Ural, keine Gruppe namens Acilciler mehr.
Unterdessen wurde auch bekannt, dass die Videoüberwachung in der Kreisstadt Reyhanli am Tag des Anschlags nicht in Funktion war. Laut einem Bericht der Tageszeitung Aksam, sei die "Mobese", so heißen diese Videoüberwachungssysteme, die in den meisten Städten installiert sind, bereits einige Tage davor ausser Betrieb gewesen. Es sei zwar versucht worden, die Anlage zu reparieren, sei aber bis zu diesem Anschlag nicht in Betrieb gewesen. Das nährt jetzt erneut die Gerüchteküche. Die Regierung hatte nur wenige Stunden danach 9 Verdächtige festgenommen und sich u.a. auf die Mobese berufen, mit der die Sicherheitskräfte den Anschlag minutiös ausgewertet hätten.
Während Ministerpräsident Erdogan immer noch den syrischen Diktator Baschar al-Assad beschuldigt, hinter dem Anschlag zu stecken, weist Assad selbst die Beschuldigungen energisch zurück. Assad lies am Sonntag erklären, sie hätten gegen die israelischen Angriffe nichts unternommen, weshalb könne man jetzt davon ausgehen, Syrien habe in der Türkei für Provokationen sorgen wollen, erklärte ein Sprecher der syrischen Regierung. Bislang haben türkische Sicherheitskräfte 17 Tatverdächtige verhaftet, darunter angeblich Personen aus linksextremen türkischen Organisationen türkischer Abstammung. Meldungen zufolge sollen die Hauptverdächtigen, die in einer ersten Welle verhaftet wurden, 5 Millionen syrische Lira (umgerechnet 50.000 Euro) mitgeführt haben. Nach zwei syrischen Staatsbürgern wird gefahndet. Auch ein drittes Fahrzeug, die mutmaßlich mit einer Sprengladung präpariert sein soll, ist in der Fahndung aufgeführt. Mittlerweile werden auch erste Ergebnisse der Ermittlungen veröffentlicht. Demnach hätten die Bombenleger und Helfer bereits vor Monaten als erstes Ankara, dann Konya als Anschlagsziel im Visier gehabt, u.a. zwei Moscheen in der Stadtmitte, an der auch Geschäfte angeschlossen sind. Dann seien die Täter aber davon abgerückt, angeblich wegen des hohen Sicherheitsaufkommens. Erst wenige Tage vor den Bombenanschlägen in Reyhanli, hätten sich die Bombenleger auf die kleine Kreisstadt nahe der türkisch-syrischen Grenze festgelegt. Insgesamt soll die Gruppe aus 15 Personen stammen, heißt es weiter.
Oppositionspolitiker melden jedoch Zweifel an der offiziellen Darstellung der Ereignisse an. Der Oppositionspartei CHP ist vor allem die in Reyhanli verhängte Nachrichtensperre ein Indiz dafür, weshalb man davon ausgeht, die Regierung wolle damit Berichte über eine Täterschaft syrischer Rebellen aus dem Umfeld der Freien Syrischen Armee (FSÖ) verhindern. Die Oppositionspartei MHP wirft Erdogan sogar vor, durch die eindeutige und aktive Parteinahme für die FSÖ mitten im Syrien-Konflikt, den Bürgerkrieg in die Türkei hineingetragen zu haben, während man im Land selbst mit Terroristen verhandle. Die Regierung habe zu verantworten, dass die Sicherheit des Landes durch die Innen- wie Aussenpolitik an die Wand gefahren sei. Devlet Bahceli kündigte währendessen in einer Rede vor dem MHP-Parteitag an, er habe einen Partei-Anwalt angewiesen, Strafanzeige gegen die Regierung, gegen Sicherheitsorgane und gegen Unbekannt zu stellen und dass dem Generalstaatsanwaltschaft in Ankara heute Punkt 12 Uhr zu überreichen. Laut Bahceli habe die amtierende Regierung die Sicherheitsorgane zu Mittätern gemacht, Beschuldigte und Schuldige laufen zu lassen bzw. von der Justiz nicht verfolgen zu lassen. Dass sei laut Bahceli Vereitelung der Strafverfolgung und bezieht sich konkret auf die Terrororganisation PKK und deren Terroristen, die zur Zeit einen geordneten Rückzug angetreten haben.
Kemal Kilicdaroglu (CHP) warf Erdogan sogar vor, für die 51 Opfer verantwortlich zu sein und die Türkei in einen Krieg vorzubereiten. Ähnliches befürchtet auch die Debka, eine israelische, dem Militär nahe stehende Internetplattform. Laut ihrem Bericht, befürchtet Russland militärische Präventivschläge der Türkei. Es sei angesichts der bisherigen türkischen Regierungspolitik nicht ausgeschlossen, dass Erdogan durch die immer wieder energisch angedeuteten Präventions- und Strafaktionen gegen Syrien, jetzt in Zugzwang stehe, um nicht vollendst das Gesicht zu verlieren. Ausserdem habe sich Erdogan in jüngster Zeit mit den Massakern in Syrien profiliert. Nun habe sich das selbe auf türkischen Boden ereignet, so die Debka weiter.
Für wilde Spekulationen sorgt aber auch eine kürzlich erschienen Meldung, wonach am 19. Mai, einem türkischen Feiertag (Feiertag der Jugend, des Sports und an das Gedenken an Atatürk), alle Volkskonzerte in über 40 Provinzstädten abgesagt werden. Laut Jugend- und Sportminister Suat Kılıç habe man diese Entscheidung getroffen, da man das verheerende Ereignis in Reyhanli berücksichtigt habe. Der Feiertag selbst und die Aufführungen seien aber von dieser Entscheidung nicht betroffen, betonte Suat Kılıç. Laut Kritikern kommt diese Geste zu spät. Einerseits habe man diese Mitgefühlt weder am Anschlagstag und auch in den folgenden Tagen nicht gezeigt, u.a. mit Sendepausen für TV, auch sei der türkische Ministerpräsident nicht am Anschlagsort präsent gewesen. Vielmehr werfen Kritiker der Regierung nun vor, anlässlich dieses traurigen Ereignisses, dass "türkische" Kulturfest zu verdrängen, wie bei anderen türkischen Nationalfeiertagen.
Wen interessieren Zschäpe und ihre vier Schmusekameraden? Außer Artikel über Zschäpes Kleidungsstil geben hiesige Medien nicht mehr her als die wegen der Akkreditierung nominierte Modezeitschrift Brigitte. Ein Schaulauf von Heuchlern fand nicht nur an den Tischen der Anklagebank statt, sondern auch im Pressebereich des Gerichtssaals, in der Politik und der Medienlandschaft allgemein.
Genau die Presse, die sich aufopfernd für die Berichterstattung des NSU-Prozesses einsetzt - aber lieber über Zschäpes Kleidungsstil in ellenlangen Kolumnen abwichst- hetzte über Jahrzehnte hinweg über die türkische Community und sie tut es bis heute immer noch. Alles der Auflage wegen und mit Verschulden der Politik und Behörden.
Es reicht ja nicht, dass seit Jahrzehnten „der Türke“ für parteipolitische Spielchen wie Wahlkampf (EU-Beitritt), Überfremdungsangst, Ausländergewalt oder ausschlaggebende Verkaufszahlen am Kiosk herhalten musste. Nein das reicht nicht!
Innerhalb der zehn Jahre, als türkische Familien von Behörden und Medien regelrecht drangsaliert und terrorisiert wurden, wurde auch eine ganze Gemeinschaft mit in den Sog der Türkenhasser gezogen. Nicht nur seit den NSU-Morden, aber insbesondere durch die NSU-Morde, sind Viertel, in denen der Ausländeranteil höher ist, der Inbegriff für Gewalt, Mafia und Drogenmilieu geworden. Menschen türkischer Herkunft, egal ob sie dort leben oder nicht, wurden und werden nachhaltig systematisch diskriminiert. Ob in der Arbeit, in der Schule oder im privaten Alltag, es gibt keine Zeitung und keine Partei, die sich jemals enthalten hätte, sich über Menschen türkischer Herkunft das Maul zu zerreißen. Und genau die sitzen nun auf den Presseplätzen und geben sich seriös? Wir müssen nicht großartig in der Vergangenheit nachschauen, um ganz leicht zu sehen, wie Medien mit ausländischen Bürgern umgehen, wir brauchen doch nur in die Gegenwart blicken. Und die, die sich für Objektivität bemühen, Reportagen und Dokumentationen bringen, die ziehen die Arschkarte. Der Ausstrahlung findet irgendwann in der Nacht auf einem unbedeutenden GEZ-Kanal statt.
Selbst ernannte „Islamkritiker“ wie Kelek, Toprak und wie sie auch alle heißen, als auch unseriöse Verbände, haben durch die jahrzehntelange Politik der Parteien und Berichterstattung der Medien über „den Türken“ einen perfekten Einstieg erhalten. Die Medienlandschaft während der NSU-Morde hat den Einstieg sogar noch erleichtert. Seit den „Dönermorden“, seit der Verhöhnung türkischen Lebens bietet es sich ja regelrecht an, rechtspopulistische Kleinstparteien zu gründen oder sich als angebliche Türkin mit wechselndem Minderheiten- oder Religionsstatus bei der Springerpresse zu melden und los zu hetzen, Kohle zu scheffeln und sich sogar noch als intellektuell und gebildet zu geben.
In sozialen Netzwerken und Blogs werden Kelek und Konsorten mit „Onkel Tom“ verglichen. Die Initiatoren meinen, diesen Kreaturen damit eins auswischen zu können, sie zu ärgern, da Onkel Tom im Kinofilm Django Unchained eine böse Rolle einnimmt. Er selbst ist Sklave in einem Anwesen einer weißen Sklavenhändlerfamilie und geht selbst gegen Sklaven vor. Der Vergleich suggeriert, dass eine Güner Balci oder eine Cigdem Toprak alles für eine erhabene deutsche Gesellschaft tut, um Akzeptanz oder zumindest Ruhe vor dieser zu erlangen und wie Onkel Tom alles dafür tut, dieser Gesellschaft zu gefallen.
Onkel Tom tut dies jedoch nur, damit er selbst nicht bestraft wird. Es ist eine Beleidigung für Onkel Tom und eine Beleidigung sowie Verdrehung der amerikanischen Geschichte, diese Figur mit Kelek, Toprak, Balci und wie sie auch alle heißen, nur ansatzweise zu vergleichen. Auch ist so ein Vergleich eine Beleidigung für die Gesellschaft in Deutschland, die sicherlich keine Sklaven hält oder mit Menschen nicht-deutscher Herkunft so umgeht.
Der sogenannte „Housni**er Onkel Tom" (im Kinofilm Jango Unchained von Samuel L. Jackson gespielt) verkörpert einen Sklaven, der nicht unkritisch gegen die herrschende Politik bzw. Sklaverei ist, sich jedoch letztendlich dem System der Sklaverei gezwungenermaßen fügen musste und somit (zumindest im Film) auch zum Täter wurde. Onkel Tom hatte sozusagen bis auf den Freitod oder den sicheren Tod (wegen aufbegehren) keine Wahl, fügte sich und nur deswegen tat er alles, um dem „Master“, dem „weißen Herrenmenschen“ zu gefallen.
Die Penis-Beschneidungsexperten und Kinderbuchautoren tun alles aus freien Stücken, sie zwingt niemand, kein System, keine Gesellschaft und auch sicherlich keine Sklaverei aus dem 16. Jahrhundert bewegt sie, Vorurteile und Hetze gegenüber einer Bevölkerungsgruppe zu schüren und dies unter dem Deckmantel der „Kritik“ unter die Bevölkerung zu streuen.
Eine Medien-und Politiklandschaft, die diesen Menschen Publikationen (=Geld), Auftritte in Talkshows und Plätze in irgendwelchen Vorständen und Gremien anbietet, braucht sich gar nicht wundern, nicht ernst genommen zu werden. Da helfen auch Anbiederungsversuche nicht, sich bei einem NSU-Prozess als neutraler Berichterstatter aufzuspielen. Genauso wenig wie Politiker aus der SPD, den Grünen, der CDU/CSU und der popeligen Linken. Treten als Moralapostel auf, als welche die sich für die Menschen auf einmal einsetzen. Tage, Wochen, Jahre zuvor aber schön über die Köpfe der Türken hinweg Politik betreiben. Die türkisch sprechenden „Politiker“ aus der Fraktion der Linken und Grünen sind mir die liebsten, heucheln sie vor dem OLG in Kameras (auch in Kameras türkischer Sender) Engagement und Bereitschaft zur Aufklärung vor und hinten rum sind sie für die Verbotsaufhebung der Terrororganisation PKK, betreiben selbst antitürkische Politik und sonstige Scheiße.
Ich wundere mich überhaupt nicht, weshalb Menschen mit ausländischer Herkunft und vor allem mit türkischer Herkunft, sich nicht in die Politik mit einbringen, sich abschotten, am öffentlichen Leben nicht Partizipieren. Mit all den negativen Folgen. Ich wundere mich überhaupt nicht, dass extremistische Vereine, egal mit welcher Ideologie (von Politik mal geduldet oder verfolgt) keine Probleme haben, in so einer Atmosphäre Fuß zu fassen. Ich wundere mich kein bisschen darüber, dass es so weit gekommen ist und ich wundere mich überhaupt nicht, wenn das so gewollt ist.
Die türkischen Bürger dieses Landes müssen begreifen, dass sie alles selbst in die Hand nehmen müssen. Keine Partei, kein Medienorgan und vor allem nicht der Staat sind darauf aus, nur ansatzweise Gerechtigkeit zu erwirken. Lediglich die deutsche Gesellschaft und die sich darin befindenden türkischen Bürger müssen begreifen, dass Ungerechtigkeit nur durch eigenes politisches Wirken und die Freundschaft zur deutschen Bevölkerung bekämpft werden kann. Ich kenne keinen Türken, der keine deutschen Freunde hat. Dieses Band hat die Politik und die Medienlandschaft, mit all ihren Hobbymigranten, nicht durchtrennen können.
Necla Kelek ist bekannt für ihre kruden Thesen und “Analysen” zum Islam. Auf ihrem anti-religiösen Feldzug möchte die deutsch-türkische Soziologin Kelek persönliche Blutrache an einer ganzen Religion nehmen.
Von Tahir Chaudhry
Ihre Behauptungen über muslimische Migranten haben schon durch die gesamte Integrationsdebatte hinweg große Wellen geschlagen. Folglich ist ihr Wirken eher gewinnbringend für sie selbst, als für die deutsche Gesellschaft. Ihr Kampf gilt seit vielen Jahren den “muslimischen” Parallelgesellschaften und der vermeintlichen Flagge des Islamismus, dem Kopftuch. Mit ihrem neuen Artikel “Das Versagen der Islamkonferenz gegenüber Kindern” (erschienen in: Die Welt, 12.05.2013) schafft sie ein weiteres Zeugnis für hochpauschale Beschreibungen, Fehlschlüsse und Scheinargumente.
Die Kritik an der Deutschen Islamkonferenz ist üblich und zweifelsohne gerechtfertigt. Ebenso die Kritik an der Stellung vieler Mädchen in vereinzelten Haushalten des mehrheitlich türkisch-arabischen Kulturkreises. Dagegen ist aber der Vorwurf nicht gerechtfertigt, dass das Kopftuchgebot im Islam eine Diskriminierung der Frau bedeutete. Denn diese Behauptung stellt die Verdammung der Praxis einer ganzen Religion dar. Die Islamische Erziehung ist gemäß Kelek ein Verstoß gegen das Grundgesetz. Ja, sprechen wir es doch aus: Muslimische Eltern sind eigentlich Straftäter, behauptet Kelek. Generell seien die “streng” religiösen Muslime und ihre Interessenverbände das Problem, da sie eine unterschiedliche Behandlung nach islamischem Geschlechtermodell forderten. Doch geht es wirklich um die unterschiedliche Behandlung, oder vielmehr um die Unterdrückung der Frau nach patriacharlischen Traditionen einer zumeist ungebildeten Schicht? Und wer sind diese bösen “streng” religiösen Unmenschen in der Kelek’schen Gedankenwelt, deren Gegenspieler die liberalen “nicht so sehr” religiösen sind? Wir werden es wohl nie erfahren, weil Kelek gerade mit diesen schwammigen Aussagen ihren Lebensunterhalt verdient.
Raus aus der Kinderstube!
Der Staat soll also muslimische Kinder erziehen, weil Eltern die Kinder in ihrer freien Entfaltung einschränken? Na, dann! Gleiches Recht für alle! Wir brauchen eine staatliche Erziehung, ähnlich wie im Dritten Reich oder in der DDR? “Hotel-Mama” wird per Gesetz zur Übernachtungsstätte? Keine Erziehungsprobleme mehr bei “Familien im Brennpunkt”? Die “Super Nanny” braucht auch kein Comeback zu planen? In Keleks Märchenwelt können sich die Eltern endlich entspannt zurücklehnen und einfach die Verantwortung auf den Staat abschieben. Nein, Frau Kelek! Eltern zeugen Kinder, sie ernähren Kinder, sie leben mit ihnen unter einem Dach und sie erziehen ihre Kinder - so gut es geht. Ob das Kind nun atheistisch, agnostisch, jüdisch, christlich oder islamisch erzogen wird, Eltern geben ihren Kindern immer Werte und Normen mit, auch Gebote und Verbote ganz unabhängig von religiöser Erziehung. Diese elterliche Erziehung ist dann die Grundlage für das Lernen in den Schulen, die Beschäftigung in der Arbeitswelt und das Interagieren in der Gesellschaft. Es scheint, als würde Kelek die islamische Erziehung mehr als Trainingscamp für Islamisten, als Stätte für brainwashing oder als Lager für Zwangsarbeit sehen, als eine Erziehung nach einer sich selbstauferlegten Lebensphilosophie, die es zum Ziel hat ein angenehmes Leben nach dem Willen Gottes zu führen. Muslime sollen zwar die islamischen Gebote einhalten, aber sie wollen es auch.
Gerne würde Kelek die Deutungshoheit über den Islam für sich beanspruchen und alle anderen Auslegungsarten des Koran kategorisch verbieten, weil sie es natürlich besser weiß! Ich verstehe, sie würde zu gern’ ein Online-Mufti sein und den bösartigen “Traditionalisten” eine schöne Abreibung verpassen - auf theologischer Ebene, versteht sich. Wer das Kopftuch will, ist “Traditionalist”, meint Kelek. Seit wann ist das ein Schimpfwort? Also Muslime, die der islamischen Tradition nach Praxis des Propheten folgen? Welcher Muslim würde das eigentlich nicht wollen? Man sieht, dass Kelek nicht weniger fanatisch ist, als radikale Islamisten, die jeder abweichenden Meinung gegenüber taub sind. Zu sagen, dass man(n) die Frau zum Kopftuch zwingt, ist das Produkt eines gefährlichen Klischeedenkens, das aus der Basis eines pervertierten Verstandes, infolge von persönlichen Traumata ihres Elternhauses, entspringt.
Runter vom Kopf!
Kelek möchte uns doch nur zu gerne suggerieren, dass das Kopftuch ein Symbol für eine unterdrückte und ungebildete Frau ist, die in ihrem Leben sicherlich einmal verkauft oder misshandelt wurde. Und dies nur aus dem einfachen Grund, weil Kelek sich selbst keine gebildete und selbstbewusste kopftuchtragende Frau vorstellen kann. Und dann fällt in ihrem Artikel endlich die sich selbst entwaffnende Formulierung, dass sie selbst “extreme Beispiele” nutze. Ja, genau Frau Kelek. Dieser Zwang mag zwar in Einzelfällen vorkommen, doch wie sieht es mit der Mehrheit der Kopftuchträgerinnen aus, die das Kopftuch aus freien Stücken und gerne tragen, da sie darin eine gewinnbringende Zweckmäßigkeit für sich und für die Gesellschaft sehen. Sie argumentieren aus dem Koran. Dort werden muslimische Frauen nämlich dazu aufgefordert, ihre Reize nicht zur Schau zu tragen. Einen Schritt zuvor wird der Mann im Koran dazu ermahnt, vor der Frau respektvoll „seine Blicke zu Boden zu schlagen“ (Sure 24:31) und sie nicht anzüglich anzustarren. Dann erst wird den Frauen empfohlen, sich zu bedecken, um als Muslima „erkannt und nicht belästigt“ (Sure 33:60) zu werden.
Absurder geht es nicht! Kelek hat sich dem Kampf gegen den sogenannten “Scharia-Islam” verschrieben. Was die gute Frau der Öffentlichkeit bewusst verschweigt, ist die Tatsache, dass keine Form des Islam ohne “Scharia” existieren kann. “Scharia” hört sich eben gefährlich an und bringt Stimmung in die Debatte. Frau Kelek, wenn Sie meine Entgegnung lesen, dann würde ich Ihnen empfehlen, meine folgenden Worte zu kopieren und in das Manuskript ihres nächsten Buches einzufügen: Der Begriff “Scharia” bedeutet “Weg zur Quelle” und ist eine Komposition aus den Inhalten des Koran, den Aussprüchen (Hadith) und der Praxis (Sunna) des Propheten Muhammad. Es gibt kein für Muslime verbindliches Buch, wo “Scharia” draufsteht, sondern unterschiedlichste Auslegungen von Land zu Land, sogar von Gelehrten zu Gelehrten der islamischen Welt. Die “Scharia” ist also die gesamte Lehre des Islam, mittels der die Muslime zum Ziel ihres Daseins geführt werden sollen. Wenn Muslime beten, auf ihre Körperhygiene achten oder loyal gegenüber dem Staat sind, indem sie leben, handeln sie nach ihrer islamischen Lebensphilosophie, der "Scharia". Für die meisten Muslime steht sie in keinerlei Widerspruch zum deutschen Grundgesetz.
Sie werden es schon richten!
Kelek redet wahrscheinlich wieder von ihren “extremen Beispielen”, wenn sie darüber klagt, dass Muslime nicht mit christlichen “Schweinefleischfressern” an einem Essenstisch sitzen. Für unwissende Menschen gibt es nie eine Garantie, aber wissende Muslime sind sich darüber im Klaren, dass der Prophet Muhammed nur den Fleischverzehr verboten hat und nicht aber das bloße Betrachten des Schweinefleischs. Es ist überliefert, dass der Prophet selbst sehr gütig mit Christen umging, zusammen mit ihnen aß und sie sogar ihren Gottesdienst in einer Moschee abhalten ließ. Wusste er nicht, dass Christen Schweinefleisch essen? Es ist keinesfalls ein religiöser Akt, wenn sich ein Muslim davor ekelt mit einem “Schweinefleischfresser” zu reden, zu essen, zu arbeiten. Denn es geschieht mit einer psychologischen Begründung, die genauso gut ein Vegetarier liefern könnte. Jeder Mensch ist verschieden, Frau Kelek! Unterschiede wird es immer geben und sie muss es geben. Es sei denn, Kelek schwärmt von einer uniformierten Gesellschaft wie in autoritären Regimen, die Unterschiede im Denken und Handeln durch Zwang unterdrücken möchte.
Das “religiöse” Muslime nicht nach Deutschland gehören, möchte Kelek durch die mutmaßliche Gefährdung unseres Rechtsstaates durch “islamische” Paralleljustiz beweisen. Zu lange habe man das Problem der Parallelgesellschaften totgeschwiegen, lamentiert sie. Doch Kelek wird man nie zum Schweigen bringen können und gerade nicht bei ihrem zweiten Lieblingsthema. Die muslimischen Friedensrichter oder Schlichter seien eher Richter und Henker, deren Aufgabengebiet längst die Beschäftigung mit familiären Angelegenheiten überschreite. Gemäß Kelek gebe es “ausreichend Belege dafür, dass sich die Vorbeter sowohl in Strafsachen einmischen als auch darum sorgen, dass den Ehrvorstellungen muslimischer Männer Genüge getan wird.”, Der Verstoß gegen das deutsche Grundgesetz ist kein religiöser Akt, genauso wie der Besitz von Pseudo-Ehrvorstellungen einiger Männer. Dagegen sind es vielmehr areligiöse kulturelle Traditionen und soziale Normen, die nichts mit dem Islam zu tun haben. Kelek weiß halt durch mehr als ein Jahrzehnt der Erfahrung, wie man, die einfachen Gemüter durch die Heraufbeschwörung eines Angriffes auf das deutsche Recht in Wallung bringt. Ja, sie hat das sogar in einem Buch gelesen, in einem sehr schwachen Buch von Joachim Wagner “Richter ohne Gesetz”. Die Welt schrieb in einer Rezension von Wagners Werk: “Genau hier liegt – neben einigen Redundanzen – auch die einzige Schwäche des Buches: Es liefert keine verlässliche Zahl, die die statistische Größenordnung der islamischen Paralleljustiz in Deutschland auch nur grob umreißen würde. [...]” Eben dieses Problem wird der ständiger Begleiter Keleks auf ihrem Feldzug gegen die “religiösen” Muslime bleiben.
Über vier Millionen Muslime leben inzwischen in Deutschland, die meisten identifizieren sich nicht mit der Gedankenwelt Keleks. Denn für Kelek gibt es lediglich auf der einen Seite Fanatiker und auf der anderen Seite liberale, also “weniger” religiöse Muslime. Es bedarf mehr Muslime, die in der Gesellschaft endlich Gehör finden und die Friedfertigkeit ihres Glaubens propagieren. Sie müssen klarstellen, dass derjenige, der Zwang in Glaubensdingen praktiziert, die islamische Lehre der Barmherzigkeit und Liebe widerspricht. Sie müssen hervorheben, dass nur derjenige ein guter Muslim ist, “der seinen Mitmenschen am nützlichsten ist” und “vor dessen Hand (Taten) und Zunge (Worte)” seine Mitmenschen in Sicherheit sind (Hadith). Muslime können nichts für die Missdeutungen einiger Fanatiker, dagegen aber sicher etwas für die Gestaltung eines harmonischen Zusammenlebens in ihrem persönlichen Wirkungskreis. Muslime sollten nicht nur ihre Stimme gegenüber Verleumdungen ihrer Religion erheben, sondern gegen alle Ungerechtigkeiten, unabhängig davon, wer sie ausübt und wo immer sie auch auftreten mögen, ob in ihrer Familie, in ihrer Stadt, in ihrem Land oder in der Welt. Erst dann gelten sie als wahre Muslime, die überall willkommen sind und als Teil eines Ganzen aufgefasst werden. Nur dann kann Friedrich Dürrenmatts weitsichtiger Gedanke: "Was alle angeht, können nur alle lösen. Jeder Versuch eines Einzelnen, für sich zu lösen, was alle angeht, muss scheitern." den Eingang in die kollektive Mentalität einer Gesellschaft finden.
Die Große Strafkammer in Hatay, hat die Nachrichtensperre über die Bombenanschläge von Reyhanli vom vergangenem Samstag aufgehoben
Nach dem doppelten Bombenanschlag in der Kreisstadt Reyhanli, nahe der türkisch-syrischen Grenze in der Provinz Hatay, bei der am vergangenem Samstag über 51 Menschen starben und über 100 Personen zum Teil schwer verletzt wurden, hatte das Kreisgericht in Reyhanli eine Nachrichtensperre verhängt. Den Medien und Internetprovidern wurde verboten, Bild-, Ton- und Filmmaterial über den Anschlagsort zu verbreiten. Das Urteil wurde aufgrund eines Antrags der Generalstaatsanwaltschaft nur wenige Stunden nach den verheerenden Bombenanschlägen, durch das Gericht angenommen und die Nachrichtensperre über den Obersten Rundfunk- und Fernsehrat (RTÜK) an alle Medien verkündet.
Das Urteil wurde kurz darauf von Medien und Verbänden scharf verurteilt. Zum Teil führte es dazu, das Spekulationen über Sinn und Zweck der Nachrichtensperre aufkamen, die der amtierenden Regierung angelastet wurde. Nun hat die Große Strafkammer in Hatay das Urteil des Kreisgerichts aufgehoben. Laut der türkischen Tageszeitung Radikal, hatten türkischen Nachrichtenagenturen und Medien gegen die Entscheidung vor der ersten Großen Strafkammer geklagt. Das Urteil wurde inzwischen von der RTÜK auf Anweisung des Gerichts bekannt gegeben.
Bei dem Anschlag in der Grenzstadt Reyhanli waren am vergangenen Samstag 51 Menschen getötet worden. Seitdem nahm die Polizei 17 Verdächtige fest. 4 Verdächtige wurden am Mittwoch nach dem vorführen vor den Haftrichter, in Untersuchungshaft genommen. Die türkische Regierung geht von einer Gruppe mit Verbindungen zum syrischen Geheimdienst aus, die für die Tat verantwortlich sein soll. Das Assad-Regime in Syrien hat jedwede Verwicklung bestritten.
Ein türkisches Gericht hat 6 Mitglieder der Musikbandgruppe Grup Yorum zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt
Die 15. Große Strafkammer in Istanbul hat 6 Mitglieder der türkischen Musikband Grup Yorum zu jeweils 6 Jahren Haft verurteilt. Die Richter hielten es für erwiesen an, dass die 6 Angeklagten Mitte Dezember 2011 während einer Protestkundgebung in Istanbul die Polizei behindert, Sachschäden verursacht und Widerstand gegen die Staatsgewalt geleistet zu haben. Der Anklagepunkt, Mitglied einer Terrororganisation zu sein, wurde von den Richtern aufgrund der erwarteten Strafe und der Untersuchungshaft fallen gelassen. Drei Mitglieder der Musikband konnten nach dem Urteil auf freien Fuß, dürfen jedoch das Land nicht verlassen.
Seçkin Taygun Aydoğan, Cemray Baş und Melis Çitlioğlu, die bislang auf freien Fuß waren sowie Eser Morsümbül, Cemray Baş und Gürkan Türkoğlu, die seither in Untersuchungshaft saßen, hatten stets ihre Unschuld beteuert. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen Haftstrafen zwischen 10 bis 39 Jahren gefordert. In der Anklageschrift warf man den Mitgliedern der Grup Yorum, Behinderung der Staatsgewalt, Landfriedensbruch, Sachbeschädigung sowie Terrormitgliedschaft in der DHKP-C vor.
Die Richter der 15. Großen Strafkammer verwarfen jedoch den Anklagepunkt mit der Terrormitgliedschaft mit der zu erwarteten Haftstrafe für die anderen Strafdelikte. Ausserdem verwies das Gremium auf die lange Untersuchungshaft der drei Angeklagten Eser Morsümbül, Cemray Baş und Gürkan Türkoğlu. Die Richter hielten es aber für erwiesen an, am 13. Dezember 2011 in Istanbul an einer nichtgenehmigten Demonstration teilgenommen, Polizisten bei der Arbeit aktiv behindert, sich vor dem Zugriff gewehrt und dabei erheblichen Sachschaden angerichtet zu haben. Alle drei Angeklagten konnten nach dem Urteil das Gericht als freie Personen verlassen, dürfen jedoch das Land nicht verlassen. Seçkin Taygun Aydoğan und zwei weitere Mitangeklagte, die bis zuletzt ihre Unschuld beteuerten und darauf bestanden, von der Polizei irrtümlich für Gewalttäter der Demonstration gehalten zu werden, müssen die Strafe antreten.
Die Grup Yorum ist eine im Jahre 1985 gegründete Musikband, die dem sozialistisch-revolutionären Spektrum zugeordnet wird. Die Gruppe ist vor allem für ihre politischen Songtexte bekannt. Sie wurde von politischen Musikbands wie Inti Illimani aus Chile oder Ruhi Su aus der Türkei inspiriert. Einige ihrer Konzerte und Alben wurden verboten, da in den Liedern ein Bezug zu den DHKP-C Mitgliedern Sibel Yalcin und Eyüp Beyaz genommen wird, die bei Selbstmordanschlägen und Attentatsversuchen von Sicherheitskräften getötet wurden. Das Album "Boran Firtinasi“ von 1998 beschäftigte sich hauptsächlich mit der Gefängnissituation und dem Gefangenenwiderstand von DHKP-C Militanten in der Türkei, die in Todesfasten mündeten.
Nach dem verheerenden Bombenanschlägen in Reyhanli, gibt es erste Konsequenzen im Sicherheitsapparat. Für angespannte Lage in Reyhanli wird die Arbeiterpartei verantwortlich gemacht. Erdogan kann Obama nicht gewinnen
Erste Konsequenzen nach den verheerenden Bombenanschlägen in Reyhanli, bei der 51 Menschen getötet, mehrere Dutzend verletzt wurden. Der Polizeichef von Reyhanli wird versetzt. Die türkische Regierung hatte zuvor erklärt, es gebe hinsichtlich der Zusammenarbeit zwischen den Sicherheitsorganen Defizite. Als weitere Konsequenz soll in Hatay eine Dienststelle des türkischen Geheimdienstes (MIT) aufgebaut werden. Unterdessen melden die türkischen Medien, dass der Geheimdienst bereits zwei Wochen zuvor, über einen möglichen Anschlag informiert war. Ausserdem soll nach neuesten Erkenntnissen, der Geheimdienst über jede Bewegung der "Terrorzelle" informiert gewesen sein und die Polizeidirektionen des Landes über einen bevorstehenden Anschlag gewarnt haben.
So soll der Geheimdienst detaillierte Informationen über Anzahl der Personen, über die Mitwirkung des mutmaßlichen Drahtziehers Mihrac Ural sowie Bewegungen der Personen, bis hin zu möglichen Zielen und Menge sowie Art des verwendeten Sprengstoffs unterrichtet gewesen sein. Diese Informationen sollen am 9. Mai, also zwei Tage vor dem Anschlag, mit höchster Priorität an die Polizeidirektionen im ganzen Land zugestellt worden sein. Im Bericht werden die Polizeidirektionen angehalten, die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen, entsprechende Anweisungen an die Polizeidienststellen auszusprechen.
Wieso die Polizei, vor allem aber der türkische Geheimdienst nicht aktiv wurden bzw. konkrete Maßnahmen unternahm, um die Gruppe festzunehmen, löst bei vielen Beobachtern Verwunderung aus. Emre Uslu, ehemaliger Polizeibeamter und Journalist in der Taraf berichtete hingegen, die Meldungen seien gezielte Desinformationen seitens des syrischen Geheimdienstes gewesen, weshalb die MIT und die Polizei bis zu den Anschlägen keinen konkreten Verdacht gehabt habe. Kritiker erklären hingegen, es seien ernstzunehmende geheimdienstliche Informationen zusammengetragen worden, die im Detail betrachtet, unweigerlich zu einem Zugriff hätten führen müssen. In anbetracht dieser neuen Erkenntnisse, habe die Regierung mit der Versetzung des Polizeipräsidenten von Reyhanli, nur ein Bauernopfer erbracht, heißt es inzwischen aus den Oppositionsparteien.
Angespannte Lage in Reyhanli - Flüchtlinge verlassen Reyhanli
Für die angespannte Situation in Reyhanli wird die Arbeiterpartei (IP) verantwortlich gemacht. Der Sprecher der amtierenden Regierungspartei (AKP) Hüseyin Celik erklärte, dass die Arbeiterpartei für die momentane Situation in Reyhanli verantwortlich sei. Die Partei habe zusammen mit vereinzelten Mitgliedern der Oppositionspartei CHP, Protestkundgebungen organisiert und Flugblätter verteilt. Darin soll die Regierung aufgefordert worden sein, die syrischen Flüchtlinge aus dem Land auszuweisen, Flüchtlingslager zu schließen. Laut Celik hätten die Proteste dazu geführt, dass die syrischen Flüchtlinge, die sich in Reyhanli niedergelassen haben, nun die Stadt, zum Teil auch das Land verlassen.
Die CHP und die Arbeiterpartei verurteilten kurz darauf die Regierung. Die Regierung versuche, so die CHP, von ihren eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. In Reyhanli und weiten Teilen der türkisch-syrischen Grenze, unterstütze die türkische Regierung die "Terroristen" nicht nur logistisch, sondern auch mit Waffen und zeige ein dringendes Bedürfnis, in einen Nachbarkrieg zu gleiten.
Erdogan im Weißen Haus
Ministerpräsident Erdogan versucht derweil, Obama erneut daran zu erinnern, dass die "rote Linie" längst überschritten worden ist. In einer gemeinsamen Erklärung waren sich die Führer einig, dass das Assad-Regime abgeschafft gehört. Für Erdogan, so titeln hiesige wie auch vereinzelt türkische Medien, wird es langsam eng. Seit seiner aggressiven Politik gegenüber Baschar al-Assad, schwinden die Hoffnungen, das Assad freiwillig vom Amt zurücktritt und freie Wahlen zulässt. Skeptiker sehen vor allem Erdogan dafür verantwortlich, der Assad alle Möglichkeiten genommen habe, vor allem ein Rücktritt, bei der Assad sein Gesicht wahren kann. Erdogan steht somit in Zugzwang. Er muss gegenüber den Wählern seine bisherige verfolgte Strategie aufrechterhalten, um das "Morden" in Syrien zu unterbinden, die er immer wieder als moralische Pflicht und Bürde bezeichnete.
Erdogan wird spätestens an Russland und China scheitern, meinen nicht nur die türkische Tageszeitung Aydinlik und Sözcü, sondern auch an Obama, der zur Zeit im eigenen Land nicht die nötige Durchsetzungskraft besitzt. Das wird auch jüngst durch die russische Präsenz im Mittelmeer deutlich. Laut jüngsten Meldungen, sind erneut russische Kriegsschiffe in Zypern gesichtet worden, die in Richtung Syrin auslaufen.
Weitere Verhaftung in Zusammenhang mit Bombenanschlägen
In Hatay wurde ein weiteres mutmaßliches Mitglied der Terrorzelle verhaftet, der die Fahrzeuge erworben und für den Umbau verantwortlich sein soll. Er soll bei dem Versuch, nach Syrien zu flüchten, verhaftet worden sein und galt in der Türkei bislang als die meistgesuchte Person. Zwei weitere Personen werden noch gesucht, teilt die Nachrichtenagentur DHA mit.
„(…)Da stehe ich nun ich armer Tor und bin so klug, als wie zuvor(…)“ heißt es in Goethes Meisterwerk „Faust“. Tatsächlich wird man aus den türkisch-amerikanischen Beziehungen wirklich nicht schlau und es scheint, als wird sich diese Situation auch nicht so schnell ändern.
Ist das nicht herzzerreißend? Da standen sie beide an einem regnerischen Tag im Rosengarten des Weißen Hauses: Der amerikanische Präsident Obama und der türkische Ministerpräsident Erdogan. Und natürlich spielten Sie uns - dem „Fußvolk“- wieder einmal die heile Welt vor, in welcher alle anderen die Bösen sind, nur selber schaut man ungern in den Spiegel, könnte ja sein , dass man eventuell/vielleicht/möglicherweise die ein oder andere Falte des Grauens im Gesicht sieht, die einen daran erinnert, wie viel Grad Boshaftigkeit sich dahinter verbirgt. In einer Sache sind sich beide jedenfalls einig, nämlich dass die Baschar al-Assad Diktatur ein Ende haben muss.
Gut. Dann packen wir’s Mal an! Recep Tayyip Erdogan plädiert auf den Einsatz von Chemiewaffen, woraufhin Obama entgegnet, es gebe eine ganze Bandbreite ANDERER Optionen (Ich erinnere nochmal: Obama ist übrigens der Präsident DER Vereinigten Staaten von Amerika, die – wie wir wissen- historisch gesehen in Sachen Chemiewaffeneinsatz nicht zimperlich sind; Stichwort: Imperialismus). Obama hatte bereits im August 2012 vom Einsatz chemischer Waffen in Syrien abgeraten, nicht zuletzt deshalb, weil er darin langfristig eine Bedrohung der Sicherheit für die USA sieht. Eine diplomatische sowie gegeben falls militärische Lösung des Syrien Konflikts behielte sich die USA aber trotzdem vor und Obama betonte, dass die Mitwirkung der Türkei in diesem Punkt zweifelsfrei denkbar wäre. Dies bedeutet, dass es einen Alleingang der USA auf keinen Fall geben werde, sondern wenn man sich sozusagen schon "die Hände schmutzig macht, dann doch bitte alle geschlossen".
Köstlich nicht wahr? Die Republik Türkei ist bereits direkt durch die Konflikte im Nachbarland betroffen, wie wir nun auch seit dem unerträglichen Vorfall in Reyhanli wissen. Einen Alleingang wollen die Amerikaner nicht riskieren, wissen aber ganz genau, dass die Türkei bereits mit einem Fuß im Krieg mit Syrien steckt. Diese Heuchelei ist aber nicht das, was mich bei der Sache zu tiefst beunruhigt („weil das kenn ma ja scho“), sondern die Haltung unseres Ministerpräsidenten mehr Druck dahingehend auszuüben, militärisch in Syrien zu intervenieren. Warum haben Sie es denn so eilig Herr Ministerpräsident? (gemeint ist der türkische!). Mir scheint, als hätten Sie die Stimmen der Bevölkerung gerade auch in Reyhanli noch immer nicht gehört: Diese Menschen fordern – zu Recht!- Ihren sofortigen Rücktritt mit sofortiger Wirkung!
Irgendwann während der Pressekonferenz, hörte es dann auf zu Regnen und es schien kurzzeitig die Sonne in mitten auf das Podium der zwei „glänzenden“ Ministerpräsidenten, die verwundert und mit einer natürlichen Gelassenheit darauf reagierten. Herrlich, diese Unbeschwertheit auf beiden Seiten.
Aber meine Herren ich möchte Sie beide doch noch an eine ganz bestimmte Sache erinnern: Die Schattenseite des Lebens wird Sie schon bald wieder einholen. Vergessen Sie das nicht.
Ein Streifzug durch Medien: Christliche Europäer waren keine "fanatischen Barbaren", als sie gen Jerusalem wanderten - Graue Wölfe in Hamm sind anders - Sarkis Torrosian ist inzwischen zum Rächer mutiert
"Waren die Kreuzzüge Notwehr?" titelt die Zeit, in der Rodney Stark, ein US-Religionssoziologe angeblich mit den Klischees über die Kreuzzüge aufräumen will. Papst Urban III habe also keinen "Angriffskrieg" gestartet, sondern nur dem byzantinischem Kaiser zu Hilfe eilen wollen. Wie schon die Zeit wenig später darauf eingeht, blendet der US-Soziologe einiges aus. Auch kann er wohl nicht erklären, weshalb man für die Verteidigung der europäischen Christenheit so einfach mal über den Alpenpass marschiert und dabei sämtliche Gliedmaßen zu verlieren riskiert. Oder die Kinder, diese abertausenden hungrigen und verzweifelten Wesen, die bis an die italienische Riviera wandern und sich dann verdutzt anschauen, weil sich das Meer nicht teilt.
So ernsthaft der US-Religionssoziologe auch diese revisionistische Sicht vorträgt, es passt vorne und hinten nicht. Man belagert als Christ z.B. keine katholische Stadt (Zadar), um seine Vertragspflichten als Kreuzritter zu erfüllen, die man mit einem gewissen Heinrich von Dandolo ausgehandelt hat. Zwar exkommuniziert Papst Innozenz das ganze Kreuzheer, erteilt aber bald darauf allen die Absolution - Persilschein. Aber die "Barberei" fängt ja nicht erst 1202 an, sondern viel früher. 1098 berichtet Radulf von Caen während des Ersten Kreuzzugs, in Maara seien "Heiden", damit meint er Erwachsene Muslime und Kinder, in Kesseln und auf Spießen zubereitet worden, weshalb sich in der arabischen Welt bald herum spricht, dass die "Menschenfresser" wieder umher irren. Ob das Kreuzheer nun nicht barbarisch oder doch nur wahnsinnig war, darüber kann man lange diskutieren. Man kann auch darüber debattieren, wie die Europäer den Anschluss an die antiken "Technologien" und "Errungenschaften" schafften, was Rodnes Stark in seinem Buch auch anschneidet, um seine kruden Thesen unters Volk zu bringen. Sicher ist nur, dass die arabische Welt als Bindeglied fungierte. Da kann Rodney Stark sehr wohl behaupten, der "Islam" an sich habe nichts neues erschaffen, es bleibt bei dieser Behauptung. Die arabische Welt hat aber maßgeblich dazu beigetragen, dass die lateinischen Hinterlassenschaften übersetzt und umgesetzt, den Weg bis nach Europa fanden. Windmühlen z.B. die die Ernährung der Europäer revolutionierten, oder die Gitarre, das Wort allein besagt schon, welchen Ursprung es hat. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn man die Europäer von diesen Überlieferungen und eigenen epochalen Erfindungen ausgeschlossen hätte. Mit einem Persilschein kommt man eben nicht weit.
Über die Grauen Wölfe berichtet Lydia Rosenfelder in der Frankfurter Allgemeinen am Sonntag. Unter dem Titel "Rudel auf Beutezug" wird die altbewährte Angst vor dem Wolf zum Gegenstand eines Artikels über die Grauen Wölfe in Hamm. Es handelt sich dabei nicht um die Wölfe, die mit Mythen und Ängsten assoziiert werden und seit einigen Jahren wieder in Deutschland leben, sondern um die Anhänger der Partei der MHP in der Türkei, die in Hamm leben. Das Thema selbst ist emotional aufgeladen, sodass Diskussionen schnell zur Glaubensfrage werden und sachliche Aspekte schwer vermittelbar sind. Lydia Rosenfeld bedient diese nicht nur bildlich.
Rosenfelder bedient diese Ängste weiterhin, auch wenn sie zum Teil die Hammer Wölfe dabei positiv darstellt. Es wäre auch nach hinten losgegangen, wenn man die Gesprächspartner anders dargestellt hätte. Zitate gänzlich aus dem Zusammenhang zu reißen, nichts von alledem, was die Leute am Stammtisch oder beim Grillen gesagt und vermitteln wollten, zu unterschlagen, das wollte Rosenfelder dann doch nicht. Der Artikel strotzt deshalb auch so von Ungereimtheiten: Ein Hindu, der sich im Vereinsheim wohl für einen Hunderter blicken lässt, ein "Alevit" der nur dahin gezwungen wurde und sich nun seines Lebens nicht mehr sicher sein kann, und eine Journalistin, die sich entführt" fühlt; es bleibt bei den subjektiven Wahrnehmungen. Und die Sache mit den "kurdische, armenische oder aserbaidschanische Minderheit"? Darüber kann Topak nur lächeln. Er habe das anders gesagt, sehr wohl gebe es Armenier, Kurden oder andere Minderheiten in der Türkei, und es gebe auch eine Benachteiligung der armenischen Minderheit, die nach 1923 ein Sonderstatus haben, die mit den Allierten ausgehandelt wurde. Es begründet z.B. auch die berufliche Laufbahn vieler Armenier, die keine Beamte werden dürfen, sagt Zafer Topak und sieht u.a. das als Benachteiligung. Doch rein subjektiv betrachtet, gebe es in der Türkei nur eine anerkannte armenische, jüdische und griechische Minderheit. Dabei bezieht sich Topak den Bestimmungen des noch heute gültigen Vertrages von Lausanne. Öffentlich argumentiert Topak wie die Türken und die Türkei, legalistisch: Die Völkermordkonvention ist von 1948. Daher kann es juristisch gesehen vorher keinen Völkermord gegeben haben, sprich den sogenannten "Völkermord an Armeniern.
Auf die Frage, was die Journalisten so ausgelassen habe, reagiert Topak eher nüchtern. Er habe diesen Schritt, sich mit einer deutschen Journalistin zu unterhalten, nicht bereut. Es sei ein konstruktives Treffen gewesen, man habe sich dargestellt, offen ausgesprochen, die die Deutschen bewegen. Wohl deshalb habe Rosenfelder der "Rechtstreue" eine besondere Bedeutung beigemessen, wenn auch viele Aspekte Klischees bedienen würden.
Sarkis Torrossian, ein mutmaßlicher "Rächer" der "Entrechteten" Armenier, wird wohl bis zum "100-Jahrestag" der Umsiedlung als Gallionsfigur etabliert werden. Dafür setzt sich die armenische Diaspora ein, auch in Deutschland und in der Türkei. Jetzt aber auch Robert Fisk, ein britischer Journalist, der in der "The Independent" über den "vergessenen Holocaust" fabuliert und dabei dem türkischen EU-Beitritt eine besondere Bedeutung beimißt. Klar ist das keine politische Ansage, keine Richtlinie, die Fisk hier der EU aufoktroyieren will. In anbetracht dieser geradezu politischen Message, ist die rührerisch wirkende Hintergrundgeschichte eines osmanischen Armeniers, der in Gallipoli Tapfer gekämpft, ein gegnerisches Schlachtschiff versenkt und dafür ausgerechnet von Enver Pascha belobigt wird, einfach herrlich. Denn die Pointe kommt ja noch: Sarkis muss dann zusehen, wie die Familie trotz seiner Heldentaten umgesiedelt und dabei getötet wird. Aber dann kommt dieser als Fedai [Rächer] zurück auf die Weltbühne und kämpft Seite an Seite mit Briten und Franzosen in armenischen Legionen in Kilikien, bis er dann resigniert in die USA emigriert und dort im Arlington-Friedhof in Drexel Hill-Pennsylvania seine letzte Ruhe findet.
Es gibt da nur eine klitzekleine Ungereimtheit. Prof. Halil Berktay von der Sabanci-Universität hält von dieser Geschichte nichts. Weder gebe es Beweise dafür, noch habe man in den Archiven einen Hauptmann namen Sarkis Torossian gefunden, der in Gallipoli so Tapfer gekämpft habe. Es wird darauf hingewiesen, dass Professor Berktay einer der wenigen türkischen Historiker ist, der die Umsiedlung von osmanisch-armenischen Bürgern während des Ersten Weltkriegs im grunde als Völkermord anerkannt hat. Berktay´s These wird aber auch von Burhan Sayilir, Professor an der 18. März-Universität und auch von Yetkin Iscen (einem Historiker in Canakkale (Stadt gegenüber der Halbinsel Gallipoli)) geteilt. Professor Ayhan Aktar von der Bilgi-Universität, der die aufbereitete armenische These wiedergab und in der Türkei Torossian vermarkten soll, erntete heftige Kritik dafür, zuletzt durch Hakan Erdem, einem Historiker und Forscher. In seinem veröffentlichten Buch "Gerçek İle Kurmaca Arasında - Torosyan'ın Acayip Hikayesi" (Zwischen Wahrheit und Dichtung - Torosyans unglaubliche Geschichte) beäugt Erdem kritisch das Leben des Hauptmanns, seine Angaben, seine Ruhmesgeschichte und wird schnell fündig. Es gibt entscheidende Schwächen in der herangehensweise zum Thema Sarkis Torrossian. Dazu gab es bereits einen Artikel. Merke: Nicht jede Hintergrundgeschichte ist auch eine Geschichte im Sinne der Historie.
"Ordnung muss sein", ist etwas, was den Deutschen als Tugend nicht nur zugeschrieben wird. Die Deutschen haben sich damit sogar selbst diszipliniert. So werden 25 Millionen Gartenzwerge gehalten und streng nach ungeschriebenen Gesetzen in Vorgärten platziert. Oder Ordnungsliebend sind, sogar die Natur umgestalten, obwohl sie mehr Naturvereine haben, als alle NGO´s zusammen. Dann gibt es noch die Zuverlässigkeit und der Gerechtigkeitssinn, weshalb dem Recht eine besondere Bedeutung beigemessen wird. Ein Spießer ist mir aber auch wesentlich lieber, als "Ich habe meine Vorurteile, verwirrt mich nicht mit den Fakten"-Menschen. Der Spießbürger bewacht seine Gartenzwerge und mäht den Rasen sobald ein Gänseblümchen sich blicken lässt. Sie sind zwar auch nervig, aber sie zwingen mich nicht wie andere, auch Gartenzwerge aufzustellen oder ihre Meinung zu teilen.
Blogger Goethe55 von "antitürkfutbol" beschäftigt sich mit dem türkischen Fußball und den damit verbundenen Manipulationsskandalen
Ich war 10 Jahre alt, als damals, 1990, Hulk Hogan gegen den Ultimate Warrior im Wrestlemania VI aufeinander traf. Wie jedes Kind dieser Zeit war ich auch Fan vom Wrestling. Die Wrestler, ihr martialisches Auftreten, ihr Kampfstil und ihre Moves und die Kulissen faszinierten eine Reihe von Kindern und ließen sie mit jenen Helden identifizieren. Mein Held war damals Hulk Hogan. Immer wenn er in den Ring kam, zum Publikum zuwinkte und in seiner typischen Hulk Hogan-Manier sich sein T-Shirt zerriss, jubelten ihm jede Menge Zuschauer in der Halle und vorm Fernseher zu, denn Hulk Hogan stand für das Gute und als Guter sorgte er dafür, dass das Böse nicht gewinnen konnte. Nun war aber sein Gegner ein anderer Guter, nämlich Ultimate Warrior, der ebenso eine große Fangemeinde hatte. Ich erinnere mich nur allzu gut an meinen damaligen besten Freund aus Kindstagen, wie er immer der Ultimate Warrior war, wenn ich wieder als Hulk Hogan gegen ihn in seiner Wohnung catchen wollte. 2 Gute, die um den Gürtel kämpfen sollten. Und so kämpften sie 30 Minuten, ehe am Ende mein Held Hulk Hogan verlor. Ich war sehr traurig darüber, konnte mich aber damit abfinden, da ein anderer Guter den Titel gewonnen hatte. Maßgeblich daran beteiligt waren auch die fairen Gesten nach dem Kampf, die sich die Kämpfer gegenseitig gaben, so dass meine Trauer sich in Grenzen hielt. Wer den Kampf von damals nochmal sehen will, der klickt einfach auf den Link:
Es war das Jahr 1992/1993. Regelmäßig versuchte ich auf Tele5, unter diesem Sender konnte man Wrestling regelmäßig anschauen, keine Folge von WWF zu verpassen, ehe eines Tages mein damaliger bester Kumpel zu mir kam und mich mit einer schockierenden Wahrheit konfrontierte. Er sagte: “Es ist alles nur Show. Nichts davon ist echt.” Tausend Gedanken schossen durch meinen Kopf. Wie konnte das sein? So viel Action, so viel Power, so viel Schmerz, so viel Schweiß, so viel Lärm, und nichts von dem sollte echt sein? Und so klärte mich mein Kumpel Stück für Stück auf. Für mich endete damals ein Stück Faszination. Die Magie ging verloren. Es war wie die Beichte, die man einem Kind gibt, wenn es erfährt, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gibt. Wann immer ich danach noch die Sendung ansah, konnte ich nicht mehr die gleiche Spannung empfinden. Die Naivität, die ich damals als Kind hatte, als ich Wrestling sah, wich zu Gunsten einer gehörigen Portion Skepsis. Mein Interesse wurde geringer und wenn ich heute rein zufällig im TV zappe und auf Wrestling stoße, muss ich immer noch Schmunzeln, welch hammermäßige Theatralik und Dramatik und erfolgreiche Vermarktung zu diesem Sport gemacht wird. Dennoch, es ist alles nur Show, alles nur Theater, alles nur ein Plot =D Immerhin hat dieser Sport nie eine Realität für sich beansprucht und den Zuschauern vorgegaukelt, echt zu sein. Es ließ durch seine Übertreibungen immer durchblicken, dass es nur einem Zweck diente, dem der Unterhaltung. Nun fragt sich der geneigte Leser, was das alles mit dem türkischen Fussball zu habe. Eine gute Frage. Die Antwort gibt es in den nächsten Absätzen =)
Es ist der 3.Juli 2011, als ich eines Tages aufwachte und eine meiner “guten” Freunde, die türkischen Sportmedien mich mit einer grausamen Wahrheit “erschütterte”. Der Präsident jenes Vereins, der in der Saison 16 von 17 Spielen gewann und so doch noch, auch dank des direkten Vergleichs mit Trabzonspor, die türkische Meisterschaft sich holte, soll eine Reihe von Spielen verschoben und manipuliert haben. Mit ihm noch zahlreiche andere Teams, Funktionäre, Spieler, Manager etc. Zahlreiche Details der Absprache kamen dank der Telefon- und Videoaufzeichnungen ans Tageslicht. Ich war schockiert. “Nein, der saubere türkische Fussball macht doch sowas nicht. Wir, die so friedlich in den Stadien sind, wo Gewalt ein Fremdwort, Rassismus eine Banane zum Essen, um Verdauungsprobleme zu beseitigen, und Schmähgesänge in Wirklichkeit nur höfliche Aufforderungen zum Fairplay sind, sollten plötzlich einsehen, dass unsere Ach-so-tolle Frisur letztendlich die ganze Zeit nur ne Perücke war; und zurück nur noch eine öde kahle Landschaft, nämlich ne Glatze, übrigblieb. Wie trostlos. Nun gut. Ich muss zugeben. Ich war nicht schockiert, da ich schon immer wusste, dass der türkische Fussball vieles ist, aber nicht sauber. Wie kann es z.B. sein, dass in über 50 Jahren türkischer Fussball nur 5 verschiedene Meister hervorgebracht worden sind? In jeder großen Liga der Welt sind es an die 10 verschiedenen Meister, wenn man die Ligen im gleichen Zeitraum vergleicht. Ganz einfach: Ein Fussballsystem, das nur auf die 3 großen Teams abzielt (Trabzon und Bursa zähle ich nicht dazu, denn die Medien sehen diese beiden nicht als große Teams), das sich ganz und gar den Diensten dieser Teams begiebt, diese fördert und unterstützt. Selbst die türkische Nationalmannschaft ist in der Hierarchie unter diesen Teams, wenn man sieht, dass der eigene Verein den Fans mehr wert ist als die türkische NM. Zurück zum Thema. Der 3.Juli war ein Schock für viele, doch was danach kam, war die eigentliche Schande in diesem Schmierentheater namens türkischer Fussball. Während das höchste türkische Gericht nahezu fast alle mit hohen Gefängnisstrafen wegen Manipulation und organisierten Bandentums verurteilte, hat die türkische Sportsgerichtbarkeit alle Protagonisten und Vereine freigesprochen, obwohl sogar mit Ibrahim Akin ein Spieler die Manipulation zugab und ironischerweise vom türkischen Verband mit einer Sperre von 2 Jahren bestraft wurde. Mit wem letztendlich aber Ibrahim Akin Absprachen gemacht haben soll, konnte der Verband nicht herausfinden. Stattdessen war der Verband sehr erfindungsreich und hat selten schwachsinnig argumentiert, dass die Manipulation keine Auswirkungen aufs Spielfeld und somit auf die Ergebnisse gehabt hätte. Seitdem kursiert folgender Witz in der Türkei: Sagt der eine zum anderen “Anani s….m”, worauf der andere ihm eine auf die Fresse hauen will, worauf der andere dann antwortet “ama yataga yansimadi” =D
Ja ja, unsere Funktionäre sind schlaue Menschen und auch sehr erfindungsreich. Es mag zwar nichts Positives sein, aber hey, den Dreck, den man am Stecken hat, kann man wunderbar mit ganz viel Fantasie wegzaubern, zumindest wenn man in ihrer Welt lebt. Hier kommt unser Blog ins Spiel. Wer glaubt, hier etwas positives über den türkischen Fussball lesen zu können, der irrt sich. Wer glaubt, dass sich hier ein weiteres Medium nahtlos an die Lügenpropaganda der türkischen Medien fügt, kann gleich zu Fanatik, NTV, AMK usw. sich begeben und weiterhin im Land der rosaroten Ponnies und Honigflüssen leben, denn hier in diesem Blog gibt es nur Saures. Dieser Blog hat das Ziel, sämtliche Fehler des türkischen Fussballsystems zu erörtern, all seine negativen Seiten aufzuzeigen und für jeden kritischen türkischen Fussballfan eine andere Sicht der Dinge zu geben. Dieser Blog hat nicht das Ziel, Sympathie oder Nächstenliebe zu erzeugen. Dieser Blog möchte mit teils polemischen, teils provokanten und auch sarkastischen Beiträgen die klugen Leser unter euch zum Denken anzuregen, während die Dummen nach wie vor die Dummen bleiben werden, egal ob es diesen Blog gibt oder nicht, denn der Blog erhebt nicht den Anspruch, die Dummen schlauer zu machen. Das müssen sie schon selbst tun. In diesem Blog wird es alles und jeden treffen, auch meine eigene Mannschaft, und es gibt sooooooooooooooooooooviel, worüber man im türkischen Fussball diskutieren und soooooooooooooooooooviele Dinge, die man am türkischen Fussball kritisieren kann, soooooooooooooooooviel, dass man gar nicht mehr hinterher kommen kann. Seit dem 3.Juli 2011 ist das wahre Gesicht des türkischen Fussballs ans Tageslicht gekommen. Nun gilt es, dieses hässliche Gesicht mal näher zu betrachten….
Wer wir sind? Wir sind Fans des türkischen Fussballs. Wir wollen, dass der türkische Fussball endlich nach oben kommt, der endlich sein volles Potential ausschöpft, denn wir sind der Meinung, dass wir viel viel besser dastehen könnten, wenn wir endlich sowas wie eine Fussballkultur bzw. ein System hätten, das so gut funktioniert, dass Namen und Personen am Ende unbedeutend werden. Wir sind nicht gegen den türkischen Fussball. Wir sind gegen alle Fehler des türkischen Fussballs, die unseren Fussball daran hindern, weiterzuwachsen. Wir sind gegen das fehlerhafte System, das seit Jahrzehnten im türkischen Fussball herrscht, sind gegen Betrügereien, Manipulation und Beschiss, die es de Leuten nicht erlaubt, mit ehrlicher Arbeit Erfolg zu haben, sind gegen Funktionäre, die kurzsichtig nur an ihr eigenes Ego denken und jegliche Langfristigkeit ablehnen und stattdessen nach dem schnellen Erfolg suchen. Kurz gesagt: Wir sind gegen all das Negative, das den türkischen Fussball krankmacht. Und was seine Krankheiten sind, das werden wir euch zeigen.
Ich bin Goethe55, Fan des türkischen Fussballs und kritisiere für mein Leben gern. So gern, dass ich sogar auf Facebook auf der Seite meines Lieblingsteams, Samsunspor, gebannt wurde, weil ich mit einigen Transfers nicht zufrieden war. Sprich: Ich nehme nicht mal Halt vor meinem eigenen Team. Mein Motto ist: “Wer austeilt, wird auch einstecken können.” Mein Kollege ist Schiller01, auch Fan des türkischen Fussballs und Anhänger Galatasarays. Ein äußerst begabter und virtuoser Schreiber, der jenen Fairplay-Gedanken, den er verlangt, auch täglich vorlebt. Wir beide sind zudem Fans der deutschen Dichtung, deswegen die Nicknamen. Die Zahlen hintendran sind die Auto-Kennzeichen unserer türkischen Heimatstädte.
Blogger Schiller01 von "antitürkfutbol" zum Tod von Burak Yildirim
„Alle Kinder, außer einem, werden erwachsen.“ So beginnt James Matthew Barrie´s zeitloser Klassiker „Peter Pan“ und endet mit dem Satz „… und so wird es immer und immer weitergehen, solange Kinder fröhlich, unschuldig und herzlos sind.“
Am Sonntag den 12. Mai 2013 gibt es eines dieser Kinder nicht mehr. An jenem Tag war dieses weder fröhlich, noch unschuldig und sein Herz spielte am Ende nicht mehr mit: Burak, obwohl 19 Jahre alt, war ein Kind, ein Sohn, und der Grund dafür, dass seine Mutter am 12. Mai den Muttertag feiern durfte. Umso tragischer, dass sie ihn an diesem Tag verlor.
Burak Yildirim starb, weil er liebte. Er liebte den Fußball und er liebte seinen Verein: Fenerbahce SK. Hätte er es sich jemals vorstellen können, dass diese Liebe sein Schicksal besiegeln würde? Dass ein Stich in sein Herz ihm den letzten Atemzug rauben würde, weil er sein Verein bis aufs Äußerste unterstützte? Wohl kaum. Er hätte höchstwahrscheinlich wie der Präsident seines Klubs gerufen „darağacında olsak bile son sözümüz Fenerbahçe“ (Auch wenn wir am Galgen stünden, unser letztes Wort wäre „Fenerbahce“), ob er in den letzten Sekunden seines Lebens tatsächlich daran gedacht hat?
Dieser Ausspruch des Herrn Aziz Yildirim zeigt, welche Richtung der türkische Fußball eingeschlagen hat. Als wäre diese gestellte Bereitschaft fürs Martyrium nicht fatal genug, wurde der Spruch auch noch auf T-Shirts gedruckt um ein Slogan bereitzustellen, der dem Gegner zeigen soll: „Wir sind stark und kämpfen bis zum Tode“ – was eine Aufforderung zum Kampf und manchen Fan auch zur Gewaltbereitschaft animiert haben dürfte, sei es nun bewusst oder unterbewusst.
Der 3. Juli ist der Grund, weshalb dieser Kampf nun öffentlich geführt wird. Der türkische Fußballfan wird mit so viel Schmutz und Intrigen beworfen, dass er sich nicht davor schützen kann, er wird einfach damit konfrontiert, zusammenhangslos und mit Halbwahrheiten.
Aber auf den Schiebungsskandal soll hier gar nicht eingegangen werden. Hier geht es um die türkische Fußballkultur und den türkische Fußballfan. Es ist natürlich ein unlösbares Unterfangen den türkischen Fan auszumachen, zumal es ihn nicht gibt. Aber es gibt hier und da Gemeinsamkeiten, die auf den ersten Blick repräsentativ wirken. Der türkische Fußballfan liebt. Er liebt vom ganzen Herzen und gibt sein letztes Hemd für seine Mannschaft. Er ist temperamentvoll und treu. Er schimpft, schreit, weint und freut sich mit seiner Mannschaft. Soweit gibt es keine Unterschiede zu dem Allerweltsfan.
Doch der türkische Fan kann nicht rational denken, er überlässt die Vernunft anderen, die keine Ehre haben und alles mit sich tun lassen. Man(n) hat ja seine Ehre (Namus; Seref) und die darf man auf keinen Fall beschmutzen. Viele gesellschaftliche Normen werden auch auf das Spielfeld bzw. auf den Fußball im Allgemeinen projiziert. Der Fußball jedoch ist eine Sportart, die wie viele weitere auch, die aus mehreren Individuen besteht und von vielen Individuen geführt wird. Dies bedeutet, dass auf dem Feld 22 Menschen unterschiedlich sozialisiert wurden und daher auch auf dem Platz gewisse Normen befolgen.
Betrachte man nun ein Spiel des Borussia Dortmund vs Schalke 04 kann man die Spannung zwischen den Spielern auf dem Feld nicht übersehen. Es geht zwar hart zur Sache, aber die Spieler bleiben dennoch auf einem gewissen sportlichen Level. Vergleiche dazu ein Spiel von Fenerbahce SK vs. Galatasaray SK. Fast scheint es, dass rote Karten und Fremdkörper auf dem Spielfeld ein traditioneller Teil des Spiels geworden sind. Spieler X von Galatasray foult Spieler Y von Fenerbahce. X möchte sich bei Y entschuldigen und ihm die Hand reichen, doch Spieler Z, der plötzlich auftaucht stößt Spieler X mehrmals fort, obwohl keine negative Handlung von diesem ausgeht. Warum? Was ist der Zweck Herr Belözoglu (hinter „Spieler Z“ sollst du nicht versteckt werden) dieser Handlung? Dieser Mann (es wäre an dieser Stelle eine Beleidigung für den Sport, wenn ich Emre Belözoglu als „Sportler“ bezeichnen würde) ist schon oft negativ bei Spielen aufgefallen, mehrmals Dunkelhäutige Mitspieler rassistisch beleidigt und Fans während einem Spiel der Nationalmannschaft hochgradig beleidigt. Und so jemand ist Führungsperson und Vorbild einer Mannschaft? Leider ist er nicht der einzige unsportliche Spieler. Volkan Demirel, Meireles und Baroni gehören in den selben Topf.
Warum ist das so?
Diese Spieler sind das Produkt unserer Erziehung, unserer Normen und Handlungen.
Den Kindern wird zu Hause Respekt beigebracht, und sie wissen genau, wo sie respektvolle Verhaltensweisen an den Tag legen müssen. Doch sobald sie sich hinaus auf die Straße begeben, gelten andere Regeln. Sie fluchen, reden abwertend über andere und über das Frauenbild möchte ich an dieser Stelle nichts erwähnen. Jeder Junge und jeder Mann ist ein Alphatier auf türkischen Straßen, so auch auf dem Spielfeld. Es möchte weit hergeholt sein, aber so lässt sich auch das Ringen als Nationalsport erklären. Hier gibt es kein drumherum. Der Stärkere gewinnt, der Schwächere verliert, Manipulation ist hier kaum möglich und nötig. Anders mit dem westlichen Fußball. Hier gibt es immer wieder etwas zu meckern und zu rügen.
Die Präsidenten der türkischen Klubs sehen sich als eine Art Kaiser oder Majestät und ihre Spieler sind ihre Gladiatoren. Es ist ein Kräftemessen der Extraklasse, ein Alphatiergehabe ohnegleichen. Nicht umsonst wird auch der Trainer Fatih Terim als Imperator bezeichnet, was dabei geholfen haben dürfte, dass er sich auch wie ein fanatischer Feldherr am Spielfeldrand bewegt und jedem droht, der ihm in die Quere kommt.
Der eine Präsident beginnt einfach mal ein paar Tage vor dem Spiel über die andere Mannschaft zu lästern, um das Feuer des Hasses nochmal zu entfachen und zu Schüren. Für die Medien ein gefundenes Fressen auch die gegnerische Mannschaft springt auf den Zug. Somit wurde das Fundament für Burak Yildirims Tod geschaffen. Doch die Schuld trägt die Gesellschaft, die zulässt, dass solche Menschen und Hooligans eine Mannschaft leiten. Dass solche Hooligans Medienmogule werden und den türkischen Fußball so lenken wie sie möchten…
Auch hier ist der Ursprung allen Übels das Gesellschaftsbild. Das Individuum in der türkischen Gesellschaft ist sehr eitel und achtet höchst penibel auf das eigene Ansehen und auch das seiner Familie. Die Frage, was denn die anderen über einen und die Familie denken könnte steht bei allem Handeln an erster Stelle. Man spielt den Anderen etwas vor, um die „Ehre“ (die wiederum von der ehrenvollen „Gesellschaftsfassade“ festgelegt wurde) zu schützen. Dies ist auch bei den Spielern zu sehen, die in den Medien immer freundlich erscheinen aber manchmal das wahre gesellschaftliche Bild auf dem Feld zeigen.
Ob sich hier irgendetwas ändern wird, wage ich zu bezweifeln. Solange man die Schuld immer bei den Anderen sucht, wird sich nichts ändern und den türkischen Fußball, der doch so viel Potenzial inne hat, nicht dorthin lassen, wo er verdient zu sein: an der Spitze des Weltfußballs. Er muss sich weiterentwickeln und erwachsen werden, doch mit diesen kindischen Führungskräften um ihn herum wird er immer eins sein: ein Peter Pan…
Laut der ARD-Sendung "Report Mainz", war den Landesverfassungsschutzämtern in Sachsen und Thüringen sowie dem Bundesverfassungsschutz bereits im Jahre 2000 bekannt, dass das Trio überwacht wurde
Streng vertrauliche Dokumente werfen ein neues Licht auf die Zwickauer Terrorzelle NSU. Laut dem Bericht der "Report Mainz", war den Behörden bereits seit 2000 bekannt, dass das Trio und Helfer der NSU als Terrorgruppe eingestuft wurden. Das Dokument, datiert auf den 28. April 2000, enthält u.a. eine Einstufung als Terrorzelle durch den sächsischen Landesamt für Verfassungsschutz in Dresden. Kenntnis davon hatten der sächsische Innenminister sowie weitere Verantwortliche im Ministerium. Außerdem fordert der sächsische Verfassungsschutz geheime Überwachung der Telefonate und Briefe des Trios sowie weiterer mutmaßlicher Helfer und Unterstützer.
In dem Dokument werden auch die Gründe genannt, die eine Überwachung erfordern. Darunter Informationen über Helfer, die dem Trio Identitäten geben oder Sprengstoff besorgt haben sollen. Dabei fällt ein Name eines V-Manns, der 1,4kg. Sprengstoff geliefert haben soll.
Ex-Verfassungsschützer Winfried Ridder erklärte nach Bekanntwerden dieser Dokumente, die dem ARD zugespielt wurden, dass die neuen Erkenntnisse sensationell seien. Ridder, der die Abschaffung der V-Männer befürwortet, erklärte, dass die Behörden lange vor dem ersten Mord in Nürnberg, über das Trio informiert und gewarnt worden seien. Die ARD berichtet, "Insgesamt steht damit fest, dass deutsche Sicherheitsbehörden und Teile der Politik umfassend und frühzeitig über das Terrortrio informiert waren."
Trotz dieser Erkenntnisse von 2000, hatte Hans-Peter Friedrich nach dem Auffliegen der NSU-Terrorzelle im November 2011 erklärt, man habe noch vor einigen Tagen sich kein Bild darüber machen können, dass da eine Organisation oder Terrorzelle ein Jahrzehnt mordend das Land durchstreift.
Nach der Berichterstattung über die "Graue Wölfe" in Hamm, zeigt die SPD ihr wahres Gesicht. Aus Nordrhein-Westfalen wird auch über türkische Bücher berichtet, die angeblich den Schulfrieden gefährden
Selten konnte man innerhalb weniger Tag eine geballte Ladung Türken-Bashing erleben, wie zur Zeit in Nordrhein-Westfalen. Bei der ersten Meldung geht es um einen Bericht in der Frankfurter Allgemeinen am Sonntag ("Rudel auf Beutezug"), bei der es um den Ortsverein der Türkischen Föderation in Hamm geht. Im zweiten Bericht geht es um türkische Bücher, die angeblich den Schulfrieden gefährden. Bleiben wir bei der zweiten Meldung. Laut GEW (Bildungsgewerkschaft), die eine sozialistische Ader besitzt, seien die Bücher, die durch das türkische Konsulat an Schulen verteilt werden, nationalistisch. Türkische Elternverbände laufen dagegen Sturm und haben bereits ein Fragekatalog an die GEW gerichtet. Bisher blieb die GEW die Antworten schuldig. Stattdessen wiederholt man den bereits vor zwei Wochen geäusserten Verdacht, der durch Journalisten verstärkt wird. Die WAZ, die das anhand zweier türkischstämmiger Journalisten unter Beweis gestellt haben soll, ist in diesen Fragen kein Experte, dennoch bleibt die WAZ dabei: die Bücher verherrlichen das Türkentum und blenden dunkle Kapitel in der türkischen Geschichte aus. Das wird anhand des sogenannten Völkermordes an Armenien konkretisiert.
Rückblick: 2009 wurde der sogenannte "Völkermord an den Armeniern" in den brandenburgischen Lehrplan aufgenommen. Darauf verständigten sich die Vorstände von SPD- und CDU-Fraktion, nach einem Hick-Hack. Die Streichung des Genozids aus dem Lehrplan aufgrund einer diplomatischen Intervention der Türkei hatte deutschlandweit zu heftigen Protesten geführt. Zeitgleich geriet Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) unter diplomatischen Druck, da die Republik Armenien sich empört hatte.
Damals war von einem sogenannten Schulfrieden überhaupt keine Rede, betraf es doch nur die türkischen Schüler.
Gegenwärtig stören sich Genossen innerhalb der GEW an den türkischen Schulbüchern, und die WAZ-Redaktion ist dabei behilflich, den Schulfrieden zu sichern. Trotz der entschiedenen Klarstellung der Föderation Türkischer Elternvereine in NRW. Sie erklärten, die kritisierten Bücher seien keineswegs nationalistisch oder geschichtsklitternd. Die Bücher würden die gleichen Werte vermitteln, wie man sie in den USA beobachten könne. Die Schulaufsicht sieht das jedenfalls anders und hat kurzerhand die Bücher für bedenklich erklärt. Nicht nur, dass diese Einmischung anmaßend ist, es leistet sogar jenen Vorschub, die den "Nationalismus" schon lange im Visier haben, darunter die ZAD (Zentralrat der Armenier), die jetzt ebenfalls in die Presche springt.
Die Intervention ist, so gesehen, ein diskriminierender Versuch, türkische Schüler zu entmündigen. Das mag den Verhältnissen hier entsprechen, wenn man den "Kritikern" folgen will, aber der deutschen Schulmaxime, Jugendliche zu frei denkenden Bürgern zu erziehen, entspricht es nicht mehr, erst recht nicht, wenn man sogar über das Maul der Elternverbände fährt und unberücksichtigt aller Verhältnisse, darunter der staatsbürgerlichen Aufgaben der Türkei, die eigenen Positionen festigen will.
Weshalb die GEW ein Interesse daran hat, das zum Thema zu machen, kann man an Süleyman Ates erkennen, der in der GEW ebenfalls tätig ist und kürzlich in der Köln-Radyosu (Funkhaus Europa) mit Dr. Ali Sak darüber debattierte. Wer Süleyman Ates und andere, die türkische Bücher aus den Regalen haben wollen, kennen lernen will, braucht nur in der GEW Online danach zu suchen, dann weiß man, woher der Wind weht.
Graue Wölfe, SPD und die PKK-nahen Vereinigungen
Die Jusos fordern ein Zeichen gegen "Graue Wölfe", nach dem ein Bericht der FAZ-Journalistin Lydia Rosenfelder am Sonntag erscheint. Sie fordern die Hammer CDU auf, sich von der Türkischen Föderation, den sogenannten "Grauen Wölfen" zu distanzieren. Die Grauen Wölfe würden "dem Verfassungsschutz" zufolge teilweise extrem nationalistisches Gedankengut verbreiten, so die Jusos in einer Presseerklärung, die auch an die Hammer CDU gerichtet wurde. In der Türkei würden durch die nationalistische Bewegung andere ethnische Identitäten nicht anerkannt oder diskriminiert. Diese Aussage ist erstaunlich, zumal es erhebliche Unterschiede in der Wahrnehmung gibt. Erstaunlicher ist aber, dass die Jusos (Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialistinnen und Jungsozialisten in der SPD) sich überhaupt nicht von PKK-nahen Verbänden und Vereinen distanzieren.
Seit etlichen Jahren beteiligt man sich an Feiern, Konferenzen, Fachtagungen, Protesten, Demonstrationen, nahezu immer mit Vereinen, die auch im Verfassungsschutz aufgelistet und zum Teil auch eine Nähe zur Terrororganisation PKK aufweisen. Noch immer richten SPD-PolitikerInnen "Grußworte" an ein Publikum, die zweifelsfrei der PKK zugeordnet werden, sprich vom Verfassungsschutz als solches in Berichten gekennzeichnet sind. Jusos sind selbstverständlich ebenso aktiv. Angesichts dieser Zustände erhält die Forderung der Jusos ein gewisses Geschmäckle, der auf gut deutsch, als Heuchlerei bezeichnet werden kann.
Der armenischstämmige Sevan Nisanyan wurde in Istanbul wegen Beleidigung einer Religion zu 13,5 Monaten Haft verurteilt
Der in der Türkei lebende armenischstämmige Sevan Nisanyan wurde durch die 14. Strafkammer in Istanbul wegen Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen zu 13,5 Monaten Haft verurteilt. Das Urteil kann nach türkischem Gesetz zwar in Geldstrafe umgewandelt werden, doch weil Nisanyan zuvor schon verurteilt worden war, kann er das Urteil nur noch anfechten..
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Autor und Journalist Sevan Nisanyan den Propheten Mohammed beleidigt hat. Nisanyan hatte am 29. September 2012 in einem Artikel geschrieben, dass es nicht unter den Begriff Hassrede fällt, wenn man "sich über einen arabischen Führer lustig macht, der vor hunderten von Jahren behauptet hat, Kontakt mit Gott aufgenommen zu haben und daraus politischen, finanziellen und sexuellen Profit zu schlagen [...] das ist Kindergartenniveau". Nisanyan wollte damit das Thema Zensur behandeln. Nach der Veröffentlichung des Artikels hatten 15 Personen Strafanzeige wegen "offener Beleidigung religiöser Werte einer bestimmten Gemeinde der Gesellschaft" gestellt.
Vor dem Urteil der 14. Strafkammer teilte Nisanyan auf Twitter noch mit, dass "diese Jungs" ihn verklagt haben und recht erhalten werden. "Dies ist ein Geschäft auf den Schultern Gottes, womit man sehr gut Geld verdienen kann". Sevan Nisanyan hatte bereits zuvor mediale Beachtung erhalten, nach dem bekannt wurde, im Jahre 2008 seiner Ehefrau Müjde Sevanyan eine Dose Kot über den Kopf gekippt hatte. Für kurze Zeit wurde die Tageszeitung Taraf sowie die armenisch-türkische Wochenzeitung AGOS dafür kritisiert, Sevanyan weiterhin als Journalisten zu beschäftigen.
Pünktlich zum 80-jährigen Gedenken der Bücherverbrennung stellen wir fest, dass das Rad nicht neu erfunden werden muss. Nach der GEW setzt sich auch die ZAD dafür ein, Bücher des türkischen Bildungsministeriums aus dem "Verkehr" zu ziehen
Noch vor dem Gedenktag zur Bücherverbrennung im Nationalsozialismus, förderten gleich ZWEI türkischstämmige "Experten" der "Der Westen"-Redaktion eine regelrechte Hetzkampagne gegen türkische Schulbücher, die für türkische Schüler durch das türkische Bildungsministerium zur Verfügung gestellt werden. Welche zwielichtige Rolle sie da einnehmen, wird beim genaueren Hinsehen ersichtlich. Dazu wird in einem ausführlichen Artikel Stellung bezogen.
Fakt ist: Deutsche Lehrer kommen damit eigentlich nie in Berührung, können sich somit nicht strafbar machen, wenn sie den türkischen Schülern die "Leugnung des Völkermordes" eintrichtern. Das erledigen die türkischen LehrerInnen, die darin kein Problem sehen... Es ist auch nicht ersichtlich, in welcher Passage eines türkischen Lehrstoffs etwas geleugnet oder verherrlicht wird. Die GEW, die das Thema ebenfalls anpackte, sowie die zwei Journalisten, bleiben uns das nachwievor schuldig. Nur die ZAD (Zentralrat der Armenier) lüftet etwas das Geheimnis. Sie zitiert dabei eine ominöse Seite 107 eines 3. Buches (SIE müssen es ja wissen) in der dieser Absatz stehen soll 1:
Armenier und Türken lebten viele Jahre friedlich zusammen. Als im Ersten Weltkrieg Engländer und Russen die Armenier anstifteten, das Osmanische Reich zu schwächen, setzte sich die türkische Armee in Ostanatolien in Bewegung und in der Folge unterzeichneten die Armenier ein Abkommen, in dem sie auf Land in Anatolien verzichteten.
Da ist die Rede vom Ersten Weltkrieg, der Mobilmachung armenischer Einheiten, die das Osmanische Reich zusammen mit dem zaristischen Russland im Osten angreifen und weite Teile besetzt halten, danach aber zurückweichen, einen Waffenstillstand vereinbaren, auf Gebietsansprüche verzichten...
Die ZAD setzt das selbstverständlich und ohne Hintergedanken mit dem Holocaust in Zusammenhang, denn, man habe eigene Erfahrungen mit dem Holocaust?! Deshalb wird auch eine Radikalkur verordnet, die Bücher müssen allesamt weg. Bevor die ZAD hier aus zwielichtigen Gründen ihre Abneigung gegen ein bestimmtes Volk wieder einmal kundtut und sich inzwischen als Holocaust-Opfer bezeichnet, würde ihr eine gewisse Objektivität gut stehen. Über die Titelschlagzeile des Artikels der "Der Westen" muss man nicht nachdenken 2. Das Online-Bild-Verschnitt argumentiert in etwas so wie "Deutsche Priester mit Hang zur Kinderliebe - Wie gefährlich sind sie für unsere Kinder?" oder "Fremdenfeindlichkeit in Deutschland - Wie sicher können Ausländer in Deutschland noch sein?".
Im Artikel wird auch der Eindruck erweckt, die Kinder würden nicht in deutsche Schulen gehen und daher nur ein Blickwinkel der Geschichte betrachten - die der türkischen Sicht. In der Realität kommen türkische Schüler aber mit beiden Versionen in Berührung, die aus der eigenen Heimat, Kultur und Geschichte, und diejenige, die hier politisiert den Weg in den deutschen Lernstoff fand, auch mit tatkräftiger Unterstützung der ZAD. Die deutschen Schüler erfahren nur die eine Version, wie auch die armenischstämmigen Schüler, denen der Hass gegen Türken danach in der Fratze bis ins hohe Alter haften bleibt - zu sehen aktuell in unzähligen Threads sozialer Netzwerke. In Armenien wird man deshalb auch als Reisender darüber befragt, ob man wie sie auch "Türken" hasse, die in Deutschland leben. Ein "Trauma" der auch nach 200 Jahren nichts an seiner Attraktivität einbüßen wird, weil es so gut in die politische wie auch wirtschaftliche Misere des Landes passt. Aber auch hierzulande, ist das Objekt selbst immer wieder für Schlagzeilen zu haben. Wieso auch nicht, wenn man sich selbst profilieren kann, Armenien ständig durch die Blume hindurch präsentiert oder erst gar nicht in den Mund nimmt.
Zurück nach Deutschland: Man kann sich aber auch die Frage stellen, warum deutsche Lehrbücher die Einwanderung und Veränderungen in Deutschland kaum thematisieren und wenn doch eher aus der Problemperspektive heraus... oder der Bergkarabach-Konflikt. Vielleicht sollte man sich auch mal mit der Situation in Armenien beschäftigen oder der "Erste Völkermord des Jahrhunderts" an Herero und Namas...
Seit wann ist es auch die Aufgabe der ZAD oder GEW, die Bücher des türkischen Bildungsministerium in Frage zu stellen und ihr nationalistische, diskriminierende, gar menschenverachtende Unterstellungen vor zu werfen, ohne dafür Belege zu haben? Nur anhand eines Absatzes, der diese Schlussfolgerung zulässt? Weshalb wirkt es für GEWler und ZADler so verstörend, dass die Türken so stolz auf die Nation und seinen Gründer sind? Sind die Armenier nicht stolz auf ihre unzähligen Helden, die im Kampf für Freiheit gefallen sind? Wir können ja auch die armenische Nationalhymne sezieren, um auf den Scheiß Nationalismus zu kommen 3
Die Türkei muss aus eigenem Antrieb mit ihrer Geschichte fertig werden, wie und in welchem Umfang, darüber haben andere nicht zu entscheiden schon gar nicht eine rechtsdrehene Erika Steinbach, die zur Zeit per Facebook und Twitter zwitschert und alles mögliche an Leuchten magisch anzieht - dafür gibt es ein ungeschriebenes Gesetz: der Stärkere, die Nation des Volkes hat das Sagen - das ist nicht Aufgabe der GEW, der ZAD oder des deutschen Bildungsministeriums, irgend einer politischen Partei, Gesellschaft für bedrohte Bekloppte oder Gesellschaft mit beschränkter Neigung. Diese Form von widerwärtigem Gehabe Drittklassiger, die seit Jahren am "Türkentum" nörgeln, dabei ihr eigenes Dogma vergessen machen, haben ein ernsthaftes Problem mit sich selbst. Ob nun Identitätskrise oder ob man sich nur über die Türken eine Identität schaffen will, die Auswahl würde auch Freud überfordern. Deshalb wird auch immer wieder aufs Neue der Versuch gestartet, den deutschen Volkszorn in irgend einer Art herauf zu beschwören, in dem man die mannigfaltigen Ansichten der Türken in einem Einheitsbrei menschenverachtend darstellt. Der Bogen, bis die Türken dann mundtot gemacht werden, ist jedenfalls klein und wird jedes Jahr kleiner. Der deutsche Rechtsstaat drückt dabei ein Auge zu, denn der respektlose Pöbel hat Vorfahrt. Hatten die Deutschen in ihrer Geschichte schon einmal, z.B. die Bücherverbrennungen. Gesinnung geht eben wieder vor Recht, vor pluralistischer Demokratie und Meinungsfreiheit. Es gewinnt nur der, der am lautesten schreit.
Pervertisiert wird das Ganze dadurch, dass Türken dazu "gebracht" werden, diese Maßnahmen zu unterstützen, sich von den eigenen Landsgruppen zu distanzieren, um mit einer angeblichen Prävention, den Keim für Hass und Rassismus auszumerzen. Nur so eröffne sich dann den Türken eine neue Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Hallo! Während also die GEW oder ZAD einfache Patentrezepte dafür haben, wie die Türken sich selbst helfen könnten, denken sie natürlich nicht daran, diese scheinbar perfekten Lösungen auch auf die eigene oder die Mehrheitsgesellschaft anzuwenden, wenn es um Prävention im Bereich des Rechtsextremismus oder Kulturrassismus geht. Dass Stereotype in der Mehrheitsgesellschaft oder Türken vorzufinden sind, ist nicht neu, aber in besorgniserregendem Ausmaß bei vermeintlich sozialistischen, humanistischen oder pluralistischen GEWerkschaftlern und ZADlern in Zusammenarbeit mit radikalen bis extremistischen Kräften, die auch im Verfassungschutz erwähnt werden. Erst kürzlich setzte sich die ZAD höchstpersönlich für die terroristische PKK ein 45.
1. Türkische Schulbücher aus dem Verkehr ziehen - ZAD - 12. Mai 2013
2. "Türkischer Nationalstolz für Kinder - Wie gefährlich sind die türkischen Schulbücher?" - Der Westen - von Sinan Sat, Rusen Tayfur und Matthias Korfmann
3. Mer Hajrenik - Armenische Nationalhymne - Wikipedia
4. Extremisten kündigen Demonstration gegen Erdogan an - TURKISHPRESS - 30. Oktober 2012
5. Deutscher Bundestag: PKK bleibt verboten - TURKISHPRESS - 16. Oktober 2012
Vier Anschläge gegen Moscheen innerhalb weniger Tage. Müssen Moscheen bald wie Synagogen geschützt werden?
Einst sprach Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle und der rheinlandpfälzische Innenminister Karl Peter Bruch von einer „verabscheuungswürdigen Tat“ und einem Angriff auf die Demokratie, auf die grundlegenden Werte der Toleranz und des friedlichen Miteinanders, als die Mainzer Synagoge Ziel eines Anschlags wurde. Grundsätzlich gab es bislang eine erhöhte Gefährdungslage für Synagogen im Vergleich zu Moscheen, sodass diese als gefährdete Objekt angesehen wurden. Das könnte sich nun ändern, denn Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, fordert eine neue Beurteilung der momentanen Situation.
Der KRM schlägt Alarm, da in letzter Zeit Anschläge auf Moscheegemeinden im ganzen Land zunehmen. Zuletzt wurde im rheinland-pfälzischen Bullay in der Nacht am 20. Mai die DITIB-Moschee angegriffen. Hier ermitteln die Behörden noch. Am 09. Mai 2013 in Lengerich bei Osnabrück, wo in einer IGMG-Moschee Scheiben durch noch unbekannten Tätern eingeschlagen wurden und wo der Staatsschutz derzeit noch ermittelt, ist die Situation auch nicht anders.
Am 18. Mai 2013 auf die Moschee des Arabischen Nil-Rhein-Vereins in Mainz, wo zwei Personen - siehe Bild der Überwachungskamera - die Fenster des Gebäudes mit islamfeindlichen Plakaten beklebten, ein Flugblatt mit rechtsextremen Inhalt und eine künstliche Blutlache hinterließen. Verstörte und erschrockene Eltern, die das Blut zunächst für echt hielten, entdeckten dies am nächsten Morgen.
Und ebenso in der Nacht von Samstag auf Sonntag (18.Mai 2013), wo der Eingang der Islamischen Gemeinde in Düren mit folgenden Worten beschmiert wurde: „NSU lebt weiter und ihr werdet die nächsten Opfer sein!!!“
„Es ist jetzt dringend an der Zeit, dass sich der Staat mit seinen Sicherheitsbehörden an einen Tisch mit den Muslimen und ihren Vertretern setzt und darlegt, wie in Zukunft die Moscheen in Deutschland besser geschützt werden können.
„Eine Demokratie muss den Schutz aller Gotteshäuser gewährleisten können und diese gesamtgesellschaftliche Bedrohung darf nicht weiter einfach hingenommen werden.“, sagte der derzeitige KRM-Sprecher Aiman Mazyek am Pfingstmontag am Rande eines Besuches der vom Anschlag betroffenen Moschee in Mainz.
„Seit Jahren nehmen die Übergriffe auf muslimische Gotteshäuser, sowie auf muslimische Bürger und Hassdelikte zu*. Dies zeigt uns, dass dieser Missstand nicht alleine mit den Sicherheitsbehörden, sondern vor Allem auch gesellschaftlich thematisiert werden muss. In einer breiten Welle der gesellschaftlichen Thematisierung und Solidarisierung müssen Übergriffe auf Gotteshäuser, Gläubige und Teile der Gesellschaft auf entschiedene Ablehnung treffen.“, mahnte Aiman Mazyek abschließend.
Eine kurze Abhandlung über die Ereignisse in Van im Jahre 1915
Vielfach werden die Ereignisse von Van des Jahres 1915 in einem anderem Licht dargestellt. In der Wikipedia wurde lange Zeit absurderweise und völlig aus den Haaren gezogen sogar von 100 000 massakrierten Armeniern gesprochen, die Zerstörung der Stadt den russisch-osmanischen Kampfhandlungen zugeschrieben. Die Thematik war in der Wikipedia derart eskaliert, das Korrekturen durch vorherige Einträge kurzerhand ersetzt wurden. Das betrifft nicht nur den Artikel Van, sondern sämtliche türkische Städte und Begriffe, die in diesem Zusammenhang auf der Wikipedia Seite aufgerufen werden können.
Für einen Laien der sich in diesem Themenbereich informieren will, der sie selbst kaum verifizieren kann, schlummern in Artikeln Ungereimtheiten und absolut unzutreffende Passagen. Auch in vielen anderen Webseiten wird ohne Quellenangabe und Abgleich eine Schlussfolgerung nach der anderen gezogen, das Ergebnis gleicht dem anderem:
Die Armenier haben sich im April 1915 gegen die brutale Vorgehensweise der Pforte erwehren wollen.
Was ist daran wahr und was sagen uns diverse Quellen hierzu?
Lepsius 1 spricht interessanterweise von geringen Verlusten der Armenier während der 4-wöchigen Belagerung, die zwischen dem 21.April und 17.Mai stattfand.
Entgegen der Berichte, die Djevdet Bey (Wali von Van) der Pforte zu kommen lässt und in der im laufe der Gefechte die Zahl der Verwundeten und getöteten von anfangs 20 auf über 5000 hochschnellt (Armenier wie auch Kurden und Türken), meint Lepsius sogar, dass dies überzogen ist und der armenische Widerstand nur 18 Opfer unter den Armeniern und mehrere hundert auf der türk. Seite gefordert hätte. Es ist völlig unglaubwürdig, das die Zahl der getöteten Armenier während dieses Aufstandes eine zwei stellige Zahl nicht überstieg, zumal die Pforte eigens für diese Erhebung Truppen abkommandierte und schweres Gerät einsetzte. Es ist auch interessant zu erfahren, dass der armenische Widerstand ganze 4-Wochen gegen die hochgerüstete osmanische Armee standhielt, zumal diese ja zu allem überdruss ihren Waffen schon zuvor entledigt wurden (zumindest wenn man der hiesigen Geschichtsdeutung Glauben schenkt), um so eine leichte Beute für die sogenannte "beabsichtigte Vernichtung" zu sein. Wie man aber zu Mausern und somit Gewehren kam, das wird unter den Teppich gekehrt.
Dass die Unruhen aber ein Jahr zuvor bereits eine Form angenommen hatte und von vielen ausländischen, ganz besonders Deutschen und Österreichern am eigenem Leibe verspürt wurde, das berichtet u.a. Victor Pietschmann, ein Forscher und Soldat des Deutschen Reiches, in Anlehnung an ein Gespräch mit Frau Spöri, die eine Mission in Van leitete. In seinem Bericht vom 24.August 1914 erkennt man
welch ingrimmigen Haß sie gegen alles Deutsche in sich hegen. Einen Haß, der so groß ist, daß er sogar eine der Schwestern, die doch gewiß nicht streitlustig oder kämpferisch veranlagt sind, heute Zurückweisung der giftigen Reden eines armenischen Lehrers aus der Schule zwang.
Man muss dabei beachten, das in diesem wie in vielen Fällen nicht die deutsche Anwesenheit bzw. irgend welche schwerwiegenden Vorfälle zwischen diesen und Armeniern für die Abneigung verantwortlich war, sondern die betriebene Propaganda der Entente, die ja bereits mitten im Kriege standen. Ganz besonders die Rolle des verlängerten Armes der Russen, die von Armeniern übernommen wurde, spielte hier eine besondere Rolle. Die Österreich-Ungarische Diplomatie drahtet am 29. April 1915 über diese Ereignisse folgendes:
fremdes Geld scheint bei dieser armenischen Bewegung eine Rolle zu spielen. Die Regierung, welche ernstere Unruhen in der gegenwärtigen Zeit vermeiden wollte, beschränkte sich auf die Verhaftung einzelner Rädelsführer und trachtete dadurch, daß sie keine energischen Maßnahmen ergriff, die Bewegung in den Grenzen lokaler Incidenzfälle zu halten
Damit deckt sich die Feststellung auch mit den osmanischen Archivauswertungen bzw. den Akten des Auswärtigen Amtes, kurz AA.. Wie ("Deutschland und Armenien - 1914-1918") im Vorwort Tessa Hofmann über die Voreingenommenheit der Entente und dem Viererverband bemerkt,
sind die deutschen Verbündeten der Türkei über solchen Verdacht erhaben
und damit auch die Österreich-Ungarische? Müsste man meinen, ansonsten wäre auch diese Bemerkung für die Katz.
Und um diese Österreich-Ungarischen Bemerkungen auszuweiten, zitiere man noch Pomiankowski, ein weiterer k.u.k. Feldmarschalleutnant, der den Aufstand auf Mitte April datiert und die "Schuldfrage" eindeutig den Armeniern anlastet:
Der Aufstand der Armenier und anderer christlicher Stämme breitete sich aus und die Rebellenbanden schlossen sich den Russen an...
und in einem anderem Schreiben schreibt der Militärbevollmächtigte:
Die Stimmung der armenischen Bevölkerung wohl kennend, beriefen Talaat und Enver Pascha gleich bei Beginn des Krieges die politischen Führer der Armenier zu sich und warnten sie eindringlichst vor jeder Parteinahme für den Feind, sowie besonders vor feindseligen Akten gegen die osmanische Armee, für welche das armenische Volk strengste Repressivmaßregeln treffen würden. Was diese Drohung bedeutete, wußten die Armenier; ihre Erfahrungen aus der jüngsten Vergangenheit konnten sie diesbezüglich nicht im Zweifel lassen. Trotz dieser Warnungen zögerten jedoch Armenier nicht, eine direkt gegen die Türkei gerichtete feindliche Haltung einzunehmen und sogar gegen türkische Truppen aggressiv vorzugehen. Noch vor beginn der Feindseligkeiten flohen zahlreiche Soldaten und einige Offiziere armenischer Nationalität mit einem armenischem Abgeordnetem an der Spitze über die Grenze. Diese Leute ließen sich dann in die armenische Freiwilligenformationen einstellen, welche an der Seite der Russen die Grenze überschritten und auf türkischem Territorium unter der mohammedanischen Bevölkerung auf barbarische Weise wüteten. Armenische Banden überfielen überdies im Rücken der ottomanischen Armee türkische Etappenposten, Transporte und selbst isolierte Truppenabteilungen.
Trotz all dieser Umstände verhielt sich die Pforte bis zum Van-Aufstand eher zurückhaltend und setzte Maßregel nur gegen einzelne Rädelsführer bzw. Dörfer ein. Nebenbei zählt Pomiankowski auch sämtliche andere christlichen Ethnien in diesem Zusammenhang.
Die Ereignisse in Van waren auch der Bevölkerung in Asien nicht verborgen geblieben. So unterrichtet der Kaymakam [Landrat) von Merzifon kurz nach dem Aufstand von Van, Bertha Morley (die dies in ihrem Tagebuch erwähnt) und nennt dabei die "Erdrückung der muslimischen Bewohner" durch armenische Einwohner. Am 27. Juni wird er schliesslich selber in seinem Bezirk von armenischen Umtrieben nicht gefeit sein. Mehr als 200 Gewehre werden in einem Han (Herberge) ausfindig gemacht und zwei Armenier verhaftet. Dabei hatte zu diesem Zeitpunkt die armenische Erhebung bereits große Ausmaße angenommen, die Armenier in Merzifon blieben aber nach Bertha Morley zu Folge bis zu diesem Tag unbehelligt.
Was in Van sich abspielte, können wir aus dem Bericht einer Missionsschwester (Käthe Ehrhold) erfahren. Auch Sie berichtet über die russichen Einflüsse wie folgt:
Dazu kam die intensiv betriebene russische Propaganda, die sich vorwiegend armenischen Schulwesen und in den Geheimstätten armenischer Politik breit machte [...] Die drei ständigen europäischen Konsulate – das russische, das englische und das französische – und die jahrzehntelange amerikanische, französische und deutsche Missionsarbeit taten natürlich auch das Ihre, um der Stadt einen gewissen abendländischen Einschlag zu geben.
und J.W.E Sommer berichtet:
In das aufglimmende Feuer des Hasses bei den bei den Armeniern goss Russland emsig Öl durch eine immer reger und zielvoller betriebene Hetzarbeit in den politisch führenden armenischen Kreise. Es war den Russen darum zu tun, das Volk der Wangegend bis zur Siedehitze zu erregen und dann zu einem Aufstand zu verleiten, der Russland den ersehnten Vorwand zum Einmarsch in die Türkei vom Nordosten bieten sollte. - Ach hätte das Volk das durchschaut oder denen geglaubt, die diese Absichten durchschauten!
Auch zu diesem Zeitpunkt war die Regierung wohl bemüht, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden, so Käthe Ehrhold, denn
Rechtzeitig war es uns und der amerikanischen Mission gelungen, von der türkischen Regierung die Erlaubnis zu erwirken, unbewaffnete Flüchtlinge aufzunehmen. Wie von Herzen dankbar waren wir dafür! In ausgiebigstem Maße machten wir davon Gebrauch…unserer 230köpfigen Hausgemeinde über 2000 Flüchtlinge aufzunehmen
und dieser Zustand wurde wohl auch in der 4-wöchigen Aufstandbewegung aufrecht erhalten. Nebenbei, was die deutschen Missionen genossen, wurde auch den anderen ausländischen Vertretungen zugebilligt, was dazu führte, das zumindest diese Gebäude oder Gehöfte von den Kugelhageln verschont wurden.
Menschlich gesprochen verdankten wir unsere Bewahrung der schwarzweißroten Flagge, die auf unseren Dächern wehte. Sie war damals weithin leuchtende Zeichen des Waffenbündnisses unseres Vaterlandes mit der Türkei. Reichlich vier Wochen konnten wir unseren Dorfleuten Gastfreundschaft gewähren.
Und was passierte nach den 4-Wochen? In der Nacht vom 14. auf den 15.Mai 1915 zogen die osmanischen Truppen ab, die fluchtfähige muslimische Bevölkerung mit ihnen. Die Russen waren zwar noch weit weg, aber der neue rückwärtige Stellungsaufbau sollte vorangetrieben werden.
Eine Decke möchten wir breiten über die drei ersten Tage der „Freiheit“, in denen die Schleusen hochgestatuer Fluten von Bitterkeit und Verzweiflung, von Vergeltungsgier und naturhafter Leidenschaft sich öffneten und über die Zurückgebliebenen, ihre Alten und Kranken und fluchtunfähigen Frauen des Türkenvolkes sich ergossen. In uns vertiefte sich damals das Verständnis für die Bedeutung des Dankes als Tür zu neuem Heil und vermehrtem Segen und des Nichtdankens als Hemmung, ja als Abbruch des Segenstromes
Erst mit dem Einmarsch der russischen Truppen konnten die verbliebenen aufatmen, wobei die Zerstörung der Stadt ausschliesslich auf die armenischen Unruhen zurück zu führen sind, da beide Viertel, die armenische wie auch größtenteils muslimische davon betroffen sind:
Tatsächlich zog am 19. Mai 1915 ein russisches Heer in Wan ein. Den Vortrupp bildete das armenischrussische Freikorps russischer Staatsangehörigkeit, das sich dem Hauptheere angeschlossen hatte und naturgemäß mit besonderem Jubel begrüßt wurde.[…]
Als aber dann einige Tage nach diesem völlig unblutigen, um nicht zu sagen harmlosen Einmarsch der russen in den westarmenischen und russischen Zeitungen in hohen Worten von der „siegreichen Einnahme Wans“ zu lesen war, konnten wir uns doch eines Lächelns nicht erwehren. Bei mir erwachte damals die Kritik an Kriegsberichten. Es ist nicht zu leugnen, dass mit den Russen wieder Ordnung in die Stadt kam. Die dreitägige Anarchie nahm ein Ende
Aber das Elend nahm kein Ende:
Die allmählich abflauenden armenischen Dorfbewohner machten Kriegsgefangenen Türkenfrauen Platz, die von den Russen hier und da noch aufgegriffen worden waren. Es war uns auf Bitten von den Russen erlaubt worden, diesen Ärmsten der Armen bei uns Obdach zu gewähren. Wir konnten sie damit wenigstens dem Schicksal des wehrlosen Freiwildes entreißen. Ausgiebige Hilfe konnten wir ihnen nicht mehr geben, denn als sie zu uns kamen, waren die meisten von ihnen bereits so zu Tode geängstigt an Leib und Seele so verschmachtet, dass sie vor unseren Augen in unseren Gehöften dahinsiechten, an bösen Krankheiten und am gebrochenen Herzen.
Die "Dolchstoßlegende" wie Sie auch von armenophilen vehement abgestritten wird, sollte zumindest im Vorfall Van genauer unter die Lupe genommen werden, wie auch die von Wikipedia bei Zeiten aufgestellte Behauptung, 100 000 Armenier wären dabei umgekommen. Merkwürdig, das Käthe Erhold von einer Seelengemeinde mit 20 000 Einwohnern spricht.
1. Johannes Lepsius (* 15. Dezember 1858 in Berlin; † 3. Februar 1926 in Meran) war ein deutscher evangelischer Theologe und Orientalist, der sich hauptsächlich mit der Geschichte des armenischen Volkes befasste.