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Fazil Say - Aggressiv aber selbst empfindlich

Der türkische Starpianist Fazil Say twittert sich noch in lebenslänglich. Nach der Strafanzeige wegen Beschimpfung von Bekenntnissen, muss sich Say wohl auch wegen Beleidigung des Gerichts verantworten
Der türkische Starpianist Fazil Say twittert sich noch in lebenslänglich. Nach der Strafanzeige wegen Beschimpfung von Bekenntnissen, muss sich Say wohl auch wegen Beleidigung des Gerichts verantworten
 
In der Tageszeitung TARAF hatte der renomierte Pianist und Komponist aus der Türkei, Fazil Say, angebeben, er habe ein großes Ego. Wer dieses Ego nicht besitze, könne auch nicht solche Symphonien auf die Beine stellen, so Say damals.
 
Gegenwärtig scheint sein angeknackster Ego mehr die Gerichte zu beschäftigen. Nach dem private Strafanzeigen eingingen, in dem ihm die Verunglimpfung religiöser Werte in der Öffentlichkeit vorgeworfen wird, wird sich Say wohl auch wegen Beleidigung der Justiz verantworten müssen. Das ging aus einem Twitter-Beitrag heraus, das Fazil Say im sozialen Netzwerk postete. Laut dem Komponisten, wolle man ihn beim "Antifaschismus zum Schweigen bringen". 
 
Im Twitter erklärte Fazil Say weiter, während er wegen Verunglimpfung religiöser Werte belangt werde, habe man ihm ein weiteres Verfahren angehängt, weil er das Gericht als quatsch und unsinnig bezeichnet habe. Man wolle ihn bei seinem Antifaschismus zum Schweigen bringen, erklärte Say bei seiner Unterhaltung in Twitter. Say erklärte konkret, man haben ihn einen zweiten Verfahren angehängt. Weil er angeblich das Gericht beleidigt (sacma sapan mahkeme) habe, fordere man 3 Jahre. Weil er "It kopuk" gesagt habe, was so viel bedeutet wie reudiger Hund, fordere man 2 Jahre, mache nach seiner Rechnung zusammen 5 Jahre. Weil er religiöse Werte verunglimpft habe, drohe ihm anderthalb Jahre dazu. 
 
Fazil Say verteidigte sich in Twitter, er habe "It kopuk" gesagt, weil man ihm gedroht habe, weil man ihn genauso beleidigt habe. Seine Zurückhaltung werde aber im umgekehrten Fall mit Strafanzeigen quittiert, argumentierte Say. "Was mich besonders interessiert; Welche Absicht steckt dahinter? Wenn ich in Haft komme, meinen sie dann, sie wären erfolgreich? Ja, werden sie! Ihre Absicht ist es, zu zerstören, nichts aufzubauen."
 
Im Anschluss daran postete Say, er denke darüber nach, wegzuziehen, in Haft könne er es nicht machen, sein Leben als Pianist wäre verwirkt. Einen Plan habe er nicht, z.B. mit der 12-jährigen Tochter auszureisen, aber er könne sich das vorstellen. Noch mehr bestrafen lassen, wolle er sich nicht.
 
In der TARAF hatte sich Say erst vor kurzem über die orientalische Musikrichtung Arabesk kritisch, bisweilen herabwürdigend geäussert. Say hatte gesagt, wer Arabesk höre, sei ein Vaterlandsverräter. Daraufhin erntete Say heftige Kritik, auch weil zu der Zeit der bekannte Arabesk-Sänger Müslüm Gürses in der Intensivstation lag. Im nachhinein korrigierte Say seine Äusserungen, signalisierte Versöhnungsbereitschaft, warf aber den Kritikern vor, mit Arabesk nichts erreicht, auch die selbigen Äusserungen nicht korrigiert oder abgeschwächt zu haben. 
 
Laut Sanem Altan, Kolumnistin, zeige sich Fazil Say zwar verärgert, im Grunde fühle er sich aber tief verletzt. Wenn man seine Schrift in der TARAF lese, erkenne man das auf Anhieb, schrieb Altan letzte Woche. Seine Empfindlichkeit werde durch seine Bekanntheit, die er erlangt habe, nicht kompensiert, sein Dasein als Star reiche nicht aus, seine Verletztheit zu heilen. Deshalb reagiere Say auch so aggressiv, bisweilen auch völlig unkontrolliert. Sanem Altan schreibt dazu, er habe eine passendes Sprichwort: "Teste nicht Gott und die Menschen. Du wirst dabei unglücklich!" Altans Fazit: Fazil Say solle in seinem Interesse gehen, einpacken und verschwinden. 
 
In der TARAF selbst kommentierte Hadi Uluengin den Artikel von Say. Uluengin: "Die Redensart "Das Maß ist voll" reicht bei Fazil Say bei weitem nicht mehr aus". Desweiteren warf Uluengin Fazil Say vor, als "patriotischer" Pianist mit einer beständigen Frechheit all das Maß überschritten zu haben, denn wer auch immer Menschen als Vaterlandsverräter bezeichne, der Arabesk höre, der müsse davon ausgehen, dass man ihm auch die Leviten lese, und wenn es auch nur ein Klaviermacher sei.

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