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Interkulturelle Begegnung und Bildung
Aktualisiert: vor 19 Minuten 39 Sekunden

“Monokulti ist tot!”

21. Februar 2012 - 21:06

„Nicht Multikulti, sondern Monokulti ist tot.“

Schreibt Claus Leggewie.

1990

Vor 22 Jahren hatte er den Begriff Multikulti (aus der Musik) in die Politik eingeführt, mit diesem Buch:

Cameron, Sarkozy und Merkel haben alle in den letzten Jahren “Multikulti” für tot erklärt.

Leggewie lacht darüber nur. Ich zitiere aus dem tagesspiegel:

Die Einwanderungsgesellschaft sei Wirklichkeit, gerade Deutschland schaffe die große Aufgabe auch ziemlich gut. Und zu fragen, ob man für oder gegen Multikulturalismus ist, sei so unsinnig, als wolle man über den Sonnenaufgang am Morgen abstimmen.

Romantisch hat Leggewie damals die multikulturelle Gesellschaft nicht dargestellt.

 „Seit die Weltgesellschaft Wirklichkeit ist, häufen sich ethnische Spannungen und religiöser Furor.“

Und die multikulturelle Gesellschaft sei nicht einmal die zwangsläufig modernere, denn „die Völkerwanderung bringt einen neuen Schub Verbäuerlichung.

Die Zahl der Viehhalter, Rechtgläubigen, Bodenbesitzer, Taschendiebe und Parteilosen in den Städten wächst.  …

Tribalismus ist keineswegs an sein Ende gekommen, sondern zu postkolonialer Blüte“, schreibt Leggewie.

Die Vielvölkerrepublik habe wenig Talent, Heimat zu werden. Aber sie könne „ein halbwegs erträglicher Landstrich sein“.

Wahrscheinlich haben alle diejenigen, die der Begriff oder die Vorstellung von Multikulti aufgeregt hat, weder das Buch gelesen noch wahrgenommen, wie diejenigen den Begriff gebrauchen, die ihn vertreten.

Sie haben einfach unterstellt, es gehe um eine Verniedlichung der Probleme der Einwanderung. Bzw. sie haben den Begriff bewusst missverstanden.

Leggewie hat für die Neuauflage seines nach wie vor aktuellen Buches einige

Neuauflage, mit zusätzlichen Texten

neue Kapitel hinzugefügt.

Er ist heute optimistischer als damals.

Mit Einwanderern oder ohne: Soziologen wüssten, dass Menschen sich ständig auf fremde Kulturen einstellen müssten, zwischen den Generationen, Geschlechtern, Individuen.

Und aktuell werde „der Bestand an gemeinsamem Wissen“, das den Alltag bewältigen helfe, „für alle Gesellschaftsmitglieder zunehmend prekär“. „Die ,intercultural condition’ ist die ,conditio humana’ unserer Tage.“

Dabei hat, so Leggewies optimistische Botschaft einst wie jetzt, gerade eine bunte Gesellschaft Mittel, trotz Rückfällen ins Sippendenken modern und trotz Verteilungskämpfen friedlich zu werden – eben im Konflikt.

Die turbulenten Moscheedebatten sind ihm ein Beispiel. „Jeder friedlich ausgetragene und glücklich ausgestandene Konflikt bringt die Gesellschaft insgesamt weiter.“

Ich sehe den Begriff in noch größerem Zusammenhang als Leggewie. Dazu zitiere ich mich jetzt mal selbst – es ging in der Debatte um das Thema Ehebruch.

Was heißt Multikulti? Multikulturelle Gesellschaft. Eine Gesellschaft, in der – auf welche Weise auch immer – verschiedene Kulturen miteinander, nebeneinander, gegeneinander bestehen.

Ganz unabhängig von Ethnien und Migranten sind eigentlich alle Großgesellschaften multikulturell. Zum Beispiel die des Kaiserreichs. Die Kulturen des Großbürtums, des Kleinbürgertums, des Adels, des Proletariats und der bäuerlichen Welt waren bemerkenswert verschieden. Dazu kommen dann noch Boheme und religiöse und regionale Unterschiede, die Kulturen der Frauen und der Männer, die Kulturen der Erwachsenen und der Kinder, die Sonderkultur der Studenten …

Gegen diese zum Teil spannungsreichen Unterschiede wenden sich dann der Kommunismus, der Faschismus und die Spießerei. Eingeebnet müssen sie werden, diese Unterschiede, denn sie sind schlecht. Der Spießer, der Kommunist und der Faschist meinen, alle sollten ungefähr so leben wie er! Monokultur ist das Ideal.

Dem gegenüber wiederum steht die pluralistische multikulturelle Gesellschaft, die KEINE Einheitskultur will, sondern das möglichst konstruktive Zusammenspiel der verschiedenen Kulturen, unter denen dann eben auch Migrantenkulturen sein können. Das Zusammenspiel muss nicht harmonisch sein. Es muss nicht immer ein Miteinander sein. Partiell ist es ein Nebeneinander, und partiell auch ein Gegeneinander.

Persönlich bin ich entschieden dafür, dass es auch ein Gegeneinander sein darf. Ich habe eine Homogenitäts- bzw. Harmonie-Allergie.

Von dieser Sicht her hab ich nichts dagegen, dass sich von mir heftig kritisierte Kulturen selbstbewusst behaupten, Kulturen, die ich nicht teile.

Zum Beispiel teile ich nicht die Kultur, die von Ehebruch spricht. In MEINER Kultur gibt es sowas nicht. Aber wir haben glücklicherweise eine multikulturelle Gesellschaft, und da gibt es eben für einige Teilkulturen das Phänomen “Ehebruch”. Und so reiben wir uns kulturell aneinander.

Monokultur-Anhänger verstehen meinen Standpunkt schlecht. Sie meinen, ich müsste, wenn ich gegen eine Kultur bin, versuchen, diese Kultur zu vernichten. Ich denke aber gar nicht daran, Kulturen, die ich nicht teile bzw. Kulturen, die ich kritisiere, zu verachten, oder ihnen meinen Respekt zu entziehen.

Da hat der Relativist einfach einen menschlicheren, einen konstruktiveren, einen fruchtbareren Standpunkt. Leben und leben lassen, sagt man in Bayern.

Was verbindet die verschiedenen Kulturen einer Gesellschaft? – In unserem Falle vor allem die Verfassung. Das Staatsbürgertum. Ein Rest von nationaler Schicksalsgemeinschaft auch.

Mein erster Grundsatzartikel zu MultiKulti war dieser hier.

Multi-Kulti ist

(1) die faktische kulturelle Vielfalt in einer Gesellschaft oder Nation;

(2) eine bestimmte Art von Umgang mit dieser Vielfalt: Jede dieser Kulturen darf sich ihrer eigenen Neigung gemäß ausleben und institutionalisieren.

Ersteres ist offensichtlich gegeben. Deutschland ist in diesem Sinne eine multikulturelle Gesellschaft.

Das zweite ist zurecht umstritten.

Wenn man den so konzipierten Umgang mit der kulturellen Vielfalt konsequent durchführen wollte, müsste man jede Kultur, die sich als besondere Kultur etabliert

    erstens rechtlich definieren und abgrenzen sowie zweitens gegen eventuelle Ansprüche und Übergriffe anderer Kulturen schützen.

Dann wird auch die ursprüngliche Nationalkultur oder Mehrheitskultur diesen Schutzanspruch einfordern (müssen!), und die einzelnen solchermaßen rechtlich abgegrenzten Kulturen werden sich als Konkurrenten um Spielräume und Mittel gegeneinander wenden.

Kulturkampf wäre das Resultat. Ein Albtraum.

Andererseits: Respekt vor dem Eigensinn und Eigenleben einer jeden authentischen Kultur gehören dazu, wenn man kulturelle Vielfalt zulassen will (oer zulassen muss). Etwas von diesem Multi-Kulti-Konzept muss man zulassen.

Mit Assimilationsforderungen und Ausgrenzung von Fremdem im Namen einer „Leitkultur“ kommt man nicht weit – auch hier entsteht die Gefahr des Kulturkampfs, durch Ausgrenzung intensiviert man das Andere. Wir erleben es gerade.

Multikulti im Sinne von (2) geht also nicht, Assimilation aber geht auch nicht. Wir brauchen etwas dazwischen.

Wo zieht man die Grenze des Zulassens und die Grenze des Anpassens?

Wie man das, was dazwischen ist, nennt, wissen wir: Integration.

Die Debatte zum Begriff setzt sich fort:

Claus Leggewie: MultiKulti: Spielregeln für die Vielvölkerrepublik. Überarbeitete Neuauflage. Blumenkamp Verlag, 2011. 230 Seiten, 19 Euro.


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MigrationsNews 2012, 7. Woche

19. Februar 2012 - 21:34

Die 7. Kalenderwoche des Jahre 2012 brachte den Rücktritt des Bundespräsidenten.

Wulff ist weg. Es wird etwas Positives bleiben. Bayern: Innenminister Herrmann denkt nach. Wie die Ermittlungsbehörden den “Erfolg” der NSU-Mordtaten verdoppelt haben. Berlin: Sehitlik-Moschee bedroht. Düsseldorf: Deutsch-Türkischer Carnevalsverein Milli Görüs vor Gericht Baden-Württemberg: Bewegungsfreiheit für Asylbewerber gewährt Rechts dümmer als links

1

Wulff ist weg. Es wird etwas Positives bleiben.

Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, hofft, dass der Nachfolger von Christian Wulff im Amt des Bundespräsidenten ebenfalls positive Akzente in der Integrationsdebatte setzen wird. “Wir bedauern den Rücktritt von Herrn Wulff, respektieren aber seinen Schritt”, sagte Kolat “Handelsblatt-Online”. Denn Wulff habe in drei Bereichen Maßstäbe gesetzt, die für den neuen Bundespräsidenten als Messlatte gelten sollten.

Konkret nannte Kolat das von Wulff in die politische Debatte eingeführte Thema Integration und Teilhabe. Als Querschnittsthema dürfe dieser Bereich auch künftig nicht “defizitär” behandelt werden. Wulff habe als Bundespräsident zudem deutlich gemacht, dass der Islam nicht nur ein Teil Deutschlands sei, sondern eine gesellschaftliche Realität. Überdies habe sich Wulff für einen Beitritt der Türkei in die Europäische Union eingesetzt. Dies sei ebenfalls “ein wichtiger Punkt”, für den sich der neue Bundespräsident weiterhin einsetzen sollte, sagte Kolat.

Quelle

2

Bayern: Innenminister Herrmann denkt nach

Aber nicht radikal. Er gibt immerhin ausdrücklich zu, man habe die Gefahr, die von den Rechtsradikalen ausgeht, unterschätzt.

Mit Sorge verfolge der Minister, wie sich die Szene nach der Mordserie durch das Zwickauer Terror-Trio solidarisiere. “Die Rechtsextremisten treten dreister und aggressiver auf.”

Herrmann sagte weiter: “Wir müssen die mörderischen Gefahren des Rechtsextremismus noch ernster nehmen – dafür ist die Mordserie ein tragisches Lehrstück.”

Süddeutsche Zeitung

Was mir nicht einleuchtet: Nachdem die stark besetzte Sonderkommission alle “naheliegenden” Möglichkeiten ausgeschöpft hat – wieso ist man dann nicht zu den “nicht naheliegenden” Möglichkeiten übergegangen? Etwa dazu, dass man sagt: Wenn’s keinen normal-kriminellen Hintergrund gibt, dann gibt’s vielleicht einen rechtsradikalen? Und könnten die Täter nicht aus einem anderen Bundesland kommen? Wie müsste man sich da vernetzen, um eine gemeinsame Fahndung hinzubekommen?

Könnte es sein, dass es die Politik war, sprich: das Innenministerium, das diese Schritte nicht haben wollte, einmal, weil das Föderale dadurch bedroht wäre, zum andern, weil es irgendwie unangenehm wäre, wenn diese Morde aus der rechten Ecke kämen?

3

Wie die Ermittlungsbehörden den “Erfolg” der NSU-Mordtaten verdoppelt haben

wird deutlich, wenn man Semiya Simsek zuhört, der Tochter eines der Ermordeten.

„Jahrelang hat die Polizei versucht, etwas aus uns herauszubekommen, was nicht da war. Man hat uns vorgeworfen, wir würden schweigen, weil wir Türken sind. Man hat uns auch nicht geglaubt, weil wir Türken sind.“

Das Versagen der Ermittlungsbehörden, vor allem des Verfassungsschutzes, habe dazu geführt, dass „ich mein Vertrauen in diesen Staat verloren habe, obwohl ich hier geboren wurde“, sagte die heute 25-Jährige.

4

Berlin: Sehitlik-Moschee bedroht

Breivik und NSU dienen den Rechtsradikalen als Ermutigung, als Aufforderung, so weiter zu machen.

Seit Monaten wird die Sehitlik-Moschee bedroht, es gab Brandanschläge, volksverhetzende Emails, zuletzt sorgte ein achtseitiger Brief für Unruhe. Darin wurden alle Muslime aufgefordert, dass Land innerhalb der nächsten sechs Monate zu verlassen.

Die Berliner Integrationssenatorin Dilek Kolat hat deshalb demonstrativ das Freitagsgebet der Moschee besucht. Die Berliner Zeitung schreibt weiter:

Der Vorsitzende Ender Cetin war derjenige, der den Drohbrief geöffnet hatte. Er wusste erst nicht, was er damit tun sollte. Ignorieren, als das Werk eines Irren?

Dann dachte er an den Massenmörder aus Norwegen, an die Zwickauer Nazi-Terroristen – und schaltete die Polizei ein.

Eine Spur zu den Urhebern der Briefe hat die Polizei offenbar nicht. Kriminaltechniker konnten Fingerabdrücke an den Schreiben sichern, hieß es.

Unterzeichnet ist der Brief von einer Gruppierung, die sich „Reichsbewegung“ nennt. Welche Personen dahinter stecken, ist unklar. Der Staatsschutz hat nach eigenen Angaben keine Erkenntnisse zu dieser Gruppierung, die in Berlin auch noch nicht in Erscheinung getreten sei.

Vor nicht allzu langer Zeit hätte man so einen Drohbrief staatlicherseits nicht ernst genommen.

Bei Dybth gibt es ein schönes Bild von der Moschee und ein paar weitere Überlegungen.

5

Düsseldorf: Deutsch-Türkischer Carnevalsverein

Vielleicht nächstes Jahr schon mit eigenem Wagen?

„Wir haben uns bei der Vereinsgründung viel gedacht, aber nicht, dass wir etwas für die Integration tun wollen“, erzählt Rosenkranz. Schließlich sind die elf Gründungsmitglieder – sieben Türkischstämmige, ein Mazedonier und drei Deutsche – längst integriert. „Wir leben hier. Düsseldorf ist meine Heimat“, so Yagan.

Den beiden Neussern geht es vielmehr um die Brauchtumspflege und die Bewahrung eines deutschen Kulturguts: des Vereins. „Es ist doch toll, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, Gemeinschaft und Zusammenhalt zu erleben“, so Yagan. Wenn er anderen Menschen mit Migrationshintergrund durch den Verein Türen öffnen könnte, würde es ihn natürlich freuen.

Das Wappen des Vereins: ein Dönerspieß im Comicstil mit Narrenkappe und Tomaten als Augen.

Gerade sind die beiden Männer dabei, einen deutsch-türkischen Kinderchor zusammenzustellen, der im nächsten Jahr Karnevalslieder auf Platt singen soll. Und ein weiterer Programmpunkt steht auch schon fest. Ihr erster Auftritt soll ein Sketch werden, in dem sie sich „sämtliche Vorurteile um die Ohren hauen“, planen Yagan und Rosenkranz.

Bericht: Die Welt

6

Milli Görüs vor Gericht

2009 wurde Hausdurchsuchung gemacht und Anklage erhoben. Bei Milli Görüs sollen 5,4 Millionen Euro Steuern hinterzogen worden sein.

Jetzt schreiben wir 2012. Erst jetzt kommt die Sache vor Gericht. Ist das normal? Wieso hat das so lange gedauert? Hinzu kommt: einen Termin gibt es noch immer nicht. Es wird also noch länger dauern.

Rechnet man damit, dass das Belastungsmaterial nicht ausreicht – und möchte den Verein möglichst lange schmoren lassen?

Wie dem auch sei, es ist gut, dass man’s nicht “türkisch” macht. Man verhaftet bei uns nicht wegen jedem Verdacht, und normalerweise dauert es nicht überlang, bis endlich eine Gerichtsverhandlung kommt.

Die werde ich aufmerksam beobachten. Werner Schiffauer sicher auch. So ganz traue ich unseren Gerichten nicht.

Generalsekretär Oguz Ücüncü ist optimistisch:

“Ich bin zuversichtlich, dass sich der Verdacht nicht erhärten und alles zu unseren Gunsten geklärt wird.”

Deutschland ist nicht die Türkei, denkt sich Oguz Ücüncü wohl; aber ein bisschen was haben wir schon gemeinsam, fürchte ich. Meine Hand lege ich für uns nicht ins Feuer.

Bericht: Kölnische Rundschau

7

Baden-Württemberg: Bewegungsfreiheit für Asylbewerber gewährt

Dort fällt – endlich – die Residenzpflicht. Die Welt:

Bislang begingen Asylbewerber eine Ordnungswidrigkeit, wenn sie den Bezirk ihrer Ausländerbehörde ohne Erlaubnis vorübergehend verließen – etwa für Verwandtenbesuche. Mehrmalige Verstöße wurden als Straftat geahndet, die sich negativ auf die Asylverfahren auswirkte.

Die Residenzpflicht hat sich auch in der Kriminalstatistik für Ausländer niedergeschlagen und nach Galls Worten “zu einer falschen Wahrnehmung” geführt. Im vergangenen Jahr hatten die Behörden 627 Fälle von wiederholten Verstößen gegen die Residenzpflicht gezählt.

Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) begrüßte den “längst überfälligen Schritt”. Die Ausnahmegenehmigungen von der Residenzpflicht seien mit viel bürokratischem Aufwand und in manchen Fällen auch mit Gebühren für die Asylbewerber verbunden. “Freiheit ist ein hohes Gut für Menschen, die aus Ländern stammen, in denen diese Freiheit bedroht oder hart beschnitten wird”, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa.

Der Stuttgarter Asylpfarrer Werner Baumgarten sprach von einer “Schikane”, die er mehr als 30 Jahre lang bekämpft habe: “Ich kann es gar nicht glauben, dass dieser Giftzahn nun gezogen wird.”

In Bayern gibt es diese Schikane noch bis auf weiteres. Ein Asylbewerber, der in München untergebracht ist, darf München nicht verlassen.

8

Rechts dümmer als links

Traditionell können linke und linksliberale politische Ideen eher auf die Unterstützung von Intellektuellen und Künstlern hoffen als klassisch-konservatives Ideengut.

Doch regiert „links, wo das Herz schlägt“, auch der kühle Verstand?

Das legt eine Studie aus Großbritannien nahe. Menschen, bei denen während der Schulzeit in Tests eine niedrigere allgemeine Intelligenz gemessen wurde, sind als Erwachsene mit größerer Wahrscheinlichkeit Verfechter autoritärer Forderungen und stehen politisch eher am rechten Rand.

Zu diesem Schluss kommen die kanadischen Psychologen Gordon Hodson und Michael A. Busseri anhand der Auswertungen der Langzeitdaten von über 16.000 Briten. …

Es zeigte sich, dass das Denken derjenigen, die als Kinder im Intelligenztest unterdurchschnittlich abgeschnitten hatten, tendenziell stärker von Vorurteilen geprägt war.

Sie äußerten sich häufiger fremdenfeindlich und sogar offen rassistisch, hatten weniger Kontakt zu sozialen Gruppen, die in irgendeiner Beziehung „anders“ waren als sie selbst.

Nicht dass es nicht auch intelligente Konservative und intelligente Rechtspopulisten und Rechtsradikale gibt. Niemand wird Breivik, Broder, Wilders oder Mundlos die Intelligenz absprechen.

Im Durchschnitt aber scheint zu gelten:

Menschen, die mit geringerem geistigem Rüstzeug durchs Leben gingen und denen abstraktes Denken schwerer falle, seien anfälliger für die Hoffnung, die Welt klar, übersichtlich und unverrückbar ordnen zu können, argumentieren die Autoren.

So äußerten Erwachsene, die als Kinder in den Tests schlechter abgeschnitten hatten, häufiger Sympathien für eine klare Aufgabenteilung der Geschlechter und eine Ablehnung des offenen Zusammenlebens von Homosexuellen.

Auf dieser Basis könnten sich im Lauf der Zeit aber auch leichter Vorurteile bis hin zu rassistisch-extremistischen Haltungen entwickeln.

Ob daraus auch bei Konservativen ein heimliches Argument für unser Schulsystem entsteht? Es ist schon gut, wenn ein erheblicher Teil der Schüler unten bleibt … nicht so viel lernt …

Die Neurowissenschaft hat auch etwas Interessantes dazu beizutragen:

Bei denjenigen, die aufgrund der Befragung am konservativen Ende einer fünfteiligen Skala verortet wurden, hatte der rechte Mandelkern ein auffällig großes Volumen. Das Hirnareal gehört zum limbischen System und wird besonders bei Angst und in Gefahr aktiv.

Versuchsteilnehmer, die am anderen Ende der Skala mit besonders liberalen und „linken“ Auffassungen auffielen, hatten dafür einen auffallend voluminösen vorderen Gyrus cinguli. Diese Region des Gehirns ist für Mitleid und die Fähigkeit zur Einfühlung in andere bedeutsam.

Quelle: Tagesspiegel

Full disclosure: Der Mensch, den ich auf der Welt am höchsten achte – meine Mutter – hat einen weit unterdurchschnittlichen IQ.


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