Die Hintergrundgeschichte zu Botschafter Morgenthaus Memoiren

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Henry Morgenthau sen.
Henry Morgenthau senior war von 1913 bis 1916 unter US-Präsident Woodrow Wilson Botschafter der Vereinigten Staaten in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, und wird als wichtiger Zeitzeuge in der Armenier-Frage benannt. Seine Memoiren bilden dabei die Stützpfeiler dieser These.

Die folgende aus dem englischen übersetzte Abhandlung widmet sich mit den Memoiren und wurde von Heath W. Lowry von der Princeton Universität 1991 im Buch "Die Hintergrundgeschichte zu Botschafter Morgenthaus Memoiren" (Istanbul, Isis Press, 1991. 95 S.) behandelt.

Die Hintergrundgeschichte zu Botschafter Morgenthaus Memoiren
VORWORT

Henry Morgenthau, ein erfolgreicher New Yorker Immobilienhändler, stand während W. Wilsons Präsidentschaftskampagne als Vorsitzender im Dienst des "Finanzausschußes der Demokratischen Partei". Nach Wilsons Wahl zum Präsidenten wurde er mit einer politischen Ernennung als Botschafter für das Osmanische Reich belohnt - eine Position, die er anfänglich aus dem Grund ablehnte, sie sei die einzige mögliche diplomatische Stelle, die amerikanischen Juden offenstünde. Nur Wilsons persönliche Intervention und die Beharrlichkeit des Rabbiners von New York, Stephen Wise, konnten Morgenthau dazu bewegen, seine Entscheidung nochmals zu überdenken. Der 58 jährige begab sich daraufhin in die osmanische Hauptstadt Istanbul, um seine Arbeit am 27. November 1913 aufzunehmen. Er war 26 Monate in der Türkei tätig und kehrte im Februar 1916 in die Vereinigten Staaten zurück. Sein zwei Jahre später entstandenes Buch Ambassador Morgenthau's Story schildert die "Geschichte" seines Streifzuges in die Welt der internationalen Diplomatie.

Was die Ausgestaltung der Art und Weise anbelangt, in der aufeinanderfolgende Generationen von Amerikanern ein bestimmtes Volk und Land beurteilt haben, so kommen dem Einfluß des Buches, das als Ambassador Morgenthau's Story bekannt wurde, nur wenige andere gleich. Als Angelpunkt heftiger antitürkischer Gefühle, die die amerikanische öffentliche Meinung in den 20er Jahren beherrschen sollten und deren Überreste noch heute sichtbar sind, nährt das Morgenthau-Buch als primäre Quelle weiterhin die Überzeugung, die Regierung der Jungtürken des osmanischen Reiches habe ein vorsätzliches Massaker an seiner armenischen Minderheit unter dem Deckmantel des Ersten Weltkrieges verübt. Diese Untersuchung trachtet nicht danach, die Frage zu beantworten, ob das Schicksal osmanischer Armenier während des Ersten Weltkrieges als "Völkermord" bezeichnet werden sollte oder nicht. Es ist aber eine Arbeit, die sich mit der Frage der Glaubwürdigkeit des Botschafters der Vereinigten Staaten, Henry Morgenthau, als eine Quelle der Geschichte jener Zeit, so wie sie in Ambassador Morjenthau's Story porträtiert wird, beschäftigt. Es ist notwendig, dieses Dementi zu machen aufgrund der Tatsache, daß Partisanen der Diskussion um türkisch-armenische Beziehungen während des Ersten Weltkrieges - seien es Türken oder Armenier - dazu neigen, ihre Positionen mit Scheuklappen zu verteidigen, die ihnen ohne Rücksicht auf das umfassendere Bild lediglich erlauben, das zu sehen, was sie sehen wollen. Daher werden Armenier mit höchster Wahrscheinlichkeit einen Angriff auf die Glaubwürdigkeit von Ambassador Morgenthau's Story als eine Quelle osmanischer Geschichte zur Zeit des Krieges mit einer "Verneinung des Völkermordes" gleichsetzen, während Türken einen Angriff auf Morgenthaus Glaubwürdigkeit sicher als Angriff auf die armenische Anklage eines "Völkermordes" interpretieren.

Nach Ansicht des Autors ist durch den Umfang der vorliegenden Studie keine der beiden Auslegungen gerechtfertigt. Ich möchte Justin McCarthy meine Dankbarkeit aussprechen, dessen sorgfältiges Lesen und hilfreiche Kommentare zu dem Wert dieser Arbeit - wie immer dieser einzuschätzen ist - beigetragen haben, obwohl alle Unzulänglichkeiten allein die meinigen sind.

Washington, D. C. Heath W. Lowry
12. Juli 1990

Vorwort aus: Heath W. Lowry, "Die Hintergrundgeschichte zu Botschafter Morgenthaus Memoiren" Istanbul 1991



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