Türkei: Massengrabfund löst weitere Spekulationen aus

Artikel »

Diyarbakir - Skelettfunde

Noch hat das forensische Institut in Diyarbakir keine Ergebnisse bekannt gegeben. Die Medien spekulieren weiter, nach dem weitere Knochen unter einer Mauer im Stadtzentrum ausgegraben und den bereits gefundenen Schädeln zugeordnet werden konnten

Seit mehr als zwei Wochen graben Ermittler mit Hilfe des forensischen Instituts in Diyarbakir, Knochen unter einer Mauer aus. Bisher wurden mehr als 23 menschliche Skelette im Altstadtviertel Ickale gefunden. Angehörige von mutmaßlichen Opfern von unaufgeklärten Fällen wurden unter Vermittlung der Polizei und Staatsanwaltschaft aufgefordert, DNA-Proben abzugeben, damit das Institut die Skelette mit den Proben vergleichen und überprüfen kann. Noch hat das forensische Institut keine Ergebnisse veröffentlicht, auch weil die Zahl der unaufgeklärten Fälle seit den 80ern auf mindestens 11.000 geschätzt wird. Die Ermittler wollen nun in alle Richtungen ermitteln und beziehen jetzt in ihren Ermittlungen auch Morde der Terrororganisation PKK mit ein.

Das in der südöstlichen Provinzstadt Diyarbakir gefundene Massengrab hatte für Aufsehen erregt, weil der Fundort unweit des ehemaligen Verhörzentrums der Gendarmerie liegt. Im Verhörzentrum operierte auch die JITEM. Der JITEM, dem ehemaligen Nachrichtendienst der türkischen Gendarmerie werden u.a. Verbrechen wie Mord und Folter vorgeworfen. Nun haben die Ermittler auch die Terrororganisation PKK im Visier. Die Ermittler schließen nicht mehr aus, dass unter den menschlischen Skeletten auch Opfer zu finden sind, die von PKK-Liquidierungskommandos ermordet wurden. Zuvor hatte eine Delegation der Stadt- und Provinzverwaltung das Massengrab begutachtet und gemutmaßt, es könnte auch um einen viel älteren Massengrab handeln, der während des Ersten Weltkriegs angelegt wurde. Ein AKP-Politiker erklärte, er vermute, dass die menschlichen Knochen in die Zeit zwischen 1910-1920 gehören könnten, in der Militär- und Standgerichte während des Weltkrieges im Viertel ebenfalls agiert hätten.

Die Ermittler prüfen nun in alle Richtungen, darunter auch in Richtung PKK. Der PKK werden insgesamt 8.000 unaufgeklärte Morde angelastet, die während der 70er, 80er und 90er Jahre begangen wurden. Dabei soll die PKK Aussteiger, Mitglieder und Angehörige von Mitgliedern exekutiert haben. Das wird auch von betroffenen Angehörigen bestätigt. Man hätte sie über den Tod des Angehörigen informiert, aber nie die Leichen übergeben oder genaue Angaben über den Todesumstand gemacht. Vielfach habe man auch erklärt bekommen, die Person sei während eines Gefechts mit Sicherheitskräften im umwegsamen Grenzgebiet getötet worden.

Loading