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Die Meldungen über Grabungen in einem ehemaligen Verhörzentrum der Gendarmerie in Diyarbakir und der Funde sterblicher Überreste von 23 mutmaßlichen Opfern von Folter und Hinrichtungen könnten sich als verfrüht erweisen
Meldungen über Knochen- und Schädelfunde hatten in der letzten Woche in den türkischen Medien für Schlagzeilen gesorgt. Grund war der Ausgrabunsort, die in der Nähe des ehemaligen Verhörzentrums der Gendarmerie stattfand und in Verbindung mit der JITEM gebracht wurde. Der JITEM, dem ehemaligen Nachrichtendienst der türkischen Gendarmerie werden u.a. Verbrechen wie Mord und Folter vorgeworfen.
Dem AKP-Abgeordneten Galip Ensarioglu zufolge sind die gefundenen Skelette älteren Ursprungs. Ensaroglu der zusammen mit einer Delegation den Ausgrabungsort im Stadtzentrum von Diyarbakir besichtigte, erklärte in einer TV-Talksendung, er habe mit der Delegation den Eindruck gewonnen, dass die Funde älteren Ursprungs sind, als zunächst angenommen. Die Skelette würde man zwischen 1910-1920 zuordnen, in der Militär- und Standgerichte während des Weltkrieges ebenfalls tätig gewesen seien. Er persönlich verorte den Ausgrabungsfund jedenfalls nicht in die 80er Jahre oder danach. Die Funde seien bereits von der Polizei beschlagnahmt und überprüft worden. Weitere Untersuchungen werde das Institut der Gerichtsmedizin vornehmen.
Ensarioglu erklärte im Gespräch, der Fund sei deshalb Publik geworden, weil bei Restaurationsarbeiten im Stadtkern die im Zuge eines Großprojektes erfolge, Mitarbeiter auf Schädel gestoßen seien. Es habe zuvor keinen Anhaltspunkt oder eine Anzeige gegeben, so Ensarioglu. Die Regierung verfolge aber in diesem Zusammenhang die Verbrechen die in der Zeit während der heißen PKK-Terroraufkommen begangen worden seien. Man habe Erkenntnisse darüber erlangt, wie die JITEM gearbeitet habe und wisse um die zahlreichen unaufgedeckten Morde. Menschen hätte 20 bis 30 Jahre lang Verluste hinnehmen müssen, die sie bis heute nicht auffinden könnten. Die Regierung werde auch die letzten unrechtmäßigen Übergriffe und Morde verfolgen und bei der Aufarbeitung bis in die Wurzel des Übels vorgehen, so Ensarioglu in der Habertürk-Sendung.
Der Ausgrabungsort, das historische Viertel Ickale in Diyarbakir, war bis vor etwa fünfzehn Jahren als Verhörzentrum und vorläufige Unterbringung von Verhafteten der Gendarmerie und der ihr unterstellten JITEM genutzt worden. Insbesondere in den 90er Jahren waren im Osten des Landes viele Menschen spurlos verschwunden. Menschenrechtler werfen der JITEM vor, angebliche Unterstützer der Terrororganisation liquidiert zu haben.
Der JITEM werden in diesem Zusammenhang hunderte Morde vorgeworfen. Im Rahmen einer parlamentarischen Untersuchungskommission zum Susurluk-Skandal sagte der stellvertretende Direktor der nachrichtendienstlichen Abteilung der türkischen Polizei Hanefi Avcı 1997 aus, das im Rahmen der Antiterrorbekämpfung illegale Banden gegründet worden seien und dass es eine illegale Aktionen durchführende Organisation namens JITEM gegeben habe. Avci sitzt in diesem Zusammenhang seit Ende 2010 in Untersuchungshaft. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft vor, den Revolutionären Kommandos (Devrimci Karargahi) Unterschlupf geboten zu haben. Später wurde sein Verfahren in das Ergenekon-Verfahren miteingebunden. Im Zuge der Ergenekon-Prozesse wurde die Existenz der JITEM von der türkischen Justiz bestätigt, auch wenn Struktur und Aktivitätszeiträume der Organisation noch nicht abschließend aufgeklärt sind.
Der türkische Menschenrechtsverein IHD zufolge, die sich aus Intellektuellen, Journalisten und vor allem Angehörigen von Untersuchungshäftlingen und Gefangenen zusammensetzt, beziffert die unaufgeklärten Morde auf etwa 1.500. Sie sollen in insgesamt 113 vermuteten Gräbern oder Massengräbern liegen. Eine Karte die der IHD interaktiv auf ihrer Internetseite vorgestellt hat, wurde in der Radikal erwähnt. Demnach stehen die rot- und grünmarkierten Marker für mutmaßliche Massengräber die noch nicht geöffnet sind, die gelben für Gräber von mutmaßlichen Hizbullah-Opfern. Die vermuteten Opfer sollen während der 90er Jahre, also während des PKK-Terrorkonfliktes vergraben worden sein.
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