Merci Sarkozy

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Jaa - Sie haben richtig gelesen: "Merci Sarkozy". Wie Sie sicherlich wissen, bedeutet das nichts anderes als "Danke Sarkozy"- und die absichtlich absurde Überschrift stammt wider erwarten nicht von der armenischen Diaspora, sondern von einem türkischstämmigen Europäer, dem Verfasser dieses Textes.
Verblüfft ?

Gastbeitrag von Hüseyin Şahin.

Ich gebe Ihnen Recht, aber lassen Sie uns doch mal im Laufe dieses Artikels die andere Seite der Medaille betrachten.

Es ist Ihnen bestimmt nicht entgangen, das die türkisch- französischen Beziehungen - auf Grund des sogenannten "Genozid-Gesetzesvorschlages" unmittelbar vor einer diplomatischen Eiszeit stehen.

Es ist natürlich gewöhnungsbedürftig, aber auch erfreulich, dass sowohl die türkische Regierung, als auch die Opposition geschlossen am selben Strang zieht, um die französische Regierung im letzten Augenblick noch davon abzubringen. Diese Bereitschaft zeigte sich auch unverzüglich nach der Verabschiedung des "Gesetzes"  am 23.Januar 2012 seitens des Senats in Form von Drohungen wirtschaftlicher Sanktionen und Stillegung bilateraler Abkommen seitens der Türkei.

Diese von Sarkozy und dem französischen Außenminister Alain Juppe als "übertrieben" bezeichneten Reaktionen ließen sich seitens der türkischen Regierung auch als "Präventiv- Reaktionen" feststellen, zumal das Vorhaben und das Datum der armenischen Diaspora, einen europaweit gültigen "Genozid"-Gesetzes für das Jahr 2015 durchzusetzen, sich mit dem Ereigniss, die sich zum 100. mal jährt, übereinstimmen.

Spätestens jetzt wäre es an der Zeit die o.g. Medaille zu wenden.
Was wir sehen, ist eine Demonstration; ein Gegenprodukt  aus der Kreuzung eines strategischen Wahlkampfmanövers seitens Sarkozy und der Zuwiderhandlung gegen französischen Ideale "Egalitee" (Gleichheit), "Fraternitee"(Brüderlichkeit) und "Libertee"(Freiheit), die ihren Ursprung - als Hauptmotive - in der französischen Revolution 1789 wiederfinden.

Diese französischen Tugenden waren am 21. Januar Leitfaden einer türkischen Großdemonstration in Paris, zu der tausende erschienen, um ihre "Libertee" - die durch Durchsetzung des sogenannten "Völkermord" Gesetzesentwurfes in Bedrohnis geriet - zu bewahren.

Sarkozy war - die Ironie des Schicksals -  der Grundsteinleger einer der größten -  vielleicht sogar der größten Demonstration türkischstämmiger Europäer. Die türkischen Lobbyarbeiten, die seit Jahrzehnten vergeblich gegenüber der starken armenischen Lobby - unterstützt durch die weltweite armenische Diaspora -  ihr Haupt senkten, bekamen einen neuen Lebenshauch - der von niemand anderem angefacht wurde, als Sarkozy selbst, ein Staatspräsident, der nur die Absicht verfolgte, sein Amt, das mit der Zeit ins wanken geriet, zu festigen.

Das Ergebnis lässt sich sehen. Türkischstämmige Menschen aus allen sozialen Schichten und politischen Weltanschauungen - die sonst nur beim Freitagsgebet in geschlossenen Reihen zu sehen sind - standen, gestärkt durch ihr - aus der eigenen Asche erweckten nationalen Bewusstseins am Place Denfert Rochereau vor dem Senat. Die Initialzündung? Der Schicksalwink Sarkozys.

Abschließend, wäre es tatsächlich nicht falsch die - seit den 60´er Jahren europaweit verstreuten "Arbeiterkinder" des kranken Mannes vom Bosporus als  "Arzneimittel" zur Genesung  ihres Vaters zu prognostizieren - denn der Leitspruch "Wenn das Vaterland auf dem Spiel steht, ist alles andere nebensächlich" gewinnt immer mehr Rückhalt unter den türkischstämmigen Jugendlichen und Erwachsenen wie nie zuvor in Europa.

 
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