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Lückenfüller wie Oral-Historie sollen Schwarze Löcher in der Frage des Völkermordes an Armeniern während des Ersten Weltkrieges in der Türkei stopfen
Eine zeitlang war es um den sogenannten Genozid an den Armeniern ruhig geworden. Ein Trugschluss, denn mit geballtem Intellekt aller Coleur aus dem Armenophilen-Raum - ausser Historiker - tischt man alljährlich neue Fälle von Opfern staatlich angeordneter Unterdrückungsapparatur vor, um derweil Einzelfälle während des Ersten Weltkrieges im Osmanischen Reich vorzustellen.
Neu ist die These der Armenophilen nicht, es habe während des Ersten Weltkrieges eine regelrechte Industrie der Massenvergewaltigung gegeben, ja eine Orgie ungeahnten Ausmaßes. Da wird auch eine Necla Kelek hellhörig, die zuvor schon den Muslimen mehr oder weniger Sodomie unterstellte. Ein Quantensprung in der sexuellen Entwicklung der Muslime könnte man meinen, wenn besonders der Sarkasmus beflügelt wird. Die Brückenbauer zur NS-Massenvernichtungsära setzen nun alles auf eine Karte, bzw. auf Ragip Zarakoglu, um der Völkermord-These auf die Sprünge zu helfen, nach dem der Vergleich mit dem Holocaust nur bedingt Erfolg hatte. Deshalb versucht sich nun eine Korrespondentin der FAZ, sich mit dem Schicksal der Armenier im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkrieges auseinanderzusetzen.
Die Autorin führt dabei vorneweg den Verleger und Menschenrechtsaktivisten Ragip Zarakolu ins Feld, der am 28. Oktober 2011 wegen mutmaßlicher Verwicklungen mit der KCK (Koma Civakên Kurdistan oder KCK (etwa: Union der Gemeinschaften Kurdistans)) kurz vor dem Abheben nach Deutschland in der Türkei verhaftet wurde. Zarakolu der Bücher zu in der Türkei "tabuisierten" Themen geschrieben haben soll, stehe damit im Visier der Türkei. Natürlich nennt die Autorin andere Bücher in denen "Tabus" gebrochen oder seit längerem von Historikern erörtert werden, nicht. Wie denn auch, wenn man des türkischen nicht mächtig ist und nur vorgekautes aus Deutschland wiedergibt!
Seit der Verhaftung bemühen sich nicht nur Armenophile darum, der Türkei die Leviten zu lesen. Auch zahlreiche Organisationen in Europa haben sich zu spontanen Protestnoten überreden lassen. Ob Zarakolu zu Recht oder zu Unrecht verhaftet wurde, wird sich in einigen Monaten, wenn´s hoch kommt in ein Paar Jahren herausstellen. So ist nun mal die türkische Justiz: sie verfolgt Verdächtigungen gründlich und ist in der Hinsicht nicht zimperlich und oftmals sehr langsam, fast langatmig. Im Ergenekon-Verfahren genauso wie auch bei Einzeldelikten. Bis dahin sollte man aber doch bitteschön aufhören, Theorien aufzustellen und Zarakolu damit zu zitieren, es gebe eine "Industrie der Völkermordleugnung", die er während seiner Deutschlandreise publik machen und damit seiner Arbeit die Krone aufsetzen wollte. Wer die türkische Mentalität nicht kennt, die geradezu aufgeblasene Erzählstruktur sehr vieler türkischer Autoren für bare Münze hält und nicht willens ist, einem Verleger auch mal zu unterstellen, dass er dabei auch an sein leibliches Wohl gedacht haben könnte, als er dies und jenes ausgeplaudert oder als Schlagzeile in den Raum geworfen hat, der wird niemals die Türkei und seine Menschen verstehen, verstehen können. Und an Rundumschläge sind die Türken gewöhnt, an Unterstellungen unterster Schublade sowie Verschwörungstheorien erst recht.
Sicher, wer in der Türkei oder in Europa gegen den Strom schwimmt, lebt gefährlich, aber das gilt auch für denjenigen der mit dem Strom schwimmen will. Schnell gerät man dabei in einen Strudel und wird im Sog festgehalten. Es gibt hierzu genauso viele Beispiele, wie die des Zarakolu´s. Damit aber einen Zusammenhang stellen zu wollen, kritische Intellektuelle würden schnell ausser Gefecht gesetzt, ist nicht nur hanebüchen, sondern geradezu Paranoia. Denn, wenn auch die türkische Regierung wissenschaftliche Expertisen in dieser Frage erstellen lässt - was sie ja nicht einmal im verborgenem tut-, so gibt es genug andere, die dieser Expertise oder der wissenschaftlichen Arbeit kritisch gegenüber stehen und am besten gleich vom Tisch fegen würden, ehe sie noch rauskommt. Der bekannte ehemalige Professor Dr. Halacoglu wurde gerade wegen seiner rigorosen Haltung gegen die Völkermord-These aus dem Amt des Instituts Türkischer Geschichte "entfernt" sowie in Europa in Abwesenheit angeklagt. Viele andere Historiker seines Schlages sind nicht einmal in den Genuß gekommen, ihre Ansichten vorzutragen, geschweigenden ungestört der Arbeit nachzugehen. Von daher ist der Artikel der FAZ-Autorin aus Berlin in dieser Frage bereits in den Anfängen nicht mehr ernst zu nehmen, weil die andere Seite der Medaille nie durchleutet wird.
Spekulationen lösen keine Fälle, Einzelfälle habe noch nie Phänomene erklären können und mit Oral-Historie wurde noch keine Geschichte erklärt. Das einmal eins der Historiker sollte auch einer Korrespondentin geläufig sein. Falls aber das in Europa Gang und Gebe ist, das man mit den genannten Punkten Geschichten erklärt, sollte mich das doch dazu veranlassen zu spekulieren: weshalb das Thema mit Zarakolu in Zusammenhang gebracht wird und ob dass die neue Hype ist? Oder, ob Einzelfälle von Übergriffen armenischer Freischärler während des Ersten Weltkrieges als ein Genozid an der türkischen Bevölkerung zu bewerten ist! Eines der Resultate wäre: die "Dolchstoßlegende".
Ein Aufschrei der Entrüstung würde einen daraufhin erwarten. So einfach mache ich mir dass dann doch nicht! Der Erste Weltkrieg hatte nicht nur Kleinasien erfasst. In Europa wütete der Stellungskrieg und in manch einem belgischen oder französischem Dorf befehligte der eine oder andere Offizier eine Strafaktion unter der Bevölkerung, die im Ausmaß nicht einmal im Ansatz ins Bewusstsein der Europäer gerückt wurde. Nur langsam und seit jüngster Zeit sind die Ausmaße dieser grauenvollen Szenen nur annähernd bekannt bzw. erforscht. Der Balkan brannte, als das Völkergemisch ineinander geriet. Nicht nur Soldaten machten Jagd auf den "Feind", sondern Freischärler aller ideologischer oder politischer Richtungen. So unbarmherzig, dass die Bevölkerung nur noch von einem Strohfeuer ins andere flüchtete. In all dieser Zeit gab es sicherlich Vergewaltigungen und Massaker an der Zivilbevölkerung, so wie es auch sicher ist, dass in Anatolien die gleiche Anarchie wie in Europa wütete. Nur ist das kein . Sicher ist aber auch, dass nahezu vieles unerforscht blieb, nicht aufgedeckt werden konnte oder kann und dass die Historiker mit dem wenigen Material wie Feldpost und Oral-Historie nur ein verrschwommenes Bild nachzeichnen können, die immer wieder neu skizziert wird.
Wenn aber eine Soziologin sich der Sache annimmt, die für Ihre Vorliebe zu türkischen Themen geradezu prädestiniert ist und an die Türken in Deutschland appelliert, man solle sich in Sicherheit wiegen und sozusagen vom langem Arm der Türkei sicher fühlen, um sich endlich der ersehnten "Vergangenheit" stellen zu können, dann ist das einfach nur noch grotesk.
Auch viele Türken haben Geschichten von ihren Großeltern oder "Großen" erzählt bekommen, in denen die erlebte Gewalt entsetzlich gewesen sei. Hier aber sind die Täter nicht in den Reihen der Türken anzusiedeln! Und hier durften die Täter nicht nur in Kleinasien, sondern auch in Griechenland, Armenien, im gesamten Balkan, Hab und Gut der dort ansässigen Türken für sich vereinnahmen - in Kleinasien während der Okkupationszeit -, kamen so "rasch zum Wohlstand". Von der Gewalt in Kleinasien will ich nicht mal ansatzweiße berichten, da diese Oral-Historie in Europa konsequent ignoriert, ja wie eine Pest gemieden wird. Insofern hat die Vergangenheitssuche die eher persönlicher Natur sein kann, mit der Geschichte des Ersten Weltkriges in Kleinasien nur bedingt etwas zu tun. Kleinasien ist ein Völkergemisch, die sich besonders während des Ersten Weltkrieges und auch danach grundlegend veränderte. Aus dem arabischen- und kaukasischem-Raum, von den Mittelmeerinseln bis hin aus dem Balkan fanden turkstämmige wie auch muslimische Bevölkerungsgruppen, teils vertrieben, teils heraus massakriert, teils selbst vor den Kriegsfronten geflohen, in Kleinasien eine Bleibe. Weshalb fragt sich niemand, wieso es in Armenien keine türkische Minderheit gibt, eine muslimsche Gesellschaft existiert oder in Griechenland ganze Landstriche einstiger Muslime heute dem Staat oder Griechen gehören und heute noch nicht zurückerstattet werden. In der Türkei sind auch heute noch wie ein Flickenteppich Nachfahren dieser Flüchtlinge aus jener Zeit im Stadt- oder Dorfbild wahrzunehmen. So lange diese Menschen in die Milchmädchenrechnung sogenannter Experten nicht miteingerechnet werden, so lange wird sich auch in der Haltung der Türken nichts ändern. Das Volk repräsentiert die Türkei und die Türkei wird durch die Regierung vertreten und die widerum schützt die türkischen Belange, so wie Europa es für nötig erachtet, Völkermord-Vorwürfe anderer Staaten im Keim zu ersticken bzw. mit wirtschaftlicher Abhängigkeit in Vergessenheit geraten zu lassen. Bindet dass die Türkei, in gleicher Art vorzugehen? Keineswegs! Die Türken sind so frei zu sagen was sie Denken und was sie von ihren Vätern und Müttern erzählt bekommen haben. Deshalb wird die Türkei es tunlichst vermeiden, irgend welchen Forderungen aus Europa Gehör zu schenken, nur weil dort eine Minderheit einer Mehrheit ihre Lesart durchsetzen will.
Zu allererst sollte Europa eine Antwort darauf geben, wieso sie die Meinungsfreiheit Andersdenkender in dieser Frage nicht nur stark einschränkt, sondern sie bis vor die Anklagebank führt und aburteilt. So unterschiedlich sind die Vorgehensweisen also doch nicht, nur die Standpunkte gegensätzlich.
Gleichzeitig sollte man doch bitteschön gegenüber sich selbst ehrlich sein und die eigene "Vergangenheitsbewältigung" Revue passieren lassen. Der "erste Völkermord des Jahrhunderts" in Südwestafrika sollte jedem versierten Kenner ein Stichwort sein. Vom NS-Regime und dessen Bewältigung kann ebenso keine Rede sein, wenn der Stechschritt in den Straßen Deutschlands auch heute noch zu vernehmen ist.
Deshalb, so lange diese Debatte nicht offen und gemeinsam besprochen werden kann, ein Dialog gesucht wird, so lange wird sich in der Türkei und in Europa in dieser Frage nichts verändern. Das sage ich als Laie, der sich jetzt in Soziologie versucht. Zuallerletzt sollten sich die Armenophilen darüber im klaren sein, dass nicht die Türken sich verschlossen haben und die Geschichte tunlichst vermeiden, sondern sie den Dialog in Europa empfindlich stören, wenn nicht gar boykottieren. Nur über den Dialog ist aber eine Annäherung zu erreichen. Alles andere ist nur Meinungsdiktatur.
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Re: "Wir wollen Schwarze Löcher im Gedächtnis stopfen"
Verba volant, scripta manent!
Worte verfliegen, Geschriebenes bleibt!
Die armenische Diaspora und deren Unterstützer reden gerne ohne schriftliche Zeugnisse!
(flying away...)
Wir Türken können in dieser Hinsicht beruhigt sein...
Imza
Ezel: "Kanımızı akıttıklarında değil, umudumuzu kırdıklarında başlarız ölmeye."
Ama bu UMUT asla bitmeyecek!!!