Ramadan, der Fastenmonat im Islam

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Ramazan in Üsküdür-Istanbul

Vier Millionen Muslime leben derzeit in Deutschland. Wir arbeiten mit ihnen, leben Tür an Tür mit ihnen, begegnen ihnen sicherlich täglich auf der Straße, doch was wissen wir über sie? Was wissen wir über ihr Werteempfinden, ihre religiösen Traditionen? Leider zu wenig.

In vielen Religionen, so auch im Christentum und Judentum, gibt es Zeitabschnitte des religiös motivierten Fastens. Während dieser Zeit ist die Demut, die innere Umkehr, die Geduld und der Verzicht auf Nahrung wichtigster Bestandteil der 40-tägigen Übung an Selbstbeherrschung auf dem Pilgerweg zu Gott. Der Fastende hat damit Gelegenheit sich zu reinigen, sein Leben zu ändern, sich zu verbessern und die Beziehung zu Gott und seinen Mitmenschen zu festigen. So verhält es sich auch im Islam.

Der Monat Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Mondkalender. In diesem Monat hat Gott dem Propheten Mohammed in der „Nacht der Bestimmung“ den Koran in sein Herz geschrieben. Die Offenbarung der Heiligen Schrift durch den Erzengel Gabriel kam erst in der Folge. Die Fastenzeit, die zwischen 29 und 30 Tagen dauert, gehört zu den Grundpflichten eines jeden Muslims. Weitere Grundpflichten sind das islamische Glaubensbekenntnis, das tägliche fünfmalige Gebet, die Almosensteuer und die Pilgerfahrt nach Mekka. Im heiligen Buch der Muslime, dem Koran, wird das Fasten in folgendem Vers vorgeschrieben: “Ihr, die ihr glaubt, euch ist das Fasten vorgeschrieben wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren, damit ihr vielleicht gottesfürchtig werdet.” (2:183).

Fasten heißt auch, sich von Abhängigkeiten los sagen

Auf Essen und Trinken von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zu verzichten, ist lediglich die einfache Reinigung des Körpers, es wird das Gebot des äußeren Fastens genannt. Hierzu gehört auch, auf das Rauchen und den Beischlaf mit dem Ehepartner zu verzichten. Gleichzeitig soll durch das äußere Fasten ein Gespür für das Leid der Hungernden erlangt werden, das auch dazu beiträgt, dass Arme und Schwache nicht übersehen und erniedrigt werden. Das verantwortliche Miteinander in der Gesellschaft soll dadurch gefördert werden.

Die eigentliche Spiritualität des Fastens ist allerdings die innere Reinigung. Sie verlangt nicht nur Selbstdisziplin, sondern auch viel Geduld. Auf diesem Pilgerweg zu Gott soll der Gläubige sich gänzlich von Sünde freihalten. Dazu gehört, seinen Geist und seine Seele unter Kontrolle zu halten. Reden, Hören und Handeln frei von Sünde, ist das Bestreben, welches den Menschen erhöht. Auch von lästigen Abhängigkeiten soll sich der Fastende lossagen. Dadurch hat er die Möglichkeit zu erkennen, dass er in Wahrheit einzig und allein von Gott abhängig ist. Denn auf diesem Weg zu seinem Schöpfer erkennt der Pilger, wie unwichtig viele Dinge sind, an die man sich gewöhnt hat und getrost zurückgelassen werden können. Um diese Weisungen erfüllen zu können, benötigt der Fastende auch viel Geduld und Beharrlichkeit. Er wartet geduldig auf das Essen nach dem Sonnenuntergang und entsagt den Köstlichkeiten, die der Alltag ihm bietet. Er ist auch geduldig und verständnisvoll seinen Mitmenschen gegenüber. Er stellt sein Ego hinter sich und erweist sich als großzügig, seine Standhaftigkeit hierbei ist mit großer Geduld verbunden. Sie wird zu seinem Antrieb. Denn spätestens am Abend beim Fastenbrechen, kann er sich über seine Geduld erfreuen. Geduld heißt auch Willensstärke und im Koran heißt es: „Die Standhaften werden ihren Lohn erhalten, ohne dass darüber abgerechnet wird.“ [39:10]

Im Islam wird die Fastenzeit als Pilgerweg zu seinem Schöpfer dargestellt. Auf diesem Weg lässt man Unnötiges zurück und wendet sich mehr dem Gebet und dem Lesen des Korans zu. Durch diese Hingabe erkennt der Fastende nicht nur die Liebe Gottes, sondern auch den Willen Gottes. Es ist eine Möglichkeit der inneren Reinigung und Stärkung, die mit guten Vorsätzen auch nach der Fastenzeit weitergeführt werden kann. Angehalten zum Fasten werden alle gesunden Moslems, die das Pubertätsalter erreicht haben. Ausgenommen von der Pflicht des Fastens sind Kranke, Altersschwache, Schwangere, stillende und menstruierende Frauen. Dies gilt auch für körperlich schwer arbeitende Menschen. Allen, die nur vorübergehend ihrer Verpflichtung nicht nachkommen können, wird empfohlen, dies zu gegebener Zeit nachzuholen oder für jeden versäumten Fastentag dafür einen Armen zu speisen.

Das Iftar-Mahl wird zum Mittelpunkt des Tages

Das mit Freude erwartete Fastenbrechen wird bei Sonnenuntergang mit einem Schluck Wasser oder einer Dattel und einem Bittgebet eröffnet. “O Allah, um Deinetwillen habe ich gefastet und an Dich geglaubt und mit Deiner Versorgung breche ich das Fasten. Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen, des Gnädigen”. Im Mittelpunkt des Iftar-Mahls steht auch die Geselligkeit. Am Tisch trifft sich nicht nur die Familie, sondern Freunde und Nachbarn werden zum Fastenbrechen eingeladen. Viele Moscheen in Deutschland öffnen ihre Türen und laden zum Iftar ein. Für viele Muslime ist es eine Ehre, wenn auch Andersgläubige diesem Aufruf folgen und gemeinsam gegessen wird. Durch dieses Miteinander kann Verständnis und gegenseitige Achtung wachsen und verbinden. Vielleicht bietet die kommende Fastenzeit, die vom 1. August bis 29. August 2011 dauert, für manche Gelegenheit, Missverständnisse auszuräumen, Solidarität zu zeigen, um dadurch wieder Raum für einen Neubeginn zu geben.

Der Ramadan (‏رمضان ‎ / ramaḍān /‚Sommerhitze‘) ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders und der islamische Fastenmonat. Vormonat ist der Scha'ban, dem Ramadan folgt der Schawwal. Das Fest des Fastenbrechens (arabisch: id al-fitr / türkisch und bosnisch: Ramazan Bayram) am Ende des Ramadans ist nach dem Opferfest der höchste islamische Feiertag und beginnt dieses Jahr am 1. Aug. 2011 und endet am 29. Aug. 2011.

"Ramadan, der Fastenmonat im Islam", mit freundlicher Genehmigung von Henriette Wild

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