Die Bild schafft sich ab

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Die Bild titelt wie gewohnt und bedient den Käufer mit populistischen Sprüchen, ganz im Sinne von Rechtsradikalen

Als ich heute beim Einkaufen an der Kasse stand und wartete bis ich bedient wurde, stand rechts von mir der Zeitschriften- und Zeitungsstand, ins Auge stach natürlich die Bild, mit ihren billigen großen Überschriften. Heute waren wieder mal die Türken an der Reihe, so titelt die Bild in ihrer heutigen Ausgabe mit "Sarrazin von Türken aus Lokal verjagt". Ein schmunzeln über diese billige Polemik konnte ich mir nicht verkneifen, ich kannte ja schon den Artikel von der Tochter "die Welt" und die Äußerungen von Sarrazin. Näheres dazu hat schon mein Kollege der Moslem geschrieben.

Bild: Ich schlich wie ein geprügelter Hund davon Auffällig ist, wer den Artikel von Sarrazin liest, wird auch sehen, wie Sarrazin gemütlich aus dem Lokal schlendert, links neben ihm sitzen Frauen (die kein Kopftuch tragen) und hinter ihm stehen zwei Menschen, die so gar nicht danach aussehen ihn wie einen Hund zu jagen, gar zu prügeln. Er sagt ja selbst wortwörtlich "wir schlichen uns davon", jedoch schreibt die Bild selbst am Anfang des Artikels, Sarrazin wäre aus dem Lokal verjagt worden.

Das auf rechtsextremen Seiten behauptet wird, Sarrazin wäre ohne Kamerateams und Fotographen nicht so glimpflich davon gegekommen ist gerade zu lächerlich, eine mit Verlaub dumme Behauptung, die einzig und allein der Hetze dient. Der SPD-Politiker ist in seiner Freizeit lieber mit Kopftuchzählen beschäftigt, statt sich in einem Ausländerviertel aufzuhalten, er hatte nach gewisser Zeit einfach nur wieder Publicity gebraucht und sich wieder einmal auf Kosten von Ausländern profiliert. Wir brauchen nicht auf die Familie eingehen, in der selbst Hartz 4 bezogen wird, wir brauchen auch nicht auf die Gen-These eingehen, die ganze Bevölkerungen polarisiert hat. Man muss auch nicht sein Buch kaufen und damit seine Geldbörse füllen. Wir sehen an der heutigen Ausgabe der Bild-Zeitung und in der Welt, dass Hand in Hand mit populistischen Mitteln Stimmung gegen Ausländer verbreitet wird.

Der Umstand, dass ein alevitischer Verein in einer demokratischen Abstimmung entschieden hat, Sarrazin wegen gesellschaftsspaltenden Äußerungen nicht zu empfangen, wird von Sarrazin und seinen Unterstützern nicht akzeptiert, auch werden Menschen denunziert, die sich mit ihm weder Unterhalten, noch diskutieren wollen. Sofort wird auf die Tränendrüse gedrückt und behauptet, dass der böse böse Ausländer ja gar nicht mit ihm reden will, nachdem man übelste Behauptungen gegen Bevölkerungen aufgestellt hat, die eher soziale Schichten statt Ethnien oder Religionszugehörigkeiten betrifft, nicht verwunderlich. Das es auch eine persönliche Entscheidung ist, wer sich mit wem unterhalten möchte, wird erst gar nicht in Erwägung gezogen. Laut Sarrazin hätten die Menschen mit ihm diskutieren müssen, stattdessen müssen sie sich, wie von Kelek erklärt, den Vorwurf machen eine islamische Taktik anzuwenden. Wieder eine Verallgemeinerung, er hätte sich auch mit mir und mit vielen anderen Türken treffen können um zu diskutieren, über was auch immer.

Wie die NPD in Marxloh

Als die NPD ihren Demonstrationszug durch Marxloh veranstaltete, wollte die rechtsextreme Partei neben Provokation und ideologischer Verachtung ihren Anhängern zeigen, welche Arten denn so im Duisburger Stadtteil hausen. Es war wie ein Zoo besuch, so zumindest die Message. Im Falle des Besuchs von Sarrazin war es nicht anders. Der SPD-Politiker wollte der erzkonservativen Omi und dem rechtspopulistischen Mob, die ihn wie ein Führer anhimmeln, aber auch dem Ahnungslosen Bürger zeigen, wie er aus dem Zoo gejagt wurde, dort wo ihn alle nur beschimpften, beleidigt spielten oder mit ihm nichts zu tun haben wollten. Ob demokratisch entschieden oder nicht, gewalttätig wurde niemand, auch versammelten sich nicht tausende von Menschen, obwohl das Stadtviertel dieses Potential locker gehabt hätte.

Die empörende Menge blieb also aus, Vereinsvorsteher hatten ihn höflich abgelehnt, genauso wie ein Restaurantbesitzer, aufgewühlte Arbeiter auf einem Markt, die darüber verärgert sind, was Sarrazin neben seinen Gen-Thesen noch so über ethnische Gruppen abließ entgegnet der Buchautor mit blanker Ignoranz. Denn Sarrazins Masche, selbst den beleidigten zu spielen und auf ein Buch kauf hinzuweisen um überhaupt mit ihm diskutieren zu können ist genauso ein Totschlagargument wie sein Statistik Gesülze. Argumente wie Gegenstatistiken, Umfragen und sonstiges, die seine Thesen wiederlegen, werden so oder so als Lüge deklariert, das haben wir in dutzenden von Talkshows und Artikeln aus der Medienlandschaft mitbekommen, eine Diskussion wäre sowieso schon daran gescheitert.

Fakt ist, wer nicht die Meinung von Sarrazin vertritt, wer nicht die Meinung von Rechtspopulisten vertritt, ist ein Linksextremist, jemand der keine Ahnung hat, jemand der Deutschland verrät. Es erinnert mich an die Zeiten nach der Weimarer Republik, in der Medien genauso ein Spiel spielten und Politiker und Gesellschaftskritiker oder einfache Bürger, die nicht der Meinung eines Mobs waren, auf die gleiche Weise denunziert wurden wie jetzt, fehlt nur noch die Bücherverbrennung und die Gewalt. Wie schrieb Heinrich Heine einst? "Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen."

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