Der türkische Rocket Man

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Der türkische Rocket Man - Lagari Hasan Celebi

Den ersten "erfolgreichen" Flug mit einer Rakete hatte der Osmane Lagari Hasan Çelebi 1633 während der Zeit Murad IV. bewerkstelligt

Evliya Çelebi 1, osmanischer Schriftsteller, der zahlreiche Reisen im Osmanischen Reich und in den Nachbarländern unternahm, berichtet über ein Ereignis, das bis heute kaum bekannt ist. Sollte sein Bericht im ersten Band seines Reisebuches (Seyahatnâme) auch nur im entferntestem einen Bezug zu einer bemannten Rakete haben, dann wäre wohl ein Türke der erste "Rocket Man" der Luftfahrtgeschichte. Holen wir aber erst weit aus.

Evliya Çelebi war im Osmanischen Reich ein Schriftsteller und im hohen Alter auch Gelehrter der 1611 in Istanbul zur Welt kam. Als Sohn des Ersten Hofschmieds von Sultan Ahmet I. 2, erhielt Çelebi eine umfangreiche Ausbildung in Kalligraphie, arabische Grammatik und während seines Studiums auch Koran-Kunde im Sultanspalast. Er unterhielt auch sehr regen Kontakt zur intellektuellen Elite des Osmanischen Reiches, darunter Zekeriya-zâde Yahya Efendi 3. Aufgrund seiner Verwandtschaft mit hohen Würdenträgern in der Hohen Pforte, wurde Çelebi Leibkavallerist Murad IV. 4 und konnte deshalb u.a. inoffiziell das Reich selbst als Kundschafter bereisen. Er reiste auf die Halbinsel Krim, Aserbaidschan, Georgien, Ungarn, Österreich, Griechenland, Sudan und Ägypten wo er 1683 starb.

Seine militärischen Aufgaben nahm er dabei stets als ein Teil seines Lebens wahr. Er belegte einen Streit mit den Manoglu´s im Libanon während des Celali Aufstände 5 in Anatolien (1647), erlebte die Belagerung von Zerinvar (Yenikale) 6 an der Grenze zu Kroatien und nahm an der Schlacht von St. Gotthard 7 teil und hinterließ ein sehr ausführlichen Bericht darüber. Nach der Eroberung von Kreta (Girid) 1645 8 beschrieb er die Schlacht in einem Feldbericht. Er war maßgeblich an einem Reisebericht Kara Mehmed Paschas (1684) am Hof von Wien (1665) beteiligt 9.

Während seiner Reise beschrieb er auch die kulturellen Gepflogenheiten im Osmanischen Reich, erfasste Statistiken die zu seiner Zeit vollkommen unbekannt waren und beschrieb auch Minderheiten im Land, darunter die sephardischen Juden 10 oder Christen. Sein Werk galt lange Zeit als ein qualitativ hochwertiges Abbild der osmanischen Politik, Gesellschaft und Kultur. Die Seyahatnâme wurde auch überwiegend als Quelle für historisch-topographische Studien, vor allem in Südosteuropa (Ungarn, Jugoslawien, Rumänien, Griechenland) verwendet. Zahlreiche Monographien und Aufsätze über Regionen und Städte wurden anhand seiner Beschreibungen erfasst. Übersetzungen seines Werkes mit mehr oder weniger ausführlichen Kommentare erschienen in vielen europäischen Sprachen. Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall (1774-1856) 11 übersetzte als Orientalist Teile der Seyahatnâme und erfasste es in der "Diwan des Hafis" 12. In seinem ersten Band 13 geht Evliya Çelebi auch auf ein Ereignis ein, das bis heute unbekannt ist. Zahlreiche Mythen kursieren um seine ausführliche Beschreibung vom ersten bemannten Flug auf einer Rakete. Sogar Discovery Channel befasste sich in der Serie "MythBusters" (Die Wissensjäger) 14 mit dem Flug und erprobte den Start anhand einer Rakete mit Schwarzpulverantrieb und einem Dummy in einem Hohlkörper. Nach Meinung von "MythBusters" 15 war der Flug aber kaum möglich, obwohl die Rakete in einem einzigen Test meterweit abhob.

Bild aus dem 17. Jahrhundert über Lagari Hasan ÇelebiNach der Beschreibung im ersten Band von Çelebi, unternahmen gleich zwei Luftfahrtpioniere 1632 und 1633 den Versuch, die Schwerkraft zu überwinden. Die Brüder Lagari Hasan Çelebi 16 und Hezarfen Ahmet Çelebi 17. Hezarfen Ahmet Çelebi hatte ein Jahr vor Lagari (1633) einen Gleitflug über den Bosporus gewagt, dessen Erfolg bis nach England Ruf erlangte. John Wilkins 18 nahm es zum Anlass, die beiden Ereignisse 1683 in seinem Buch "Discovery of a World in Moone" 19 zu erwähnen. Hezarfen Ahmet Çelebi soll dabei von Ismail bin Hammad el Cevheri (1003-1010) 20  inspiriert worden sein, der im Hedschas 21 und im Iran lebte und bei einem Versuch starb, mit selbst gebastelten Flügeln einen Flugversuch von einer Minarette zu unternehmen. Im Mittelalter hatten Berichten zufolge schon Abbas Ibn Firnas 22, ein andalusischen Gelehrter berberischer Abstammung, 875 bei Córdoba ein Gleitflug unternommen. Die einzige diesbezügliche Aussage entstammt allerdings von Al Maqqari 23, einem Autor des 17. Jahrhunderts. Der Benediktinermönch Eilmer von Malmesbury 24 hat nach dem zeitnahen Zeugnis des Historikers Wilhelm von Malmesbury um 1000–1010 einen Gleitflug von 200 m Länge unternommen, zog sich dabei aber wie Abbas schwere Verletzungen zu.

Hezarfen Ahmet ÇelebiDer Gleitflug von Hezarfen Ahmet Çelebi erfolgte nach Angaben von Evliya Çelebi vom Galataturm 25 über den Bosporus hinweg (3358m.) auf den Doğancılar-Platz 26 im asiatischen Teil Istanbuls in Üsküdar. IV. Murat 4 soll diesen Flugversuch bewundert und reich belohnt haben. Ein Jahr danach soll dann die Rakete abgehoben haben, in der Lagari Hasan Çelebi vor dem Topkapi-Palast 27 in Sarayburnu nach Angaben von Evliya Çelebi 300m. abhob und sanft im Halic (Goldenes Horn) 28 abstürzte, in dem er eine Flügelkonstruktion während des Falls ausbreitete.

Evliya Çelebi beschreibt die Rakete als eine 7 ellenlange (Elle ca. 64cm.) kegelförmige Konstruktion mit einer sieben strahligen Ausstoß, die mit 50 Okka Schwarzpulver gefüllt wurde (Okka: 1.282 kg.). Der vertikale Flug dauerte demnach 20 Sekunden und soll Evliya Çelebi zufolge während der Nacht der Geburt der Tochter Kaya Sultan 29 von Sultan Murad IV. stattgefunden haben.

Die Osmanen verfügten zu jener Zeit über umfangreiche Erkenntnisse in der Handhabe von Schwarzpulver und waren dadurch imstande, die Verbrennung kontrolliert stattfinden zu lassen. Nach der Beschreibung von Evliya Çelebi nahm Lagari Hasan Çelebi etwa 64kg. Schwarzpulver. Man nimmt an, dass das Startgewicht der Rakete etwa 165kg. betrug, ca. 450 bis 600 gr. Schwarzpulver in der Sekunde verbrannten, was für eine Brenndauer von 15 bis 20 Sekunden ausgereicht hätte, um einen Startschub von ca. 175kg. sicherzustellen, der für einen erfolgreichen Start notwendig ist 30.

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Re: Der türkische Rocket Man

Bild von Oezguer Uemit Aras

Ich bin begeistert, Top Artikel!

Liebe Grüße Özgür Ümit Aras

Re: Der türkische Rocket Man

Bild von Arif Kara

Ein exzellenter Artikel. Gratulation! Äußerst präszise, flüssig geschrieben und mit einem sehr Überblicklichen Innhalt. Dieser Artikel zeigt, wie ein Text aussehen sollte. Mehr davon!

Liberal - konservativ - Verfassungstreu

Re: Der türkische Rocket Man

Bild von hawks

 

Warum erzählen Sie die Geschichte von hezarfan ahmet celebi nicht weiter?????? bitte sehr, von wiki: "Der zuerst begeisterte Sultan Murad IV. belohnte Çelebi mit Gold, verbannte ihn später allerdings aus Angst vor einem so ambitionierten Mann nach Nordafrika (heutiges Algerien), wo Çelebi auch starb." 

 

Die Leute fragten den Sultan warum Hezarfan fliegen kann und er nicht. Und überhaupt sei das alles Gotteslästerei und unislamisch!!! 

Macht mich sehr traurig, dass gerade DIESES Beispiel in DIESEM Portal benutzt wird, um zu zeigen...? Was wollten Sie überhaupt zeigen?

MIch hat es nur wieder daran erinnert, dass die islam. "Gelehrten" jeden Ansatz von Naturwissenschaften in meiner Heimat im Keim erstickt haben. Danke schön

Re: Der türkische Rocket Man

Bild von Nabi Yücel

Was die osmanischen Herrscher eher beunruhigt hat, ist vielmehr der Machtverlust, nicht so sehr der unislamische Geist; im übrigem eine Situation, in der sich alle Herrscher befanden. Genügend andere Herrscher haben in allen Epochen die grundlegend gleiche Auffassung vertreten. Trotzdem hat man sich durch fortschrittliche Technologien auch den Machterhalt gesichert. Auch darüber gibt es genug Beispiele. Was Sie jetzt daran auszusetzen haben, ist mir persönlich auch nicht ganz klar. 

Nabi Yücel, 41, ist selbständig sowie Autor und Redakteur der TURKISHPRESS. Interessenschwerpunkte sind Geschichte, Politik und Gesellschaft. Seit 2008 stellvertr. Vorsitzender der Generation Zukunft e.V. und Mitglied in einem Förderverein

Re: Der türkische Rocket Man

Bild von Arif Kara

Zu ihrem, mir unverständlichen, Kommentar möchte ich folgendermaßen Stellung nehmen:

Die Wissenschaft wurde zu dieser Zeit überall verfolgt, aber im Speziellen in mittel Europa. Die Wissenschaft, die es ja in der Form ja nicht gab, wurde anders benannt. Man nannte diese Gebiete des Wissens:  Alchemie, Kräuterkunde, Tierheilkunde, Astronomie etc. Doch schnell wurde aus jenen, auf Druck der allmächtigen christlichen Kirche, Hexen und Hexer. Seit Menschengedenken glauben die Erdenbewohner an Zauberei, Zauberkunst und definiereten Naturphänomene damit. Bereits in den alten Hochkulturen, wie z. B. in Ägypten, im Römischen Reich oder in Griechenland, ist der Glaube an Zauberei und die Bestrafung der Zauberer nachgewiesen. Allerdings gab es keine gezielte Verfolgung wie später in der frühen Neuzeit speziell in Mitteleuropa.

Die Verfolgung der Hexen dauerte in Europa überwiegend in der Zeit ca. 1300 bis 1750. Neueren Forschungen zufolge wurden in Europa zwischen 40.000 und 60.000 Personen Opfer der Hexenverfolgung. Auf deutschem Boden starben insgesamt etwa 25.000, allein in Süddeutschland ca. 9.000 Menschen. Etwa 80% aller Hingerichteten waren Frauen.

Eine frühe Schätzung aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert, die mittlerweile widerlegt wurde, spricht von 9 Mio. hingerichteter Hexen, die Nationalsozialisten hatten zu Propagandazwecken diese Zahl wieder aufgegriffen. Wie die zahlen aber nun wirklich aussehen, wollen wir in diesem Augenblick dahingestellt lassen. Aber eines ist Sicher: Nirgendwo sonst wurde im Namen der Christlichen Kirche die Wissenschaft in ihrer gesamten Bandbreite so massiv bekämpft, wie im Christentum.

Im Osmanischen Reich war das anders. Schon damals suchten im osmanischen Riech Mitteleuropäer zuflucht vor Verfolgung durch das fundamental gelebten Christentum. Ein dunkles Kapitel worüber kaum jemand etwas zu schreibt oder sich gar öffentlich äußert.

Vielleicht dieses Video dazu

http://www.youtube.com/watch?v=mWW8rXehmkY


 

 

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