ÄHNLICHEBEITRÄGE
ÄHNLICHEBEITRÄGE
NEWSÜBERBLICK
TURKISHPRESSVOTE
Ein Nachruf für den am 22. April verstorbenen jüdischen Berliner Gemeindeältesten Isaak Behar
"Mein Pass war türkisch, meine Muttersprache Ladino, meine Religion jüdisch, meine Erziehung preußisch" 1 sagte er einmal in einem Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebte er, seine Familie und etwa 500 türkischstämmige Juden, sogenannte Sepharden in Berlin. Den Weltkrieg und das Nazi-Regime überlebten nur wenige, darunter Isaak Behar, dem dieser Nachruf gilt.
Nur wenigen ist bekannt, dass die Familie Behar aus der Türkei stammt, genauer gesagt aus Istanbul. Die Eltern waren 1915 nach Berlin gezogen, weil die Deutsche Tüchtigkeit sie von Hören Sagen beeindruckt hatte. Kurze Zeit später ging der Vater seinem erlerntem Beruf als Teppichflicker nach, wurde erst Vater von zwei Töchtern und dann kam Isaak Behar zur Welt. Die heile Welt von Isaak Behar wurde aber während der NS-Zeit grundlegend zerstört. Sehr viele jüdische Familien, die damals aus der Türkei kamen, hatten entweder die türkische Staatsbürgerschaft aufgegeben, nicht verlängert oder aber wie die Behars, immer noch. 1942, nach einer langen Odyssee der Unsicherheit, Verfolgung und der Gestapo, wurden die Pässe der Familie durch das türkische Konsulat eingezogen. Die Familie war sozusagen Freiwild für die Gestapo. Zwar bemühten sich türkische Diplomaten, Konsulare und Botschaftsangehörige, so viele Juden wie möglich aus Europa zu schaffen, auf der anderen Seite war aber auch die Türkei bemüht, ihre Beziehungen zu Deutschland so neutral wie möglich zu halten, nicht in den Weltkrieg verwickelt zu werden. Die widersprüchliche Politik die die Türkei dabei verfolgte, sollten sich für etwa 100.000 jüdischstämmige als glücklicher Umstand erweisen. Für andere aber die Verfolgung, den sicheren Tod bedeuten. Isaak Behars Eltern und ihre Geschwister teilten diese Praxis, wurden über den Güterbahnhof Grunewald in die Deportation verschickt. Isaak Behar überlebte, weil er zum Zeitpunkt der Festnahme nicht anwesend war und sich in Berlin während des Zweiten Weltkriegs verstecken konnte. Lange Zeit schwieg der spätere Gemeindevorsteher der jüdischen Gemeinde in Berlin. Danach stellte er sich 1988 der Vergangenheit.
Die Geschichte von Isaak Behar während der Naziherrschaft wurden in der "Shoa Foundation" von Steven Spielberg aufgezeichnet. Später veröffentlichte Behar eine Autobiografie mit dem Titel "Versprich, dass du am Leben bleibst" 2. Behar ging auf die Gesellschaft zu, erzählte seine Erlebnisse Rekruten der Bundeswehr, Polizei-Anwärtern und Schülern. Er brachte türkische Baklava in die Berliner Schulen und beeindruckte dort türkischstämmige Schüler, erzählte von der Abstammung der Eltern und genoß so ein hohes Ansehen. Er warf aber auch Fragen auf, hatte die türkische Staatsbürgerschaft still und leise abgelehnt, die die Türkei ihm nach dem Weltkrieg zurück geben wollte. Vielleicht rechnete er der Türkei hoch an, dass sie trotz ihrer widersprüchlichen Politik gegenüber dem Deutschen Regime, viele Hunderttausend Menschen das Leben rettete, gleichzeitig aber seiner Familie dieses Privileg verwehrte, was er nicht vergessen konnte und wollte.
Es waren ca. 15.000 Menschen aus Frankreich und ca. 100.000 Menschen aus anderen west- und vor allem osteuropäischen Ländern, die gerettet wurden. Verglichen mit der Zahl von sechs Millionen durch das Nazi-Regime ermordeter Juden während der Shoah eine gering anmutende Zahl. Es waren dennoch über einhunderttausend Jüdinnen und Juden, die gerettet werden konnten, durch die Aktivitäten der Türkischen Republik und ihrer Vertretungen im Ausland. 3
Anfang der dreißiger Jahre, als in Deutschland Juden, Akademiker, Wissenschaftler, Lehrer ihre Arbeit verloren, erhielten hunderte von ihnen in der Türkei eine Anstellung. Was viele nicht wissen: in den dreißiger Jahren waren ca. 90% aller akademischen Hochschulpositionen mit Juden, vornehmlich aus Deutschland besetzt. Dadurch, dass die Türkei während der Shoah und des Zweiten Weltkriegs neutral blieb, war sie in Europa in der einzigartigen Lage, Juden, die verfolgt, inhaftiert und ermordet wurden zu helfen – und sie tat es.
Es ist gut dokumentiert, wie türkische Diplomaten zum Beispiel in Griechenland und in Frankreich beharrlich gegen die Internierung von "türkischen“ Juden intervenierten, zum Teil auch eigene Verluste hinnehmen mussten. In Frankreich waren es vor allem die Botschaft in Vichy und die Konsulate in Paris und Marseillle, die bei deutschen und französischen Stellen die Freilassung von aus der Türkei stammender Juden bewirkten. Man argumentierte, dass es sich um türkische Staatsbürger handele, und, da die Türkei keine Unterschiede zwischen ihren Bürgern nach Religion, Abstammung oder Herkunft mache, müssten alle türkischen Bürger gleich behandelt werden. Und dabei handelte es sich nicht immer um türkische Bürger, sondern vielfach um Menschen, die ihre türkische Staatsangehörigkeit aufgegeben oder verloren hatten. Man stellte kreative Urkunden über eine "Irreguläre türkische Staatsbürgerschaft“ an betroffene Menschen aus. Im Jahr 1943 waren es vier Züge und 1944 weitere acht, die zusammen etwa 2.000 Menschen aus Frankreich nach Istanbul brachten. Es gab zahlreiche andere Beispiele in vielen anderen westeuropäischen und osteuropäischen Ländern wie z. B. Litauen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien und in Griechenland. 4
| M | T | W | T | F | S | S |
|---|---|---|---|---|---|---|
|
|
1 |
2
|
3
|
4
|
5
|
6
|
|
7
|
8
|
9
|
10
|
11
|
12
|
13
|
|
14
|
15
|
16 |
17
|
18
|
19
|
20
|
|
|
22 |
23 |
24 |
25 |
26 |
27 |
|
28 |
29 |
30 |
31 |
|
|
|
Newsletter markieren das per E-Mail gesendet werden soll. Zum abbestellen Markierung entfernen.
|
TURKISHPRESS |
NEWS |
SOCIUS |
SERVICE |
WISSEN |
PARTNER |
| Impressum | Politik | Community | Tags | History |
![]() ![]() ![]() ![]() |
| Kontakt | Gesellschaft | Sitemap | Türkei | ||
| Über uns | Geschichte | Newsfeed | Deutschland | ||
| FAQ | Sport | Newsletter | PKK | ||
| Login / Registrieren | Türkce | Unterstütz uns | History News Archiv | ||
| News-Archiv | Mediadaten / Werbung | Galerie | |||
| Allg. Nutzungsbedingungen | Gesicht zeigen! | ||||
![]() |
|||||
|
TURKISHPRESS © 2009-2012 |
![]() |
![]() |
![]() |

LESERKOMMENTARE