Terrorangriff auf Premier Erdogan wird scharf verurteilt

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Anschlag Sicherheitseskorte - Kastamonu

Der Angriff auf die Sicherheitseskorte des Ministerpräsidenten wurde von fast allen Gesellschaftssschichten verurteilt

Kurz nach dem in den Medientickern die Nachricht über einen Angriff auf die Eskorte des türkischen Ministerpräsidenten bekannt wurde, verurteilten Politiker, Organisationen und Verbände die Tat aufs schärfste. Bei dem Angriff am späten Nachmittag 25km. südlich von Kastamonu kam ein Polizeibeamter aus Kastamonu ums leben. Ein weiterer Beamter wurde nach ersten Berichten schwer verletzt. Neueren Meldungen zufolge, soll er aber einen Streifschuss am Kopf erlitten haben und liegt in einer Ankaraner Klinik. Ministerpräsident Erdogan, der die Stadt Kastamonu per Hubschrauber verlies und in Amasya an einer Wahlveranstaltung teilnahm, unterbrach seine Rede kurzfristig, um der Polizei und den Familienangehörigen sein Beileid auszusprechen.

Recep SahinDie Tat ereignete sich nach bisher vorliegenden Meldungen in der Nähe der Stadt Ilgaz auf der Bundesstraße zwischen Kastamonu und Cankiri. Die Eskorte bestehend aus Polizeimannschaften, Sicherheitspersonal des Ministerpräsidenten und Sondereinsatzbeamten war nach Ende der Wahlkundgebung in Kastamonu auf dem Weg nach Ankara. In einem Talabschnitt wurde das Feuer auf das vorausfahrende zivile Polizeifahrzeug eröffnet. Den Nachrichten zufolge erlag der Polizeibeamte Recep Şahin aus Kastamonu auf der Stelle durch mehrere Schußwunden, die in einem Kreuzfeuer auf das Fahrzeug einschlugen. Ein weiterer Kollege, Metin Kuş, wurde bei dem Schußwechsel verletzt und nach Ankara per Hubschrauber in die Anadolu-Klinik eingeflogen. Metin Kuş soll es den umständen entsprechend gut gehen. Bei dem Angriff wurden den Berichten der anwesenden Journalisten zufolge auch Handgranaten verwendet. Der Angriff soll von mehreren Detonationen begleitet worden sein.

Zur Zeit soll sich eine militärische Spezialeinheit in der Region befinden. Im Umkreis von mehreren Kilometern wurden Straßensperren errichtet, ganze Ortschaften abgeriegelt. Gendarmerieeinheiten begleiten die Suchmannschaften. Nach noch nicht bestätigten Angaben, sollen die Sicherheitskräfte 2 Personen gefasst haben. Ein NTV-Reporter der bei dem Angriff vor Ort war, bestätigte zwar die Meldung, aus Sicherheitskreisen wurde aber diese Nachricht weder dementiert, noch bestätigt. Der Provinzgouverneur von Kastamonu, Erdoğan Bektaş gab um 17Uhr örtlicher Zeit eine Pressekonferenz. In der Erklärung gab Erdoğan Bektaş an, das beim dem Terrorangriff der Polizeibeamte Şahin an seinen schweren Verletzungen erlag und während des Schußwechsels im PKW verbrannte, als der Benzintank Feuer fing. Der zweite Beamte habe sich noch hinter ein Mannschaftsbus in Deckung begeben und das Feuer kurzzeitig erwidert, bis Unterstützung aus dem Ende des Konvois kam. Er soll beim dem Schußwechsel einen Streifschuß am Kopf abbekommen haben. Beide Beamten wären Beamte im Polizeipräsidium von Kastamonu.

Den Angriff verurteilten die Oppositionsparteien CHP und MHP sowie die Parteien BBP, HAS und DSP. Der Vorsitzende der Volkspartei CHP, Kilicdaroglu verurteilte die Tat scharf und sprach während eines Telefonats mit dem Ministerpräsidenten, sein Beileid aus. Devlet Bahceli von der MHP verurteilte die Tat ebenfalls und sprach von einem heimtückischen Mord mit Terrorhintergrund. Parlamentspräsident Mehmet Ali Şahin, DSP Vorsitzender Masum Türker, Staatspräsident Abdullah Gül, Inneminister Osman Güneş, der Vorsitzende der HSP Numan Kurtulmuş und Yalçın Topçu von der BBP sprachen von einem Terrorakt gegen die Türkei. Ein Anschlag auf den Ministerpräsidenten sei auch ein Anschlag auf die Türkei, so die einhellige Meinung.

Unterdessen werden Mutmaßungen über die Täter erörtert, nach dem HABERTÜRK-Intendant Yiğit Bulut von einer markanten Angriffsstrategie der PKK sprach. Yiğit Bulut geht davon aus, dass die PKK seit langem in der Provinz Kastamonu Fuß fassen will und Sicherheitskräfte über die Sachlage informiert sind und entsprechende Vorkehrungen getroffen haben. Unweit des Tatort hätten Sicherheitskräfte immer wieder Operationen durcgeführt, die aber ohne Ergebnisse endeten, so Bulut. Hardliner innerhalb der PKK würden die These zugrunde nehmen, das Terroristenführer Abdullah Öcalan mit dem Staat absprachen unterhält. In der Vergangenheit habe es Gerüchte gegeben, wonach PKK-Terroristen die Anweisung erhalten haben sollen, in der Provinz Anschläge zu verüben. Bulut zufolge könnte diese Gruppe für die Tat verantwortlich sein.

Erst am 27. März hatte der TARAF Reporter Emre Uslu von einer möglichen terroristischen Gefahr in der Schwarzmeerregion gesprochen und einen Alleingang der PKK für möglich gehalten, auch und insbesondere gegen den Willen des inhaftierten Terrorchefs Öcalan. Auch Devlet Bahceli sprach in seiner Erklärung die an Ministerpräsident Erdogan gerichtet war, dass diese Kreise bekannt seien. Kurz zuvor hatte Ministerpräsident Erdogan in seiner Rede in Amasya angegeben, dass die Tat selbst nichts an den Plänen der Regierung verändern werde. Man werde den eingeschlagegen Weg fortsetzen, auch dann wenn sich andere undemokratischen Mitteln bedienen.

Beileidsbekundungen wurden auch von der ITO (Istanbuler Wirtschaftsverbände) unter dem Vorsitz von Murat Yalçıntaş, der TOBB und anderen Verbänden ausgesprochen.

PKK Begräbnis DiyarbakirWährend in den Nachrichtentickern der Anschlag auf die Eskorte mit einem toten Polizeibeamten beziffert wurde, kam es während einer Begräbniszeremonie in Diyarbakir zu einem tätlichem Angriff auf Polizeibeamte. Dabei wurde ein Beamter durch eine Stichwunde schwer verletzt. Drei weitere Beamte mussten durch eine Hundertschaft von einem Mob aufgebrachter Demonstranten befreit werden. Sie erlitten ersten Angaben zufolge leichte bis schwere Verletzungen durch Schläge auf Ober- und Unterkörper. Die Tat ereignete sich am Mittag in Diyarbakir, nach dem eine Begräbniszeremonie für vier Terroristen, die zuvor während eines Schußwechsel mit dem Militär getötet wurden, abgehalten werden sollte.

Nach dem der Trauerzug durch die Stadt zuerst friedlich verlief, hielten mehrere Dutzend Demonstranten die PKK-Flagge und Embleme der Terrororganisation vor sich. Die Polizei schritt ein. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen mit den Demonstranten. Der Trauermarsch wurde dabei von der prokurdischen Partei BDP angekündigt und begleitet. Ein ziviles Fahrzeug der Polizei, das Verpflegung für die Beamten vor Ort bringen wollte, blieb wegen den heftigen Ausschreitungen in einer Menschenmenge stecken, nach dem die Straßen blockiert wurden. Etliche Demonstranten schlugen danach die Scheiben des Fahrzeugs ein, zerrten die Beamten heraus. Ein Beamter wurde dabei von einem Unbekannten erstochen, die anderen drei Beamten durch einen Mob fast gelyncht. Eine Hundertschaft der Einsatzpolizei konnte die Beamten aus der Masse befreien. Der mit einer Stichwunde verletzte Polizist soll sich nicht mehr in lebensgefahr befinden.

Auch in Hakkari kam es bei einer unangekündigten Protestkundgebung zu heftigen Ausschreitungen mit der Polizei. Die Sicherheitskräfte gingen mit Wasserwerfern und Tränengas gegen die gewaltbereiten Demonstranten vor.

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