Abriss des Denkmals in Kars begonnen

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Denkmal in Kars

Der Abriss der Statuen “Denkmal der Menschlichkeit” hat im türkischen Kars begonnen

Für die einen ist es ein Betonklotz, der die schöne Landschaft der Hochebene von Kars verschandelt. Für die anderen kristallisiert sich die kritische Einstellung zur Kunst und zur Vergangenheit der Türkei, der türkischen Regierung heraus. Beide Parteien nutzen den beschlossenen und von einem Gericht freigegeben Abriss für politische Zwecke aus.

Heute früh begann ein Abrissunternehmen die zersägten Teilstücke von der Statue herunterzuhieven. Eine Gerüstverschalung wurde bereits zuvor aufgebaut, auf der Arbeiter Löcher in die Statuen gebohrt hatten, um die Betonsägen anzusetzen und beide Statuen in jeweils 16 Stücke zu zerteilen. Zwar versammelten sich am vergangenem Samstag an die 200 Künstler, Schauspieler und Politiker am symbolischen “Denkmal der Menschlichkeit”, die Protesto und die Erwirkung einer Einstweilligen Verfügung durch ein Gericht fruchteten dennoch nicht. Heute wurden die ersten Teilstücke mit einem Kran von oben herabgelassen und mit LKW´s abtransportiert. Die Abrissfirma nimmt an, dass die Abrissarbeiten bis zu 7 Tage in Anspruch nehmen wird.

Im Jahre 2006 beschloss die Stadt Kars, ein Zeichen für den Frieden in Verbindung mit der kulturellen Bedeutung der Stadt zu setzen. Vom damaligen Bürgermeister der Stadt, Naif Alibeyoğlu, wurde der bekannte türkische Künstler und Bildhauer Mehmet Aksoy mit dem Bau einer Statue beauftragt. Aksoy stellte kurz danach seine Vision des Kriegerischen und Friedlichen vor, die er in Form zweier Gestalten sah, die sich aufeinander zu bewegen, der Friedliche der die Hand auf die Schulter des anderen legt. Die 35m. hohen und jeweils über 350t. schweren Betongestalten sollten zueinander stehen und sinnbildlich den Kampf für den Frieden darstellen. Das Denkmal so Naif Alibeyoğlu, sollte der Welt die kulturelle und geschichtsträchtige Bedeutung der Stadt, seiner Verantwortung zum Frieden verdeutlichen. Auf dem Schlachtfeld nahe der Stadt Kars, in Sarikamis seien 1915 an die 90.000 Opfer erbracht worden. In der Geschichte sei die Stadt mehrmals eingenommen und wieder befreit worden. Mit diesem Zeichen werde die Stadt ein Signal setzen und der Welt die Wichtigkeit des Friedens übermitteln, mit der auch der Gründer der Republik, Mustafa Kemal Pascha (Atatürk) immer wieder mit den Worten "Friede in der Heimat, Friede in der Welt" betonte. Mit dem Bau wurde Anfang Juli 2006 begonnen. Vorgesehen war auch ein Cafe, ein Restaurant und ein Plateu am Fuße des Denkmals, auf der dann auf der Hochebene die alte Burg, die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu überblicken gewesen wäre. Das Denkmal wurde aber bisher nicht vollendet und ohne Baugenehmigung auf einem öffentlichen Grundstück errichtet. Auch das Amt für Denkmalschutz hatte mehrmals die Stadt aufgefordert, das Kunstwerk zu entfernen.

Das von Mehmet Aksoy geschaffene "Denkmal der Menschlichkeit" wird auf Forderung von Premierminister Recep Tayyip Erdogan und der Entscheidung des Stadtrats nun abgerissen, nach dem er bei einem Besuch von einer "Seltenheit" und "Merkwürdigkeit", von einem "ucube" sprach. Die anschließenden Debatten haben aber inzwischen politische Dimensionen erreicht. Die CHP und anderen Oppositionsparteien werfen dem Premierminister Wahlkampftaktik vor. Die AKP wirft den Befürwortern hingegen vor, das Denkmal mit der Armenier-Frage in Zusammenhang zu bringen, obwohl die Bedeutung selbst für den Frieden in der Welt stehe. Ausserdem störe das Denkmal das Bild der Stadt und auch die Genehmigung fehle bisher. Zu den Protesten des Abrisses fanden sich zuletzt am Samstag und Sonntag etwa 200/2.000 Menschen, Persönlichkeiten aus der Politik, Film- und Theaterszene ein. Darunter auch der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Naif Alibeyoğlu sowie der ehemalige Generalstaatsanwalt İlhan Cihaner, der vor kurzem erst vom Vorwurf freigesprochen wurde, der Ergenekon nahe zu stehen. İlhan Cihaner betonte, dass er den Abriss für ungerechtfertigt hält und alle Bewohner der Stadt dazu aufgerufen hat, sich gegen den Abriss einzusetzen. 

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