Allah Jahre wieder - Die Genozid-Debatte

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Hancock - Ass shove

Debatten hin, Forderungen her, der Fingerzeig hier, die Scheinversöhner dort. Der sogenannte Armenische Genozid

Alle Jahre wieder scheinen die Türken und türkischstämmigen Deutschen eine kalte Dusche zu erhalten. "Vergesst es ja nicht. Ihr habt dies und das getan und müsst Buße tun". "Wenn Ihr euch nicht entschuldigt, seit Ihr unintegriert und die Türkei kann nicht in die EU". "Wir wollen Versöhnung, aber bitteschön, leugnet es nicht mehr ab". Das sind die alljährlichen Bittworte, die auf die Türken in Deutschland herunter prasseln, als würde sich der Himmel auftun und die Opfer zwischen 1915 - 1923, wenn wir weiter ausholen und den kritischen Stimmen beugen, bis in die aktuelle Zeit hinein, auf uns nieder schimpfen. Das Sprachrohr in Deutschland ist eigentlich nicht stark, der Rückhalt innerhalb der Medien aber umso mehr, wobei man darüber streiten kann, ob es der Nachrichtenwert ist oder die Angst vor dem Ausbleiben von Nachrichten.

Politisch kann diese ungelöste Frage gegenüber den türkischstämmigen Deutschen und türkischen Migranten ständig ausgeschlachtet werden. Auch im Hinblick zur EU-Mitgliedschaft der Türkei lässt es sich hervorragend und abwechslungsreich instrumentalisieren. Seit jeher ist diese Frage eine politische und hat vielen türkischstämmigen Deutschen in jüngster Zeit entweder die Karriere versaut oder in der Vergangenheit wie im Mordfall an Talaat Pascha und dem anschließendem Tehlerian-Prozesses, dem Auftragsmörder von Talaat Pascha, zum selbstlosen Verteidiger, Rächer und vom Gericht attestiert bekommenen Verstörtem der Armenier hochstilisiert. Im nachhinein betrachtet stellte sich dann auch heraus, so verstört war dieser Mörder nicht, nur ein Handlanger einer Terrorgruppe, die die armenischen Interessen durchsetzen wollten. Wie auch immer man zu dieser Frage steht, hat die Aufarbeitung der Armenier-Frage in Deutschland zugunsten der armenischen Haltung mehr Fortschritte gemacht, als die Nazi-Vergangenheit innerhalb der deutschen Parteilandschaft. Bemerkenswert, wenn man sich vor Augen führt, das Armenien über 3.500 km. entfernt liegt, die Frage darum fast über ein Jahrhundert zurück liegt und die Lobbyarbeit, wenn man denn die Zahl der türkischen Migranten samt der türkischstämmigen Deutschen im Vergleich zur armenischen Lobby in Deutschland hinzuzieht, alles andere als solche Zustände zustande bringen kann. Doch gerade mit der letzteren kann man aufzeigen, dass den Türken eigentlich auf gut Deutsch gesagt, diese Frage am Arsch vorbei geht.

Ob das gut oder schlecht ist, kann nicht leicht beantwortet werden. Auf der einen Seite scheinen jene gegen etliche Vorwürfe und Behauptungen immun zu sein. Die Kritiker sehen darin den rassistischen Nationalismus verborgen, der wohl angeboren ist oder nachträglich durch den so dunklen Tiefen Staat geimpft wird. Anders kann man die geringe Resonanz der Türken, ganz besonders während der Aprilwochen, wo die armenische Diaspora alljährlich den Opfern des sogenannten Genozids innerhalb der eigenen Vier-Wände gedenkt und wenn es nach Ihnen gehen würde und die kritischen Stimmen innerhalb der Türken weiterhin ausbleiben, einen Trauertag als Feiertag einrichten würden, nicht erklären. Auf Knopfdruck werden in den Medien Artikel über den armenischen Trauertag en mass abgedruckt. Die Kurve innerhalb eines Jahres steigt dabei exorbitant.

Deutschland sieht sich wohl als Vorbild für Versöhnung und Aufarbeitung, besser gesagt, einer aufoktroyierten Vergangenheitsbewältigung. Die Nürnberger Prozesse wurden durch die Alliierten angestrengt. Was danach passierte, kennen zumindest die älteren Herrschaften. In großen Ballungsgebieten standen die Alliierten Kräfte bundesweit parat. Ihre Aufgabe? Nach eigener Überzeugung war der Zweite Weltkrieg zwar vorbei und das Schlachten hatte aufgehört, doch den Deutschen traute man auch danach nicht und das vermittelte man den Amerikanern in Ton und Bild. Später verschob sich die Aufgabe hin zur Abwehr der UDSSR-Interessen mit Ihrem kommunistischem Staatenbund, deren Nachbar die Bundesrepublik war. Und wie nicht anders zu erwarten, wurde die staatliche Verwaltung von Anfang an auch von ehemaligen NS-Anhängern getragen, weil keine anderen Mannen zur Verfügung standen. Darüber gesprochen wird auch heute nur widerwillig, wenn überhaupt.

Im Vergleich dazu, wobei Vergleiche zwischen diesem und jenem nur bedingt aussagekräftig sind, gab es im aufgelösten Osmanischen Reich auch Prozesse. Die konnte man aber an den Händen abzählen. Auch die Alliierten strengten gegen vermeintliche Täter u.a. auf Malta Prozesse an. Mussten dann aber Ende 1919, warum und wieso, darüber streiten sich die Geister immer noch, alle Verschleppten mutmaßlichen türkischen Täter freilassen, denen Menschheitsverbrechen vorgeworfen wurde. Einige Dokumente aus dem britischen Archiven zeigen aber allzu deutlich auf, dass die Vorwürfe für eine Verurteilung nicht ausgereicht hätten. Schlimmer noch; man konnte wohl nichts hervor kramen, dass die Beschuldigten belastete. Außerdem schienen wohl die Franzosen etwas gegen einen internationalen, damals einzigartigen Gerichtshof gehabt zu haben. Auch hier streiten sich die Geister. Manche munkeln, dass die Franzosen dadurch selbst in die Schlinge geraten wären, weil Sie armenische Bataillione unterhielten, um im Kampf gegen die Türken einen Trumpf auszuspielen. Andere machen die deutlichen Anzeichen eines Wiedererwachens des türkischen Nationalbewusstseins dafür verantwortlich und sehen darin die französische Haltung begründet, deren Arsch auf Grundeis lief und weshalb Sie sich auch als erste aus dem kleinasiatischen Raum von der Befreiungsbewegung verdrängen ließen. Zwar wurden die Hauptbeschuldigten, darunter Talaat Pascha, Enver Pascha, Cemal und Nazim Pascha durch die provisorische Regierung in Istanbul in Abwesenheit zum Tode verurteilt, was ja zu erwarten war, nach dem die Alliierten die Regierungsbildung angestrengt hatten. Die Gründe dazu sehen u.a. die türkischen Historiker darin begründet, dass zuvor die osmanische Sultansherrschaft eben von diesem "Tiefen Staat" zur Abdankung gezwungen wurden und diese sich nun dafür in dieser Form erkenntlich zeigten.

Wie auch immer man zu dieser Frage steht; auffallend ist, dass zwischen beiden Ereignissen absolut keine Berührungspunkte bestehen. Das will auch die jüdische Diaspora so verstanden Wissen, weigerte Sie sich doch vehement, den "Genozid" an den Armeniern anzuerkennen. Als absoluten quatsch bezeichneten in der Vergangenheit hohe Persönlichkeiten in Israel dieses unterfangen der Armenier. "Sie sollten sich lieber versöhnen" hieß es; wobei man in diesen Worten zwangsläufig davon ausgeht, dass sich zwei Streithähne die Hände reichen, die sich vorher bebürgerkriegten. Die armenische Diaspora spuckt Gift und Galle, wenn man Sie darauf anspricht oder wenn diese Frage erneut ins US-Repräsentantenhaus getragen wird und nach Angaben der armenischen Diaspora erneut das jüdische Veto der Hauptgrund ist, dass die Genozid-Anerkennung brach liegt. Immer diese schlimmen schlimmen Juden, die sich den Völkermord eingeheimst haben.

Hingegen ist der Historikerstreit in Europa kein Streit in dem Sinne, sondern eine Einbahnstraße für Anlieger mit nur einem Ziel: die Anerkennung und die Durchsetzung von politischen und juristischen Instrumenten, mit denen den Türken das Garaus gemacht und das "Schandmaul" gestopft werden soll. Zwar legte die Bundesregierung ein Papier vor, wo Sie zur Versöhnung und Aufarbeitung aufruft und die Ereignisse als Massaker bezeichnet, von Genozid aber auch hier keine Spur, weshalb die Diaspora immer noch Sturm läuft. Im Hintergrund wird aber daran gearbeitet, wie man den Türken die Identität nimmt und deren Zusammenhalt stört. Dazu werden zunehmend Begriffe wie Antisemitismus, Islamismus, Unintegrierbarkeit und Bildung von Parallelgeselschaften verwendet, auch von anderen Selbstlosen, die andere Interessen vertreten. Dazu gesellt sich wie erwartet, auch die armenische Diaspora in Deutschland, die den Schlüssel zum Erfolg der Integration von Türken neuerdings, man höre und staune, an der Anerkennung des "Genozids" sieht. Ein weiteres Feld das beackert werden will und nun zum Faktgespräch ausartet. Behilflich ist Ihnen dabei seit jüngster Zeit auch ein gewisser Verband der Alewiten - ich schreibe das bewusst mit w, bevor mir erneut eine weitere Strafanzeige ins Haus flattert.

In der Einbahnstraße bewegen sich, so die ernüchternde Realität, Historiker, die sich es zur Aufgabe gemacht haben, persönliche Eindrücke in Ihre Arbeit mit einfließen zu lassen. Historiker, die eine steile Karriere vorlegten, dank Doktor- und Professorentitel. Zwangsläufig stellt sich für den Gehievten die Frage, ob Plagiatsvorwürfe auch auf diese zutreffen würden, sitzt doch die Feder zur Geschichtsaufarbeitung im Sinne der Genozid-These meist im Ausland, worauf man sich ja bei der Arbeit auch meist bezieht. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein türkischer Historiker in einer deutschen oder europäischen historisch bezogenen Zeile einer Arbeit Einzug erhält ist so gering, dass man einem Passagier der Flugangst hat, die Katastrophengefahr sehr schnell ausreden kann, ohne die nötige Sensibilität zu zeigen. Daran kann man erkennen, wie man türkische Historiker wie die Pest meidet. Nicht so sehr, weil man nach eigenen Angaben Querulanten, "Leugner" und "staatlich irreparabel gestörte" außen vor halten lassen will, sondern weil diese wohl Fragen aufwerfen werden, die Antworten suchen könnten.

Davon lassen sich aber die Türken weiterhin nicht beeindrucken. Sie tun das was Sie am besten können. Nach der Wahrheit streben und wenn es sein muss, dafür auch den Kopf hinhalten. In Winterthur, wo nach Lesart der europäischen Presse, wieder einmal die bösen bösen Nationalisten den sogenannten Genozid geleugnet haben sollen, wurden mehrere Türken verurteilt und zahlten brav. Hatten aber dennoch gesagt, was Ihnen in dieser Frage nicht behagte. Hakki Keskin sagte etwas und nahm auch den Hut dafür, nach dem es Kritik hagelte, ohne dabei auf dem Stuhl als Politiker kleben zu bleiben. Faruk Sen sprach wie Ihm das Maul gewachsen ist und zog ebenfalls den Hut und vom Land weg. In Berlin zogen Hunderte türkische Demonstranten durch die Straßen, um den ermordeten Talaat Pascha zu gedenken, nach dem man erst gerichtliche Hürden auf sich nehmen musste. Andere biederten sich an, wohl um den Stuhl besorgt, der am reichhaltigem Tisch steht, eben der Mehrheitsdiktatur die einen zufüttert. Wie man es auch nimmt, die Meinungsfreiheit wie man Sie ständig zelebriert, die steht auf dem Papier. Ob nun in Deutschland oder in der Türkei, beide könnte man in die Tonne werfen.

Der Volkswille ist der größte Mobbingfaktor und wenn er einmal ins Rollen gebracht wurde, kaum aufzuhalten, egal ob man dabei die Türkei oder Deutschland, gar Europa nimmt. Dass die Türken auch bei diesem Faktor unbeeindruckt sind, verwundert nicht. Einmal in der Verteidigungshaltung, hat man Ihnen kaum Luft gelassen, über Fakten und Meinungen zu sprechen. Der Türk ist salopp gesagt, ein streitbarer Typ von Mensch, deren Gefühlswelt weder den Europäern bekannt ist, noch den benachbarten Armeniern und der armenischen Diaspora zusagt. Man will zwar gehört werden, kommt aber nicht zum Zuge. Die Streitkultur, der Gemeinschaftssinn auf die die türkischen Staatsbürger besonderen Wert legen und Stolz sind, wird aber gerade in dieser Frage unterhöhlt und ständig in Frage gestellt. Es macht daher keinen Sinn, Integration im Sinne der Gemeinschaft einzufordern, um damit ein friedliches Zusammensein zu gewährleisten und im Gegenzug ständig die Integrationsfrage am köcheln zu halten.

Ebenso wahnwitzig wäre die Forderung einiger selbsternannter Soziologen aus allen Ecken und Winkeln, die Anerkennung der armenischen Frage mit dem Integrationserfolg zu koppeln. Schließlich und Schlussendlich haben nicht die Türken gesagt, dass Sie sich nicht integrieren, nicht über die Armenier-Frage reden wollen, sondern man hat ständig über Sie gesprochen, die Integrationsdebatte seit Anbeginn Ihrer Migration aufrechterhalten, die ja seit der Judenfrage (die seit dem 18.Jahrhundert aufgeworfen wird) immer wieder zum Dauerthema erhoben wird. Die Armenier-Frage mit der ein Dauerthema über die leugnerische Grundhaltung der Türken aufrechterhalten wird, ist auch nicht anders. Beides ist im Zusammenhang zu sehen. Beides ist miteinander verwoben und alles wird auf Kosten des Gemeinschaftssinns aufs Spiel gesetzt, mutwillig. Da sind die Vorverurteilungen wie z.B. als Nationalist, Rassist und Leugner, wahre Seelenschmeichler, mit der man sehr gut umgehen kann. Wenn man schon nicht gemocht wird, so weiß man im Grunde, das Sie auch nicht ohne einen sein können. Weshalb sonst verhalten sich denn die Türken so ruhig, wenn wieder einmal Ende April vor der Türe steht? Es geht Ihnen wie gesagt, am Arsch vorbei. Lediglich ein Allah Allah, auf gut deutsch: "mein Gott!" ist zu vernehmen. Das wird auch so bleiben, Politik hin, deutsche Gesellschaft her, Justiz hier, deutsche Historiker da.

Re: Allah Jahre wieder - Die Genozid-Debatte

Bild von easyy

Ein inspirierender Text. Mir gefällt der Beitrag sehr gut. Danke schön. Grüsse aus der Schweiz...

Re: Allah Jahre wieder - Die Genozid-Debatte

Bild von Goodsource

Warum gibt Frankreich eigentlich Ihren eigenen Genozid an der algerischen Bevölkerung nicht zu? Das qualifiziert sie erst recht nicht dazu die Türkei zu diesem thema zu verurteilen!

Re: Allah Jahre wieder - Die Genozid-Debatte

Bild von Nathan

Es würde ja schon gewaltig helfen, wenn die Menschen in der Türkei über dieses Thema frei diskutieren könnten, ohne dass jeder, der das Wort Genozid benutzt, gleich Besuch von der Polizei und vom Staatsanwalt bekommt. So verlagert sich die Diskussion ins Ausland, wo sie zwangsläufig mit weiteren Interessen vermischt wird.

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