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Das rot-grün regierte Nordrhein-Westfalen hat herausgefunden, dass 28% der muslimischen Familien von Transferleistungen abhängig seien.
Thomas Schmids „Die Welt“ aus dem Hause Axel Springer hat sich die Studie „Muslimisches Leben in Nordrhein-Westfalen“ besorgt, die das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW nun seinem Landtag zugestellt hat. Die Erhebung wurde mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erarbeitet und schliesst an die 2009 vorgestellte bundesweite Studie über „Muslimisches Leben in Deutschland“ der Deutschen Islamkonferenz an.
Natürlich geht noch viel mehr aus der Studie hervor, aber Welt Online reduziert das Fazit der Studie gekonnt auf diesem einen Satz, damit die Stammleser der Springer-Blätter bekommen, was sie lesen möchten: Die Muslime sind „Sozialschmarotzer“. Der Aufmacher könnte von Dr. gen. Thilo Sarrazin höchstselbst formuliert worden sein. Als Moslem, der bisher noch keinerlei Sozialtransfers in Anspruch genommen hat, frage ich mich natürlich, wie diese Erhebung herausgefunden hat, wer in NRW praktizierender Muslim ist und wer nicht. Als Ausländer muss man sich ja vielen deutschen Behörden stellen – ich kann mich an keine einzige erinnern, bei denen ich nach meiner Konfession gefragt worden wäre. Allenfalls bei der Einkommensteuererklärung könnte man eine (christliche) Konfession erfassen. Ansonsten interessiert es doch beispielsweise weder das Arbeits-, noch das Sozialamt, welchem Glauben welcher Bürger nachgeht – oder aber ob er Atheist ist.
Da die Studie bisher lediglich dem Landtag und Thomas Schmid vorliegt, könnte man also rein gar nichts über die Methodik der Erhebung sagen. Muslimische Freunde von mir, die in NRW leben, konnten mir bisher nicht bestätigen, dass sie von irgendwem nach ihrem Glauben befragt worden wären. Dabei befinden sich darunter beispielsweise säkulare Türken wie auch persische, arabische und schwarzafrikanische Muslime. Es bliebe also der Verdacht, dass hier mal wieder die beiden internationalen Empiriker Dr. Schätz und Dr. Geschwätz sowie der Genealoge Dr. Moslemmacher am Werke waren – wäre da nicht die Redaktion von Der Moslem, der es gelang, ein Exemplar zu erschleichen. Die vom BAMF angewandte Methodik sah demnach folgendermassen aus (Hervorhebungen durch die Red.):
Zur Bearbeitung der genannten Forschungsfragen wurden im ersten Halbjahr 2008 bundesweit insgesamt 6.004 Personen mit Zuwanderungsgeschichte aus knapp 50 islamisch geprägten Ländern in circa halbstündigen Interviews telefonisch befragt, davon 1.735 im Bundesland Nordrhein-Westfalen. (...) Dadurch liegen im bundesweiten Datensatz Informationen über insgesamt ca. 17.000 Personen mit Zuwanderungsgeschichte aus einem der berücksichtigten Herkunftsländer vor, davon knapp 5.130 in Nordrhein-Westfalen. Die Nacherhebung in Nordrhein-Westfalen enthält Angaben über rund 3.120 Personen, so dass für das Bundesland auswertbare Angaben über knapp 8.250 Personen mit Zuwanderungsgeschichte aus einem islamisch geprägten Land vorliegen.
Man kann es auch kurz formulieren: Ein Call-Center hat Leute angerufen, die aus 50 willkürlich ausgewählten "muslimischen" Staaten stammen sollen und hat mit diesen jeweils ca. 30 Minuten telefoniert. Dabei haben die auserwählten Menschen entweder perfekt Deutsch verstanden und entsprechend geantwortet oder aber die Anrufer sprachen rein zufällig die Sprache der Auserwählten. Pikant sind an der Erhebung neben den notwendigen Sprachkenntnissen gleich mehrere Dinge: Wie wurden die befragten Personen bestimmt im Zeitalter der Handys und Geheimnummern? In den Interviews wurde auch nach (ehemaligen) Staatsangehörigkeiten und Herkunftsländern gefragt - welches Clan-Mitglied einer kurdischen Familie, die als Libanesen in Deutschland "politisches" Asyl fanden, würde sich mit einer ehrlichen Antwort selbst enttarnen?
Wieviel von den Fragen wurden aus Gründen der Zeit-Ökonomie vom Fragesteller selbst beantwortet? Zitat aus der Studie:
Verallgemeinernd ist festzustellen, dass die Qualität und Aussagekraft von empirischen Studien maßgeblich davon abhängt, auf welcher Datengrundlage die Auswertungen und Analysen basieren.
Schlussendlich sind die Ergebnisse der BAMF-Erhebung auch völlig bedeutungslos für die germanischen Leser - bis auf eine: 28,1% der "Muslime" beziehen Sozialleistungen vom deutschen Staat.
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Re: Deutscher Wunschtraum: Muslime sind Sozialschmarotzer
Was haben die Libanesen mit den Türken zu tun?? Bitte nicht immer alles den Türken in die schuhe schieben! Nachtrag: Libanesen sind meistens Christen...
Re: Deutscher Wunschtraum: Muslime sind Sozialschmarotzer
Dem Autor kann ich nur zustimmen. Die selben Fragen habe ich mir auch gestellt als ich die Überschrift las. Doch noch etwas. Mich würde als steuerzahlender Bürger interessieren wie viele Menschen an dieser Ermittlung teilnahmen. Wie viele Menschen, und wie viel haben sie deshalb vom Amt für Arbeit, NRW Ministerien etc bekommen? Ich gehe arbeiten, während andere nichts anderes tun als irgendwelche Zahlen einzutragen und dafür auch noch Geld bekommen. Es sind definitiv zu viele.