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Der osmanische Schriftsteller Evliya Çelebi lobte bei seiner Reise die Sultan Bayezit II Külliyesi
Das Sultan Bayezit II Gebäudekomplex ist eines der herausragensten Bauwerke der osmanischen Geschichte. Das von Sultan Bayezit II. in Auftrag gegebene Gebäudekomplex wurde zwischen 1484-1488 am Fluss Tundscha am Stadtrand von Edirne, vom Hofarchitekten Hayreddin erbaut. Das Gebäudekomplex erhielt neben ihrer architektonischen und baulichen Größe, auch wegen des Standorts eine überragende Bedeutung im Osmanischen Reich. Ein Komplex das eine Moschee, Schulen, medizinische Einrichtungen, ein Badehaus und mehrere Verwaltungsgebäude sowie Gästehäuser unter mehr als 90 Kuppeln beherbergt.
Evliya Çelebi rühmte diesen Ort wegen seiner überragenden Leistungen in der Medizin, die unter Anwendung sinnlicher Erlebnisse, in der Heilung von allen Arten menschlicher Krankheitssymtome Erfolge vorweisen konnte. In seinem ersten Reisebericht schildert er in schwelgenden Worten über Duft- und Aromatherapien, über sinnliche musikalische Darbietungen die allabendlich für "seelisch belastete" geboten werden. Nach seinen Worten sei der Ort nicht mit erzählen zu beschreiben und nicht mit einem Stift aufs Papier zu bringen. Über die 18 Gästehäuser die an der Moschee in zwei Reihen angereiht sind und mit jeweils einer Kuppel auch aus der Ferne zu erkennen sind, schreibt Çelebi: "Die geistige Ruhe die man hier findet, in die man sich zurück ziehen kann, die Landschaft und die vielen Menschen die als Reisende Rast machen, als Kranke hierher fanden, sie werden diesen Ort immer und immer wieder aufsuchen".
Das Gebäudekomplex wurde von Sultan Bayezit II in der zweitwichtigsten Stadt des Osmanischen Reiches erbaut, nach dem es eine immer größere Rolle als Tor zum Balkan und Europa einnahm. Der Handel florierte, die Reisenden zwischen den "Welten" hielten sich hier tagelang auf und die einstige Hauptstadt des Osmanischen Reiches brauchte ein Krankenhaus. Was von Hayreddin, dem Hofarchitekten, einst geplant wurde, wuchs im laufe der Bauzeit zu einem der größten Baukomplexe heran, die in der Welt seines gleichen sucht. Unter mehr als 90 Kuppeln wurden Mediziner ausgebildet, Kranke in fachspezifischen Abteilungen behandelt, Reisende untergebracht, Geistliche bewirtet. In den Verwaltungsgebäuden befanden sich die Großküche, Lager und ein Badehaus.
Hier wurden Alltagskrankheiten behandelt aber auch geistig verwirrte aufgenommen. In der Klinik wurden schwere Krankheiten behandelt und auskuriert. In den Krankenabteilungen erhielten Patienten Diät-Speisen, Musik- oder Duft- und Aromatherapien. Alleine die Musik-Therapie wandte 11 Musikrichtungen aus allen Provinzen und Nachbarstaaten des Osmanischen Reiches an, um die vielseitigen Beschwerden der Patienten zu lindern. Dazu kam drei mal in der Woche ein Orchester bestehend aus bis zu 10 Musikern zusammen, um die Patienten bei bester Laune zu halten und nach der "Tadil-i Ül Emzice"-Lehre des Denkers und Arztes Şuuri Hasan Efendi, die Heilung zu beschleunigen oder Störungen der Seele auszugleichen. So konnte die Isfahan-Stilrichtung die Sinne erweitern, den Verstand anregen und die Erinnerungen wachrufen. Die Musikrichtung Hedschas hingegen wurde gegen Prostata und Harnabfluss-Störungen gespielt.
Eine besondere Rolle spielten die Duft-, Aroma-, und Farbtherapien, die angewendet wurden und mit Blumen der Saison erfolgten. Besondere Rolle spielten dabei die Rose sowie die Tulpe, wobei die Rose auch heute noch in und um Edirne sowie in Bulgarien eine besondere Rolle spielt. Das Rosenöl enthält 14 verschiedene ätherische Öle, die auch für den Duft der Rose verantwortlich sind. Ausserdem sind in der Rose pflanzliche Hormonstoffe - Phytohormone - nachzuweisen, weshalb Rosenöl begehrt ist und im südlichen Bulgarien sowie in manchen landwirtschaftlichen Betrieben rund um Edirne angebaut und geerntet werden.
Diese vorbildliche Anlage für medizinische Behandlung beherbergt seit 1993 das 2004 mit dem Museumspreis des Europarats ausgezeichnete Türkische Museum für die Geschichte der Psychiatrie, die in mehreren Etappen ausgebaut und um weitere Fachrichtungen der Medizin durch die Universität Thrakien erweitert wurde.
Museum für die Geschichte der Psychiatrie - Edirne
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