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Fatmagül kim, ayi kim?

Karen Krüger philosophiert in der FAZ über eine türkische TV-Serie und stellt ein Symptom fest

Reichtum, Armut, Drogen, Alkohol, Familienbande, Schmiergeld, Mord und eine Vergewaltigung sind die Merkmale einer türkischen TV-Serie, die im Moment sehr viele Türken einmal in der Woche vor dem Bildschirm verfolgen. Es sind auch die gleichen Plattitüten, mit denen deutsche Medien, Journalisten und in diesem Fall auch Karen Krüger sich bedient. In der FAZ streichelt Krüger die deutsche Seele, die verstrahlt durch verblödete, scheußlich-infame Serien und Doku-Shoaps dahinvegetiert. Marcel Reich-Ranicki nannte es zusammengefasst als eine einzige Zumutung. Das ist aber längst vergessen. Stattdessen weiter mit Bauer sucht Frau, Big Brother die zweieinhalbtausendste, K11, Cobra 11 und mitten in den Rush Hour-Zeiten wo Kinder und Jugendliche gerade ihre Hausaufgaben fertig haben, blanke Busen, Dessous, Einblicke in Bettgeschichten, bei dem sogar einem 12-jährigem das Blut ins Glied absackt.

Nichtsdestotrotz schmollt Krüger über eine Serie, die 2500 Kilometer entfernt ausgestrahlt wird und ihrer Auffassung nach als Unterhaltung, Triebfeder, Belustigung fungiert. Meiner Frau gingen die Pferde durch, nach der ich ihr vom Artikel in der FAZ erzählte. Ich widerum wurde darauf aufmerksam, weil aufmerksame Leser die Redaktion mit mails zugeschüttet haben. Ansonsten hatte ich nicht viel am Hut mit Serien. Von heftigen Reaktionen bis hin zur Bitte, uns doch mit dem Artikel zu befassen; die Leserschaft war rundweg erbost über "Wehr dich nicht, gleich macht es dir Spaß", weshalb ich dann doch darüber schreiben wollte. Aber wo beginnen und wo enden? Ein Gemisch aus Marginalisierung und hohlen Wortphrasen...

Bevor ich also über die Serie berichte, die meine Frau keineswegs auslässt, kurz notiert: eines Abends so um 20:30h saßen ich und meine Söhne vor dem PC und stöberten in ebay. Meine Frau saß im Wohnzimmer, als die Kinder mich darauf aufmerksam machten, dass Mutti schluchzend weint. Wir standen auf, eilten ins Wohnzimmer und sahen Mutti vor dem Bildschirm, weinend, aufgelöst, rotunterlaufene Augen. Die Szene über die Karen Krüger berichtet lief und ich schickte die Jungs zurück ins Zimmer, waren sie doch sowieso auf ebay fixiert. Ich setzte mich zu meiner Holden und sah zu. Vier Männer, einer steht ausserhalb, die anderen drei um eine Junge Frau. Alle sind sichtlich betrunken, meine Frau klärt mich aber gleich auf: sie haben Drogen oder Tabletten konsumiert und Alkohol getrunken. Fatmagül, das Opfer, rannte wohl zu ihrem Verlobten, der mit einem Kutterboot gerade die Küste verlässt. Fatmagül schafft es nicht, wird vom Mob auf dem Weg zur Küste erst aufgehalten, dann ergibt sich eins nach dem anderen, wenn alkoholisierte und angedröhnte Rowdies auf Frauen stoßen. Hier wird aber Fatmagül auch vergewaltigt. Nur einer, der ärmste unter dem Mob, schaut zu, realisiert dann aber was da vorgefallen ist und wendet sich von der Gruppe ab, eigentlich schon zu spät. Über den Rest muss ich nicht berichten.

Jeder der die Serie sah, kann sein eigenes Urteil treffen. Fast alle Familien in der Serie die darin involviert sind, darunter auch der Tätern fallen auseinander; Herzinfarkt, Familienzwist, eigentlich geht es nicht nur um die Tat selbst, mit der nicht nur Fatmagül gedemütigt, verletzt und von ihrem Verlobten entrissen wurde, sondern auch um die Familien drum rum, bis hin zu den Nachbarn, Stadtbevölkerung etc.. Mir haben die letzten Momente der Vergewaltigungsszene gereicht. Eine Flinte vor dem Bildschirm, entweder ich oder meine Frau, wer eben schneller gewesen wäre, hätten abgedrückt. Wir haben nichts, es gab nichts, genauso wenig für Fatmagül, was wir dagegen tun konnten. Man empfand Mitleid und zugleich Zorn und Wut. Die Macher der Serie hatten, auch durch die unentwegte Werbung der Serie, die ich selbst nicht gesehen hatte - aber meine Frau wohl beeindruckt hatten weswegen sie ja kein Teil verpasst - sehr wohl die psychologische Wirkung nicht ausser acht gelassen, ob gewollt oder nicht, es ist ein Einschnitt in die Psyche, es soll provozieren.

An die erste Version der Verfilmung mit Hülya Avsar kann ich mich sehr gut erinnern, die Süreyya Duru verfilmte. Es war das erste mal, das Hülya Avsar die unfreiwillige Freizügigkeit derart Brutal vorführte. Es hat viele von uns positiv gezeichnet und Avsar zu Ruhm und Ehre geführt. Es hat bei mir keine bleibenden Schäden hinterlassen, eher in der Überzeugung bekräftigt, das man "schwachen" Menschen kein Leid antun darf, egal wie sehr es selbst auch anziehend provokativ empfunden wird. Karen Krüger kann sich das noch so zurecht philosophieren, mit einander gereihten Plattitüten wird auch das nicht wahrer. Zu recht wollten mich einige Leser darauf hinweisen, wollten Wissen woher die Krüger denn die Informationen erhalten hat oder ob sie jüngst ein Crashkurs in Türkisch absolviert habe und jede Woche die Serie verfolge um darüber berichten zu können. Ein anderer Leser meinte, er habe Karen Krüger noch nicht als Gast zu sich nach Hause eingeladen, er könne es nicht gewesen sein. Die Beschwerden sind eindeutig. Niemand teilt die Sicht von Karen Krüger und ich ebenso wenig. Investigativer Journalismus? Darunter versteht man etwas anderes.

Talkshow Vergewaltigt - von woesnerIn Deutschland ekeln sich nun die Blockwärter. Fatmagül-Sexpuppen seien im Umlauf, Höschen seien käuflich... dabei lässt man geflissentlich aus, dass man das aus der türkischen Boulevardpresse hat, die mit allem und jedem etwas berichtet und wenn es nur annähernd eine Ähnlichkeit hat. Dann bezieht man sich auf die Warenverkäufer, die mit dem Namen allein Gewinne erzielen wollen, sei es das Halsband oder das Armband mit der die schöne Beren Saat auftritt. Kapitalismus pur, nur in Deutschland nicht möglich... will man uns zumindest weismachen. Dabei ist das doch so einfach: aufblasbare Puppen von Lady Gaga, Sarah Palin (sieh an, worauf Deutsche stehen), Sarah Jessica Parker, Beyonce sind genauso erhältlich wie Barbie Pupppen, die eine Ähnlichkeit zu Stars haben, wenn man die Phantasie anstrengt, wie auch mit diesem Namen verkäufliche Versionen. Wenn man sie aber mit einer TV-Serien Vergewaltigung im Zusammenhang bringt, voilà, hat man sein Ziel erreicht.

Die Marginalisierung wird deutlicher, wenn man die Zeilen serviert bekommt, die Krüger im Internet aus irgend einem Playerblog oder Trailershow gefunden hat und unentwegt zitiert. Darüber können auch die Idealistenvereine der Föderation (Graue Wölfe) ein Lied singen, die auch hier ihren Senf abkriegen müssen. Würde ich heute sämtliche Big Brother Kommentare im Internet durchforsten, es wäre wohl auch für einen Psychiater des guten zu viel und ich müsste wohl auch den Verfassungsschutz vor einem möglichen sexuellen Terrorübergriff auf die Kanzlerin warnen. Also belasse ich es auch dabei. Weder müssen sich die Macher der Serie für etwas verantworten, noch müssen sich türkische Zuschauer für irgend etwas rechtfertigen. Die Mentalität ist so stark gefestigt, dass man zwischen Fiktion und Realität unterscheidet, Serien differenziert betrachtet und daraus lehren zieht ohne Nachhilfe aus Deutschland zu erhalten und dennoch Witze reissen kann. Man hat eine lange Comic und Satire Tradition, von der sogar Deutschland etwas lernen könnte, wenn sie sich nicht so Herrisch benehmen würde. Man hat ein Wortschatz, davon können sogar die Chinesen etwas lernen. Ich würde Karen Krüger sogar die LeMan (auch bekannt als Limon) empfehlen, um ihre "Kenntnisse" über die Türken und Türkisch zu erweitern und das auch nur mal als Einführung; den Rest der Literaturliste liefere ich ihr frei Haus.

Es ist bereits unerklärlich, wie sich eine deutsche Journalisten über türkische Mentalität echauffiert, wenn in ihrem Gefilde noch so einiges und viel mehr im argen liegt. In einem Land, dass sich ja für aufgeklärt hält, damit rühmt Emanzen zuhauf zu haben und gleichzeitig das Stockholmer EU-Programm wahrnehmen muss, um besonders schutzbedürftige Personengruppen, darunter die Deutsche Frau besser und effektiver zu schützen. Wovor eigentlich?

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Re: Wehrt euch nicht, was wir sagen stimmt!

Bild von Abraxas01

Eine weit verbreitete Meinung, wenn es um Türken/innen geht ist es eben zehnmal so schlimm. Das sind Meinungen die natürlich jeder haben darf, nur ist es eben in der Medienlandschaft anders gewichtet als in der Szenebar oder in ner Stammkneipe. Das sind Meinungsmacher und für solche Hetze sollte Frau/Herr Krüger den Preis für den schlechtesten und fiesesten wie auch dreckigsten Artikel gegen Türkeiangehörige erhalten. Sowas wie die Himbeere oder ähnlichem.. Na ja das mit dem Jahrespreis ist vielleicht übertrieben... Aber der FAZ sollten solche Artikel nicht egal sein...schliesslich rühmt sie sich ja ein hohes Niveau zu haben. Das zeigt wie hoch die Messlatte ist in anderen Kulturen, was in gewissen Ländern als ne Schweinerei gedacht wird und nicht mal zum Redaktor kommt, wird in anderen Länder dies als Journalistische , Psycho-Analytische Meisterleistung gefeiert und dem entsprechend auch gewidmet. Das wird dann in den Büroetagen, bei solchen Artikel so frenetisch gefeiert und auf die Schulter geklopft, dass es zu lauten gemeinsamen Tantrasitzungen kommt die bis früh in den Morgen gehen können. Ich diesbezüglich schone meine Nerven, denk mir nur da hat sich wieder ein Idiot geoutet. Und nehme dies trotzdem dankend zur Kenntniss. Manchmal bin ich überzeugt, wenn es in der Türkei nicht so viele Minimalisten gebe, würden viele den Nobelpreis bekommen nicht weil sie zuerst das Land schlecht reden müssen oder machen um irgend so ein Preis zu erschleichen, sondern weil sie mit Herzblut sich einem Thema widmen und den ausgleich trotzdem haben können.

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