Als mutmaßlicher Terrorist im Rahmen der Ergenekon-Ermittlungen wurde Ilhan Cihaner Anfang des Jahres verhaftet. Heute entschieden die Richter in Ankara, Cihaner und weitere Angeklagte sind freizulassen.
Im Zuge der Ermittlungen gegen die Ergenekon sowie des damals neu aufgetauchten Putschplans "Vorschlaghammer", wurde der Generalstaatsanwalt von Erzincan, Ilhan Cihaner zusammen mit dem aktiv im Dienst befindlichen General Saldiray Berk verhaftet. Eine Odyssee begann, in der zuerst die Gerichte um die Zuständigkeiten stritten, danach auch noch eine Irrfahrt der Gerichtsunterlagen kein Ende fand und die Vorwürfe laut wurden, die Regierung habe hier einen der kritischsten Gegner hinter Gitter bringen wollen. Heute entschieden die Richter, Cihaner und weitere Angeklagte sind vorläufig freizulassen.
Anlass für die andauernde Krise war Osman Sanal, eines Antiterror-Staatsanwalt aus der Nachbarprovinz Erzurum, der die Untersuchungen leitete und von einem Gericht die Verhaftung Cihaners (Generalstaatsanwalt in Erzincan) erwirkte und in Untersuchungshaft steckte. Genau dieses Gericht in Erzurum jedenfalls hatte es nicht geschafft, die Gerichtsunterlagen an den zuständigen Richter in Ankara für die anstehenden Verhandlungen bereit zu stellen. Die Unterlagen hatten mehr als 5.000 km. innerhalb von zwei Wochen zwischen Erzincan, Istanbul sowie Erzurum zurück gelegt und erreichten dennoch die Verhandlung nicht. Danach entschied auch der Vorsitzende Richter der 11. Kammer des Schwurgerichts, das İlhan Cihaner, Recep Gençoğlu, Nedim Ersan, Ersin Erkut, Murat Yıldız, Sabri Barkın İnce, Kıvılcım Üstel, Şenol Bozkurt, Şinasi Demir und Orhan Esirgen vorläufig auf freien Fuß gesetzt werden.
Richter E. Ülker begründete die Freilassung damit, dass die zwei vorhandenen Anklageschriften jetzt zusammen geführt und überprüft wurden. Dabei hätten sich keine Anhaltspunkte für eine begründete Festnahme ergeben und die Angeklagten seien freizulassen. Die Freilassung sei sofort auszuführen, bemerkte Ülker und leitete die Anweisung an die Generalbundesanwaltschaft weiter. Gleichzeitig kritisierte Richter Ülker die Verantwortlichen im Justizgebäude von Erzurum und verlangte eine juristische Verfolgung der Verantwortlichen wegen der Vorgänge zu der Anklageschrift, die trotz Anforderungen bisher nicht vorgelegt wurden. Die Fortführung der Verhandlung machte Richter Ülker von den Unterlagen abhängig, die noch nachzureichen seien und vertagte die Verhandlung auf unbestimmte Zeit.
Die Vorfälle mehren sich in den Untersuchungen rund um den Ergenekon-Prozess, in der ein kriminelles Netzwerk aus Militärs, Politikern und Geschäftsleuten beleuchtet werden sollen. Der Anklageschrift zufolge sollen sie den Staat unterminieren und die jetzige Regierungspartei politisch stürzen. Dem General der 3. Armee im ostanatolischen Erzincan, Saldiray Berk und dem Staatsanwalt Ilhan Cihaner wurden aber auch Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation vorgeworfen, nach dem auch der Putschplan "Vorschlaghammer" in die Ermittlungen miteinbezogen wurde. Die Anklage verlangte für die Männer bis zu fünfzehn Jahre Haft. Inzwischen wurde der Staatsanwalt, der die Verhaftung von Cihaner angeordnet hatte, von der richterlichen Aufsichtsbehörde vom Fall abgezogen und seines Amtes enthoben.
Eine weitere Entwicklung auch in den Ermittlungen zum Putschplan "Vorschlaghammer": der pensionierte General Çetin Doğan, General Engin Alan, General Süha Tanyeri und General Yurdaer Olcan sowie weitere 14 in Untersuchungshaft einsitzende, wurden ebenfalls von der 9. Kammer des Istanbuler Schwurgerichts auf Antrag der Verteidiger entlassen. Weitere 26 Angeklagte reichten ebenfalls Anträge zur Freilassung vor Gericht ein.
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