Ein christliches Dorf in der Türkei: Hatay-Altinözü

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Christliche Araber

1516 verleibte sich das Osmanische Reich die Stadt Altinözü am südlichsten Zipfel der heutigen Türkei ein. Hier lebten und leben bis zum heutigen Tage arabische Christen.

Unter dem Begriff Araber würde man zunächst vermuten, das alle Muslime sind. Dennoch gehören unter den weltweiten Arabern 5 Prozent anderen religiösen Strömungen ausserhalb des Islams an. In einem Dorf am südlichsten Zipfel der Türkei, nahe von Altinözü, findet man christliche Araber. Tokacli ist ein Dorf und hier leben in 370 Haushalten arabische Christen. Es sind zumeist alte Menschen, die von Ackerbau und Olivenhainen leben. Sie werden in den Sommermonaten von ihren Enkeln und Kindern besucht, die in den Großstädten ein Einkommen gefunden haben, weshalb dann die Einwohnerzahl auf das doppelte bis dreifache ansteigt. Es ist nicht die einzige christliche Gemeinde in der Türkei, aber das einzige Dorf in denen nur christliche Araber leben. In Antakya, Mersin, Adana, Altinözü und weiteren Städten leben versprengt Christen, auch arabische Christen aber nicht in der Konzentration wie in Tokacli, wo nur Christen leben.

Die alten unter den Arabern sprechen fast kein türkisch, sie haben es auch nie gebraucht, aber man kann alte antreffen die noch französisch können; ein Überbleibsel der französischen Okkupation während des Ersten Weltkriegs und darüber hinaus bis 1938. Nur die Jungen Dorfbewohner, die man vereinzelt auf den Straßen antrifft, können türkisch. Sie erzählen von der Landflucht, von bis zu 10.000 Menschen, die heute in Europa oder in den Großstädten der Türkei leben und arbeiten. Wenn sie zurückkommen, erzählt der Junge Mann, helfen sie den Verwandten und Bekannten bei der Landwirtschaft oder bestellen ihre eigenen Äcker. Die Landflucht vor Jahrzehnten hat aber dem Dorf ein sehr hohes Einkommensniveau beschert. Nicht nur dass das Land ausnahmslos ihnen gehört und innerhalb der arabischen Gemeinde blieb, auch in Altinözü schätzt man, gehört 85 Prozent des Landes Arabern mit christlichem Hintergrund.

Vormals hieß Tokacli "Cneydo" und gehörte faktisch Syrien an. 1939 wurde es im Zuge einer Volksabstimmung an die Provinz Hatay angeschlossen. Seitdem wechselte das Dorf dem Namen zwei mal. 1939 in Cünte und 1960 in Yonta und zuletzt in Tokacli. Fragt man die Dorfbewohner heute, ob sie mit dem aktuellen Dorfnamen zufrieden sind, würde man sie gerne wieder in Cneydo ändern, doch man habe keinen Antrag gestellt und keinen Anlass gesehen, wäre aber über eine solche bürokratische Geste erfreut. So leben die Menschen von Ackerbau, zumeißt wird Weizen angebaut, aber mit Oliven verdienen sich die Dorfbewohner ihr Grundeinkommen und aus dem Ausland kommt auch noch die eine oder andere Unterstützung. Mit Syrien ist man auch verbunden, hier leben Verwandte und Bekannte und seit dem die Visumpflicht aufgehoben ist, besucht man sich gegenseitig so oft es geht.

Zum Beten und zu feierlichen Anlässen geht man in die 300 Jahre alte ehemalige griechisch-orthodoxe Kirche des Dorfes. Am Eingang der Kirche eine Tafel mit den 10 Geboten, innen Bilder mit christlichen Ikonen, ein Altartisch und Verzierungen in arabischer Schrift. Die alten Treffen sich in den heißen Tagen in der Dorfstube, spielen Tavla oder tratschen gemeinsam. Die alten Frauen hocken vor den weit ausladenden Höfen und verrichten die alltäglichen Arbeiten, trinken Tee oder ruhen sich einfach aus.

In der Provinz Hatay leben weitere christliche Araber, die sich hinter vorgehaltener Hand unter der Obhut der syrisch-orthodoxen Kirche stehen sehen, seitdem die Grenze zu Syrien im Zuge der verbesserten bilateralen Beziehungen ohne Visum passierbar ist. Antakya, die Hauptstadt der Provinz gilt als ein Schmelztiegel aller Religionen. Zwar besteht die Bevölkerung überwiegend aus Muslimen, daneben gibt es auch einige Christen, Juden und Alewiten. Neben Türkisch hört man auch häufig die arabische Sprache. Neben den Moscheen gibt es daher mehrere christliche Kirchen und eine Synagoge. Die bekannteste dürfte die St.-Petrus-Grotte sein, die etwas außerhalb an einem Berghang von Antakya zu finden ist. Sie wurde vom Vatikan offiziell zur ältesten Kirche der Christenheit erklärt und soll der Legende nach vom Apostel Petrus eingeweiht worden sein. Das aber stößt bei den christlichen Arabern wie auch dem syrisch-katholischen Patriarch von Antiochia auf Ablehnung. Die Vertreter des Vatikans würden die Stadtverwaltung dazu drängen, die St.-Petrus-Grotte aus dem Museumsdasein zu lösen und unter vatikanischer Obhut zu stellen. Damit sind aber die Christen vor Ort nicht einverstanden und auch gegenüber dem damaligen Bürgermeister der Stadt Mehmet Yeloğlu gab der Metropolit Syriens an, das man mit der jetzigen Lösung überaus zufrieden ist. So pilgern Christen im In- wie Ausland weiterhin zur Grotte, wenn Festlichkeiten anstehen, die eine Höhlenkirche ist. Der steinerne Altar aus Mauerwerk und einer Altarplatte soll im Zusammenhang mit einem Besuch des Apostels Petrus in der Kirche errichtet worden sein.

Das Fest der Kirchweih wird in Antakya am 21. Februar gefeiert. Die Marmorfigur des Hl. Petrus in einer Rundbogennische in der Mauer oberhalb des Altars wurde dort im Jahr 1932 installiert. An der kleinen Quelle in der Kirche fanden Taufen statt. Am 29. Juni findet in der St.-Petrus-Kirche alljährlich ein Fest statt. In der Stadt selbst sind zwei weitere Kirchen: eine Kapuzinerkirche an der Kurtuluş Caddesi sowie eine griechisch-orthodoxe Kirche in der Nähe der Rana-Brücke.

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