Die privilegierte Integration in Deutschland

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Angela Merkel und Tayyip Erdogan

Systematisch wird seit Tagen der Vorschlag des türkischen Ministerpräsidenten in die Schranken verwiesen. Mitunter wird suggeriert, der Vorschlag habe die Absicht, einen türkischen Trojaner in Deutschland zu platzieren.

Die letzten Tage waren mit die undifferenziertesten, aus dem Zusammenhang gerissensten und politisch motiviertesten Schlagzeilen wie seit langem nicht mehr. Man könnte meinen, in Deutschland finden wieder einmal Wahlkämpfe auf dem Rücken der Ausländer statt.

Als ob das nicht reichen würde, stehen schon die türkischstämmigen Deutschen Türkei-Experten in den Startlöchern und wettern ebenfalls gegen Erdogan, insgesamt gegen die türkischen Bemühungen, Integration zu fördern. Die Speerspitze der deutschen Interessenspolitik spricht wieder einmal mit gespaltener Zunge und der Türke muss erneut lernen, das nicht seine bescheidenen Interessen im Vordergrund stehen, was ja nach Meinung vieler in der Gesellschaft Parallelgesellschaft bedeutet, sondern andere Absichten dahinter stecken. Nur wenige Verbände und Vereine haben sich mit dem Vorschlag des türkischen Ministerpräsidenten befasst und gaben vernünftige und sachliche Erklärungen ab. Eigentlich etwas das man von diesen Damen und Herren erwarten sollte. Doch dem ist so nicht. Stattdessen werden Vorschläge Dritter wie eine Krankheit behandelt, die in der Integrationswunde wütet und einen Teil des Volkskörpers befallen hat.

Eines der rätselhaftesten Eigenschaften eines türkischstämmigen Politikers im Bundesgebiet ist es, zwischen zwei Interessen zu stehen. Zum einem will er die türkische Gefolgschaft zufrieden stellen um weiterhin Politik betreiben zu können, zum anderen aber die Partei- und Gesellschaftsdoktrin einhalten und die Deutschen Wähler nicht vor den Kopf stoßen. Das alleine zeigt, wie integriert und zerrissen die türkischstämmigen Politiker in Deutschland sind. Wie ist es dann wohl um die türkischen Staatsbürger bestellt, die in Deutschland leben? Kritik an der innerdeutschen Politik in Fragen der Integrationspolitik ist Passe bzw. wird nur in türkischen Medien zum Ausdruck gebracht. Kritik gegenüber der Türkei und somit den türkischen Mitbürgern in Deutschland ist hingegen ein freudigst erwartetes Argument, mit denen man deutsche Wähler an sich binden kann, ihre Ängste und Vorurteile weiter vertieft. Diese werden in deutschen Massenblättern zigtausendfach abgedruckt. Das ist das Dilemma, in der sich nicht nur die türkischen Staatsbürger befinden, sondern auch Politiker mit türkischen Hintergrund. Das ganze scheitert also bereits an jenen, die deutsche Politik zukunfstgerichtet gestalten sollen. Diesen Umständen ist es auch zu verdanken, dass der türkischstämmige Deutsche sich wegen dieser vorherrschenden Opportunität nicht entscheiden kann. Das führt dazu, dass diese Politiker ihre Glaubwürdigkeit verlieren.

Wir sollten auch nicht mehr über die Deutschen Politiker schimpfen, die sich mit aus dem Zusammenhang gerissenen Aussagen eines türkischen Ministerpräsidenten ständig zu profilieren versuchen. Erdogans Bemühen zur Integration der Türken in Deutschland wird dann absichtlich mit "Integration ist ein Menschheitsverbrechen" kommentiert. Dann kommen noch Aussagen von einer Kanzlerin, die meint, man will sie nicht assimilieren, sie sollen sich nur an die Gesetze halten und deutsch sprechen lernen. Als ob die Türken in Deutschland nicht einmal das deutsche Gesetz kennen und respektieren, sie nicht als selbstverständliches sehen. Es wird überall der Eindruck geweckt, die Türken wollen nicht deutsch sprechen lernen und machen auch keine Anstalten, die Verfassung  anzuerkennen, sich für die Gesellschaft einzusetzen. Das ist zwar ein erneuter Schlag ins Gesicht der vielen Türken, die sich um Integration und Teilnahme in der Gesellschaft bemühen oder das Leben in Deutschland mit ihren Gesetzen und Kulturunterschieden so akzeptieren wie sie sind und auch verinnerlicht haben, doch nach Jahrzehnten ist sie erträglicher, weil man sich daran gewöhnt hat. Wie integriert wir eigentlich aktuell empfunden werden? Überhaupt nicht! Wir sind nicht angekommen, wir hatten noch nie die Chance dazu, anzukommen. Wir schweben in den Augen der Politik, der Türkei-Experten und den türkischstämmigen Politikern, zwischen der sogenannten Parallelgesellschaft und der Türkei. Je nach dem wer was gesagt hat, sind dann die Türken mehr oder weniger selbst daran Schuld. Daran wird sich auch nach vielen weiteren ernüchternden Studien und Kritiken aus dem Ausland über die "Integrationsbemühungen" der Bundesregierung nicht viel ändern.

Am gestrigen Tag konnte man die Geschichte eines türkischen Akademikers im deutschen Fernsehen verfolgen, dessen "Leidensweg" in Deutschland, denen der Türken in Deutschland aus der Seele spricht. Eines von wenigen Berichterstattungen, die die Realitäten wieder spiegeln. Er hat seinen Frieden gefunden, nach dem er ausgewandert ist. Wie viele würden wohl aus Deutschland auswandern, wenn es finanziell realisierbar wäre? Es war sicherlich Balsam für die Seelen vieler Türken in Deutschland. Vielleicht war es auch Balsam für viele Deutsche, die ihre Zukunft im Ausland suchen wollen. Schuld sind alleine wir, die hier in Deutschland als Prügelknabe der Nation ständig den Hintern vor strecken müssen, weil selbsternannte Türkei-Experten und türkischstämmige Politiker unsere Zukunft vorher bestimmen und unser Dasein in Frage stellen. Es wird Zeit, dass der Streu vom Weizen getrennt wird, damit wir endlich in der Wahlheimat verstanden und repräsentiert werden.

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