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Das medizinische Versorgungssystem in Deutschland muss sich auf eine steigende Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund als Patienten einstellen. Eine angemessene Behandlung muss daher migrationsspezifische Einflussfaktoren berücksichtigen, Anbieter im Gesundheitswesen müssen sich interkulturell öffnen, findet Dr. Elif Duygu Cindik ist Ärztin für Psychiatrie/Psychotherapie.
Ausgesuchtes | © Dr. Elif Duygu Cindik
Bisher scheint Deutschland nur insofern multikulturell, als MigrantInnen zu einem tragenden wirtschaftlichen Element geworden sind. Trotz zunehmender Aufenthaltsdauer und verbesserten Sprachkenntnissen entstehen zwischen ZuwandererInnen und Einheimischen zu wenig intensive Beziehungen. Die EinwandererInnen entwickeln sich nicht zu integrierten bikulturellen Persönlichkeiten mit Verankerung sowohl in der Herkunfts- als auch in der Aufnahmekultur, sondern bleiben in ihren Herkunftskulturen verhaftet. Als Schutz vor Assimilation und Verlust der kulturellen Identität werden besonders bei Diskriminierung die hergebrachten Traditionen enorm wichtig. Religiosität, Sitten und Normen werden in der Diaspora häufig viel orthodoxer ausgelegt und intensiver gelebt als im Heimatland.
Dieser Trend wird Segregation genannt und (lat. segregatio: Absonderung, Trennung) beschreibt die "Entmischung von Bevölkerungsgruppen" und das Entstehen homogener Nachbarschaften. Das Resultat ist die Ausbildung charakteristischer Stadtviertel wie z.B. Kreuzberg in Berlin. Über die Ursache herrschen unterschiedliche Meinungen. Die kulturelle und gesellschaftliche Marginalisierung und der Bildungsgrad sind wichtige Faktoren. Bei guter Schulbildung und höherer beruflicher Stellung und entsprechendem Einkommen bestehen weniger Segregationstendenzen.
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