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Sivan Perver spricht im DER STANDARD von Zusammenleben und Frieden. Vor Jahren sang er noch von Kampf und Feinden Kurdistans.
Gastbeitrag | Ercan Tekin
Im DER STANDARD spricht Sivan Perver in "Ein Plädoyer für das Zusammenleben". Gleichzeitig prangert im Artikel die Überschrift "Die Stimme Kurdistans". Gegensätzlicher kann ein Aufruf zum Zusammenleben nicht sein. Dennoch erwartet Sivan Perver, das Menschen sich untereinander respektieren. Fangen wir doch mit seinem Respekt gegenüber dem Rechtssystem, dem friedlichem Volk an!
Sivan Perver, der in den 70er Jahren während seines Studiums mit dem Marxismus Bekanntschaft machte, lernte schnell, seine künstlerische Begabung in diese Richtung auszulegen. Es mag wohl an seinem Leben und den Großgrundbesitzern gelegen haben, dass Sivan Perver Sympathie mit der PKK hatte, als diese sich zuerst einmal mit einem kurdischen Clan beschäftigte, ehe es überhaupt gegen die Türkei ankämpfte. Der Versuch der PKK in den frühen Gründungsjahren, den Clan auszulöschen, misslang gründlich.
Öcalan selbst erklärte in einem Protokoll gegenüber den ermittelnden türkischen Beamten nach seiner Verhaftung, wie sehr die Lieder Sivan Pervers für den bewaffneten Kampf der PKK von Bedeutung waren. Öcalan machte auch keinen Hehl daraus, dass ihn Perver im TV-Sender MedTV unterstützen wollte und per Brief bei seinem Italien-Aufenthalt hilfreich zur Seite stehen wollte. Heute behauptet Perver, er müsse sein Exil-Erfahrung beiseite schieben um in der Türkei wichtige Schritte einzuleiten. Was hat ein Öcalan-Unterstützer in einer wichtigen Frage überhaupt noch etwas beizusteuern? Er hat bereits beigesteuert, wie wir jetzt von Öcalan erfahren haben.
Weshalb er in den Exil ging, wird in manchen Medien ziemlich wirr umschrieben. Er sei unterdrückt worden, man habe ihn wegen seiner kurdischen Sprache drangsaliert und so weiter und so fort. Sein erstes Album "Govenda Azadixwazan" ist zum Teil ein Protest und zum anderen mit Heimatliedern durchwachsen. In kurdisch konnte er sehr lange Zeit öffentlich singen, vor Tausenden Zuhörern. In Liedern die den Behörden suspekt vor kamen, erhielt er Verbote, die Lieder wurden dann aus den Alben entfernt oder aber zensiert veröffentlicht.
Erst 1983, als Sivan Perver bereits in Deutschland lebte, verhängte die amtierende Regierung einen Verbot der kurdischen Sprache in öffentlichen Einrichtungen, Versammlungen, Ämtern und Gefängnissen bis ins Jahr 1991. Sivan Perver komponierte indes im Exil immer radikalere Lieder, bis hin zu direktem Aufruf zum Kampf, zur Beteiligung der Frauen am Widerstand und dem Aufstand in den Bergen. Bis in das Jahr 2005 komponierte Perver Heimatlieder gepaart mit dem Aufruf zum Kampf und Nationalismus lernten die Kurden wohl von Sivan Perver höchst persönlich.
Am 21. März 2009 verkündete Sivan Perver im Newroz-Festival in Hannover, dass ihn die Türkei für ein Konzert eingeladen hat. Als Antwort wählte Sivan Perver eine feurige Rede über Unterdrückung und Gewalt, von Freiheit und Gerechtigkeit. Er begrüßte die "Guerilla" mit der sie erst jetzt Gehör verschafft hätten, redete von Widerstand und rief "Biji Serok Apo". In Anbetracht der letzten Monate vermittelt der Artikel im DER STANDARD eine 180° Wendung im Leben eines Sängers.
Es stimmt, die DTP war genauso eine Kommunikationsplattform wie die einzelnen Lieder von Sivan Perver. Es stimmt auch, was Nazim Hikmet gesagt hat: "Wir Menschen leben einzeln wie ein Baum, aber auch zusammen wie ein Wald". Sivan Perver hat aber verkannt, dass er als feuriger Sänger einen Waldbrand in Gang gesetzt hat, die er dem türkischen Staat zur Last legt. Es ist eine Schande, das Nazim Hikmets Dichtungen von Perver in dieser Form im DER STANDARD ausgenutzt wird. Wenn Sivan Perver sagt, "Es wird nicht wie im Baskenland sein - wo die meisten unabhängig sein wollen. Wir und die Türken können zusammenleben, wenn wir uns gegenseitig respektieren", dann bekommt er postwendend folgendes zurück: erst einmal die eigenen Lieder in Augenschein nehmen, um das dann anderen glaubhaft machen zu können. In diesem Sinne, Ball flach halten und erst einmal an sich selbst, an der Homepage, an den Liedern arbeiten.
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