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Kurdische Intellektuelle sind gefragt, die sich kritisch mit dem Personenkult um Abdullah Öcalan auseinandersetzen.
Gastkommentar | Ercan Tekin
Dieser Artikel ist an das kurdische Intellekt gewidmet, in der Hoffnung, es findet Gehör bei den intellektuellen Kreisen die sich für die "Sache" weiterhin verausgaben wollen. Vorab sei jenen aber gesagt: was auch immer man unter der kurdischen Frage versteht, Apo wird nicht die Lösung sein und darüber sollte man sich endlich im klaren sein.
Der Personenkult um Abdullah Öcalan ist innerhalb der PKK hausgemacht. "Biji Serok Apo" hat es geschafft im Exil aus Syrien heraus einen Kult um ihn in der Welt zu etablieren. Vergessen wir mal all die türkischen und kurdischen Opfer, die im "Kampf" der Arbeiterpartei Kurdistans ums leben kamen. Vergessen wir auch die internen Machtkämpfe innerhalb der PKK in denen so einige Persönlichkeiten plötzlich zu Märtyrern erhoben wurden. Vergessen wir auch, das Apo seinen eigenen Bruder nicht mehr erkannte. Habe ich was übersehen? Ist auch egal, das langt vorläufig. Was ich aber immer noch nicht verstehe ist, wieso sich ein "Biji Serok Apo" nach 1979 in einer Hauptstadt eines Landes bequem machte und von dort aus den Kampf fortsetzte, dass die Kurden nicht nur verfolgte, sondern unter die Erde brachte? Ich sagte bereits, vergesst alles, vergesst die Opfer die der Konflikt auf beiden Seiten gefordert hat, aber vergesst nicht, das Abdullah Öcalan, der "Herr", der "Führer" und der "Onkel" in der Hauptstadt eines Landes lebte, das seine "Kinder" in Massen sprichwörtlich über den Jordan schickte, bis in die jüngste Zeit hinein. Stellt euch vor, Apo schüttelt dabei auch noch die Hand des Gastgebers! Was er wohl dachte und alles einkalkuliert hat? dieser "Biji Serok Apo", ich will es nicht Wissen.
Jetzt fragt man sich automatisch, wo die Kritiker sind, die Intellektuellen der Kurden, die Demokraten, Friedensaktivisten, Künstler und Sänger? Wo ist der Bauer, der das Gesetz des Ehrenmordes noch kennt? Wo ist der Aufschrei, wo ist die Moral geblieben? Fragen über Fragen, die nicht mal Aktivisten in Deutschland beantworten wollen, geschweige denn hinter vorgehaltener Hand kritisch hinterfragen. Sie hüten sich über ihn kritisch zu schreiben und hier liegt das Problem. Wollen sie sich nicht als "Verräter" titulieren lassen, die kurdische Öffentlichkeit die hinter dem "Biji Serok Apo" steht, vor den Kopf stoßen, muss es weiterhin ein Tabu-Thema bleiben. Mit all seiner Konsequenz. Das bedeutet auf der einen Seite, lukrative Geschäfte betreiben, Banner, Fahnen und Pins verkaufen auf denen "Biji Serok Apo" abgebildet ist und auf der anderen Seite "Biji Serok Apo´s" Machtworte mit politischen Mitteln unterstützen, den Freiheitskampf so fortsetzen, das sich Menschen in Massen für "Biji Serok Apo" mit Benzin übergießen und als Fackel aufgehen.
Kurdische Emanzipation bedeutet, das andere verschwinden. "Biji Serok Apo" hats vorgemacht und ist nach seiner langjährigen Verhaftung immer noch Gang und Gebe. Das Märtyrer-Album wächst ständig, in denen auch Männer und Frauen abgebildet sind, die von ihren eigenen Kampfgenossen ins Jenseits befördert wurden. Aber auch politisch ist die freiheitlich emanzipatorische Gesellschaft wohl nicht zimperlich mit ihren Kritikern umgegangen, denn es gibt keine Kritiker. Nicht hier, nicht in der Türkei und auch nicht in anderen Ländern. "Das Schweigen der Lämmer" passt wie die Faust aufs Auge.
Ich widme diesen Artikel an die kurdischen Intellektuellen und Sympathisanten einer "friedlichen Bewegung" in der Türkei und Europa. Mit "Biji Serok Apo" wird es keine Demokratisierung in diesem Sinne geben und eine Kurden-Frage nach diesem Geschmack auch nicht. Es sind eventuell 20 Millionen Kurden davon betroffen, aber dem stehen immer noch 60 Millionen Türken entgegen, die mit Abdullah Öcalan nichts zu tun haben wollen. Solange dieser Personenkult nicht hinterfragt wird, seine Person nicht kritisch beurteilt wird, so lange wird sich kein türkischer Staatsbürger auf eine Lösung mit "Biji Serok Apo" einlassen. Das ist keine Warnung und sollte auch nicht so verstanden werden. Es ist ein gut gemeinter Ratschlag an all diejenigen, namentlich dem "Europäischen Friedensrat Türkei" das hier in Europa aktiv ist, der BDP die innerhalb der Türkei aktiv ist, keine ehemaligen DTP-Politiker die aus dem Moloch der PKK entstammen und gemeinsam immer noch mit Argumentationen um sich schmeißen, als gebe es den "Biji Serok Apo". Es gibt keinen Führer, der eine Emanzipation eines Volkes auf Kosten anderer und insbesondere auf Kosten der eigenen Anhänger erfolgreich führen konnte.
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