Gutmensch: ideologischer Code für "Nestbeschmutzer"

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Mössinger Generalstreik

Der Mössinger Generalstreik ist bis in die Gegenwart hinein in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Die erste kollektive Widerstandsaktion im NS-Reich führte wohl schließlich dazu, das Kommunisten, Sozialisten, Kirchenmänner, Homosexuelle, insgesamt Andersartige wie Tiere verfolgt wurden, im Deutschen Reich, in Polen, in Russland und fast allen Kontinenten der Erde.

Gastbeitrag | Ercan Tekin

Die Geschichte der Gemeinde Mössingen am Rande der Schwäbischen Alb hat gezeigt, das auch Kommunisten sehr wohl dazu beitragen konnten, eine gefährliche rassistische Ideologie zu bekämpfen. Im Falle des Mössinger Generalstreiks mobilisierte die KPD eigene Mitglieder wie auch Menschen, die dem NS-Regime die Stirn bieten wollten, wohlgemerkt die ersten, die es überhaupt wagten. Die Geschichte hat mich fasziniert und zugleich auf eine andere Sache erinnert, weshalb ich diesen Artikel geschrieben hatte. Sie wurde zwar veröffentlicht, ging aber während der Serverarbeiten unter.

Mit Befremden hatte ich einen Artikel in der PI-News vor Monaten gelesen und bereits kommentiert und veröffentlicht.  Jedenfalls schrieb ich, dass eine Person nicht nur verunglimpft, sondern regelrecht in die kommunistische Ecke gedrängt und so zu den Andersartigen zugeordnet wurde. Kommunisten sind offensichtlich auch für die PI-Primaten ein gefundenes Fressen, wenn es um die eigene selbstlose Überzeugungsarbeit geht. "Diese Typen sind mittlerweile dermaßen intensiv in die Redaktionsstuben, Gerichtssäle und Politikzentralen dieses Landes ein gesickert, dass einem für die Zukunft angst und bange werden muss", so die These der Redakteure und in vielen Kommentaren der PI. Das NS-Regime sah es auch als erwiesen an, das "Gutmenschen" Redaktionsstuben, Gerichtssäle und Politikzentralen belagert hatten. Damals machte man kurzen Prozess und damit war auch dieses Thema erledigt und hierzu werde ich ein Beispiel nennen. Das Wort "Gutmensch", da streitet sich die Fachwelt zwar, hat entweder Goebbels oder "Der Stürmer" erfunden. Wie oft "Gutmensch" alleine in diesem Artikel auftaucht, können sie selbst herausfinden, den Titel des Artikels nicht mit eingeschlossen.

Grund dieser verbalen Attacke war das Videokommentar in der "Welt am Sonntag" vom Autor Alan Posener. Posener hatte es gewagt, Thilo Sarrazin in satirischer Art in gleichem Tonfall zu kritisieren, der es wiederum zuvor gewagt hatte in reißerischen Sätzen, die Araber und Türken insgesamt zu verunglimpfen. Insgesamt verunglimpfen deshalb, weil 70 Prozent Türken und 90 Prozent Araber auch keine Rolle mehr spielen. Die Kosovaren bekamen auch ihren Fett weg. Und der PI-Redaktion fällt nichts weiter ein, als mit Der Stürmer-Manier, einen Korrespondenten in eine bestimmte Ecke zu drängen, einer "linksgrünen Blümchen-Weltbild". Wie so oft übersehen diese dann dabei die eigene Stürmer-Qualitäten. Vergessen ist auch die ehemalige Zusammenarbeit im Webblog mit Henryk M. Broder, Michael Miersch und anderen in der "Die Achse des Guten". So schnell kann jemand zum Verräter werden, zum "Gutmenschen" der einem die Luft zum atmen nimmt und man unterbinden muss.

mordaufruf-youtube
Und hier mutierte der Spaß der PI zum de jure Mordaufruf in der Youtube unter "Poseners Bullshit". Unter Pseudonymen wurde über die "Spinner der ZdJ" und die "selbsternannten Sprecher der Türken" hergefallen, kurzerhand eine Adventure-Spiel mit Muselmanen kreiert, dem Bullshit-Patienten eine Euthanasie angeboten, wobei das wohl eher der NS-Krankenmorde zuzuordnen ist. Jetzt ist dieser Kommentar zwar entfernt worden, der Beifall hallt aber noch. Zuletzt sah man diesen Beitrag unter dem Useraccount "TimH1983", der Posener sogar die Luft zu atmen unterbinden wollte und einen Präzedenzfall sah. Was man darunter vorzustellen hat, überlasse ich ihnen. Schließlich möchte ich Sie daran erinnern, dass sich diese Damen und Herren Proisraelisch, Proamerikanisch halten und immer wieder behaupten, für das Grundgesetz und Menschenrecht zu stehen. Letztere können sie nicht in Anspruch nehmen, denn Sie selbst beherzigen es überhaupt nicht und können dies auch nicht anderen vorgaukeln. Um wieder zum Vorspann zurück zukommen: der einzige Unterschied, den ich zwischen den streikenden in Mössingen (die sich aus allen "Gattungen" zusammensetzten) und diesem PI-Kollektiv erkennen kann ist: die Mössinger standen wie wir es aus der Geschichte lernen konnten, auf der richtigen Seite und dieses PI-Kollektiv dreht am Drehkreuz der Zeit, um diese verpasste und vereiltelte Gelegenheit erneut am Schopfe zu packen. Mit eben jenen Methoden, mit der das NS-Regime an die Macht doch noch gelangen konnte und auf allen Kontinenten gewütet hat.

Ob ich diesen Artikel hätte nicht wieder herauskramen sollen? Man kann es diesen Damen und Herren nicht oft genug vor den Kopf stoßen. Denn Sie bedienen sich diesen Klischees und stellen sich gleichzeitig als Opfer der Gutmenschen dar, weil man nach Ihrer Ansicht nach nicht laut und öffentlich reden kann. Die so ausgemachten Gutmenschen werden als vermeindliche Kritiker dargestellt, die mit der „Moralkeule“, „Rassismuskeule“, „Faschismuskeule“, „Auschwitzkeule“ und ähnlichem, tabuisierend unangenehme gesellschaftliche Missstände verdecken. Es gibt genug Menschen, die diesem Argument Folge leisten. Dem muss man entschieden entgegenwirken und zwar so lange, bis auch der letzte Primat es verstanden hat.

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