Ich habe das Wort "du bist Armenier" nie vernommen

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Kastamonu ist eine türkische Stadt in der gleichnamigen Provinz am Schwarzen Meer. Hier lebt der armenisch-stämmige Rechtsanwalt Keğam Karabetyan.

In Kastamonu ist Keğam Karabetyan geboren und aufgewachsen. Nicht einen Tag hat er seitdem den Satz "du bist Armenier" gehört. Die Lebensgeschichte Keğam Karabetyan klingt möglicherweise in dieser Situation für viele Diaspora-Armenier absurd und verlogen. Aber hören Sie sich an, was Keğam Karabetyan der Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi alles erzählt.

Der armenisch-stämmige Keğam Karabetyan lebt in einem Dorf nahe Kastamonu. Die Stadt selbst zählt zu den ältesten bekannten Siedlungen in Kleinasien. Im Norden der Türkei stößt die Provinz an das Schwarzmeer, die Stadt selbst liegt in einer bergigen Landschaft, der Berg Ilgaz mit 2587m., ein Wintersportgebiet, überragt die Stadt. Im Südwesten liegt die Stadt Safranbolu. Der Name stammt von den riesigen Safranfeldern, von denen die Stadt im 19. Jahrhundert umgeben war. Safranbolu ist ein Freilichtmuseum für traditionelle türkische Baukunst und auch sonst hat die Provinz einiges zu bieten: die längste Höhle der Türkei Ilgarini, die Stadt Inebolu die von den Ioniern gegründet wurde und die Trekkingtouren, die in der Türkei für viele Großstadttouristen Abwechslung bietet.

Und Karabetyan ist verliebt in diese Landschaft, in die Menschen und dem Halbmond mit dem Stern. Karabetyan ist glücklich über die familiären Beziehungen zwischen Türken und Armeniern, trotz und gerade wegen dem Bürgermeister, der MHP-Mitglied ist und die Provinz selbst als patriotische Region gilt. Karabetyan kam 1942 im Dorf Hacıbey zur Welt und stammt von einer armenisch-stämmigen Familie, die seit mehreren Generationen in Kastamonu beheimatet ist. Karabetyan erzählt, er habe eine gute Schulbildung genossen, sei danach nach Istanbul gegangen um dort das Studium der Rechtswissenschaften abzuschließen. Danach nahm er seine Pflicht als türkischer Staatsbürger ernst und absolvierte seinen regulären Wehrdienst. Erst in Polatli, danach in Keşan, einer Stadt an der Grenzregion zu Bulgarien und Griechenland, als Ersatz-Offizier und mit dem gleichen Stolz, die andere hatten, sagt Karabetyan, habe er die Uniform mit dem Halbmond und dem Stern getragen.

KegamKarabetyanNach dem Wehrdienst öffnete Karabetyan ein Kanzlei in Istanbul, ohne dabei die Bindung zu Kastamonu zu vergessen oder zu verlieren. Er half dabei, in Istanbul ein Verband von ansässigen Unternehmern aus Kastamonu aufzubauen, als Mitglied in verschiedenen Verbandsebenen zu arbeiten. In seiner Erzählung kommt er immer wieder auf diesen einen Satz zurück: "ich habe noch nie vernommen, das mir einer "du bist Armenier" gesagt hat".

Zwei verschiedene religiöse Feiertage, ein gedeckter Tisch

Karabetyan erzählt über seine Erlebnisse in seinem Geburtsort, in dem er die Kindheit verbracht hat. Über seine Erlebnisse zwischen den muslimischen und christlichen Einwohnern des Dorfes Hacıbey. Wenn religiöse Feiertage bevorstanden, habe man gemeinsam gefeiert und nennt dabei Beispiele: "ob nun Weihnachten oder Ostern, die muslimischen Dorfbewohner kamen zu Besuch. Wenn das Wetter es zu lies, wurden Tische vor dem Haus gedeckt. Am Tisch saß man dann gemeinsam und hat die nachbarschaftlichen Beziehungen genossen. Am Monat Ramazan oder dem Opferfest besuchten wir die muslimischen Nachbarn selbst. "Seit meiner Kindheit habe ich das nicht anders kennengelernt. Und nicht einmal habe ich mitbekommen, das jemand "du bist Armenier" gesagt hat oder das zwischen uns Streitigkeiten anfingen. Wir sind mit dieser Kindheit aufgewachsen", sagt Karabetyan.

Ich bin Stolz, ein türkischer Armenier zu sein
Unter dem Banner des Halbmond mit dem Stern, ohne religiöse, sprachliche und ethnische Vergleichsversuche, habe Karabetyan sein Leben genossen und fügt hinzu: "dieses Land gehört uns allen. Ich bin Stolz und bin froh, in diesem Land zu leben, in der verschiedene Entitäten beheimatet sind". Zu der negativen Ansicht des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in der Frage des "Ich bin Stolz ein Türke zu sein", erwidert Karabetyan nur: "Ich bin Stolz, ein Türke zu sein" und ist sichtlich entschlossen, das öfters zu unterstreichen.

Seine Bindung zur Türkei hat Ihm einen Lob eingebracht
Vor kurzer Zeit hatte Karabetyan seine Lebensgeschichte im Internet veröffentlicht. Der Inhaber eines der größten Unternehmen im Land, Rahmi Koç von der Koç-Holding die auch Grundig übernommen hatte, habe die Geschichte gelesen und einen Brief an ihn verfasst. Darin habe Rahmi Koç ihn für seine Offenheit gelobt und seine Schilderungen bestätigt. Rahmi Koç habe im Brief geschrieben, dass er während seines Studiums von Unterschieden zwischen Juden oder Christen, Armenier oder Türken nichts gewusst hat. Er habe damit nichts anfangen können und seine Erzählungen hätten ihn darin bestätigt, dass es nur darauf ankomme, Freunde zu haben. Rahmi Koç habe im Brief mitgeteilt, wie gerne er diese Geschichte in mehreren Zeitungen, die auch große Auflagen drucken, gelesen hätte, damit es alle mitbekommen. Karbetyan ist sichtlich Stolz auf diesen Brief.

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