Istanbul: Die berühmte Piri Reis Weltkarte

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Im Jahr 1929 wurde der Topkapi-Palast in Istanbul in ein Museum umgebaut. Zuvor, am 9. Januar, fand der damalige Direktor des Nationalmuseums, Halil Ethem Eldem, eine alte Karte, die bis heute unter Geografen Aufsehen erregt und Sachbuchautoren neuen Gesprächsstoff liefert.

Nach dem die Karte gefunden, fotografiert, veröffentlicht und vorab untersucht wurde, erregte sie bald erhebliches Aufsehen. Die Karte des Piri Reis ist eine osmanische Seekarte des Zentralatlantiks, die dem Admiral Piri Reis zugeschrieben und in ihrer Entstehung auf den Monat Muharram (9. März bis 17. April) des Jahres 1513 datiert wird. Sie befindet sich im Topkapı-Palast in Istanbul, in dessen Bibliothek sie 1929 für die historische Forschung entdeckt wurde.

Unter Ayşe Afetinan wurde das Leben des Piri Reis unter die Lupe genommen, das die Historikern in einem Buch mit dem Titel "Life and works of Pirî Reis: the oldest map of America" 1975 verfasste. Wie der Titel schon besagt, war es bis dato die älteste Karte des amerikanischen Kontinents. Ebenso bemerkenswert wie der Werdegang des Piri Reis selbst, der nach verdienstvoller Tätigkeit als Admiral der türkischen Flotte im hohen Alter von 84 Jahren durch seinen Sultan Süleyman II. im Jahre 1554 hingerichtet wurde, ist auch der Werdegang der von ihm im Jahre 1513 gezeichneten Weltkarte. Sie wurde auf der Grundlage von etwa 20 unterschiedlichen Quellenkarten entworfen. Unter ihnen befand sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine (heute verschollene) Karte des Christoph Kolumbus, die insbesondere für die historische Kartographie von Interesse ist. Die besondere Sprachbegabung des Kartenautors hat darüber hinaus wohl auch dazu geführt, dass eine Reihe von weiteren Quellen in die Darstellung Eingang gefunden haben, die man in einer türkischen Karte nicht ohne weiteres erwarten würde.

Piri Reis wird als einer der größten Geographen des XVI. Jahrhunderts aufgefasst. Sein großes Werk "Kitab-i Buhriyye" (Seefahrerbuch) enthielt hunderte von Seekarten und Entwürfen. In seinem Werk waren alle Strände des Mittelmeeres, Inseln, Häfen und Küsten aufgezeichnet. Ferner wurden auch die meteorologischen und klimatischen Bedingungen, daneben auch die Flora mit sehr hoher Genauigkeit eingezeichnet. Nach dem er seine Karte 1521 veröffentlicht hatte, unternahm er einige Korrekturen und legte dieses 1525 dem Kanuni Sultan Süleyman (Sultan Süleyman der Prächtige) vor. In seinem Werk ist von der Entdeckung des amerikanischen Kontinents und von der runden Form der Erde die Rede.

1547 wurde Piri Reis zum Kommandeur der Flotte im Indischen Ozean mit Stützpunkt in Suez ernannt, nachdem er einige siegreiche Seeschlachten hinter sich hatte.  Mit 25 Schiffen und über 800 Soldaten belagerte er 1552/1553 die Insel Hormuz. Als die Nachricht von dem Eintreffen einer portugiesischen Flotte eintraf, brach er die Belagerung ab und floh mit drei Schiffen, von denen er eins verlor. Zurück in Ägypten wurde er vom dortigen Gouverneur mit der Begründung, er habe seine Flotte im Stich gelassen, festgesetzt und ins Gefängnis geworfen. Intrigen und politischer Ehrgeiz von Widersachern führten schließlich dazu, dass Piri Reis im Alter von 80 Jahren enthauptet wurde. Sein schmachvoller Tod ließ ihn in Vergessenheit geraten. Die berühmte "Weltkarte des Piri Reis" mit der Darstellung der "eisfreien Antarktis" wurde erst vier Jahrhunderte später wieder entdeckt. Sie tauchte bei Aufräumungsarbeiten im Topkapi Palast in Istanbul auf.
 
Während der kartometrischen Untersuchung und Rekonstruktion der Weltkarte des Piri Reis Karte, hatte Charles Hapgood, ein Gelehrter vom Keene College (USA), sich mit der Karte gründlich befasst. Er suchte Ende 1959 in der Washingtoner Kongressbibliothek alte Karten der Antarktis. Dabei stieß er auf eine Karte von Oronteus Phynius. Auf dieser Karte war die Antarktis ebenfalls eisfrei gezeichnet. Piri Reis war also nicht der einzige, der eine Karte von der Antarktis ohne Eispanzer gezeichnet hatte. Forscher Hapgood schickte daraufhin die Karte des Piri Reis an die US Airforce, um sie beurteilen zu lassen. Die Antwort der Westover Airforce Base war überraschend:

    RECONNAISSANCE TECHNICAL SQUADRON (SAC) UNITED STATES AIRFORCE
    Westover Airforce Base , Massachusetts

    Betr.: Weltkarte des Admiral Piri Reis                         6. Juli 1960

    An Professor Charles H. Hapgood
    Kenne College,
    Keene, New Hampshire

    Sehr geehrter Herr Professor Hapgood,

    zu ihrer Bitte um die Bewertung der Piri-Reis Weltkarte aus dem Jahre 1513 durch unsere Behörde nehmen wir folgende Stellung:

    Wir teilen ihre Auffassung, dass der untere Teil der Karte die Kronprinzessin Martha-Küste des Königin-Maud-Landes und die antarktische Halbinsel darstellt. Wir halten ihre Interpretation für eine logische und aller Wahrscheinlichkeit nach korrekte Auslegung der Landkarte.

    Die geographischen Details des unteren Kartenbereiches entsprechen erstaunlich genau dem seismischen Profil, das die schwedisch-britische Antarktis Expedition im Jahre 1949 durch die Eisschicht hindurch anfertigte. Somit wurde die Küste vor ihrer Vergletscherung kartographisch erfasst.

    Heute ist das Eis in der fraglichen Region etwas über 1500 Meter dick. Es ist uns angesichts des geographischen Kenntnisstandes von 1513 unerklärlich, wie die Karte aus jener Zeit dergleichen Daten enthalten kann.

    Harold Z. Ohlmeyer
    Oberstleutnant, USAF
    Befehlshaber

Der Brief enthüllte eine Sensation. War es nämlich richtig, was die NASA der Piri Reis Karte bestätigte, musste die antarktische Halbinsel in der Tat vor ihrer Vergletscherung kartographisch erfasst worden sein. Dies wiederum deutet darauf hin, dass dies lange vor Piri Reis geschehen sein muss.

Die Forschung zu Hapgoods Zeit war der Meinung, dass die antarktische Eisschicht einige Millionen Jahre alt sei. Neuere Forschungsergebnisse jedoch gehen davon aus, dass die auf der Karte dargestellten Gebiete lange - möglicherweise bis vor 6.000 Jahren - ohne Eisschicht waren. Man muss also nicht einige Millionen Jahre zurück gehen, um die Frage zu beantworten, wer die Fähigkeit gehabt hat, die Antarktis zu kartographieren. Es stellt sich somit die spannende Frage, wer vor 6.000 Jahren, lange bevor es Zivilisationen gegeben hat, von denen wir Kenntnis haben, zu dieser Leistung fähig gewesen sein könnte.

Die Anmerkungen, die Piri Reis auf seiner Karte gemacht hat, sagen aus, dass er nicht für die Vermessungen verantwortlich ist. Er weißt darauf hin, dass er sich auf Quellen aus zweiter Hand bezieht und lediglich die Informationen zusammengefasst hat. Hapgood geht davon aus, dass die Karten, auf die sich Piri Reis bezog, von Menschen einer unbekannten Zivilisation gezeichnet sein müssen und von diesen an die Minoer oder Phönizier weiter gingen. Diese Völker waren ein Jahrtausend lang die ersten Seefahrer der damaligen Welt. Die Karten wurden von Generation zu Generation weiter gegeben. Die Originale könnten schließlich auch in der Großen Bibliothek von Alexandria gelandet sein. Von dort gelangten Kopien u.a. auch nach Konstantinopel. Bei der Eroberung der Stadt durch die Osmanen fielen sie in deren Hände und landeten somit auf dem Kartentisch von Piri Reis.

Hapgood unterstellt, dass diese Früh-Entdecker bereits Navigationsinstrumente zur Berechnung der Längengrade hatten. Sowohl Albert Einstein und John Wright (Präsident der American Geological Society) unterstützten die Thesen von Hapgood. Trotzdem wurden sie bisher nicht weiter verfolgt. Die Vermutungen über die Existenz eines Volkes mit hoch entwickelter Technologie werfen neues Licht auf die Thesen über eine untergegangene Kultur: Platons Atlantis.

Erich von Däniken schrieb dazu 1968: "Zu Beginn des 18. Jahrhunderts fand man im Topkapi-Palast in Istanbul alte Landkarten, die einem Offizier der türkischen Marine, Kapitän Piri Reis, gehört hatten. Dieses ganze Kartenpaket wurde dem amerikanischen Kartographen Arlington H. Mallerey zur Untersuchung  übergeben. Mallerey machte die merkwürdige Feststellung, dass zwar alle Angaben vorhanden, nicht aber an der richtigen Stelle eingezeichnet waren. Hilfe suchend wandte er sich an den Kartographen Walters vom Hydrographischen Amt der US-Marine. Mallerey und Walters konstruierten ein Lesegitter und  übertrugen die alten Karten auf einen modernen Globus. Sie machten eine wirklich sensationelle Entdeckung: die Karten waren absolut exakt, und zwar nicht nur was Mittelmeerraum und Totes Meer angingen, es waren ebenso die Küsten von Nord- und Südamerika und sogar die Konturen der Antarktis präzise in Piri Reis´ Karten vermerkt."

Ähnliches berichtete schon 1966 Robert Charroux. Er war der Ansicht, dass diese alten Karten im Topkapi-Palast gefunden wurden, und zwar vom "türkischen Kapitän Piri Re´is". "Mallery, Walters und Lineham", sollen, nach Charroux, der Meinung sein, "dass die Angaben der Karten wenigstens aus der Zeit 5000 v. Chr. stammen". Ein anderer Forscher, Jochim Pahl, meinte 1971, dass Dänikens Feststellung viel zu weit gehe, doch auch für ihn war die Karte interessant, "denn sie zeigt die kugelförmige Erdoberfläche in Einzelheiten, die zur Zeit ihrer Herstellung, im Jahre 1518, gar nicht bekannt sein konnten". Jochim Pahl kam zu der Meinung, dass "die ursprüngliche Vorlage der Piri-Reis-Karte auf die Zeit um 2650 v. Chr. datieren könnte".

Die Zeitung Komsomolskaja Pravda erstellte einen umfangreichen Bericht über Piri Reis und schrieb in Anlehnung an seine Karten, dass sich vor 10 000 in der Antarktis Menschen angesiedelt hätten. Es wurde berichtet, dass die Küsten von Chile, die Anden und Afrika eine bis zu dem Zeitpunkt noch nie da gewesene Exaktheit inne hatten und sich auf der Karte "des türkischen Admirals Inseln eingezeichnet wäre, die erst 300 Jahre später um 1958 entdeckt wurden.". Der russische Historiker Sergei Manukow erklärte, dass die Seekarten von Piri Reis aus dem Jahr 1513 nur mit Hilfe von Satellitenbildern gezeichnet werden konnten. Der russische Experte erklärte: "Eigentlich ähnelt die Karte auch einem Foto. Es hat den Anschein, als ob ein Satellit über dem gezeichneten Areal gekreist und diese fotografiert hätte. Vor allem die Einzelheiten der südlichen Hemisphäre sind unglaublich.". Manukow erklärte ferner, dass Piri Reis die Zeichnung dieser Karte nicht gelingen könnte, hätte er nicht über Kenntnisse in der Trigonometrie verfügt und fügte hinzu, dass dieser Bereich der Mathematik erst im 18. Jahrhundert angewandt wurde. Komsomolskaja Pravda berichtete, dass "heute Korrekturen in aktuellen Karten in Anlehnung an die Karten von Piri Reis vorgenommen würden und selbst hunderte von Jahren nach seinem Tod, weiterhin Gesprächsstoff liefere."

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